Liveticker
FC Sevilla – Borussia Dortmund 2:3
Champions League

20:48 Uhr

Freunde, herz­lich will­kommen zum Live­ti­cker. Und was sollen wir sagen, außer: Fuß­ball, juhu, dieser kalte Schluck Wasser inmitten dieser Wüste, die die Pan­demie ist. In diesem Sinne: Prost.

20:50 Uhr

Edin Terzic im Inter­view, soll den Match­plan dar­legen, was er dann auch tut. Die rich­tige Ant­wort wäre natür­lich ein empörtes Damit ihr mich dann ver­arscht, oder was?! Nix gibt’s!“ gewesen.

20:51 Uhr

Aber gut, woher soll der Terzic auch wissen, wie der Rose heute spielen lässt…

20:55 Uhr

Hach, diese BVB-Truppe. Eben die Auf­stel­lung gesehen. Mehr Hoch­be­gabte als bei der Rubik’s Cube WM. Tippe auf ein frühes 1:0 nach 4,22 Sekunden.

1.

Ob das schon die Freude über die Ver­pflich­tung von Marco Rose ist? Dort­mund stößt an.

1.

Und der BVB prescht direkt nach vorn. Morey auf Reus, doch die Abwehr des FC Sevilla macht’s wie ich auf WhatsApp mit diesem einen Schul­kumpel, den ich seit bestimmt fünf Jahren nicht gesehen habe und der mir in den ver­gan­genen Monaten trotzdem ständig geschrieben hat, etwa, dass die neue Welt­ord­nung bald in Kraft trete und Donald Trump Deutsch­land end­lich wieder in die Sou­ve­rä­nität führen wird: blockt.

3.

Hm. Und dann ist die Luft auch schon wieder raus. Zeit für ein kleines Quiz. Was genau ist das über­ra­schende Geheimnis, das Marc Bartra hier ver­raten haben soll?

A.) Er hat am Phoenix-See Bit­coins im Wert von zwanzig Mil­lionen Euro ver­graben.

B.) Thomas Tuchel singt unter der Dusche zu Songs von den Amigos.

C.) Er fühlt sich Dort­mund und dem BVB immer noch ver­bunden.

Ant­worten bitte an: clickbaitdevelopment@​11freunde.​de

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7.

Aber was erzähle ich hier? TOOOR. Und was für eins! Suso zieht am Rand des Sech­zeh­ners ein­fach ab, Ball gegen Hum­mels. Ball im Tor. 1:0 Sevilla. An der Sei­ten­linie spuckt Aki Watzke seinen Sekt zurück ins Glas.

9.

Spiele vom BVB fühlen sich im Moment auch ein biss­chen an wie ein Auf­tritt von Markus Söder beim poli­ti­schen Ascher­mitt­woch der CSU: Man weiß irgendwie schon vorher, das zündet nicht.

11.

Aber noch ist ja Zeit. Und Dort­mund ist wieder vorn. Sancho sto­chert ein biss­chen in der sevillan­schen Abwehr herum, sieht dann aber Jesus Navas, fällt demütig zu Boden und küsst ihm die Schnür­senkel. Nur ange­bracht, finde ich.

13.

Wäh­rend­dessen mut­maßt man in der DAZN-Kom­men­ta­to­ren­ka­bine, Marco Reus könnte freier auf­spielen, wenn er nicht Kapitän wäre. Die Frage, ob jemand, der sich seinen eigenen Vor­namen auf den Unterarm täto­wieren lassen hat, in einer Füh­rungs­po­si­tion tat­säch­lich auf dem rich­tigen Posten ist, die stellt sich mir irgendwie gar nicht. 

16.

Wir lernen auch: Akanji kann sehr gut Raum gewinnen. Setzt dieser elenden Ein­fa­mi­li­en­haus-Debatte also hof­fent­lich bald end­lich ein Ende.

20.

Hossa, wollte hier gerade über die anhal­tende Luci­en­favre-haf­tig­keit des BVB sin­nieren, da chan­nelt Mo Dahoud seinen inneren Martin Kree und schweißt den Ball ansatzlos aus 25 Metern in den Winkel. Den Bub sollte Dort­mund an Glad­bach ver­kaufen, nur um ihn wieder zurück­holen zu können.

24.

Direkt die nächste Chance für den BVB, Konter über Reus, aber Erling Haa­land kann halt nur volle Möhre drauf­hauen, was toll ist, wenn er vorm Tor steht, aber weniger hilf­reich, wenn er einen Dop­pel­pass spielen soll. Chance vorbei.

27.

Jetzt mal Sancho auf dem Flügel, tän­zelt mit dem Ball durch vier Gegner wie Fred Astaire über die Oscar-Bühne 1970. Freunde, findet jemanden, der euch so lie­be­voll strei­chelt wie Sancho den Ball. Dann wird alles gut.

29.

Und dann TOOOOOOOOOR für den BVB. Haa­land schnappt sich die Murmel an der Mit­tel­linie, ochst durch halb Sevilla, spielt einen Dop­pel­pass mit Sancho und nagelt das Ding dann humorlos ins Netz. Wie sagte meine Oma früher schon immer: Erling währt am längsten. Jetzt weiß ich end­lich, was sie meinte.

32.

Haa­land jetzt mit 17 Toren in 13 Cham­pions-League-Spielen. Der Mann ist 20. In dem Alter schließen andere Men­schen ihr altes Super Nin­tendo wieder an, funk­tio­nieren Inter­na­tional Super­star Soccer Deluxe zum Trink­spiel um und zocken die ganze Nacht aber naja, ich bin damals Welt­meister geworden, Haa­land hat genau genommen noch gar nix gewonnen.

33.

Kurzer Aus­flug in die Archäo­logie: Ein Team aus Wis­sen­schaft­lern hat anschei­nend die alten Fuß­ball­schuhe von Chris­tian Wörns unter­sucht.

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35.

Ansonsten atta­ckiert“ Haa­land wieder und aus einem Kom­men­ta­to­ren­mund klingt das dann unge­fähr so, als hätte Putin gerade der gesamten west­li­chen Welt den Krieg erklärt. Bin also kurz zusam­men­ge­zuckt, habe mein Prepper-Set unter der losen Diele her­vor­ge­kramt und über­legt, auf wie viele Vari­anten man wohl Stu­den­ten­futter so zube­reiten könnte (Meint ihr das schmeckt mit Pesto?). Naja aber, wie sagt man in der EU so schön, wenn Putin mal wieder durch­dreht: Halb so schlimm. Also kein Tor. Oder so.

37.

Unter­dessen holzt Mo Dahoud mit einer amt­li­chen Chris­tian-Wörns-Gedächtnis-Bein­stel­lerei seinen Gegen­spieler um. Wusste nicht, dass man For­schungs­er­geb­nisse mitt­ler­weile so schnell aus­werten und prak­ti­kabel umsetzen kann. Wahn­sinn. Viel­leicht können wir bald schon, ich weiß nicht, einen Impf­stoff gegen eine töd­liche Pan­demie in weniger als einem Jahr ent­wi­ckeln und auch schnell unter der Bevöl­ke­rung ver­teilen und dabei Afrika und Asien viel­leicht nicht kom­plett ver­gessen… wobei, neee, das wäre echt uto­pisch haha.

40.

Dinge, die ich gefragt wurde, als ich zwölf war:

Hast du deine Haus­auf­gaben gemacht?

Warst du in dieser Woche schon duschen?

Was sind das für gelbe Fle­cken auf deiner Bett­decke?

Dinge, die Jude Bel­lingham gefragt wurde, als er zwölf war:

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43.

Haha­haa­land. Aber auch: Reus. Der etwa 3891 Kilo­meter im Voll­sprint mit Ball am Fuß zurück­legt (geschätzt nach Augenmaß mal Pi mal Marco Reus‘ Geburts­datum, das ebenso auf seinem Unterarm steht). Der also spielt ab auf dieses nor­we­gi­sche Wun­der­kind, der sich dem Ball nähert, wie sich nie­mand sonst dem Ball nähert, es gibt kein Wort für diese Lauf­technik, mit den hoch­ge­zo­genen Schul­tern, den Kopf leicht nach vorn gebeugt. So jeden­falls. Und dann kickt er ihn rein. Und die Welt ist wieder in ihren Fugen. 3:1 für den BVB.

45.

Halb­zeit. An der Sei­ten­linie bauen sie einen Stapel Zie­gel­steine auf, die Haa­land in den nächsten 15 Minuten kaputt­treten wird, damit sein Fuß nicht ein­schläft.

21:59 Uhr

Geile Wer­bung für irgend­eine BVB-Doku auf DAZN. Bin großer Fan dieser schmie­rigen Klub-Dokus, die seit zwei, drei Jahren überall auf Amazon usw. auf­poppen. Das Schöne ist ja: Die Pro­duk­ti­ons­firma macht sich Gedanken, dreht, schneidet, tut. Und muss den ganzen Murks dann als dra­ma­ti­sche Super­doku ver­kaufen und sie bspw. All or Not­hing: Tot­tenham Hot­spur“ nennen, und das, obwohl Tot­tenham eine lau­sige, egale Mit­tel­feld­saison spielt und Achter wird. Die Tabelle lügt halt nicht, auch nicht für euch, ihr kleb­rigen PR-Film-Heinis.

46.

Weiter geht’s. Marco Rose ver­zichtet erstmal auf Wechsel.

47.

Unter­dessen bleibt Ivan Rakitic in der Kabine. Hat wahr­schein­lich im Kabi­nen­gang von irgend­einem Dort­munder erfahren, was sich aktuell auf Schalke abspielt und hat nun einen Heul­krampf.

49.

Dort­mund kommt gut rein, Sancho mit starken zwölf Soh­len­streich­lern über den Ball in nur vier Minuten. Das erhöht die Chancen aufs Über-die-Bande-getreten-werden von irgend­einem indif­fe­renten Papu Gomez um gleich 16 Pro­zent. Folgt uns auf Twitter unter @11freundetrottelstats für noch mehr span­nende Spiel­sta­tis­tiken.

52.

Frage mich seit Minute 1. übri­gens, wer an der Sei­ten­linie da eigent­lich die ganze Zeit so nervig schreit? Hat der Koh­feldt viel­leicht einen spa­ni­schen Brief­freund?

57.

Ach. Ach, ach. Schönes Spiel jetzt, aber es ist so traurig und falsch alles. Die Rufe, die im leeren Sta­dion nach­hallen. Diese Ver­geb­lich­keit der ver­las­senen Tri­bünen. Diese Klein­heit, auf die alles zusam­men­schrumpf, wenn keine Fans da sind, die dieses Spiel lieben. Und oh Mann, ich ver­misse das alles so. Die Auf­ge­regt­heit Stunden vor Anpfiff. Die blöden Witz­chen mit den Freunden auf dem Weg zum Sta­dion. Der Geruch von Bier und Brat­wurst, von Rasen, Rauch und was auch immer. Die immer­glei­chen Rituale, der Glücks­schal, der Weg zum Sta­dion, der immer genau an dieser Bude oder jenem Kiosk vor­bei­führt. Der Blick auf den Platz, wenn man die Sta­di­on­treppen hoch­ge­gangen ist, und den man schon hun­dert Mal hatte und der trotzdem immer so ist wie beim ersten Mal. Dieser ver­dammte eksta­ti­sche Jubel beim Tor, die Bier­du­sche, die Wild­fremden in deinem Arm, dieses pure Glück, als wäre dieser win­zige, blöde, lach­hafte, wun­der­bare Sport das Wich­tigste auf der Welt, was es natür­lich nicht ist, und irgendwie aber doch. Ich werde euch alle umarmen, wenn es wieder so weit ist.

60.

Ui, irgendein Spa­nier jetzt mit Haa­land im Press­schlag. Ganz im Ernst, ich würde eher einen Press­schlag gegen einen durch­fah­renden Güterzug ver­su­chen als einen gegen Haa­land.

61.

Liebe ja, wenn Kom­men­ta­toren sagen: In so einer Situa­tion müssen sie jetzt richtig auf­passen.“ Als ob man als Fuß­ball­spieler auf dem Platz sonst nicht auf­passen müsste. Stelle mir dann vor, wie Mats Hum­mels denkt: Ah, ist gerade Angriff von meinen Jungs, ich mach mal eben schnell meine Neben­kos­ten­ab­rech­nung.“

62.

Suso geht, Luuk de Jong kommt rein. Und wer weiß, viel­leicht darf gleich auch Mike Hanke nochmal ran.

65.

Übri­gens: Als Marco Reus das letzte Mal vor heute an einem Tor betei­ligt war, hatte das Coro­na­virus noch keinen Namen.

66.

Ich würde ja gern hier auch berichten, was gerade auf dem Platz pas­siert, aber pas­siert irgendwie nichts und das schreibe ich nun, weil immer irgendwas pas­siert, wenn ich hier behaupte, dass nichts pas­siert. Und dann bekommt auch schon Emre Can den Ball, wird gefoult, ein kurzer Hauch von Rudel­bil­dung, doch dann Ent­war­nung: Can ist nur auf seinem eigenen Haargel aus­ge­rutscht. Weiter geht’s.

70.

Was aller­dings auf­fällt: Sevilla hat sich noch nicht auf­ge­geben, will, macht, tut, pro­biert, was ja in der aktu­ellen Form der BVB-Abwehr gut und gern auch mal zu einem Treffer führen kann. Aber die Spa­nier letz­ter­dings hier wie Berlin-Tou­risten, die ver­früht abreisen müssen: Schaffen es nicht mehr vor’s Tor.

73.

Doch, das haben wir ja auch in den ver­gan­genen Wochen in der Impf­stoff­zu­las­sung gelernt: Die Lösung jeder hoff­nungs­lose Lage beginnt mit Stan­dards. Frei­stoß Sevilla aus viel­leicht 25 Metern. Geil getreten, senkt sich gefähr­lich ab, doch Hitz, dieser fleisch­ge­wor­dene Lie­fer­eng­pass, pariert. Nun denn.

76.

Felix Pass­lack kommt rein. Hat mitt­ler­weile einen Bart. Dachte ehr­lich gesagt, der spielt immer noch in der U18 oder so. Fuß­ball, ich fühl mich alt wegen dir. Gut, dass ich nicht mein Geburts­datum auf meinen Unterarm täto­wiert habe. 

81.

Zehn Minuten noch. Das Spiel jetzt wie der Kuchen, den jemand in die Redak­tion mit­bringt, wenn er oder sie Geburtstag hat: Das Ding ist quasi gegessen.

83.

Find’s geil, dass Luuk de Jong jetzt auf dem Platz ist. Der ist unseren Recher­chen zufolge der ein­zige Ex-Glad­ba­cher auf der Welt, den Borussia Dort­mund den Glad­ba­chern nicht weg­ge­holt hat.

86.

Ui, ich mach hier Gags über Luuk de Jong, aber da ist er, der Ex-Glad­ba­cher. Frei­stoß aus dem Halb­feld, am Fünfer steht de Jong und legt ihn unbe­drängt ins lange Eck. Wenn jetzt noch Sergio Escu­dero für Sevilla trifft, mach ich aus Nost­algie einen Felix-Magath-2013-Gag, ver­spro­chen.

89.

Nächster Frei­stoß, der BVB wackelt. Kann mir die Kabi­nen­an­sprache von Lope­tegui denken: Geht raus und zeigt der Welt, dass ihr unge­fähr genau so mit­tel­mäßig seid wie Mainz oder Hof­fen­heim.“

91.

Hab das Gefühl, der BVB spielt jetzt gegen den Trainer. Weiß nur nicht, gegen wel­chen.

93.

Nochmal Sevilla mit dem Abschluss, aber Hitz hält. Das wird ein kna­ckiger Zwei­kampf nächstes Jahr mit Yann Sommer, bin gespannt.

22:52 Uhr

Und das war’s, Borussia Dort­mund gewinnt beim FC Sevilla mit 3:2, auch wenn es am Ende noch ein bissi hitzig und knapp wurde. Trotzdem: Glück­wunsch an Marco Rose fürs geglückte Debüt, tolle Sache. Wir machen hier mal zu, schließ­lich müssen wir noch unseren Luuk-de-Jong-Scou­ting­be­richt an Susi Zorc faxen. In diesem Sinne: Schönen Abend euch noch.