Schalke 04

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Werder Bremen

Schalke - Bremen im Liveticker

Schimpf und Schalke

In der Liga im Abstiegskampf, im Pokal nach schwacher Leistung gegen Bremen raus: Schalke 2019 beim Kicken zuzugucken, fühlt sich an, wie mit einer schweren Grippe im Bett zu liegen. Lag mit Wadenwickeln vorm TV: der Ticker.

20:30 Uhr

Freunde, herzlich willkommen zu Pokal-Viertelfinale zwischen Schalke und Bremen. Oder wie es alle nennen, die eben schon Bayern gegen Heidenheim gesehen haben: »Geh mir weg mit Fußball, ich habe alles gesehen.«

20:32 Uhr

Erstmal Jochen Schneider im Interview, Schalkes neuer Sportvorstand. Der, so fällt mir auf, aussieht wie Didi Hamann, wenn der dem Leben ein bisschen weniger zugewandt gewesen wäre. Interessant.

20:34 Uhr

Jetzt das Steigerlied, in dem es ja im weitesten Sinne um Leute geht, die absteigen. Finde ich toll, wie aktiv Schalke mit dieser Thematik umgeht.

20:35 Uhr

»Nicht das Absteigerlied«, witzelt Delling. Hahaha. Haha. Ha. Oh Gott, Delling und ich funken anscheinend auf der selben Gag-Wellenlänge. Entschuldigt mich kurz, muss im Schrank nach einer geeigneten Stricknadel suchen, um mir mein völlig verkorkstes Humorzentrum durch die Nase aus dem Kopf zu lobotomieren.

20:38 Uhr

Marco Bode im Interview. Hat sich gut gehalten, find ich.

20:40 Uhr

Das letzte DFB-Pokalspiel zwischen Schalke und Bremen war übrigens ein Halbfinale im Jahre 2005. Kommt einem gar nicht so lange her vor, aber dann guckt man nach und sieht, dass Nu Pagadi auf Platz eins der Charts war, Hansa Rostock in der Bundesliga spielte und Angela Merkel Kanzlerin wurde. Nicht: Schon seit hundert Jahren war, sondern wurde. Und wenn ich das so lese, dann sollte ich ganz verdammt schnell mal um meine Rentenversorgung kümmern. Denn ganz offensichtlich ist es nur eine Frage von Tagen, dass ich 67 Jahre alt werde.

20:45 Uhr

Die Schalker bilden einen Kreis vor Anpfiff. Niemand: »Los Jungs, wir tun das für Christian und Domenico.«

1.

Anpfiff. Oder wie es auf Schalke aktuell heißt: »Oh Gott, bitte nicht.«

4.

Kein Witz: Schalke direkt mit Verve und der ersten Chance. Serdar mit dem Pass, Embolo mit dem Fast-Elfmeter. Es gibt Gelsenkirchener Kinder, die werden bald ein Jahr, und das war die erste Schalke-Chance, die sie gesehen haben.

6.

Mascarell auf Oczipka. Gute alte Frankfurter Schule. Jetzt noch ein abgebrochener Flankenlauf, ein Rückpass auf Benjamin Huggel, der den Ball verliert, ein Konter und dann ein unglücklich verursachter Elfer von Sotirios Kyrgiakos, und ich fühle mich heimisch.

9.

Lockeres Abtasten hier. Will nicht meckern, aber bei Bayern gegen Heidenheim stünde es jetzt schon 6:4, 6:7, 4:5 und Marc Schnatterer hätte Matchball.

11.

Erste Halbchance Bremen, aber Rashica mit einem Schüsschen, das so locker ist, dass ich versucht bin, an Brot für die Welt zu spenden, damit nicht der nächste Schuss auch so elendig verhungert.

14.

Gelsenkirchen 2019: Ideenlosigkeit. Verzweiflung. Fehlplanungen allerorten. Der bange Blick nach unten. Angst vor dem Abstieg. Nichts, das Hoffnung auf Besserung macht. Und dann spielt der örtliche Fußballklub auch noch eine schlechte Saison. Bitter.

17.

Aber mal im Ernst: Den Schalkern in dieser Saison beim kicken zuzugucken, hat etwas von Elendstourismus. Würde mich nicht wundern, wenn gleich die Ärzte ohne Grenzen auf den Platz fahren, um das Schalker Mittelfeld zu beleben und dort die Fäden zu ziehen.

19.

Sané jetzt knapp vor der Gelben, hat Max Kruse gehalten. Komisch, Martin Harnik meinte doch, es sei schwer, Kruse zu halten.

23.

Eieiei, Rudy mit einem Seitenwechsel, der sich zu Seitenwechseln in etwa so verhält wie Killermichel zu Johann Sebastian Bach. Technisch gesehen ist beides Musik, aber naja....

26.

Sané jetzt mit der wohlverdienten Gelben nach Tritt an Rashica. Und endlich gibt es auch mal wieder gute Nachrichten für Schalke: Sané hat mit dieser Sense die Timbersports auf DSF für sich entscheiden können. Glückwunsch dazu.

28.

Bremen jetzt mit der Chance, Nübel mit Problemen, dann aber im Nachfassen zur Stelle. Trotzdem: Bremen wird besser. Was ein guter Anlass ist, mal auf die Formkurven der beiden Teams zu gucken: Werder steil nach oben auf dem Weg in den Europacup. Schalke: In den Keller, durch den Boden, bis hindurch nach Australien, da spielen sie jetzt in der A-League gegen den Abstieg. So ungefähr.

31.

Dann plötzlich drei Halb-Chancen für Schalke. Das macht in der Summe eine 150-Prozentige, die die Schalker da gerade versemmelt haben. Muss man sich dann halt auch nicht wundern, wenn es dann am Ende schief geht.

34.

Taktgeber heute im Schalker Mittelfeld übrigens: Sebastian Rudy und Omar Mascarell, die den Rythmus bestimmen und den Ton vorgeben sollen. Hier erste Bilder:

36.

Rudy sogar als eine Art verkappter Rechtsaußen heute. Nicht so wie sonst, als verkappter Mittelfeldspieler. Oder ganz generell als verkappter Fußballer.

37.

Ach, ich bin unfair. Spielt gar nicht so schlecht heute, der Rudy. Vielleicht hat der mal im Verein gespielt.

39.

Kleiner Service-Tick: In München steht es aktuell 33:34.

44.

Joa, das Spiel jetzt vom Niveau her irgendwo Regionalliga Süd/Südwest, Stadtallendorf gegen Hessen Dreieich. Gehe gleich an den Bierstand und quatsche gemütlich mit Aki, bevor ich mir dann bei Tanja am Wurststand eine Bratwurst für zwei Euro hole und mich neben die Meckerrenter an die Ballustrade stelle, um mich mit dem Schiri anzulegen, den ich aus der Skatrunde kenne, und irgendwann nach einem Foul an der Nummer Sieben, den ich schon kenne, seit er nur so groß war, reinzurufen, dass die Jungs morgen alle wieder zur Arbeit müssen.

45.

Pausenpfiff. Jesses, es ist nur ein kurzer Pfiff, aber angesichts dieses Nicht-Spiels klingt er in meinen Ohren wie Bachs Brandenburgische Konzerte, gespielt auf einer Harfe mit Saiten aus Einhorn-Haar.

21:38 Uhr

Man weiß, dass man ein richtig mieses Spiel guckt, wenn sich die Nachrichten in der Halbzeit bei der aktuellen Weltlage wie Erholung anfühlen.

21:39 Uhr

Jetzt ein Beitrag über E-Scooter. Kann nur hoffen, dass in den Kabinen Fernseher hängen.

21:45 Uhr

Olaf Thon jetzt im Expertengespräch. Puh, mir ist aber kalt jetzt hier, nä?

46.

Tja, es geht weiter. Fühlt sich an wie der zweite Weihnachtsfeiertag, wenn man schon krass fertig von den Familienstreitereien am ersten Weihanchtstag ist und nicht glaubt, noch einen Tag durchstehen zu können, gleichzeitig aber auch weiß, dass es bald überstanden ist. Ich hol mir nochmal ein wenig Gänsebraten aus der Küche und nippe mal am Eierlikör.

49.

Und dann das: Ein Spieler namens Boujellab, den ich nicht kenne, marschiert durchs Mittelfeld und zieht einfach mal ab. Leider drüber, trotzdem toll. Noch so eine Aktion und ich habe demnächst wieder einen Puls im messbaren Bereich.

53.

Schalke drückt jetzt, Burgstaller mit der Chance, dann Embolo. Ist das der Schwung aus dem Schalker 1:0-Sieg gegen Hannover 96 am Wochenende? Andererseits: Rechnet man das Ergebnis auf ein Spiel gegen einen richtigen Bundesligisten hoch, der nicht von Thomas Doll trainert wird, war das eine 0:4-Niederlage. Und die dürfte ja nicht sonderlich motivierend wirken.

55.

Unterdessen hat Nuri Sahin Gelb gesehen, nachdem er gegen Embolo zu spät kam. Sahin, ey. Kennt ihr die Szene in Ab durch die Hecke, in der das hyperaktive Eichhörnchen einen Energydrink trinkt und dann alles in Zeitlupe sieht, weil es so schnell ist? Ungefähr genau das Gegenteil davon stelle ich mir als Nuri Sahins Erlebnis vor, noch Profifußball zu spielen.

59.

Maximilian Eggestein kurz mal mit einem Schnittsttellenpass, der so schön ist, dass irgendwo in Hessen Uwe Bein einen Adoptionsantrag ausfüllt und irgendwo in Ghana Anthony Yeboah von seiner Couch aufspringt und in die nächstbeste Gasse sprintet, ohne dass er weiß, warum.

62.

Irgendwie immer noch ungewohnt, Huub Stevens an der Seitenlinie zu sehen. Wie ein Fehler im Raum-Zeit-Kontinuum. Wechselt er gleich Jörg Böhme ein? Muss ich morgen in die Schule? Hatten wir Hausaufgaben auf? Und will jemand mit auf die Melgershäuser Dorfkirmes am Freitag, bisschen zu Crazy Town abhotten?

64.

Oha, Burgstaller mit der Chance, stolpert dann über seinen Gegner, die Schalker fordern vehement Elfer. Aber nee, Freundchen, dafür erntest du nicht mal ein anerkennendes Augenzwinkern von Franck Ribéry.

67.

Und dann das: Tooooooor für Werder Bremen, Rashica kommt an den Ball und hält von halbrechts einfach mal drauf und schweißt das Ding in den Winkel. Was ein wunderschönes Tor. Morgen kauf ich mir ein Schweißgerät, nur um es »Milot« nennen zu können.

70.

Jetzt Ecke Schalke. Ziemlich gefährlich sogar. Aber gut, das weiß man ja: Im strukturschwachen Gelsenkirchen gibt es viele gefährliche Ecken.

72.

Und Tooooooor für Werder, Davy Klaassen mit dem 2:0 nach einer feinen Kombination. Tja, wenn nicht noch überraschend Thomas Doll in den nächsten 20 Minuten als neuer Trainer von Bremen vorgestellt wird, war's das wohl für Schalke.

77.

Schalke 2001 unter Stevens: Die Null muss stehen.
Schalke 2019 unter Stevens: Das Lol muss stehen.

78.

Will ja nicht klugscheißen, aber wenn ich Huub Stevens wäre, würde ich jetzt mal Robert Glatzel einwechseln.

79.

»Über Hamburg fahrn wir nach Berlin«, skandieren die Bremer. Und irgendwo im Wuseum fällt eine Papierkugel aus dem Regal.

84.

Unterdessen preist Steffen Simon immer wieder die Zusammenfassung des Bayernspiels an. »Ich verrate ihnen nicht, wie es ausgegangen ist. Nur so viel: Damit hat niemand gerechnet.« Erstaunlich, wie er es zeitgleich schafft, so zu tun, als würden wir nicht im Jahre 2019 leben und jeder Mensch im Land ein kleines Gerät in der Tasche haben, das sämtliche Neuigkeiten sofort abrufbar macht. Und trotzdem irgendwie clickbaitet.

86.

Sebastian Langkamp jetzt im Spiel. Oder wie er in den 2000ern geheißen hätte: Frank Fahrenhorst.

87.

Geil auch, dass Max Kruse noch spielt. Der einzige Spieler der Liga, der so etwas wie eine Wampe mit sich rumschleppt. Allein deshalb würd ich mir ein Trikot von ihm kaufen. Mach ich aber nicht, weil ich diese neumodischen Polyesterdinger nicht über meine Männertitten bekomme.

88.

Könnte es als Sport-BH tragen. Aber mein Arzt sagt, ich soll kein Sport machen sondern einfach auf der Couch aufs Ende warten.

89.

In einer perfekten Welt übrigens bilden Sascha Mölders und Max Kruse eine Doppelspitze und gewinnen die Deutsche Meisterschaft. Im Hotdog-Wettessen.

90.

Uth jetzt auch noch verletztm wie bitter. Und irgendwo in der Pfalz wischt sich Andy Brehme mit wissendem Blick etwas Scheiße vom Schuh.

92.

Oha, noch ein kleiner Aufreger, Nuri Sahin fliegt mit Gelb-Rot vom Platz, nachdem er mit hohem Bein in den Zweikampf segelt. Auf der anderen Seite dann nochmal Harnik mit der Chance, vergibt aber. Erstaunlich, jemand muss den Spielern in der Halbzeit gesteckt haben, dass sie ein Fußballspiel zu bestreiten haben.

22:38 Uhr

Und das war's: Die Bremer feiern, die Schalker stehen ratlos rum und wissen nicht so recht, wohin mit sich. Was bei genauerer Betrachtung irgendwie komisch ist, schließlich geht es ihnen ja quasi jede Woche so. Aber gut, Werder im Halbfinale, Schalke draußen, ich im Feierabend, bevor ich hier noch meine Tickertastatur an die Schalker Ultras abgeben muss. In diesem Sinne.