Union Berlin

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VfB Stuttgart

Union gegen Stuttgart im Liveticker

Der Trainer war Willig, aber das Fleisch war schwach

Eine Sensation biblischen Ausmaßes: Union Berlin ringt dem VfB Stuttgart ein 0:0 ab und steigt zum ersten Mal in der Geschichte in die Bundesliga auf. Schickte Stoßgebete an den Fußballgott: der Ticker.

20:15 Uhr

Freunde, herzlich willkommen zum Relegationsticker. Und was soll ich sagen: DICKE LUFT im Hause 11FREUNDE. Denn auf Pro7 läut parallel Demolition Man und ich habe vor Jahren einen feierlichen Eid geschworen, dass ich jeden einzelnen Silvester-Stallone-Film jedes Mal mit heiligem Ernst gucken werde, wenn er im TV kommt. Kollege Dinkelaker, dessen DVD-Sammlung aus Rosamunde-Pilcher-Boxen besteht, zeigt dafür aber kein Verständnis und so muss ich also tickern. Frechheit. Spüle meinen Ärger erstmal mit zwölf rohen Eiern runter und tröste mich mit dem Gedanken, dass mit Matthias Sammer zumindest so eine Art Bundesliga-Stallone das Spiel als Experte begleitet. Immerhin. Bzw. Grunz.

20:19 Uhr

Naja, Fußball ist ja auch ok. Vor allem, wenn Matthias Sammer mit ausladenen Gesten das Spiel erklärt, wie ein liebender Vater seinen Kindern das tote Licht der Sterne erklären würde, das noch immer auf die Erde fällt, obwohl es die Sterne schon lange nicht mehr gibt. Ach, Motzki, nimm mich auf die Schultern und erklär mir diese verworrene Welt.

20:23 Uhr

Habe derweil meine Prioritäten noch nicht geklärt. Bin ich für Union? Mir eigentlich egal. Und im latenten "Der etwas andere Klub"-Verdacht, bei dem ich immer sofort skepisch werde. Oder doch Stuttgart? Mir ebefalls egal. Und die Leute, die da wohnen, hängen an jedes Wort ein albernes -le, was mir ebenfalls irgendwie suspekt ist. Dieses Spiel ist mir ein einziges Achselzucken.

20:27 Uhr

Großartig aber die Werbung im Eurosport-Player. Hier wirbt nur, wem das Nachtprogramm von DSF zu teuer ist. Diverse Firmen mit ausgedacht klingenden Namen, die Dinge anbieten, von denen ich noch nie gehört habe. Würde mich nicht wundern, wenn hier gleich jemand den Ab-Shaper anpreist oder eine Kartoffel durch einen Nicer Dicer drückt oder so.

1.

Anpfiff an der Alten Försterei. Nicht zu verwechseln übrigens mit Anpfiff von einem alten Förster. 

3.

Über Nico Willig weiß ich original nichts. Außer, dass er von seinen Spielern mal forderte, sie mögen doch bitte stets »online« seien. Womit feststeht: Watutinki ist für Willig eher keine Trainingslager-Option.

4.

Gute Stimmung in Köpenick. Was nur zwei Gründe haben kann: Entweder Union spielt – oder es gibt endlich wieder Strom!

5.

»XL-Chance VfB«, sagt der Kommentator. Verstehe allerdings nicht ganz, was Möbelhäuser mit diesem Spiel zu tun haben sollen. 

6.

Fair von den Stuttgartern, dass sie gegen den unterklassigen Gegner mit Ascacibar und somit spätestens ab Mitte der zweiten Halbzeit nur noch zu zehnt spielen. 

9.

Für einen kurzen Moment hält ganz Köpenick den Atem an, denn: Aogo zimmert einen Freistoß in den Giebel. Doch Schiedsrichter Dingert entscheidet auf kein Tor. Weil: Aogo. Beziehungsweise: Abseits. 

10.

Entweder im Stuttgarter Block wurde nach dem vermeindlichen Treffer gezündelt oder sehr viele Fans brauchen nach dem Schock erstmal `ne Kippe.

12.

Eine Relegation ist erst dann eine gute Relegation, wenn Mario Gomez Mario-Gomez-ist-ein-Hurensohn singend im Mannschaftsbus feiert. 

14.

BREAKING+++BREAKING+++BREAKING
Idee für Stuttgarter Brustring bei Bautzner Senf-Festival entstanden. 

17.

Leute, über die ich mehr weiß als über Nico Willig:

- Mr. X aus Scotland Yard
- der Nachbar aus dem dritten Stock, den ich nur von gruseligen, nächtlichen Rumpel-Geräuschen kenne
- Sixten Veit (der spielte zum Beispiel sowohl bei Traktor Oberbobritzsch als auch bei Aufbau Krumhermersdorf)

20.

Stuttgart ja schon auch das Phänomen dieser Saison. So viel in den Kader investiert, dann so eine Grottensaison. Weniger Ertrag bei so gigantisch viel Aufwand sah man zuletzt in der finalen Staffel von Game of Thrones. Hoffe irgendwie, dass Urs Fischer bald John Snow einwechselt, damit der dem ganzen Elend ein unwürdiges Ende setzt.

24.

Hab ja lange in Berlin gewohnt, sieben Jahre lang, und was soll ich sagen: Köpenick ist so weit von Berlin entfernt wie eine Ikea-Malm-Kommode von coolen skandinavischen Teak-Möbeln vom Boxi-Flohmarkt. War da mal, des Jobs wegen, und meint ihr, da kriegt man irgendwo ne gescheite Mate? Nix. Mittags hab ich da wen gefragt, wo man eine Acai-Quinoa-Avocao-Mango-Bowl essen kann? Der wusste gar nicht, was ich meine. Wollte dann mit einem Uber nach Hause. Musste die Bahn nehmen, iiih. War froh, als ich dann abends zurück war und mit meinen Schwabenfreunden auf eine Kunstperformance ging, wo wir georgischen Grünen Wein tranken und über Hegel redeten, bevor wir auf einer brasilianischen Designerdroge die Nacht durchvögelten, im Loft eines Honkytonk-DJs aus Kopenhagen. Hachja, dit is Berlin,Leute.

28.

Ui, Babak und Badstuber rasseln mit dem Köpfen zusammen und tragen, nach kurzer Behandlung, nun beide Turban. Und irgendwo in München streicht sich Dieter Hoeneß gedankenverloren über eine juckende Narbe am Kopf.

31.

Eben Thomas Hitzlsperger im Bild. Wie er auf der Bank leidet, unser Ex-Prakti, während Donis die nächste VfB-Chance versiebt. Thomas, Mensch. Kopf hoch. Falls es dich tröstet: Ich habe in all den Jahren nie jemanden mit so viel Würde den Redaktions-Kühlschrank säubern sehen.

34.

Unschöne, zähe Angelegenheit hier bislang. Wäre dieses Spiel ein Küchenutensil, dann dieses hier:

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35.

So schlecht wie Union den Konter grade ausgespielt hat, könnte man meinen, die CDU hätte ihn geplant.

36.

Noch ein Stuttgarter mit Turban und sie zählen als eigene Sikh-Strömung.

39.

Was am Union-Aufstieg wirklich super wäre: Endlich gäbe es einen Ost-Verein in der ersten Liga!

40.

Union kratzt und beißt. Und irgendwo in Barcelona verdrückt Luis Suarez eine Träne der Rührung. 

43.

Dass man in Berlin mauern kann, hätte der VfB wissen müssen. 

45.

Zuber versucht es mal und lässt aus 25 Metern einen von der Leine. Aber Gikiewicz wie ein Wasserwerk: klärt das. 

45.+2

Es gibt vier Minuten Nachspielzeit. Eine Zeit, die den Bayern vor knapp 20 Jahren noch für vier Gegentore gereicht hätte.

45.+4

Kabak sieht aus, als hätte er sich grade am Rathaus Köpenick mit ein paar Bauarbeitern geprügelt. Was uns daran erinnert, dass er und seine Kollegen demnächst mal die Brechstange auspacken sollten. 

Halbzeit

Doch zunächst geht es in die Pause und unser Lieblingsexperte Sammer übernimmt wieder. Von dem wir ja immer noch hoffen, dass er uns irgendwann mal das Elster-Portal erklärt. Drückt uns die Daumen. 

21:27 Uhr

Immer, wenn ich das Eurosport-Studio-Hintergrund-Gitter sehe, will ich eine Partie »Vier gewinnt« spielen.

21:30 Uhr

Noch ein etwas sperriger Satz zu Eurosport: Danke, dass ihr dafür sorgt, dass ich weiß, dass es das Genre »Crossover« noch gibt!

46.

So, weiter geht's. Hoffe sehr, dass die zweite Hälfte ein wenig besser wird als die erste. Hab das Gefühl, dass mir die beiden Teams gerade mein Hobby abgewöhnen und ich gucke eigentlich gern Fußball.

49.

Und direkt der nächste Kopf-Zusammenstoß, diesmal Ascacibar und Friedrich. Die Leute fragen ja bei jedweder Handball-WM oder -EM, was der Fußball vom Handball lernen könne. Ich frage: Was kann MIxed Martial Arts vom Fußball und insbesondere von Santiago Ascacibar lernen? Antwort: So einiges.

51.

Übrigens: Mario Gomez jetzt im Spiel. Kann nur hoffen, dass er sich ordentlich warmgelegen hat. Nicht, dass er sich die künstliche Hüfte auskugelt oder so.

54.

Hui, Trickfreistoß der Stuttgarter. Täuschen ein Missverständnis bei der Ausführung an, nur um den Ball dann doch gefährlich vors Tor zu bringen. Gute Idee und so, aber naja: Bisschen richtiges Training in der Zeit, die fürs Einstudieren dieser Variante draufging, hätte auch nicht geschadet.

58.

Tendiere aktuell doch ein wenig zu Union. Weil: Kurze Recherche hat ergeben, dass Marvin Friedrich aus der Jugend des FSC Guxhagen stammt. Was ein Nachbarkaff von mir war, als ich aufwuchs, gegen deren FSC ich oft spielte. Und Friedrich steht aktuell mit Benjamin Pavard auf dem Platz. Der ist Weltmeister. Das macht mich, wenn ich richtig rechne, zum Weltmeister vierten Grades. Ha! Autogrammwünsche bitte an molligeliebe@11freunde.de.

60.

"Immer online sein", hat Nico Willig seiner Truppe beibringen wollen. Ich muss sagen: Das hat geklappt. Muss unweigerlich an rotten.com denken, wenn ich den aktuellen VfB Stuttgart sehe.

63.

Didavi jetzt drin. Wäre Jerome Boateng gekommen, hätten wir schreiben müssen: die Diva jetzt drin.

65.

Pfosten! Oder um es mit Köpenicker Worten zu sagen: GRMPSGAFDWWARUMGEHTDERDENNNICHTREINEY???

66.

Gibt's nicht. Wieder Abdullahi, wieder Pfosten. Um mehr Pfosten zu sehen, muss man am Wahlabend schon Anne Will gucken. 

68.

Der Zweikampf, der dem zweiten Pfostenschuss des Unioner Stürmers vorausging und für den ganz Köpenick grade einen Elfer forderte, war so dreckig, hätte Gzuz ihn geführt, dürften Deutsch-Rap-Medien jetzt nicht mehr darüber berichten. 

70.

Gute Nachricht für die Stuttgarter, die hier ja jetzt Gefahr laufen, vermöbelt zu werden. Mit dem neuen Termin-Service-Gesetz sollen sich die Wartezeiten beim Arzt in Zukunft drastisch verkürzen!

72.

Der VfB lässt schon so lange auf eine Antwort warten, Philipp Amthor hat sich längst mit dem Klub solidarisiert.

74.

Fällt mir jetzt erst auf: Felix Kroos fehlt heute, und zwar offiziell wegen seiner fünften Gelben Karte. Inoffiziell weiß natürlich jeder, dass er bei diesem historischen Spiel in Unions Social-Media-Abteilung einfach besser aufgehoben ist.

75.

Wäre ich VfB-Fan, würde ich spätestens jetzt die Zeit vermissen, in der der Eurosport-Player noch mehr abstrakte Malerei und weniger Fußball gezeigt hat. 

77.

Dingert ist anscheinend kurz der Saft ausgegangen. Maschine!

78.

Jetzt der Mattuschka-Song. Kultig. Apropos Kult: 

80.

Freistoß Union. "Reichel oder Schul. Wer machts? Schul! Schul macht's.", so Hunke, bevor Schul den Ball dann in die Mauer hämmert. Na, wenn das Schul macht ...

83.

Mann, aufregend alles. Deswegen hier, einfach mal so, eine Liste von Namen von Union-Spielern, die so auch in den Geräuschblasen alter Batman-Comics stehen könnten:

  • Polter!
  • Rapp!
  • Busk!
  • Prömel!

Ende der Liste.

85.

Hilft wahrscheinlich auch nichts mehr, aber: Acacibar räumt so viel ab, der wäre auch ein ausgezeichneter Kellner geworden.

88.

Tja, Leute, sieht so aus, als würde der VfB Stuttgart den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit gehen müssen. Und was soll ich sagen: Das tut mir ehrlich weh. Nicht, weil mir sonderlich viel am VfB liegt. Sondern weil das einfach ein kack Gefühl ist, einem großen, stolzen Traditionsverein anzuhängen, in dem zu viele Ahnungslose zu viel Schindluder treiben und das eigene wunde Fanherz ständig schmerzt. Ach, ach, liebe Stuttgarter, ich hab das auch alles durch und lasst euch gesagt sein: Es kommen auch wieder bessere Zeiten.

90.

Pavard mit der Großchance, eine Minue vor Ende der regulären Spielzeit. Dann direkt drei Ecken, beide sehr gut. Hat also doch schöne Ecken, dieses Köpenick.

91.

Tja, so ist das eben beim VfB derzeit: Der Trainer ist Willig, aber das Fleisch ist schwach.

93.

Noch zwei Minuten bis die Stuttgart-Fans den Platz stürmen. Schnall euch lieber schonmal an, Freunde.

22:30 Uhr

Und das war's. Union rächt den Prenzlauer Berg für alles, was die Schwaben dort verbrochen haben, und schießt Stuttgart in die zweite Liga. Wahnsinn.

22:31 Uhr

Ist das krass. So bitter für die Stuttgarter, so großartig für die Unioner. Football, Bloody Hell! Mehr fällt mir dazu echt nicht ein.

22:32 Uhr

Ganz Köpenick jetzt auf dem Rasen. Und natürlich auch vor Ort: Orti. Was wiederum dafür spricht, dass sich irgendwo da unten undercover auch irgendein Bayern-Spieler versteckt hat. 

22:34 Uhr

Nächstes Jahr also endlich wieder Derbys in Berlin. Ob Preetz schon panisch versucht, Ronny zu reaktivieren?

22:36 Uhr

Urs Meier, Urs Siegenthaler, Urs Fischer: Wenn ich sicher gehen will, dass mein ungeborenes Kind mal im Profifußball landet, nenne ich es einfach Urs.

22:37 Uhr

Hätte so gestern keiner erwartet, aber Union hat tatsächlich zurückgeschlagen.

22:38 Uhr

Der komplette Platz voller Union-Fans. Nach dem Wahlabend gestern hätte ich nicht für möglich gehalten, dass es in Deutschland so viele Rote gibt. 

22:43 Uhr

Und mit einem großartigen Dirk-Zingler-Interview, der eigentlich mitten im Interview flüchten wollte, dann aber doch ein paar Emotionen in die Kamera stammelte, verabschieden wir uns aus Berlin. Aber nicht, ohne ein kleines bisschen um den großen VfB zu trauern. Und natürlich auch nicht, ohne Union zum ersten Aufstieg der Vereinsgeschichte zu gratulieren. Über den ich mich persönlich auf leicht irritierende Art und Weise sogar freue. Andererseits habe ich als Hertha-Fan wirklich genug zweitklassigen Fußball gesehen und bitte daher um Verständnis. Also: Kopf hoch, liebe Stuttgarter. Und Gratulation, liebe Eisernen. Oder um es mit Dirk Zingler zu sagen: Wir müssen jetzt weg.