Liveticker
Real Madrid – Eintracht Frankfurt 2:0
UEFA Super Cup

20:45 Uhr

Hallo und herz­lich will­kommen! Bezie­hungs­weise: Läm­pi­mästi ter­ve­tuloa, wie sie in Finn­land sagen. Ohnehin: tolle Sprache! Die haben sogar ein Wort für sich in Unter­hosen daheim alleine betrinken“: Kals­arikännit. Was lustig ist, weil es recht tref­fend beschreibt, wie wir dieses Spiel aus unserer sti­ckigen Bude im heißen Berlin tickern.

20:48 Uhr

Aber was heißt schon dieses Spiel“ tickern. Wir tickern das Spiel um den UEFA Super Cup zwi­schen Cham­pions-League-Sieger Real Madrid und Europa-League-Sieger Ein­tracht Frank­furt. Was für ein abso­lutes Fan­ta­sie­spiel. Daneben erscheint World of War­craft wie ein Rea­lity-Format.

20:52 Uhr

Kol­lege Richter hat gerade übri­gens Puls, schreibt er. Aber nicht, weil er so auf­ge­regt ist, son­dern weil er Pro­bleme mit der Technik hat. Schon benei­dens­wert, dass Luka Modrig und Toni Kroos so etwas ein­fach nie­mals haben.

20:54 Uhr

Steffen Freund erzählt gerade, dass der Markt­wert von Real Madrid dreimal so hoch sei als wie“ der der Ein­tracht. Und wenn das das Niveau des heu­tigen Abends ist, dann haben wir noch nen Witz für euch: Wie heißt Son­nen­un­ter­gang auf Fin­nisch?

20:55 Uhr

Na, Hel­sinki!

20:58 Uhr

Ich (Kol­lege Richter) schiebe ein: Bin tech­nisch wieder auf dem höchsten Stand. Puls hat sich ein­ge­pe­gelt. So nah am Lebens­ge­fühl von Andrea Pirlo war ich noch nie.

20:59 Uhr

Aus den Boxen in Hel­sinki dröhnt das Intro vom ersten The XX“-Album. Instant Doku­film-Vibes. Brauche jetzt eigent­lich eine Stimme aus dem Off, die mir etwas über das schlimme Schicksal einer fin­ni­schen Groß­fa­milie in Hel­sinki, die mit den langen Win­tern ein­fach nicht zurecht­kommt, erzählt.

1.

Also dann, Anpfiff. Und Nein, ihr schaut gerade keinen Stream von irgend­einer Stu­denten-WG in Hessen, die meint, ihre ama­teur­haften Play­sta­tion-Duelle im Internet zeigen zu müssen. Da spielt wirk­lich Ein­tracht Frank­furt gegen Real Madrid. In einem Pflicht­spiel. Um einen Titel. Will heißen: Ver­liert nie­mals den Glauben! Alles ist mög­lich! Pro­bleme sind nur dor­nige Chanc… Sorry, hab‘ soeben das letzte Kalen­der­blatt abge­rissen. Sprüche leer.

2.

Achso, ja, die Auf­stel­lungen. Bei Real: Elf Cham­pions-League-Sieger. Bei der Ein­tracht: Elf Europa-League-Gewinner. Für Qua­lität dürfte also gesorgt sein. Ah, und Chris­to­pher Lenz ersetzt Filip Kostic.

3.

Schlechte Nach­richten der­weil für alle Fans von Hertha BSC: Mario Götze erstmal auf der Bank. Samstag, beim Bun­des­li­ga­spiel im Olym­pia­sta­dion, also topfit. Da muss er der Welt wohl dann auch gar nicht zeigen, dass er besser ist als Messi. Besser als ein durch­schnitt­li­cher Zweit­li­ga­zehner sollte rei­chen. Also, für einen Hat­trick gegen die Alte Dame.

5.

Vini­cius Jr. zupft leicht an Dji­bril Sows Trikot. Der geht den­noch zu Boden. Schieds­richter Michael Oliver pfeift Frei­stoß für Frank­furt. Scheiß Gra­tis­men­ta­lität“, raunt Chris­tian Linder in Rich­tung seines Luxus-Flat­s­creens.

7.

Auf dem Rasen ist bis­lang noch nicht viel los. Also außer, dass die Ein­tracht in dieser noch ruhigen und jungen Anfangs­phase auf einem Level ist mit Real Madrid. Und allein dieser Satz ist doch schon wieder so der­maßen Schei­ben­wi­scher.

8.

Carlo Ance­lotti hockt da wie immer auf der Bank. Kaut und Kaut, bzw.: häm­mert und häm­mert. Und jeder Box­sack hat Mit­leid mit diesem Kau­gummi.

10.

Jetzt mal Kamada. Feine Ballan- und mit­nahme. Lässt Luka Modric mit einem Dribb­ling im Regen stehen und stürmt gen Straf­raum. Macht’s dann aber wie die Stu­denten-WG unter mir am letzten Wochen­ende, nach dem der Nachbar über mir sich über die laute Musik beschwert hatte: muss abdrehen.

12.

Jetzt mal Real: Luka Modric dreht sich im Mit­tel­feld so, so fein auf und spielt mit dem Außen­rist in den Lauf von Vini­cius Jr. Almamy Toure ist aber wach und fängt den Ball ab. Also eher so: Almamy Touché, you know hahaha. *box­peng­bumm­hau­au­agrmpf* Sorry, musste Thomas Müller kurz von der Tas­tatur weg­prü­geln.

14.

Puh, erste richtig dicke Chance. Und die hat die Ein­tracht! Knauff erkämpft den Ball, die SGE schaltet um und Daichi Kamada rennt auf Thibaut Cour­tois zu. Dann über­legt der Frank­furter. Wohin mit dem Ball? Kamada? Kama­hier? Kama­dort? Am Ende schießt er zu zen­tral auf den Keeper. Kama­nix­ma­chen.

15.

Man muss ja auch mal fest­halten: Wir pro­bieren wirk­lich immer, den Fuß­ball nicht nur schwarz-weiß zu sehen. Aber die Tri­kots der beiden Teams machen es selbst uns heute nicht leicht.

17.

Und jetzt auf der anderen Seite Real mit der großen Chance! Vini­cius schließt ab, Trapp ist geschlagen. Tut da noch jemand retten können? Tuta! Und zwar per Grät­sche.

20.

Wir ver­spre­chen übri­gens: Für alle wei­teren Kamada- und Tuta-Witz­chen exen wir einen Ebbelwoi.

22.

Was wir sehen:
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23.

Was Steffen Freund sieht:
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25.

Abschluss Knauff, aber Cour­tois macht die Tür zu. (Wir haben von Kamada und Tuta gespro­chen, nicht von Knauff! Aber gut, den nehmen wir jetzt auch mit auf die Liste.)

27.

Europas beste Mann­schaft: SGE“, singen die mit­ge­reisten Frank­furter. Wohl selten war ein Fan­ge­sang so nah dran, Rea­lität zu werden.

29.

Stim­mung aber ins­ge­samt nicht so beson­ders dolle. Was die gleiche Ursache haben könnte wie der VAR, wenn es mal wieder Pro­bleme gibt: die ent­schei­dende Szene fehlt.

31.

Ben­zema noch nicht im Spiel“, sagt Steffen Freund. Wir sagen ja immer: Ben­zema nicht im Spiel, Glück im UEFA im Super Cup“

33.

Muss man sich immer noch dran gewöhnen. Kein Filip Kostic mehr. Dafür Chris­to­pher Lenz. Macht sich bis­lang auch einen. Hat aber auch kaum zu tun.

35.

Warum sieht Oliver Glasner immer so aus, als schlum­merten drei eigens auf­ge­nom­mene Demo­ver­sionen von Schla­ger­songs auf seinem Handy? Die alle­samt natür­lich kom­plette Voll-Banger sind!

38.

Und dann: TOOOOOR! Für Real Madrid. Erst pariert Kevin Trapp noch über­ra­gend gegen Vini­cius Jr., aber nach der fol­genden Ecke herrscht Chaos im Frank­furter Straf­raum. Cas­emiro legt dann auf für David Alaba, der nur noch ins leere Tor ein­schießen muss. Mhhhh“, denkt sich Hasan Sali­ha­mi­džić. So 70 – 80 Mil­li­ön­chen ste­cken doch hier noch in irgend­einer Sofa­ritze.“

40.

Ein­fach toll, diese Frank­furter Fans! Unter­stützen ihr Team auch in den bit­tersten und auch für sie aller­schlimsmten Momenten. Wie hier kurz nach dem Rück­stand. Das ist doch gelebte Fan­kultur, das ist doch echte Soli­da­rität!

42.

Hui. Frank­furt jetzt ordent­lich am Schwimmen. Lässt Ben­zema im Straf­raum zweimal völlig frei zum Schuss kommen. Danach darf nochmal Cas­emiro ran. Und Kevin Trapp läuft mit einem Wer will nochmal? Wer hat noch nicht?“-Schild in der einen Hand durch den Sech­zehner und pflückt mit der anderen den nächsten Schuss runter.

44.

Ach man, dieser Ticker ist doch schon wieder so scheiß negativ, Toni Kroos liest nichtmal mit und weiß, dass wir Deutsch sind.

45.

Du musst gar nichts ändern. Du hast deine Momente im Umschalten“, meint Steffen Freund. Und ich fühle mich in meiner Rou­tine, jeden Abend vorm Schlafen gehen alle Mehr­fach­ste­cker aus­zu­schalten, Ener­gie­preise und so, gelobt und bestä­tigt.

21:48 Uhr

Tja. Und dann ist Pause. Ein­tracht Frank­furt spielt hier lange gut mit, schlägt aber nicht zu und holt sich dann selbst ein blaues Auge ab. Wir nutzen die Halb­zeit, um mit ein paar Kühl­packs und Pflas­ter­chen nach­zu­helfen und melden uns dann gleich wieder.

46.

Weiter geht’s. Mit der Frage, die wir uns alle stellen: Gelingt Real Madrid tat­säch­lich das Wunder? Bringen sie diese Füh­rung hier durch die zweite Halb­zeit?

48.

Gerade spre­chen sie über Vini­cius jr. Toll, wie der sich ent­wi­ckelt hat! Und dabei ist der immer noch so jung! Wes­halb wir Real Madrid bei uns ja auch lie­be­voll Vini und die alten Männer“ nennen.

50.

Real spielt das hier gerade der­maßen abge­zockt, Kabel 1 dreht bald eine Doku­serie über diese Partie.

53.

Heute ist übri­gens eine halb­au­to­ma­ti­sierte Abseits­li­ni­en­tech­no­logie im Ein­satz. Klingt für mich ehr­lich gesagt wie die schlimmste Halb­au­to­matik, seitdem es Waffen gibt.

55.

Und dann mal wieder eine Chance für Real: Abschluss Vini­cius, Trapp pariert. Sur­real.

58.

Jetzt kommt Götze bei der Ein­tracht ins Spiel. Und Oliver Glaser flüs­tert ihm ins Ohr: Du, scheiß mal auf den ganzen Zeig-der-Welt-dass-du-besser-bist-Kram. Aber ist schon lustig, wie die Leute jedes Mal wieder drauf anspringen. Beson­ders die Dullis von 11FREUNDE.“

61.

Hui! Cas­emiro kommt vor dem Sech­zehner zum Abschluss, trifft aber nur die Latte. Ein guter Moment, um daran zu erin­nern, dass auch Felix Platte mal in einem Spiel gegen Real Madrid die Latte getroffen hat. Andere Zeiten.

63.

Keine Ahnung, was die Spieler mit der Sieg­prämie so vor­haben, aber ich wüsste ganz klar, wofür ich die Kohle raus­werfen würde. (PS: Ulle ist sauber!)
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64.

Jetzt mal Ansgar Knauff. Drib­belt in den Sech­zehner. Steffen Freund brüllt: JAAAA!“. Doch Cour­tois sagt: Nein.“ Und nimmt den schwa­chen Abschluss locker auf.

66.

Tja, und dann: TOOOR! 2:0 für Real. Vini­cius Jr. drib­belt sich über links in die Box und legt für Ben­zema ab, der sagt: It’s a Trapp!“ und pro­fi­tiert bei seinem zen­tralen Abschluss davon, dass Kevin ein wenig daneben greift.

67.

Aber hey, Karim Ben­zema ist immerhin auch ein guter Trai­nings­partner für die Ver­tei­di­gung der Ein­tracht. Am Samstag geht’s schließ­lich gegen Davie Selke.

69.

Man, man, man. Das war aber auch ne tolle Reise von der Ein­tracht. Und die endet heute mit diesem Supercup-Bonbon gegen den ver­mut­lich größten Verein der Welt. Davon zehrt man doch Jahre, oder? Ist eben auch ein guter Schluss­punkt in Sachen Europa, danach wartet ja der graue Bun­des­liga-Allt… Oh. Cham­pions League. Stimmt.

71.

Dani Car­vajal. Toni Kroos. Näher kommt Bayer Lever­kusen einem Titel auch nie wieder, ne?

73.

Poah, Real kommt jetzt langsam ins Zau­bern. Hacke hier, Steil­pass da. Ein Angriff so schön, er hätte das 3:0 zur Folge ver­dient. Doch die Ein­tracht kriegt’s nochmal ver­tei­digt. Spiel­ver­derber.

75.

Frank­furt könnte mal links durch­bre­chen, aber Chris­to­pher Lenz ver­springt der Ball beim ersten Kon­takt. Markus Krö­sche kramt der­weil sein Handy vor. Juve auf Kurz­wahl. Ciao Amigos, hehehe, ja, äh yes, äh is Filip äwä­libel to tork?“

76.

Real bringt mal eben noch Edu­ardo Cama­vinga von der Bank. Es soll euro­päi­sche Königs­häuser geben, die Real um solch pro­mi­nenten Nach­wuchs beneiden.

78.

Puh, also wenn Frank­furt jetzt auch schon gegen Ver­eine wie Real Madrid und Bayern Mün­chen ver­liert, wird das eine ver­dammt harte Saison für die Ein­tracht.

80.

Frank­furt bereitet das Pres­sing vor“, schlau­meiert Steffen Freund. Und meine Auto­kor­rektur sagt: Da haben wir den Salat.“

83.

Wieder Freund: Schnelles Umschalten zum Glück von Lenz.“ Und auch wir könnten so schnell zum Glück umschalten: Auf Sat1 zeigen sie Schloss Gold­bach – Promis viel zu nah“. Aber ein paar Minuten müssen wir hier wohl noch ran.

85.

Wenn sich die Augen­braue von Carlo Ance­lotti mit jedem Titel ein biss­chen weiter hebt, sieht er bald so aus:
One eyebrow raised

88.

Das Spiel jetzt wie ein Club kurz vorm Schließen, das Licht schon an, irgendwo in der Ecke wird noch gewischt, dahinten knut­schen zwar noch zwei, aber im Grunde wissen alle: Viel geht hier heute nicht mehr.

90.

Sagen wir, wie es ist: Für uns ist das ab heute der Gar­nicht­mal­so­su­percup.

90.+3

Und dann ist Schluss! Real Madrid schlägt Ein­tracht Frank­furt. Womit es auch offi­ziell ist: Europas zweit­beste Mann­schaft: SGE!

22:58 Uhr

Tjoa. Und wäh­rend wir noch über­legen, was von diesem Abend bleibt, ob es nun schlimm ist für die Ein­tracht, dass sie nicht auch noch den größten Verein der Welt geschlagen haben, oder ob das nicht viel­leicht auch etwas zu viel des Guten gewesen wäre, weil irgend­wann das Glück und die Glück­se­lig­keit und die Euphorie wieder etwas gerechter über Fuß­ball­deutsch­land ver­teilt werden müssten, gerade in diesen Zeiten, wäh­rend wir also diesen Gedanken nach­hängen, macht RTL Wer­bung für Mario Barth. Der irgend­welche Jokes über veganes Wasser macht. Und viel­leicht ist das auch ein­fach die Meta­pher für diesen Abend und die Lage der Dinge so ganz im All­ge­meinen. Wes­halb wir euch damit in die Nacht ent­lassen. Passt auf euch auf. Küss­chen.