Liveticker
Spanien – Polen 1:1
EM

20.45 Uhr

Freunde, es hat 700 Grad, die Deut­schen sind auf ihre Kosten gekommen und selbst die, die noch klar denken können, warten eigent­lich nur noch darauf, dass der nächste Tag anbricht. Klingt, als rau­sche der Besen­wagen durch El Arenal, doch es brennt noch Licht auf der Ver­gnü­gungs­meile Euro­pa­meis­ter­schaft. Ein trau­riger Haufen Berufs­mu­cker hat noch Dienst, soll Spa­nien-Polen begleiten. Und wir spielen sie alle, die großen Klas­siker von Bezeich­nend“ über keine Pointe“ bis hin zu Irgendwas von Lewan­dowski“. Mit Andreas Bock an der Bass-Trom­pete und Ilja Beh­nisch am Saxo­mo­phon. Das wird ein Spa­ß­ßßßß, Spa­ßßßß, Spaßßß, Spaßß, Spaß, Spa ..

20.48 Uhr

In der ARD-Sport­schau machen sie keine Vier­tel­stunde vor einem womög­lich vor­ent­schei­denden EM-Spiel zwi­schen Spa­nien und Polen das, was sie am liebsten machen in der ARD, wenn nicht gerade Tatort läuft: über Deutsch­land reden. Was läuft gut und wie können wir es schlecht reden? Was läuft schlecht und wieso sind die Grünen daran schuld? Und wie schaffen wir es, dabei trotz Kevin-Prince Boateng so deutsch aus­zuehen, dass man als Zuschauer sicher sein muss, als San­dale-Socke-Kom­bi­na­tion wie­der­ge­boren zu werden?

20.51 Uhr

Aber wie sagte schon Johann Wolf­gang Goethe am frühen Abend des 21. April 1817? Egal!“ Der 11FREUNDE-Live­ti­cker ist nicht umsonst als DAS Ser­vice­me­dium bekannt. Hier also die Auf­stel­lung der spa­ni­schen Mann­schaft: Kein Tor­jäger – Kein Tor­jäger, Kein Tor­jäger, Kein Tor­jäger, Kein Tor­jäger- Kein Tor­jäger, Kein Tor­jäger, Kein Tor­jäger, Kein Tor­jäger – Kein Tor­jäger, Kein Tor­jäger. Oder im spa­ni­schen Ori­ginal: Unai Simon – M. Llo­rente, Laporte, Pau, Jordi Alba – Rodrigo, Koke, Pedri – Gerard, Morata, Dani Olmo

20.54 Uhr

Und die Auf­stel­lung der Polen aus Sicht eines ARD-Kom­men­ta­tors: Nicht Lewan­dowski – Nicht Lewan­dowski, Nicht Lewan­dowski, Nicht Lewan­dowski, Nicht Lewan­dowski – Nicht Lewan­dowski, Nicht Lewan­dowski, Nicht Lewan­dowski, Nicht Lewan­dowski – Nicht Lewan­dowski, Lewan­dowski. Oder im pol­ni­schen Ori­ginal: Szc­zesny – Beres­zynski, Glik, Bed­narek – Moder, Jozwiak, Puchacz, Klich, Zielinski, Swi­derski – Lewan­dowski

20.57 Uhr

Die Mann­schaften betreten den Rasen und ziehen Rich­tung Spiel­feld-Mitte. Aus dem spa­ni­schen Fan­block werden erste Unmuts­be­kun­dungen laut: Nicht schon wieder …!

20.58 Uhr

Die pol­ni­sche Hymne. Und nun, ich bin kein pro­fes­sio­neller Lip­pen­leser, aber doch ziem­lich sicher, dass Robert Lewan­dowski da ein­fach immer nur, sich immer weiter stei­gernd, zuruft: Besser als Gerd Müller, besser als Gerd Müller, besser als Gerd Müller!“ Sein Neben­mann raunt ihm darauf zu: Der heißt Thomas Müller!“ Lewan­dowski: Und wer bist Du jetzt?“

1.

Anstoß. Polens Klich beginnt die Partie mit einem fünf­fa­chen Über­steiger. Toll. Bzw. ähn­lich sinn­voll, wie ein Jahres-Abo im Fit­ness-Studio für dein Haus­tier abzu­schließen. (Aus­nahme: ein sport­li­cher Quer­zahn­molch).

3.

Kurzes Zwi­schen­fazit nach drei Minuten: Lewan­dowski immer noch ohne Hat­trick. Denkt wohl, er könnte sich jetzt aus­ruhen, weil er in der abge­lau­fenen Bun­des­liga-Saison 254 Tore gemacht hat.

5.

Die Coa­ching­zonen der Trainer sind riesig. Min­des­tens so groß wie ein han­dels­üb­li­cher Hub­schrau­ber­lan­de­platz. Hat sich etwa Jens Leh­mann noch ange­kün­digt? Ich schwör, dann schalt ich aus!

8.

Erste kleine Chance für Polen. Knapp übers Tor. Geschossen hat Mateusz Klich von Leeds United, der manchmal wirkt wie ein ver­träumter Indie-Pop-Boy, der auf einem Death­me­tal­kon­zert gelandet ist.

10.

Spa­niens Trainer Luis Enrique hat natür­lich auch Deutsch­lands Super­sieg gegen Por­tugal gesehen. Beson­ders gefallen hat ihm, na klar, Robin Gosens. Und noch toller findet er diese neue Supera­kür­zung Rogo. Luis Enrique, der mit vollem Namen Luis Enrique Mar­tinez Garcia heißt, jubelt: Dann nenne ich mich jetzt Maga!“ Donald Trump jubelt auch: Und ich ret­weete das!“

13.

Momentan geht viel durch Mitte. Wenn das so wei­ter­geht, ordere ich gleich ein Ape­reol Spritz am Hacke­schen Markt und lasse mich als Tou­rist oder Schwabe oder beides beschimpfen.

15.

Paulo Sousa tigert durch seine Coa­ching­zone. Ein paar Mal kommt er gefähr­lich nah ans Spiel­feld. Gleich wech­selt er sich ein. Blöd nur: Er hat kein Trikot an, dafür hat er offenbar Gareth Sou­th­gate die Weste von der WM 2018 abge­zogen. Fies.

18.

Ecke Spa­nien. Nichts. Nichts. Nichts. Ent­täu­schend bis­lang. Pass­quote von Koke nach 18 Minuten bei 18 Pro­zent. Witzig, aber ein mise­ra­bler Wert, einer­seits. Für die FDP einst der große Traum.

21.

Polens Bed­narek stützt sich im Straf­raum auf den Schul­tern eines Gegen­spie­lers auf. Klare Sache des­halb: Spa­nien hätte gern einen Elf­meter. Aber wie das so ist: Ich hätte gern eine Kli­ma­an­lage, die mich mit eis­kalten 5000-Euro-Scheinen auf die Kör­per­tem­pe­ratur eines nor­malen Men­schen kühlt. Aber was soll man machen? Manche Dinge muss man ein­fach akzep­tieren. Oder Sie sind halt Fried­rich Merz.

24.

Das Spiel so, wie ich mich fühle: zäh­flüssig. Immerhin habe ich inzwi­schen den Match­plan von Paulo Sousa ent­schlüs­selt. Immerhin weiß ich inzwi­schen, wie die Polen dieses Spiel für sich ent­scheiden wollen: irgendwie.

25.

Das spa­ni­sche Pass­spiel: Beein­dru­ckend einmal mehr. Ande­rer­seits wirkt die Mann­schaft wie so eine deut­sche Familie im Frank­reich-Urlaub. Das Navi ist kaputt und nie­mand weiß so genau, wo es denn nun lang geht Rich­tung Meer. Also immer weiter durch den Kreis­ver­kehr, das dis­ku­tieren wir jetzt aus und irgend­wann ist der Urlaub dann auch vorbei. Und nur, um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich gerade einmal nach­ge­schaut, ob es dieses eine Wort über­haupt gibt im Spa­ni­schen, aber nun habe ich Gewiss­heit, denn ja und es heißt: Gol. Sieh an.

28.

Ha. GOOOOOOOOLLLLL! Morata! Aus­ge­rechnet Morata, der Mann, der gegen Schweden noch mehr Fahr­karten geschossen hat als der Bibel­kreis Oer-Erken­schwick (27 Mit­glieder) auf Pil­ger­reise (54 Tickets – Jesus fährt mit!). Und das kam so: Flanke von halb­rechts und dann ist Morata ein­fach einen Tick eher am Ball als sein Gegen­spieler. Ein Tor, so tri­vial, dass es nicht auf Abseits geprüft wird, son­dern auf zu ein­fach“. Aber ach, komm, zählt. Und jetzt alle: NOCH IST POLEN NICHT VER­LOREN!

31.

Polen mit der zu erwar­tenden Ant­wort. Reagiert so wie ich auf die Abfuhr des Jahr­tau­sends durch Katja Busse am 3. Mai 1996: gar nicht. Wenn sie mich fragen: Das hat Stil!

34.

Frei­stoß Spa­nien. Und dann etwas, dass ich zuletzt über das Buch eines Spiegel-Redak­teurs gelesen haben: Moreno daneben. Echt wahr!

35.

Diese Taktik mit dem lie­genden Spieler hinter der Mauer macht mich wirk­lich fertig. Quasi der Defensiv-Cousin des Stür­mers, der sich den Ball unter das Trikot stopft und übers Spiel­feld ins Tor rennt. Je länger ich hin­gucke, umso mehr möchte ich lieber einen Ring­kampf zwi­schen ehe­ma­ligen Teil­neh­mern einer RTL-2-Rea­lity-Doku gucken.

38.

Okay, man kann nicht sagen, dass Polen es nicht ver­sucht. Zumin­dest erkämpft sich Zielinski immer wieder mal Frei­räume. Die Rigaer Straße 94 hängt prompt ein Transpi raus: Piotr, hasta la vic­toria siempre! Einer von uns!“

40.

Ande­rer­seits, viel läuft bei Polen über Rechts­außen. Horst See­hofer gefällt das.

43.

Ich meine, ja, manchmal sieht man ganz feine Pässe. Aber ver­dammt: Das ist Spa­nien. Ich habe das Gefühl, ich schaue hier ein Spiel zwi­schen Unter­ha­ching II gegen Sport­freunde Lotte. Einige Anspiele sind so kreativ und pro­gressiv wie ein Micro­soft-Office-95-Kurs an der ört­li­chen Volks­hoch­schule.

45.

Jeeeetzt! Lewan­dowski kommt frei zum Schuss. Einmal, zweimal. Nein. Biss­chen so wie ich, wenn ich ver­suche, einen Schrank auf­zu­bauen. Resultat des ersten Ver­suchs: ein Stuhl. Resultat des zweiten Ver­suchs: eine abs­trakte Instal­la­tion, die ich, weil die Neue Natio­nal­ga­lerie kein Inter­esse zeigt, unauf­fällig in einer Neben­straße ent­sorge. Zu ver­schenken.

21:48

Halb­zeit. 1:0 für Spa­nien. Span­nung eher so auf Kika-Sams­tag­morgen-Level. Aber gut, es ist Fuß­ball. Immer noch besser als kein Fuß­ball.

46.

Wissen Sie, ich bin ein ein­fa­cher Mensch. Wenn jemand richtig anlegen“ sagt, halte ich Aus­schau nach einem Boot. Und wenn die pol­ni­schen Fans laut­hals Polska, Polska, Polska“ skan­dieren, dann wün­sche ich mir sehr, dass ihnen end­lich jemand sagt, wo ihr Auto steht. Weil: Geht weiter. Anstoss zur zweiten Halb­zeit.

47.

Gerade gelernt: Im pol­ni­schen nennt man einen Frei­stoß für den Gegner Glik and Collect“. Womit ich nur sagen möchte: Ent­schul­di­gung.

49.

Polen ver­sucht es, bemüht sich so sehr, um das Klas­sen­ziel Ach­tel­fi­nale doch noch zu errei­chen. Aber es singt noch immer das gräss­liche Duo Ungenau und Durschaubar“. Ich kenne diese Situa­tionen, sie durch­zogen meine schu­li­sche Lauf­bahn. Und ich will jetzt nicht sagen, dass die pol­ni­sche Mann­schaft jetzt nur noch mit Impuls-Refe­raten ans Ziel kommt, aber am Ende ist es doch auch egal, mit wel­cher Spielart von Fremd­scham man nun über den Jordan geht.

52.

Polen wech­selt gleich wohl den dann jüngsten EM-Spieler aller Zeiten ein. Es ist so wie mit der Sal­mo­nellen-Ver­gif­tung in diesem Aus­flugs­re­stau­rant kurz hinter Moers: wenigs­tens etwas sollen die Leute mit­nehmen.

55.

Von wegen! Bzw.: Lewan­goalski! Bzw: Bumms mich! 1:1, weil Robert Lewan­dowski einen Kopf­ball setzt, den dann halt ver­mut­lich tat­säch­lich nur Robert Lewan­dowski so setzt. Würde mich nicht wun­dern, wenn die Partie hier gleich unter­bro­chen wird, weil sie die Szene malen wollen. Öl auf Lechz.

58.

Freude, kurzes Glück. Oder: VARum, nur für den Kick für den Augen­blick? Jeden­falls: Elf­meter für Spa­nien, weil ein pol­ni­scher Fuß auf einem spa­ni­schen Fuß landet und das im Straf­raum. Nach biss­chen gemüt­li­chem Video-Gucki dann also Straf­stoß und dann Gerard an den Pfosten und Morata im Nach­schuss neben das Tor. Aber richtig so: Erstmal Ruhe ins Spiel bringen.

61.

Morata für Olmo“ klingt nicht nur wie der ein­samste Funker-Spruch aller Zeiten, es sieht auch genauso aus. Wann kommt end­lich Franz Mers­donk und regelt die Sache mit einem gut gemeinten Faust­schlag mitten in die Wahr­neh­mung? Und gegen welche UN-Kon­ven­tion ver­stösst Spa­nien eigent­lich damit, Thiago auf der Bank zu lassen? Und warum stellt dieses Spiel mehr kri­ti­sche Fragen als ein MDR-Reporter an die AfD?

64.

Ganz schön viel Auf­re­gung in den ver­gan­genen Minuten. Zwi­schen­fazit dieser Anfangs­phase der zweiten Hälfte: Für Moder läuft es nicht. Immerhin, jetzt weiß ich zumin­dest, warum Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder ihre Show damals Alles Nichts Moder?!“ genannt haben. Pro­phe­tisch.

66.

Morata fast an der Grund­linie, schießt auf den langen Pfosten, vorbei. Schwie­riger Winkel“, weiß Tom Bar­tels. Hold my beer“, ant­wortet Marco van Basten.

69.

Ein paar Wechsel. Blicke nicht mehr durch, wie oft wer und wann wen ein­wech­seln darf. Jeden­falls, Zeit für ein paar Nerd-Fakten: Laut unserer Super-Daten­bank hat es bis­lang zehn Spiele zwi­schen Polen und Spa­nien gegeben. Bilanz aus Polens Sicht: 0−1−9. Was mich an Sport1-Clips nach Mit­ter­nacht erin­nert – und an eine leichte ver­rückte Offensiv-Taktik der 11Freunde-Betriebs­mann­schaft.

71.

Jetzt geht Koke vom Feld. Cris­tiano Ronaldo gou­tiert das. Schlägt Agua als neuen Mann vor. Luis Enrique igno­riert ihn – und wech­selt Fabian ein.

75.

Pedri mit einem Quer­pass wie ein Insta­gram-Post von Ric­cardo Basile. Ein­fach zu schön, um ihn zu liken. Man muss ihn aus­dru­cken und ein­rahmen. Zumin­dest wenn man Quer­pässe mag, die sieben Meter neben dem eigent­li­chen Ziel ankommen.

78.

Aymeric Laporte mit Ups and Downs. Beim Gegentor natür­lich kata­stro­phal. Abge­sehen davon stelle ich mir bei dem Vor­namen immer einen ame­ri­ka­ni­schen Per­sonal Trainer vor, mit dem ich sofort in ein Jahres-Boot-Camp in Ken­tucky gehen würde. Der Nach­name wie­derum, La Porte, die Tür, da muss ich immer an meinen Lieb­lings­song von Lotto King Karl denken: Da ist die Tür“. Na gut, nennen wir ihn: Lieb­lings­song“. Der Text geht so: Song für Song immer wieder ding dong, kommt ne Band, ich sag: Ihr seid wrong, pardon, you better schmeiss your Tape vom Balkon.“ Dagegen klingt das Tra­gi­sche Dreieck (Bobic/​Haber/​Poschner) wie Eminem feat. Nas.

80.

Totales Chaos in Polens Straf­raum. Nimm du ihn, Beres­zynski und Szc­zesny haben ihn sicher. Also, so sicher wie ein Zah­len­schloss mit einer Zahl. Kein beson­ders ele­ganter pol­ni­scher Abgang. Das Aus­wär­tige Amt und das RKI erklären Polens Straf­raum direkt zum Hoch­ri­si­ko­ge­biet.

83.

Das Spiel jetzt wie eine spa­nisch-pol­ni­sche Fusion-Küche. Wie Paella im Piroggen-Mantel. Irgendwie span­nend, irgendwie würg. Und schon wieder müsste Spa­nien, müsste Morata hier in Füh­rung gehen. Dann aber wie ein Bun­des­wehr-Soldat, der nun doch lieber ver­wei­gert hätte: macht die Bude nicht.

86.

Ui, das wird eine enge Kiste für Polen. Denn: Morata geht vom Feld. Spa­nien jetzt also zu elft.

89.

Banden-Wer­bung für den Volks­wagen ID“. Der aus­ge­wech­selte Alvaro Morata zeigt sich inter­es­siert, fragt: Was für eine Reich­weite hat er denn?“ Der VW-Mit­ar­beiter zögert keine Sekunde: Zu wenig für Dich, um weit genug weg­zu­kommen.“

90. +2

Fünf Minuten Nach­spiel­zeit. Oder wie man in Spa­nien sagt: 1000 Pässe.

90. +5

Meiner Mei­nung das Ein­zige, was Luis Enrique jetzt noch hilft: Ein Euro­pa­meister-Tipp Spa­nien von Hen­drik Streeck.

22:53

Aus, vorbei, 1:1. Polen feiert diesen Punkt­ge­winn wie einen Sieg. Und Spa­nien? Passt sich die Schuld­frage zu. Auf­merk­same Beob­achter dieser Partie wissen: das kann dauern. Wir machen es der­weil in deut­scher Hitze wie die Fans der Mann­schaft von Luis Enrique: hoffen auf das Gewitter. Gute Nacht.