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VfB Stuttgart – Borussia Mönchengladbach 1:2
DFB-Pokal

20:30 Uhr

Freunde, herz­lich Will­kommen zur letzten Bas­tion des geilen, ehr­li­chen Fuß­balls, dem DFB-Pokal, juhu. Und was für Duelle: Stutt­gart gegen Glad­bach! Ahrens und ich gegen die Recht­schrei­bung! Schweini gegen den Sakko-Knopf vorne am Mini-Fuß­ball­rent­ner­bäuch­lein – das ver­spricht, ein inte­res­naten Abnde zu wered.

20:34 Uhr

Glad­bach-Boss Max Eberl direkt erstmal im neo­li­be­ralen Lohn­ar­beits-Kreuz­verhör, muss erklären, warum er sich ein paar Wochen Aus­zeit gönnte. Herr Eberl, wir von 11FREUNDE Busi­ness haben auch noch ein paar Fragen: Wie sollen die Super­rei­chen immer rei­cher werden, wenn wir uns alle ständig Aus­zeiten gönnen? Würden Sie auch mit Erkäl­tungs­sym­ptomen ins Büro kommen, weil nichts wich­tiger ist als das finan­zi­elle Wohl des Unter­neh­mens? Wie viel Geld ist genug und warum nicht? Wel­cher Teil von Wall Street“ hat Sie mehr inspi­riert? Und was sagen Sie zu Jeff Bezoz‘ Aus bei Amazon? Herr Eberl? Hallo? Herr Eberl?

20:39 Uhr

Kurze Maz zu Lars Stindls Traum vom Pokal­sieg. High­light: Ein Stindl­scher Schnitt­stel­len­pass, der Uwe Bein den Schweiß auf den Schnauz­bart treiben würde. Hab gehört, Google will Stindl nach der Kar­riere für Google Street View anwerben. Weil er mehr Gassen sieht als die Google-Foto­autos.

20:44 Uhr

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber jedesmal, auch nach fast einem Jahr Pan­demie, wenn ich zwei Fuß­ball­mann­schaften in ein leeres Sta­dion ein­laufen sehe, stirbt etwas in mir. Es ist ein­fach nicht richtig, es soll nicht so.

1.

Anpfiff. Bitte nicht ver­wech­seln, Breel Embolo, das, was bei Max Eberl im Büro statt­fand, war der Anschiss.

2.

Die erste gute Nach­richt: In den kom­menden 90 Minuten werden wir keinen ein­zigen, ver­zwei­felt anren­nenden Schalker sehen.

2.

WAMANGI-WASIST­DAS­DENN?! Ecke für Glad­bach, wird abge­wehrt und der Ball kommt zu Silas Waman­gi­tuka. Der ein­fach mal los­läuft, sind ja nur 70 Meter bis zum Tor von Tobi Sippel. Der dabei allen weg­läuft, wahr­schein­lich stellt sich später raus, er ist mit offenen Schuhen gelaufen oder hat 20 Meter vor dem Ziel schon ange­fangen zu jubeln. Jeden­falls: TOR! In rekord­ver­däch­tigen 9,58 Sekunden. Hand­ge­stoppt.

4.

Ha, muss man sich mal vor­stellen, da hat sich der Fuß­ball über die Jahre auf allen fünf Kon­ti­nenten ent­wi­ckelt. Tiki-Taka, Catenaccio, Serve and Volley. Und erst jetzt kommt ein Trai­ner­fuchs aus Stutt­gart auf die Idee: Wir könnten auch einen spielen lassen, der viel schneller als die anderen ist.“ So werden also Sport­arten revo­lu­tio­niert.

6.

Sekt oder Sel­ters, Mate­razzo Pel­le­grino?

8.

Wie ver­loren sich Pep Guar­diola gerade in seinem Scou­ting­raum vor­kommen muss. Hat über die Wochen ver­sucht, das Glad­ba­cher System zu ent­schlüs­seln, alle Vari­anten durch­ge­dacht, um sicher­zu­gehen, dass seine Mann­schaft die nächste Runde erreicht. Und jetzt rennt Silas Waman­gi­tuka ein­fach allen davon. So müssen sich Smooth-Jazz-Künstler gefühlt haben, als der Las-Ketchup-Song Platz 1 eroberte.

11.

Aber ich gestehe, diese DFB-Pokal­saison begeis­tert mich in diesem Jahr so sehr wie zuletzt in den 2000ern. Rot-Weiss Essen und Hol­stein Kiel im Vier­tel­fi­nale, Pader­born schlägt fast Dort­mund. Wenn ich das richtig ver­standen habe, schießt heute Abend Mirnes Mesic die Stutt­garter Kickers per Dop­pel­pack in die nächste Runde. Ent­täu­schung pur bei Holger Fach.

13.

Max Eberl auf der Bank. Ver­zieht das alt­be­kannte Kommst du hier hoch, guckst dir die Scheiße an“-Gesicht.

17.

Keine vir­tu­elle MV“, steht auf dem Banner hinter dem Stutt­garter Tor. Der erste Stutt­garter MV-Pro­test seit 2005.

19.

Was die Kameras nicht zeigen: Auf der VIP-Tri­büne legt Thomas Hitzl­sperger Claus Vogt gerade heim­lich ein Furz­kissen auf den Sitz.

21.

Ui, Gewusel im Stutt­garter Straf­raum, Szene erstmal berei­nigt, aber die fol­gende Ecke kann noch nicht aus­ge­führt werden, weil der VAR sich ein­schaltet. Und irgendwo in Pader­born beißt Steffen Baum­gart ein Stück Holz aus der Tisch­platte.

24.

Apropos Baum­gart: Habe ges­tern wäh­rend und nach seines Rants von gleich drei Kum­pels ne Whatsapp bekommen, wie gern sie mit dem Baum­gart mal ein Bier trinken würden. Und seither denke ich: Ste­phan, lebe dein Leben wie der Baum­gart, näm­lich so, dass wild­fremde Men­schen gerne Bier mit dir trinken würden. Dann machst du wahr­schein­lich nicht so viel falsch.

28.

Stutt­gart macht das gut, Kalajdzic mit dem nächsten Abschluss. Mag die eh, diese junge, offensiv den­kende Truppe, die von den Medien schon als die neuen jungen Wilden“ abge­feiert wird. Hoffe halt ein­fach, dass sie sich sty­le­mäßig nicht an ihren Vor­gän­gern ori­en­tieren.
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31.

Glad­bach aktuell mit weniger Lösungen als Jens Spahn wäh­rend der zweiten Corona-Welle. Und mit der selben Hoff­nung: Dass bald mal jemand lie­fert.

33.

Wer mal drauf achten mag: Die Töppen von Flo­rian Neu­haus sind der hei­ßeste Scheiß. So eine Old­school-Ver­sion der EM-2008-Schuhe. Ver­stehe sowieso nicht, warum Fuß­baller sich dafür bezahlen lassen, dass sie mit diesen neon­far­benen Designs über die Plätze zu laufen. Ich meine, die ver­dienen doch Geld. Also richtig viel Geld. Also so viel Geld, dass sie es sich leisten könnten, bei Ebay-Klein­an­zeigen eine lebens­lange Lie­fe­rung Pre­d­ator Mania 2002 zu bestellen. Und ich meine, das ist doch der Grund, warum wir das hier alles machen. Oder nicht?

35.

Es kommt Hektik auf. Nur noch zehn Minuten bis zur Halb­zeit. Und wird Bas­tian Schwein­s­teiger bis dahin sein Ein­steck­tuch gerichtet haben?

38.

Die Kamera schwenkt noch einmal über die Stutt­garter VIP-Tri­büne. In den Haupt­rollen: Thomas Hitzl­sperger, Prä­si­dent Claus Vogt und eine Mit­glie­der­ver­samm­lung, die mal nach vorne und mal nach hinten geschoben wird. Inter­essen. Rän­ke­spiele. Und mehr graue Herren als bei Momo. Kurz:

40.

Tolle Geste jetzt der 22 Spieler dort unten an die Nor­mal­be­völ­ke­rung: Arbeiten, Schlafen, Arbeiten, Schlafen, Arbeiten,…

42.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin, wenn der Inzi­denz­wert bis dahin nicht die kri­ti­sche Schwelle von 200 über­schritten hat, weil dann dürfen wir uns nur 15 Kilo­meter von daheim weg­be­wegen, Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin…

43.

Mir fällt gerade auf, dass ich vor ziem­lich genau einem Jahr beim Pokal-Ach­tel­fi­nal­spiel zwi­schen Lever­kusen und Stutt­gart war. Was lustig ist. Denn da waren ähn­lich viele Plätze frei.

45.

Tor für Stutt­gart. Bezie­hungs­weise: Doch nicht. Weil Abseits. Und irgendwo fällt Tobias Stieler zufrieden in den Sessel zurück: Das seh‘ ich so, dafür brauch‘ ich keine Wie­der­ho­lung.“

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Ha! Beide Teams waren quasi schon auf dem Weg in die Kabine, da kehrt Thuram noch einmal auf den Platz zurück. Bezie­hungs­weise: Schnappt sich den Ball, schweißt das Ding humorlos ins lange Eck. Ein Tor wie diese Gag-Pis­tolen: Peng“.
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21:34 Uhr

Daniel Sie­bert pfeift zur Pause. Eine Halb­zeit wie eine Tatort-Folge: 45 Minuten, die man auch auf zwei Szenen hätte zusammen kürzen können.

21:38 Uhr

Die ARD macht erstmal Wer­bung für einen Spiel­film. Eine Frau sagt: Das ist kein Ding. Das ist ein Pottwal.“ Fühle mich unan­ge­nehm ange­spro­chen.

46.

Weiter geht’s. Also es sei denn, der VAR nimmt den Anpfiff zurück. Kann natür­lich sein. Wir wissen es aber auch nicht. Aber wer weiß das denn schon über­haupt? Naja.

49.

Hach, schön. Stutt­gart gegen Glad­bach, ist halt auch eine dieser Paa­rungen, bei denen mein Neun­ziger-Herz direkt einen Ulf-Kirsten-schraubt-sich-in-eine-Flanke-Sprung macht. Ehr­liche, erdige Fuß­ball­ver­eine, die sich seit 60 Jahren und länger immer wieder gegen­über­stehen. Würde mir zur Feier des Tages ein altes, krat­ziges Süd­milch-Polys­ter­trikot anziehen, aber dafür müsste ich meinen Match­worn-Udo-Lattek-1991-Bal­lon­seide-Trai­nings­anzug aus­ziehen, den ich als Schlaf­anzug benutze.

53.

Tja, und dann das: Toooooooor für Borussia Mön­chen­glad­bach. Langer Ball auf Plea, Stutt­garts Keeper Fabian Bredlow macht es wie Jens Spahn bei seiner Impf­pro­gnose: Wagt sich viel zu weit raus. Und Plea schiebt locker ein. So wird man nicht Kanzler, meine Mei­nung.

54.

Bredlow in der Form viel­leicht einer für Borussia Dort­mund?

57.

Bit­teres Ding für den Keeper, keine Frage. Aber auch für mich als Zuschauer. Ich hab schon seit einem halben Jahr nicht mehr einen so weiten Aus­flug gemacht.

60.

Von Waman­gi­tuka auch noch nix zu sehen in Durch­gang zwei. Ob Mata­razzo ver­gessen hat, ihm die tak­ti­schen Ans­wei­sungen nochmal ein­zu­bimsen?

62.

Stutt­gart braucht ein Tor. Am Bild­rand macht sich ein­fach mal Thomas Hitzl­sperger bereit.

64.

Hui. Nächste gute Chance für den VfB. Sasa Kalajdzic steigt hoch, aber köpft den Ball daneben. Nur zur Erin­ne­rung: So einen kör­per­lich prä­senten Mit­tel­stürmer hatte Stutt­gart nicht mehr seit Paweł Pogrebnyak genau 15 Tore in 68 Spielen erzielte.

66.

Embolo ver­passt das 3:1. Denke, Marco Rose sollte ihm gleich nochmal einen Zettel mit Anwei­sungen auf den Platz rei­chen. Oder wie man in Glad­bach sagt: Extra­blatt.

68.

Flo­rian Nass: Das Spiel hat aber Poten­zial für eine Ver­län­ge­rung, oder?“ Schwein­s­teiger (lacht. lacht weiter. lacht immer noch.): Defi­nitiv.“ Und damit ist klar, die Experten werden im Ersten pro Minute bezahlt.

71.

73.

Dop­pel­wechsel beim VfB. Hitzl­sperger ver­zichtet zugunsten des Ver­eins“ auf einen Ein­satz.

75.

75. Minute und damit nur noch eine Vier­tel­stunde, bis der VAR unver­ständ­li­cher­weise ein letztes Mal ein­greifen wird, wir hier fas­sungslos sitzen, alles darauf wartet, dass der Schieds­richter jetzt bitte nach draußen gerufen wird oder ein­fach seine Ent­schei­dung nochmal über­denkt. Und dann ist dieser wun­der­bare Pokal­a­bend auch schon wieder. Vielen Dank für’s Zusehen, Ihr Hellmut Krug.

78.

Nicht ganz so prä­sent heute: Lars Stindl. Mal so nebenbei: Ich mag den Stindl. Ande­rer­seits: Mag den irgend­je­mand nicht? Stindl ist für den Fuß­ball das, was Dave Grohl für die Rock­musik ist: The Nicest Guy in Rock / Foot­ball. Freu mich schon aufs neue Album Sagt was Cooles im Inter­view“, auch wenn Hat ne faire Geste auf dem Platz gemacht“ zuletzt schon arg kom­mer­ziell war. Finde die frühen Sachen eh besser. Kannte den übri­gens schon, als er noch in kleinen Klubs gespielt hat. Han­nover 96 und KSC zum Bei­spiel.

81.

Schöner Spielzug jetzt nochmal des VfB Stutt­gart. Leider dürfen wir aus Daten­schutz­gründen nicht sagen, wer daran betei­ligt war. Aber war schön.

83.

Knapp zehn Minuten noch. So langsam glaube ich, den jungen Wilden des VfB fehlt ein biss­chen die Cool­ness. Viel­leicht doch ein Bei­spiel an den alten jungen Wilden des VfB nehmen?

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85.

Falls es jemanden aus Stutt­gart tröstet: Viel­leicht gewinnt Glad­bach hier das Spiel. Aber Marc-Oliver Kempf hat den Wet-T-Shirt-Con­test sou­verän für sich ent­schieden.

88.

Wer mir wirk­lich sehr gut gefällt, ist Marcus Thuram bei Glad­bach. Ein so starker Rechts­außen, Glad­bach muss auf­passen, dass der 1. FC Köln ihn nicht als Leiter Medien & Kom­mu­ni­ka­tion abwirbt.

90.

Drei Minuten noch, Ecke Stutt­gart, dann Flanke, dann wird Hand­spiel gefor­dert, ein echter Krimi jetzt. Wie span­nend, gleich ent­scheidet sich, wer in der nächsten Runde gegen RWE oder Kiel raus­fliegt.

93.

Ui, gab es da ein Hand­spiel? Schiri hält sich das Headset ans Ohr, sagt dann nein. Aber viel­leicht hat Helmut Krug im Kölner Keller auch ein­fach auf Tor für Schalke ent­schieden.

22:40 Uhr

Und das war’s. Glad­bach zieht in die nächste Runde ein, Stutt­gart ist raus. Aber was viel trau­riger ist: Kein Steffen Baum­gart wird gleich dem modernen Fuß­ball im Inter­view die Ohren lang­ziehen. Ent­spre­chend beenden wir das jetzt hier, gehen ins Bett­chen und hören den Baum­gart-Rant in End­los­schleife, wie andere Men­schen Hör­bü­cher hören, bis wir glück­lich und zufrieden ein­schlafen. In diesem Sinne: Schönen Abend euch.