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Türkei – Italien 0:3
EM

20:25

Nun gut. Dann wollen wir mal. Es hilft ja nichts! Nie zuvor hat eine Euro­pa­meis­ter­schaft in ihrem Vor­feld solche Gefühle bei mir aus­ge­löst, die sich ganz ähn­lich auch dann ein­stellen, wenn ich eine fünf­mi­nü­tige Sprach­nach­richt eines dritt­ran­gigen Bekannten erhalte, von dem ich weiß, dass er sich schon sehr lange »mal auf ein Bier­chen treffen« und jetzt offenbar »Nägel mit Köpfen machen« will: der plötz­liche Ver­lust geis­tiger Spann­kraft, ent­setz­liche Müdig­keit, matte Trauer über die Sinn­lo­sig­keit allen Seins. Und nun, nachdem ich ein­fach zu schwach gewesen bin, um Nein zu sagen, ist es tat­säch­lich soweit gekommen: Wäh­rend mich ein unsicht­bares Gum­mi­band nach Hause zurück­ziehen will, schleppe ich mich tat­säch­lich in die Kneipe. Bezie­hungs­weise: Ich gucke mir das Eröff­nungs­spiel an. Die leise, wirk­lich wahn­sinnig leise, ja gera­dezu belei­digt schwei­gende Hoff­nung: Viel­leicht wird es ja doch ganz schön. Was ist eigent­lich das Gegen­teil von Vor­freude? Vor­ver­druss? So weit will ich nicht gehen. Aber Vorzweifel, liebe Fans, die sind doch ange­bracht, hier, wo wir uns gerade befinden, im soge­nannten Vor­feld. Schön, dass Sie wenigs­tens auch hier sind. Wie gesagt: Nun gut. Dann wollen wir mal. Es hilft ja nichts! Ich heiße Dirk Gie­sel­mann, dafür stehe ich mit meinem Namen.

20:31

Aber ein biss­chen Opti­mismus möchte ich uns allen schon ver­ordnen, liebe Fans. Wie heißt es so schön in »Asterix und Maes­tria«? »Ber­gitur nec fluctua!« – »Es geht unter, aber schau­kelt nicht!« In diesem Sinne.

20:35

Also, ich per­sön­lich rechne die Euro ja immer noch in D‑Mark um. Will sagen: Wenn ich an dieses Tur­nier denke, rei­chen meine Erin­ne­rungen weit zurück. Zum magi­schen Viereck der Fran­zosen beim Tur­nier 1988: Fernández, Tigana, Pla­tini, Giresse! Meine Kum­pels und ich wollten wie sie sein, als wir am Morgen danach die Par­tien auf der Wiese vorm Haus nach­spielten, waren aber leider nur zu dritt – tra­gisch, aber nicht allzu sehr. Meine Erin­ne­rungen rei­chen zum epi­schen Grät­schen­duell zwi­schen Jürgen Kohler und Marco van Basten im Halb­fi­nale 1988 zurück, wie sie da beinah syn­chron, ja seltsam ver­liebt durch den Straf­raum grätschten und in einer nicht enden wol­lenden Par­al­lel­ver­gan­gen­heit wohl heute noch grät­schen, wie Kohler mit schon feuchten Augen dem Ball hin­terher blickte, der auf­rei­zend langsam ins Tor tru­delte, und wohl heute noch blickt. An Henrik Ander­sens gebro­chene Knie­scheibe im Halb­fi­nale vier Jahre später, das ist keine so schöne Erin­ne­rung, ehr­lich gesagt, aber man kann sich bekannt­lich nicht aus­su­chen, was sich einem so ein­brennt. An Dieter Eilts’ Auf­stieg zum lang­wei­ligsten Welt­star aller Zeiten bei der EM 1996 und den gigan­ti­schen Moti­va­ti­on­schub, den das für mich bedeu­tete: Wenn ein Junge aus Upgant-Schott es schaffen kann, dann kann auch ich es schaffen! Also ging ich täg­lich joggen, um mich für einen Stamm­platz im defen­siven Mit­tel­feld der A‑Jugend der SG Rehden-Wet­schen-Dickel auf­zu­drängen (2. Kreis­klasse, Staffel Süd). Der Rest ist trau­rige Geschichte, für mich, natür­lich nicht für Dieter Eilts. An die EM 2000, als ein guter Freund von mir als Ser­vice­kraft im VIP-Bereich des Sta­dions des Lichts zu Lis­sabon arbei­tete und jenem bereits erwähnten Pla­tini den Kaviar ser­vierte, den dieser sich schmat­zend ein­ver­leibte wie ein feister Mon­arch. Es muss damals gewesen sein, als mich eine böse Ahnung beschlich, dass es bei dieser soge­nannten Euro viel­leicht doch nicht nur um Fuß­ball geht, um Träume, Illu­sionen oder wenigs­tens eine Anhäu­fung bit­ter­süßer Erin­ne­rungen, son­dern, naja, für einige Zeit­ge­nossen eben vor allem um Kaviar. Da fällt mir ein: Meine Salz­stangen sind alle. Ich renne mal eben schnell wei­nend zum Kiosk. Bis gleich, liebe Fans!

20:41

Wir kennen es: das »ent­schei­dende Tor«. Wir kennen auch: das »alles ent­schei­dende Tor«. In letzter Zeit ertappe ich mich aber bei dem Gedanken, das ich »das alles für immer ent­schei­dende Tor« her­bei­sehne. Das letzte Tor der Geschichte, das den seit der Erfin­dung dieses Spiels durch die Chi­nesen im zweiten Jahr­tau­send vor Christus andau­ernden Kampf beendet. Und wenn es schließ­lich gefallen ist, dieses Tor, können wir alle nach Hause gehen, uns ins Bett legen und uns aus­schlafen von diesen abnormen Anstren­gungen, die das Fan-Dasein uns abver­langt hat, ohne jeg­liche Angst, etwas zu ver­passen. Heute wird das wohl nicht geschehen, das lässt die Tur­nier­arith­metik leider nicht zu, aber wer weiß: viel­leicht ja im Finale. Ein Grund dran­zu­bleiben, liebe Fans.

20:43

Bange Frage: Sollte Thomas Müller am 11. Juli im Wem­bley-Sta­dion dieses »alles für immer ent­schei­denden Tor« schießen, wird er dann end­lich mal nicht jubeln wie der sport­lich-ehr­gei­zige Markus aus der 9b, wenn er bei den Bun­des­ju­gend­spielen den Schul­re­kord im Hoch­sprung mit einem unor­tho­doxen Straddle gebro­chen hat? Wird er sich bewusst sein, welche Demut diese his­to­ri­sche Stunde erfor­dert? Nein? Na, dann eben nicht.

20:46

Apropos his­to­ri­sche Stunde: Ich erin­nere mich auch an die EM 2016, vor allem an ein Detail: Ein Kol­lege, damals wer­dender Vater, kün­digte vorm Grup­pen­spiel gegen die Ukraine an, er werde seinen Sohn nach dem ersten deut­schen Tor­schützen benennen. Wir begannen zu spe­ku­lieren. Thomas? Kein sehr schil­lernder, aber ein solider Name. Mario? Biss­chen aus der Mode gekommen. Bas­tian? Kann man zur Not machen. Toni? Das wäre der beste anzu­neh­mende Fall. Es traf per Kopf zum 1:0 – Shko­dran Mus­tafi. Der Jubel des Kol­legen hielt sich in Grenzen, unserer war umso aus­ge­las­sener. Herz­liche Grüße an den kleinen Shko­dran!

20:50

Shko­dran, inzwi­schen fünf Jahre alt, ver­folgt den Fuß­ball hof­fent­lich noch nicht intensiv genug, um zu wissen, was aus seinem Namens­pa­tron geworden ist: Vom Tor­schützen in einem EM-Spiel, ja sogar Welt­meister, zum Absteiger mit dem FC Schalke 04. Das macht mich noch trau­riger als das Schicksal des kleinen Achilles, Tor­wart in der F‑Ju­gend-Mann­schaft meines Sohnes, von dem seine Eltern offenbar von Geburt an Hel­den­taten erwar­teten. Leider hatte er pani­sche Angst vorm Ball. Seine Achil­les­sehne, wenn man so will. Trau­riger Smiley.

20:52

Aber ich schweife ab! Der Anstoß naht – und mit ihm all das, was wir Fans in der soge­nannten Moderne zu erleiden haben, bis er denn end­lich erfolgt. Die Eröff­nungs­feier – was soll das denn über­haupt sein? Eine EM ist doch keine Fuß­gän­ger­brücke! Und wenn sie es schon sein muss: Kann nicht irgendein drol­liger Pro­vinz­bür­ger­meister mit einer rie­sigen Fan­ta­sie­schere ein Band durch­schneiden – und fertig? Pas­sieren im Fuß­ball denn noch nicht genug Zumu­tungen? Leiden wir nicht genug? Liebe UEFA! Liebe Event­ma­nager! Ich kann nicht mehr! Ich habe keine Krank­schrei­bung vor­zu­weisen, aber meine Freunde können es bezeugen: Ich bin Werder-Fan. Spielt mir das Lied vom Tod. Und dann lasst die Spiele halt ein­fach beginnen, wenn’s unbe­dingt sein muss.

20:54

Nun also U2 mit ihrer achten oder neunten offi­zi­ellen EM-Hymne. Ob die Band wirk­lich phy­sisch anwe­send ist oder es sich nur um ein Holo­gramm han­delt – wer weiß das schon noch? Und wen küm­mert es? Mir jeden­falls ist egal, ob Bono zeit­gleich auch noch eine Fuß­gän­ger­brücke ein­weiht. Where the streets have no name.

20:55

Ein Blick in die Kata­komben. Erstaun­lich, das alle Ita­liener bei jedem Tur­nier immer so fünfund­rei­ßig­jährig aus­sehen. Darf man dort über­haupt erst mit 35 debü­tieren? Dann wäre mein großer Traum ja erst seit acht Jahren vorbei! Hurra!

21:00

Kurz vor Anstoß feiern Chiel­lini und Bonucci noch schnell ihre Gol­dene Hoch­zeit. Die Enkel dürfen den Ball mit einem fern­ge­steu­erten Auto herbei trans­por­tieren. Rüh­rend, aber auch ein biss­chen behäm­mert.

1.

Für die Sta­tis­tik­freaks: Bis­lang ein Anstoß in dieser Partie.

3.

Erste Chance der Ita­liener durch BVB-Legende Ciro Immo­bile. Wenn er so wei­ter­macht, ver­drängt er noch Lothar Sippel aus der Tra­di­ti­onself!

5.

Eini­ger­maßen erstaun­lich, dass die Ita­liener, immer wenn sie in Ball­be­sitz sind, hier im eigenen Sta­dion aus­ge­pfiffen werden. Aber wir wollen den Fans mal zugute halten, dass es wirk­lich schon lange her ist, dass sie ins Sta­dion durften. Da kann man schon mal das eine oder andere Ritual ver­gessen.

8.

Ich meine, den spe­zi­fi­schen Pfeifton von DFB-Co-Trainer Markus Sorg her­aus­zu­hören. Genial-per­fide Taktik von Joa­chim Löw: Jetzt schon den poten­zi­ellen Final­gegner demo­ra­li­sieren! Er will es wirk­lich noch mal wissen…

10.

Insigne: jetzt schon mein Lieb­lings­spieler dieser EM. Erin­nert mich an den ca. fünf­zig­jäh­rigen Spiel­ma­cher der SG Cornau-Drebber, von dem es hieß, er sei mal alba­ni­scher Natio­nal­spieler gewesen – bis ihm ein Bus über beide Füße fuhr und er nur noch drib­beln, aber nicht mehr schießen konnte. Mag aber auch daran liegen, dass ich als ehe­ma­liger Vor­stopper zu jedem auf­schaue, der die 10 auf dem Rücken trägt. Reden wir lieber nicht weiter dar­über.

13.

Wei­terhin 0:0. Auch in dieser Höhe ver­dient. Leichter opti­scher Vor­teil für die Ita­liener, die immerhin eine unge­fähre Ahnung davon haben, wo das geg­ne­ri­sche Tor steht (ich glaube, links, bin mir aber auch nicht hun­dert­pro­zentig sicher).

16.

Was haben beide Mann­schaften und der Wecker eines kif­fenden Zwölft­kläss­lers, der am Mon­tag­morgen noch tief und fest pennt, gemeinsam? Sie stören extrem früh.

20.

Die Abschlüsse der Ita­liener nähern sich jetzt dem Tor der Türken wie die Dart­pfeile der Scheibe, wenn in der Bahn­hofs­kneipe der Helmut nachts um drei dem Werner doch noch mal zeigen will, was ne Harke ist.

23.

Sag ich doch: »Helmut« Chiel­lini trifft beinah das Bull’s Eye. Per Kopf! Das ist gelebte Knei­pen­kultur! Wann ras­seln Bonucci 20 Euro aus dem Spiel­au­to­maten ent­gegen?

26.

In diesem Moment klappt der tür­ki­sche Co-Trainer seinen Tak­tik­plan ganz auf – und ent­deckt die geg­ne­ri­sche Hälfte. »Chef, ich muss dir was sagen.« Günes: »Jetzt nicht!«

30.

Die Türken, so heißt es, mit einem »unnö­tigen Ball­ver­lust«. Im Gegenzug die Ita­liener mit einem absolut not­wen­digen Ball­ver­lust. Ein Klas­sen­un­ter­schied!

33.

Don­na­rumma ver­treibt sich der­weil die Zeit, indem er mit Gigi Buffon dessen Foto­album durch­blät­tert. Buffon: »Ja, ja, so war das damals, mein Junge.« Don­na­rumma: »Du, Opa, ich muss mal kurz was erle­digen. Bin gleich wieder da.« Pariert eine Flanke der Türken. »So, da bin ich wieder. Noch n Likör­chen, Opa?«

36.

Das Spiel ver­flacht der­weil wie die Witze eines Musik­leh­rers (Haupt­in­stru­ment Saxofon), den man in der Achten noch ganz cool fand, von dem man aber spä­tes­tens in der Zehnten denkt: Naja, auf die Stu­fen­party hätte er nicht unbe­dingt kommen müssen, um als »DJ Super­klaus« auch noch selbst­ge­brannte CDs auf­zu­legen.

40.

Sehen wir es positiv: Im Ü‑Wagen hat der Redak­teur, der die High­lights dieser ersten Halb­zeit zusam­men­schneiden soll, end­lich mal wieder Zeit, seine Mama anzu­rufen.

43.

»Immo­biles vierter Abschluss«, heißt es nun. Ist das hier also die Abend­schule, der wir hier bei­wohnen? Hätte ich mir irgendwie denken können.

45.

Jetzt wird ein Hand­spiel geprüft. »Poten­tial Penalty Check« heißt das heut­zu­tage. Wäh­rend­dessen steht Schieds­richter Mak­kelie da, als blickte er einem Kometen ent­gegen, der die Erde zer­stören, den er aber mit einem Faust­schlag zurück ins All boxen wird. Das macht er richtig, richtig gut. Dass es dann doch keinen Elfer gibt – wen kümmert’s? (Mal abge­sehen von ein paar wenigen Ita­lie­nern viel­leicht.)

45. +1

Halb­zeit­pfiff. Fazit von Kom­men­tator Flo­rian Naß: »Sagen wir so: Naja!« Der Mann hat Ahnung!

21:56

Ich ver­suche mal, meinen Frieden mit der ersten Halb­zeit zu machen: So gut wie die Türken habe ich seit diesem einen Anwalt in der ZDF-Vor­abend­serie, dessen Namen mir ent­fallen ist, nie­manden ver­tei­digen sehen. Und die Ita­liener haben in etwa so ent­schlossen ange­griffen wie mein Klas­sen­ka­merad Sebi auf dem Abtanz­ball 1993, als Fox­trott zu »What is love (Baby, don’t hurt me)« ange­sagt war. Ja, gut – äh: So kann »es« wei­ter­gehen!

22:00

Wenn Lutz Wagner, Schieds­richter-Experte der ARD, noch einmal »Kör­bär­fläschä« sagt, schläft mir die gesamte Kör­bär­fläschä ein.

46.

Anstoß. Die Ita­liener in dieser zweiten Halb­zeit also mit 100 Pro­zent Ball­be­sitz. Die haben was vor, Freunde, die haben was vor! Ob sie auch wissen, was genau?

47.

Chiel­lini wird vom Vierten Offi­zi­ellen zum Spiel­feld­rand gerufen: Ob er bitte seine Nordic-Wal­king-Stöcke ablegen möge. Immer diese rüs­tigen Rentner!

49.

Eine ganze Genera­tion von Jugend­li­chen, die durch You­Tube an rasante High­lights und spek­ta­ku­läre Best-ofs gewöhnt ist, sitzt voll­kommen fas­sungslos vor diesem Spiel: DAS soll Fuß­ball sein? Ja, liebe Kinder. Aber jetzt beschwert Euch bloß nicht. Wir leiden seit 30 Jahren dar­unter. Und wir haben keine Alter­na­tive, weil wir nicht wissen, was das Internet ist.

52.

Tor von der Türkei – das Dumme: für Ita­lien. Berardi mit der Gewalt­flanke auf die Brust von Demiral, dort zer­platzt der Ball mit einem Schmer­zens­schrei – und fällt ster­bend ins Tor der Türken. Ein Treffer, der so scho­ckiert, als hätte man dabei zusehen müssen, wie ein kleiner Hund von einem Bagger über­fahren wird. Auch die Ita­liener jubeln wei­nend.

56.

Insi­gnie ver­sucht, diesen Unfall von einem Tor wieder gut­zu­ma­chen, indem er den Ball ins Tor zir­keln will. Sieht dabei aber aus wie ein Bank­drü­cker aus der 2. Herren, der beim Tor­wand­schießen den B‑Jugendlichen zeigen will, »wie das geht«. Pein­lich.

59.

Letztes Mittel: Senol Günes schickt Hakan Sükür zum Warm­ma­chen. Sükür: »Aber Trainer, ich bin unge­fähr 59!« Günes: »Aber Du weißt doch, wo es ist… dieses… Tor?« Sükür: »Ich erin­nere mich dunkel.« Günes: »Viel Glück, Opa!«

64.

Vor­haben: Wenn ich durch den Dau­er­stress dieses Tur­niers 30 Kilo abge­nommen habe, lasse ich mich auch durch den Weih­nachts­baumtrichter in ein weißes Ober­hemd schießen wie Roberto Man­cini.

66.

2:0 FÜR Ita­lien – und diesmal auch VON Ita­lien. Ciro Immo­bile zeigt, was er von Lothar Sippel in der BVB-Tra­di­ti­onself gelernt hat, reagiert blitz­schnell und kloppt einen von Cakir zuvor noch mit dem Mute der Ver­zweif­lung super­stark parierten Ball in die Maschen. Im selben Moment beginnen Chiel­lini und Bonucci, im Tor der Ita­liener eine Dop­pel­ga­rage zu errichten. Schiri Mak­kelie: »Moment! Haben sie eine Bau­ge­neh­mi­gung?« Chiel­lini: »Hast Du n nassen Helm auf?«

70.

Insi­gnie: »Ok, ich spiel bei euch mit. Sonst isses unfair.«

73.

Faire Geste auch von Man­cini: Manuel Loca­telli geht, Ingo Zam­pe­roni kommt.

75.

Da hier nicht mehr viel pas­sieren wird, möchte ich kurz berichten, dass es in meiner Hei­mat­stadt noch immer den Eis­be­cher »Italia 90« gibt, in einem der WM-Tro­phäe nach­emp­funden Gefäß. Ein­ziger Wer­muts­tropfen: Der Schlüs­sel­an­hänger in Gestalt des Mas­kott­chens »Ciao« ist seit etwa 1995 ver­griffen.

79.

Tooooooor für ITA­LIEN! Mein letzter Ein­trag und der Gedanke an gol­dene Zeiten hat die Jungs offenbar zu Höchst­leis­tungen moti­viert: Insi­gnie macht ihn rein. Und da eilen sogar Chiel­lini und Bonucci von ihrer Bau­stelle herbei, um zu gra­tu­lieren. Wahn­sinn, wie schnell sie laufen können, obwohl sie eine Kiste Bier tragen.

82.

Chiesa kommt ins Spiel. Es ist zwar nur Federico, Enricos Sohn, trotzdem fühle ich mich beim Klang des Namens zurück­ver­setzt zu »Euro­goals« am Mon­tag­abend im DSF. Zeigen sie gleich noch Willem II gegen Go Ahead Eagles? Ich kann es kaum erwarten!

85.

Kaum jemand hat es gesehen: Groß­meister Andrea Pirlo schlief die ganze Zeit im Mit­tel­kreis, hat die Spiel­züge erträumt. Hof­fent­lich wacht er nicht auf, wenn der Schiri gleich abpfeift.

88.

Balo­telli: »Wollen wir uns ver­tragen?« Man­cini: »Jetzt auf einmal.« Balo­telli: »Büt­töööö!« Man­cini: »Drei Platz­runden, dann reden wir weiter.« Balo­telli: »Ein­ver­standen. Taxi!«

91.

Prak­tisch, dass die meisten ita­lie­ni­schen Spieler so alt sind, dass sie ihren Enkeln schon heute von diesem 3:0 erzählen können!

92.

Chiel­lini, der Haus­meister Willy des Welt­fuß­balls: Ver­ei­telt in der 92. Minute noch mal eben die eins­tige Mons­ter­chance der Türken, reißt sich das Trikot vom Leib, so dass sein nackter Ober­körper zu sehen ist, auf den sein Trikot täto­wiert ist. Das ist Men­ta­lität! Das ist Sie­ges­wille! Dann pfeift dieser Chiel­lini selbst ab und über­reicht seiner Mann­schaft den Pokal. Schluss! Aus! Vorbei! Ita­lien ist Euro­pa­meister! Vor­erst! Gute Nacht, liebe Fans!