Tottenham

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FC Liverpool

Tottenham-Liverpool im Liveticker

Origiasmus

Ein Finale wie eine 90-minütige Erektionsstörung. Doch dann kam Divock Origi und, entschuldigung, machte ihn rein. Saß wie immer mit unnötig sexy übereinandergeschlagenen Beinen vorm TV: der Ticker.

20:55 Uhr

Das wichtigste Ereignis des Jahres. Ein prestigeträchtiger Wettbewerb. Millionen Menschen vor den Bildschirmen. Ein Wettstreit von epochaler Bedeutung. Spannung. Spaß. Sekt oder Selters. Der große Triumph oder die große Tragödie. Und wir Idioten können „Das große Backen" auf Sixx nicht gucken, weil wir das Champions-League-Finale tickern müssen. Verdammt. In diesem Sinne: Herzlich willkommen

20:58 Uhr

Entschudligt übrigens bitte unseren späten Start. Hatten hier Probleme mit den REdaktions-C64s. Kollege Behnisch hat die AOL-CD mit den 200 Internet-Freiminuten erst nicht gefunden. Dann gab es auch noch ein Problem mit den Floppy-Disks, wo das 11freunde.de-Content-Management-System drauf ist. Haben das Netzkabel jetzt einfach an ein altes Etch-a-Sketch gesteckt, mit dem die Praktikanten bei uns die Buchhaltung machen. Sollte klappen jetzt.

20:59 Uhr

Aber ey: Geiles Finale. Tottenham, guter Klub. Liverpool, guter Klub. Kommt ja gar nicht mehr so häufig vor, dass zwei Vereine gegeneinander spielen, von denen keiner von irgendeinem Ekelunternehmen gesponsert wird, einen profilneurotischen Milliarder im Hintergrund hat oder das Sportswashing-Vehikel irgendeines dahergelaufenen Unrechtstaats-Autokraten ist. Und dann findet das Finale auch noch in Madrid statt, nicht in der Hauptstadt von Irgendwo-Stan, das man nur per Flugzeug → Bus → Flugzeug → Taxi → Esel → Lada erreicht. Könnte also echt schön werden.

21:01 Uhr

Die gute Seite unserer technischen Probleme: Wir haben die spackige Pre-FInal-Show der Uefa verpasst. Das ist natürlich gut. Studien haben gezeigt, dass man pro verpasster Pre-Final-Show eines Fußballverbands zwei Wochen länger lebt.

1.

Anstoß. Glaubt man der Hymne, dann einer großen sportlichen Veranstaltung. Na dann.

3.

Aaaaaaaaaalter: 24 Sekunden ist das Finale alt und es gibt Elfmeter, weil Sissoko die Hand in die Flugbahn des Balles hält. Und Mo Salah macht das 1:0. Nach 101 Sekunden. Für eine noch kältere Dusche hätte man das Finale nach Sibirien vergeben müssen.

7.

Auch geil: Da gibst du das ganze Jahr alles, um in dem größten Vereinsfußballfinale der Welt zu stehen. Hast dein ganzes Leben eigentlich danach ausgerichtet. Dich Wochen auf das Spiel deines Lebens vorbereitet. Bist fokussiert, gut vorbereitet, ein Champ. Und dann gibt dein blödes, verräterisches Hirn deinem Arm nach 24 Sekunden den Befehl, nach oben zu zucken, einfach mal so, ohne Not und Grund und Anlass. Wie unglaublich ärgerlich.

11.

Die Spurs versuchen jetzt, direkt zu antworten. Aber alle Angriffe werden von diesem Über-Abwehrspieler bei den Reds abgefangen. Dieser Turm in der Schlacht. Dieser Feldwebel-artige Superstratege, dieser Superspieler, wie er da stolz und würdevoll im Abwehrdrittel steht, die Augen in der Ferne, die Brust stolzgeschwollen, jeder Muskel einer römischen Statue wert. Der Virgil van Dijk kann schon froh sein, neben diesem Joel Matip verteidigen zu dürfen.

13.

Hui, wie aufs Stichwort kommt Matip an der Seitenlinie angesäbelt und flext Harry Kane über die Bande. Hierzulande eine Dunkelgelbe. Bei zwei englischen Teams ein Achselzucken des Schiris.

15.

Wunderbarer Diagonalball der Spurs gerade, butterweich über fünfzig, sechzig Meter. Weiß nicht, wie es euch geht, aber schöne Diagonalbälle sind für mich die Walgesänge des Fußballs. Wunderschön. Entspannend. Irgendwie mystisch.

17.

Liverpool jetzt sehr zaghaft. Wartet vermutlich auf das Antwort-Video der CDU.

18.

Statt AKK jetzt TAA: Trent-Alexander Arnold. Der halb flankt, halb schießt. Bisschen gefährlich, aber nix, was für ein positives Resultat sorgt. Kurzum: Wie die SPD.

21.

Was Tottenham und mein Lächeln gemeinsam haben? Große Lücken in der Mitte.

24.

Kleiner Blick in die Kabine von Tottenham-Trainer Pochettino gefällig? Bitteschön:

27.

Die Spurs weiter wie ein weißes Ballett ohne Musik. Oder Bühne. Oder Tänzer. Alles in allem: wie ein 11FREUNDE-Redakteur in der Disco. Einfallslos. Und chancenlos.

30.

Wenn irgendwann irgendwer irgendeinen der Jungs da unten auf dem Rasen mal fragen wird, was sie an diesem 1. Juni 2019 zwischen 21 Uhr und 21.30 Uhr getan haben, und irgendeiner der Jungs da unten auf dem Rasen antwortet: »Ich? Ich habe Fußball gespielt!« Dann wird es heißen: »Lüge!«

33.

Will ja nicht meckern, aber von diesen beiden Vollgasmannschaften hab ich eigentlich ein wenig mehr erwartet. Aber das Spiel plätschert nach dem frühen Tor lustlos vor sich hin. Fühlt sich eher an wie Wattenscheid gegen Rostock 1992 oder so. Wann bringt Pochettino Juri Schlünz?

36.

Derweil loben die Kommentatoren das taktische Niveau des Spiels. Ein Finale für die Taktikblogger des Landes also. Schön und gut, aber was ist mit uns Nicht-Autisten?

40.

Na gut, dann vertreiben wir uns die Zeit eben mit einem kleinen Exkurs in die Etymologie des Wortes Liverpool. Was viele nicht wissen: Der Name Liverpool kommt vom niederdeutschen "Leberpudel", einer mittlerweile ausgestorbene Pudelart, die dem Großherzog von Liverpool, Anastasios der Gutmütige, im Jahre 1392 von Fürst August von Hohenhasungen als Geschenk dargebracht bekam. Anastasios der Gutmütige jedoch missverstand das Geschenk und ließ den Pudel zubereiten, in einer schmackhaften Suppe. Ein Affront, der als Reaktion Augusts den Vierzehnjährigen Krieg von Liverpool auslöste. Mehr dazu bald in unserer neuen 11freunde.de-Rubrik: "Völlig ausgedachte Schwachsinnsfakten."

42.

Was dieses Spiel deutlich zeigt: Ecken rausholen sind die neuen Tore.

45.

Kleine Unsicherheit von Hugo Lloris, der einen Ball nicht fangen kann, was zu einer unnötigen Ecke führt. Aber vielleicht hat Thomas (21), aus Nürnberg auch einfach zu spät die 2 gewählt?

45+2.

Fühlt sich an, als würden beide Teams auf Zeit spielen. Und das klappt: Halbzeit.

21.55 Uhr

Nutzen wir die Pause, den Opfern dieses Finals zu gedenken: Andre Onana, Joel Veltman, Matthijs de Ligt, Daley Blind, Noussair Mazraoui, Lasse Schöne, Frenkie de Jong, Hakim Ziyech, Donny van de Beek, David Neres, Dusan Tadic

21.59 Uhr

Und da sagen sie, Lewandowski tauche in den wichtigen Spielen ab:

22.01 Uhr

Stelle mir vor, Pochettino kümmert sich SO um seine Spieler. Bin schlagartig mit der ersten Halbzeit versöhnt.
 

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22.06 Uhr

Auf der anderen Seite, fragt Euch halt mal selbst, wie ihr geliefert habt im größten Moment Eures Lebens?! Klar ist man da nervös und brilliert fortwährend. Ich zum Beispiel habe damals einfach gesagt: »Ja, ich will!« Und dann stand die Finanzierung für den Toaster aber auch.

46.

Geht weiter. Bzw.: Steht weiter. Noch fünf Minuten Langeweile, und wir greifen zum Äußersten: Brexit-Gags.

49.

Aber: 17 von 20 Toren dieser Champions League-Saison haben die Spurs in der zweiten Halbzeit erzielt. Andererseits. 100 Prozent der nicht geschossenen Tore auch. Mathe ist wie ein Scheidungsanwalt: für und gegen alle.

52.

Wer keine rechte Vorstellung davon hat, wie es um das Niveau und die Dynamik dieser Partie bestellt ist: Mario Gomez würde sich gut hier einfügen.

54.

Zeit für einen Klassiker:

57.

Oha. Schluss für Roberto Firmino. Für ihn jetzt Divock Origi im Spiel. Womit also auch ein bisschen Wolfsburg in dieses Champions League-Finale eingezogen ist. Wir sagen es stellvertretend für ganz Deutschland: sorry.

60.

Aha.

63.

Dass das Spiel nicht so gut ist, merke ich auch daran, dass ich mich über die Streaming-Unterbrechung bei Dazn freue.

65.

Firmino außerdem draußen. Das beruhigt mich irgendwie. Bin immer ein wenig in Sorge, wenn ich Firmino lächeln sehen, dass ein Reh in seinem Scheinwerferkegel stehenbleibt und er es umfährt.

69.

Origi drin, James Milner drin, und wenn ich das richtig sehe, macht sich auch Xerdan Shaquiri warm. 

73.

Wahnsinn, das ist echt ein Spiel im Stile des englischen Fußballs längst vergangener Jahrzehnte. Viele hohe Bälle, viel Gekloppe, viele Fehlpässe. Kick and Rush vom Feinsten. Würde mich nicht wundern, wen gleich Vinnie Jones in viel zu kurzen Polyestershorts irgendeinem Schnauzbartträger das Bein per Fluggrätsche bricht. Und dafür dann vom Schiri ermahnt wird.

76.

Gut, dass ich keinen Fernseher im Schlafzimmer habe und dort tickere. Wenn mein Kleiderschrank Virgil van Dijk sehen würde, würde er einen Minderwertigkeitskomplex bekommen.

78.

Dele Alli mit der Kopfballchance aus gut fünf Metern, steht schön in der Stratosphäre über Madrid, zielt aber drüber. Und so bleibt alles, wie es ist. Aber ist doch auch schön, dass die griechischen Europameister von 2004 auch noch mal in der Champions League triumphieren.

80.

Son mit viel Bums aus der Distanz, kurz darauf Lucas Moura aus zehn Metern. Wird das hier tatsächlich noch ein Fußballspiel? Alisson Becker erhebt Einspruch hechtet sich einen Boris. Aber um es mit den besten Kumpels von Jürgen Klopp zu sagen, um es mit Campino und Johannes B. Kerner zu sagen: »An Tagen wie diesen, mmmh, Gutfried.«

83.

15 Zentimeter! Es fehlen 15 Zentimeter und Tottenham hätte hier einen Elfmeter erhalten. Aber Danny Rose wird dann eben doch außerhalb des Strafraums umgemäht, also nur Freistoß. Und der? Der wird von Christian Eriksen derart schön gezwirbelt, dass er sofort und rückwirkend die englischen Bartmeisterschaften von 2004 bis 2018 gewinnt. Nur das Tor, das fällt nicht. Bitter. Aber man eben Prioritäten setzen.

86.

DA. IST. DAS. DING. Ecke Liverpool, der Ball flutschfingert zu Origi, und der zeigt, was er in Wolfsburg gelernt hat: Bloß schnell weg. Weg mit dem Ball, rein ins Glück, und das ist niemals Wolfsburg, sondern das Tornetz Tottenhams. Und wer hat die Vorlage gegeben, und fast sieht es aus, als wäre es Absicht gewesen: Joel Matip. Ja, DER Joel Matip. Jetzt ist hier alles möglich.

89.

Ich will jetzt niemanden beunruhigen, aber es sieht auch nach der fünften Wiederholung so aus, als hätte Joel Matip diesen sauberen Drei-Meter-Pass wirklich absichtlich gespielt. Der Fußball, er schreibt eben doch die irrsten Geschichten.

90. +2

Tottenham jetzt wie ein Student, der die Risiko-Investment-Chance seines Lebens wittert: keine Zeit, keine Mittel.

90. +5

Alles in allem muss man aber doch sagen: Champions League Finale 2019 ist, wenn 22 Engländer einem Ball hinterherjagen und am Ende verliert der Fußball.

23 Uhr

Und dann ist es aus. Vorbei. Finito. Over. Es war ein wirklich schreckliches Spiel. Aber machen wir uns nichts vor: Bundes-Jürgen hat es geschafft. Und das ist am Ende für die Meisten wohl das Einzige, was zählt. Dass diese großartige Mannschaft, die diesen großartigen Fußball spielen lässt unter diesem großartigen Menschenfänger Jürgen Klopp und für diese großartigen Fans, endlich mal etwas gewonnen hat. Und für alle, die jetzt traurig sind, oder einfach nur müde, ganz unironisch: You'll never walk alone. Bis bald.