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Borussia Mönchengladbach – Inter Mailand 2:3
Champions League

20.45 Uhr

Buo­na­sera, liebe Freunde. Hab es mir anders über­legt als noch im Teaser-Text. Wir machen das so: Wir schreiben Geschichte. Hier und jetzt. Borussia Mön­chen­glad­bach gegen Inter Mai­land. Marco Rose gegen Antonio Conte. Tony Jantschke gegen Romelu Lukaku. Klingt für mich nach einem Duell auf Augen­höhe. Sofern Glad­bach die Leiter dabei hat. Jetzt noch schnell das Schüh­chen binden und los geht die wilde Fahrt:

20.48 Uhr

Kommen wir direkt zu den Auf­stel­lungen. Hier die der Foh­lenelf: Sommer – Lainer , Ginter , Jantschke , Wendt – Kramer , Neu­haus , Lazaro , Stindl , Thuram – Plea

20.49 Uhr

Heute wie eigent­lich jeden Tag auf die Home­page von Yann Sommer gegangen. Da pren­gelte mir das hier ent­gegen. Seither sehe ich den Fuß­ball mit ganz anderen Augen:
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20.52 Uhr

Und hier die Startelf von Inter Mai­land: S. Hand­a­novic – Skri­niar , de Vrij , Bas­toni – Bro­zovic , Darmian , Barella , Gagli­ar­dini , Young – R. Lukaku , L. Mar­tinez

20.53 Uhr

Die beiden da vorne, da müssen wir nicht lange drum herum reden, das ist abso­lute Welt­klasse“, sagt DAZN-Experte Sandro Wagner über Lukaku und Mar­tinez. Oder wie man in Mön­chen­glad­bach sagt: Kahé.

20.56 Uhr

Beide Mann­schaften inzwi­schen auf dem Platz. Profis durch und durch.

1.

Anstoß. Bezie­hungs­weise: Ans­tuss. Ist schließ­lich 2020. Und wir müssen nicht so tun, als hätten wir gute Laune.

3.

Tony Jantschke heute also gegen Romelu Lukaku. Ein biss­chen so, als würde ich mit meinem klapp­rigen Golf 3 einmal falsch abbiegen und plötz­lich aus Ver­sehen in einem Formel-1-Rennen landen.

4.

Ande­rer­seits und in Wahr­heit ist es ja so: Wenn Jantschke ein Auto in einem Formel-1-Rennen wäre, dann ziem­lich sicher kein klapp­riger Golf 3, son­dern das Safety Car. Und an dem kommt nun mal keiner vorbei.

5.

Hat Wagner gerade das Wort Pres­sing­aus­löser“ benutzt? Und wieso redet er über Kaffee und Ziga­retten?

8.

Erster Abschluss von Lau­taro Mar­tinez. Aber Jantschke macht den Jantschke: klärt. Im Fallen. Mit dem Hin­ter­kopf.

10.

In der Gruppe B ist also der­zeit Glad­bach Tabel­len­führer, weil sie gegen Real und Mai­land nicht ver­loren und gegen Donezk ins­ge­samt mit 10:0‑Toren gewonnen haben, die wie­derum Real zweimal geschlagen haben, die wie­derum gegen Inter gewonnen haben, die wie­derum gegen Donezk unent­schieden gespielt haben. Eine Gruppe, so wirr, sie könnte sich schon bald via Tele­gram orga­ni­sieren.

11.

Wollen wir mal kurz über die Frisur von Lau­taro Mar­tinez spre­chen? Nein? Ok.

13.

Kann es sein, dass Flo­rian Neu­haus der ein­zige Spieler aller deut­schen Euro­pa­po­kal­teil­nehmer ist, der wirk­lich jedes Spiel von Anfang an macht? Und kann es sein, dass das die viel­leicht ein­zige wirk­lich tolle Nach­richt im Jahr 2020 ist?

15.

Lukaku auf Young, der wie ich, kurz nachdem mein Körper mit einem Pres­sing­aus­löser in Berüh­rung gekommen ist: zieht ab.

19.

Und dann ist es plötz­lich pas­siert. Inter spielt es ganz fix, über Lukaku und Mar­tinez landet der Ball rechts außen bei Darmian, und der jagt den Ball ins kurze Eck, direkt durch die Beine vom Glad­ba­cher Keeper. Ein Tor wie dicke Schweiß­fle­cken trotz mode­ratem Spa­zier­tempo: der Sommer ist Schuld.

21.

In meiner Vor­stel­lung läuft das so: Immer wenn Tony Jantschke abdreht, weil er sich nicht nach vorne traut, holen sie in seiner Hei­mat­stadt Hoyers­werda die Will­kom­mens­pla­kate raus, weil: Gleich isser da!“

23.

Inter wie so ein Schulhof-Schläger, den man sich eigent­lich zuge­traut hat. Und dann ran­gelt man um jeden Zen­ti­meter und man ist sich nicht ganz sicher, aber hat man da gerade ein Klapp­messer erspürt in der Hosen­ta­sche des Geg­ners?

25.

Alter! Da ist jetzt aber auch mal die Politik gefragt! Kann doch nicht sein, dass Lukaku hier vor aller Men­schen Augen alles kurz und klein und her spielt! Wo ist da die Ord­nungs­macht? Es schauen doch auch Kinder zu!

26.

Macht Euch keine Sorgen, haben sie gesagt. Dann fehlen Elvedi und Bense­baini halt, haben sie gesagt. Wir haben da eine Idee, haben sie gesagt. Ja. Und dann das:
Great solution4

27.

Inter aber auch gut. Selbst Lazaro arbeitet nach hinten mit.

30.

Im Moment ist das hier ein­fach ein Klas­sen­un­ter­schied. Nicht fuß­bal­le­risch. Das ist unge­fähr ein Niveau. Aber vong Men­ta­lität her. Inter wie so ein Gangsta-Rapper, der auch noch in E‑Mobilität inves­tiert hat und als aus­sichts­rei­cher Prä­si­dent­schafts­kan­didat gilt. Und Glad­bach? Seht selbst:
Ugly sweaters1

33.

Dicke Chance für Inter, weil Lukaku wieder zau­bert und Mar­tinez sich über den Antritt“ von Jantschke nicht kaputt lacht. Aber Sommer wie ein Kim-Jong-Un-Ultra: Fäuste hoch.

37.

Abschluss Glad­bach. Lainer geil.

39.

Und nach dem Schuss von Lainer gleich die nächste Chance für Glad­bach, Thuram flach aufs lange Eck, fast der Aus­gleich, aber Hand­a­novic fischt den Ball gerade so noch weg. Bezie­hungs­weise: Hand­andem­ball.

41.

Fuck man, jetzt kann ich mich nicht mehr kon­zen­trieren. Am Montag zeigt DAZN näm­lich Hof­fen­heim gegen Augs­burg, haben sie grade ange­kün­digt, und jetzt habe ich pani­sche Angst davor, dass ich Tölpel aus Ver­sehen ver­gesse, das nicht zu gucken.

42.

Bin mir noch nicht sicher, ob ich Wagner als Experte toll finde oder komisch. Wie hilf­reich es jetzt wäre, einen Wagner-Bart zu haben, durch den man sich nach­denk­lich strei­chen könnte.

45.

Nanananana. Hätte es da eben nicht eigent­lich Elf­meter für Glad­bach geben müssen? Als Stindl im Straf­raum zu Fall kam? Wir sehen die Zeit­lupe und wissen nun: jein.

45.+1

Aber scheiß­egal!!! Denn Glad­bach gleicht trotzdem aus. Und wie! Erst Tiki-Taka übers Zen­trum, dann ein super Pass von Stindl auf Lazaro, dann eine traum­hafte Flanke ins Zen­trum, dann ein eis­kalter Abschluss von Plea ins Kreuzeck.1:1! Und ein Kopf­ball, so auf­ge­setzt, er müsste sofort einen Platz in einer deut­schen Cas­ting-Show-Jury bekommen.

21:54 Uhr

Jetzt Jonas Hof­mann im Inter­view. Ana­ly­siert die erste Halb­zeit sou­verän weg, nennt Plea Lasso“ und sagt, der Trainer würde in der Kabine sicher gute Ansätze finden. Was lustig ist, weil ich auch gerade einen guten Ansatz gefunden habe: An Tagen wie diesen ist alles mög­lich!

21:58 Uhr

Alter. DAZN hat gerade gezeigt, wie Marco Rose Tony Jantschke in der ersten Halb­zeit ange­brüllt hat. Und selbst ich schiebe jetzt durch, weil ich solche Angst habe, dass Rose nochmal brüllt.

46.

Anstoss zu zweiten Halb­zeit. Oder um es mit Marco Rose zu sagen: Tony! Tony!! Durch­schieben!!!“

47.

Fake-Tick. Denis Zakaria jetzt für Tony Jantschke in der Partie. Hoyers­werda cal­ling. Man kennt das.

49.

Sandro Wagner als Co-Kom­men­tator wie einer dieser Son­der­ver­käufer im Super­markt. Die sich neben die eh vor­han­denen Man­da­rinen stellen, um ihre ganz eigenen Man­da­rinen zu ver­kaufen. Und dann feu­deln sie einem die Vor­teile ihrer ganz beson­deren Frucht ans Ohr. Und macht alles Sinn, leuchtet ein. Und man nickt und pro­biert auch mal. Und ist auch nicht teurer. Und dann sagt man: Beim nächsten Mal viel­leicht. Hab‘ noch welche zu Hause.“ Nur um dann doch noch in den Super­markt nebenan zu gehen. Man­da­rinen kaufen. Und dann fühlt man sich gut und schlecht zugleich. Und bereut nix.

52.

Uh! Das MUSS es doch eigent­lich sein! Wun­der­bare Ecke durch den wun­der­baren Lars Stindl und dann steht der wun­der­bare Marcus Thuram da mitten im Straf­raum recht solo in der Luft und kann recht solo köp­feln und dann köp­felt er auch aber leider Rich­tung Köln oder Nordsee oder Rich­tung Absur­di­stan, nur halt nicht in Rich­tung Tor. Aber gut, viel­leicht findet auch dieser Kopf­ball irgend­wann noch einen Abnehmer. So wie dieser Kalender:
Goats in trees1

55.

Glad­bach mitt­ler­weile so wie Jumbo Schreiner nach fünf Span­fer­keln: stabil.

58.

Alas­sane Pléa in der Groß­auf­nahme. Gewohnt unter­kühlt. Sollte der Mann jemals Freude aus­strahlen, steht es fest: Borussia Mön­chen­glad­bach ist Cham­pions-League-Sieger. Oder er hat den Roto-Wipe:

Prank boxes1

61.

+++BREA­KING: Zakaria stoppt zum zweiten Mal Lukaku. Kör­per­lich. Dem­nächst auf diesem Sender Erde: Fried­rich Merz mit einer sinn­vollen Wort­mel­dung.

62.

So viel Eis­spray, wie da grade ver­sprüht wurde, als Mar­tinez auf dem Boden lag, würde es mich nicht wun­dern, wenn DFB-Funk­tio­näre vom Inter-Arzt in Zukunft nur noch als soge­nannter Inter-Arzt“ spre­chen würden. Oder direkt vom Chaoten, der den Sport kaputt macht.

63.

Kaum erwähne ich ihn, schnib­belt Mar­tinez den Ball aus 20 Metern an den Pfosten. Zum Haare raufen für den Argen­ti­nier. Also wenn er sich an das, was da auf seinem Kopf pas­siert ist, mit den Händen ran­traut.

66.

Furz­tro­ckener Abschluss von Lukaku ins lange Eck, 2:1 Mai­land. Inter halt doch wie die Mathe­haus­auf­gaben vom Voll­idioten der Klasse: darfst du nie abschreiben.

68.

Es ist aber irgendwie auch unfair. Wenn Lukaku nicht möchte, dass du an den Ball kommst, dann kommst du auch nicht an den Ball. Und jetzt sage ich einen Satz, für den ich all meinen Mut zusammen nehmen muss: Da hilft dann auch kein Durch­schieben.

74.

Inter­es­siert hier ver­mut­lich keinen, aber ich habe mir am Black Friday ne neue Glotze gekauft. Bezie­hungs­weise ist das Baby (ja, ich nenne es so und ihr könnt nichts dagegen tun) die erste echte selbst gekaufte Glotze meines Lebens. Davor habe ich mich von ver­schenkter Über­gangs­glotze zu ver­schenkter Über­gangs­glotze gehan­gelt, so richtig happy war ich damit nie, aller­dings war ich auch immer zu faul oder zu pleite oder zu geizig, um für ne Glotze wirk­lich Geld aus­zu­geben. Bis Freitag. Da bin ich extra nach Bran­den­burg an der Havel gegurkt, weil es das Modell zu dem Preis in den ein­schlä­gigen Ber­liner Elek­tronik-Märkten nicht mehr gab. Naja. Lang­wei­lige Geschichte. Aber jetzt steht hier jeden­falls so ein Mons­trum im Raum, ich kann per Fern­be­die­nung eine Maus bewegen und von Strea­ming-App zu Strea­ming-App wech­seln, wenn ich es wollte, könnte ich damit sogar meine Wasch­ma­schine anschalten oder meinen Smart-Herd, wenn ich denn einen hätte. Also glaube ich zumin­dest, so ganz ver­standen habe ich die Fea­tures noch nicht, ich bin schließ­lich nicht so schlau wie mein Fern­seher. Wenn ich kapiert habe, wie genau das funk­tio­niert, werde ich ihn mal fragen, was Durch­schieben eigent­lich bedeutet. Und warum Marco Rose noch nie einen meiner Umzüge gecoacht hat. Und wes­halb Romelu Lukaku gerade kom­plett alleine und völlig frei mitten im Straf­raum zum Schuss gekommen ist und das 1:3 erzielen konnte.

75.

Gott, dieser Conte, was für ein Gewin­nertyp. Um neben dem smart zu wirken, muss man schon ein ver­dammt kleines Auto sein.

77.

Tolles Fuß­ball­spiel, weil Glad­bach nicht auf­gibt, weil Glad­bach weiter angreift, weil Glad­bach trifft! Thuram auf Lasso, der ins lange Eck, 2:3. Für mich jetzt schon Plea of the Match!

79.

Ziem­liche Mate­ri­al­schlacht langsam, dazu ein biss­chen Slap­stick, der Ball tanzt von Fuß zu Ober­schenkel zu Knie, das alles im Glad­ba­cher Fünf­me­ter­raum, aber der Ball geht nicht rein, weiter alles offen. Sicher ist nur, dass die Körper der Spieler nach den 90 Minuten aus­sehen werden wie Weih­nachts­deko: rot und grün.

81.

Sammal! Hat der Young da grade unseren Lasso getreten??? Was soll der Quatsch?!!! Und über­haupt: DURCH­SCHIEBEN, ALLE JETZT!!!

83.

Jaaaaaa!!! JAAAAAAAAA! Ich WIE­DER­HOLE!!! JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!! Weil halb Glad­bach, ach was, halb Nord­rhein-West­falen an diesem Fohlen-Angriff betei­ligt ist und dann dieser Lasso mit einem halb geschlenzten, halb erwürgten Tor­schuss, an ganz vielen Beinen vorbei und dann auch ins Netz. Und in Glad­bach sagt man: Plé-JA! Und dann doch Plé-Non. Weil der Schiri nach VAR auf Abseits ent­scheidet. Ver­dammte Axt. Kann man machen. Aber: Warum? Nur für den Kick für den Augen­blick?

86.

Gut, dass ich für solche Moment aus­ge­bildet und trai­niert wurde: fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck, fuck.

-

fuck.

89.

Ordent­li­ches Gehacke jetzt hier. Nicht mehr lange, bis einer zum anderen sagt: Ey. Wir müssen doch morgen alle durch­schieben!“

90. +2

Sechs Minuten Nach­spiel­zeit. Posi­tionen nochmal, Jungs“, schreit Marco Rose in die Nacht. Und Tony Jantschke schiebt von Dusche auf Keramik. Bravo, Junge.

22.53 Uhr

Aus. Lukaku gewinnt in Mön­chen­glad­bach. Was für ein Spieler. Und was für ein Spiel das hätte sein können, wenn da nicht per­ma­nent eine Sound­ku­lisse durch das weite Runde gedon­nert wäre, als wüsste der hys­te­ri­sche Herr­mann nicht mehr, wo auf Park­deck C er seinen beschis­senen Golf Variant ver­parkt hat. Wenn statt­dessen aus zehn­tau­senden Kehlen und bren­nenden Seelen die Sehn­sucht sich mit der Liebe ver­bunden hätte. Aber es gibt eben Wich­ti­geres als Fuß­ball. Und viel­leicht ist das an so einem Abend sogar ganz tröst­lich. Auf bald,