Schalke 04

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Manchester City

Schalke 04 gegen Manchester City im Liveticker

Saure Sané

Ein Spiel für Violinisten: Schalke vergeigt's in letzter Sekunde gegen Manchester City. Weil Leroy Sané einen Freistoß in den Winkel knallt und Ederson einen langen Abschlag schlägt. Hat sich trotzdem gut geschlagen: der Ticker (und Schalke). 

20:45 Uhr

Ein überpünktliches Tach allerseits. Heute also Manchester City gegen Schalke. Der Tabellenführer der Premier League gegen den Bundesliga-ach-ist-doch-mittlerweile-auch-egal-wo-die-stehen-sten. Ein Team, das regelmäßig hunderte von Millionen verschleudert gegen eine Mannschaft, bei der Sebastian Rudy noch vor sechs Monaten als Stareinkauf galt. Pep Guardiola gegen den Mann, der sich versucht, wie Pep Guardiola anzuziehen. Ein weltweit in Intrigen verstrickter und superreicher Ölscheich gegen einen westfälischen Schweine-Schlachter. Ihr merkt: Die Rollen sind klarer verteilt als auf einer amtlich geprüften Behördentoilette. Doch falls Ihr denkt, ein hoher Sieg von City gegen Schalke wäre das ödeste Ereignis des noch so jungen Jahres, dann kann ich euch sagen: falsch gedacht. Seit dem 18.01. gibt es die DIN 77230!

20:47 Uhr

Kurz vor neun, zehntausende Menschen mit ordentlich Bierchen drin, vollbeladen mit der zehntausendfachen Hoffnung, dass nicht alles noch viel schlimmer wird. Ganz normaler Mittwochabend in Gelsenkirchen also. 

20:49 Uhr

»Das Deutsch-Englische Duell, Teil 3«, wird auf DAZN angekündigt. Ich muss sagen: Alles nach dem ersten Teil war bisher enttäuschend. 

20:50 Uhr

Pep hat gestern seinen Spieler Bernardo Silva ja in den höchsten Tönen gelobt. Super-super-super Spieler, bester Mann, unverzichtbar. Wer den Spanier und seine Lobhudeleien noch aus Bayern-Tagen kennt, muss sich also wundern: Warum spielt Silva denn dann heute?

20:52 Uhr

DIN 77230 ey. Klingt wie ein enorm langweiliger Bürokraten-Seifenoper-Abklatsch von Beverly Hills 90210. Keine Emotionen, keine plötzlichen Todesfälle, keine Intrigen. Dafür 5000 Folgen lang Akten, Akten, Akten. Könnte in Deutschland eigentlich durch die Decke gehen, die Serie. 

20:54 Uhr

Marco Hagemann für das von Tedesco als solches bezeichnete K.O.-Spiel extra mit Punching-Ball-Mikro angereist. Top vorbereitet, der Mann. 

20:56 Uhr

Für ein bisschen Instant-Wehmut hier die Schalker Aufstellung beim bisher letzten Aufeinandertreffen gegen ManCity: Neuer - Pander - Bordon - Westermann - Rafinha - Jones - Farfan - Rakitic - Engelaar - Altintop - Kuranyi. Was ne Truppe. Und Engelaar. 

20:57 Uhr

20:57 Uhr, Anpfiff in T minus 3. Wäre ich ein US-Polizist, ich würde den Schalker Spielern spätestens jetzt Ihre Rechte vorlesen. 

20:58 Uhr

Argüero echt der einzige frühergraute Mensch, den ich kenne, der sich nur den Bart färbt. 

20:59 Uhr

Der einzige, der jetzt noch verhindern könnte, dass Schalke heute vor Millionen von Fernsehzuschauern in einem Flutlichtspiel eine Klatsche bekommt, ist wohl der Köpenicker Bauarbeiter mit seinem Pressluftbohrer. 

21 Uhr

Bekomme gerade eine Nachricht von einem befreundeten, zur Dystopie neigenden Schalke-Fan (was sich ja inkludiert), der in der Arena sitzt, quasi Augenzeuge ist. »Kann man sich nur schon saufen.« In diesem Sinne: Viel Spaß.

1.

Anpfiff. Und die erste gute Nachricht für Schalke: In 180 Minuten ist sehr wahrscheinlich alles vorbei.

2.

Der Rasen, sagt Hagemann, sei frischverlegt. Sieht aber aus wie ein ziemlich über Dorfplatz. Ist das die Taktik, die Schalke heute fährt? Und wenn ja, wann erinnert der erste daran, dass die Champions League ihre eigene Gesetze hat?

3.

Die Champions League hat ihre eigenen Gesetze.

5.

Aber Tedescos Jungs sollte motiviert sein. Schließlich werden sie, allein aufgrund der Begegnung bzw. des Losglücks, eine kleine Nebenrolle in einer Amazon-Prime-Doku spielen. So nah war Schalke zuletzt Hollywood als der FC Bayern zu Gast war.

6.

Manchester City hat hier erwartungsgemäß alles im Griff. Lässt den Ball laufen, schnürt Schalke das erste Mal vor dem Sechzehner ein. Vor dem Tor bildet sich ein Halbkreis. Noch eine Minute und Sophie Passmann schreibt 'nen Liebesbrief.

8.

Leroy Sané leider nur auf der Bank. Guardiola hatte die Auswahl, schickte elf andere auf den Rasen. Allesamt ganz große Namen. Oder wie man auf Schalke sagt: Zé Roberto II.

9.

Tedesco, dieser Systemhusar, stellt zum ersten Mal um. Die moderne Fünferkette war ein Experiment, aber auf Dauer kann das natürlich nicht gutgehen. Jetzt stehen alle zehn hinten drin.

12.

Hoffentlich kein Mathelehrer aus Herne im Stadion. Dürfte übermannt werden von den Gefühlen, beim Anblick so viel freiwilliger Geometrie.

14.

Jetzt: Guardiola an der Seitenlinie gibt taktische Hinweise, fuchtelt mit den Armen, zeigt Abstände, die seine Spieler einhalten sollen. Mark Uth fuchtelt auch mit den Armen. Allerdings vor lauter Frust vor dem Linienrichter. Ein Sinnbild für dieses Spiel. Es sieht anders aus, aber es ist die gleiche Sportart.

16.

Nun aber auch genug mit den einfachen Pointen, die hier ja eher auf der Straße liegen als Schnapsleichen auf der Schalker Meile. S04 macht das bis hierhin nicht schlecht. Was heißen soll: 4-5 Ecken, zwei Torchancen für ManCity, mehrere Fouls von Schalke. Wir fassen es zusammen wie wir uns auch in der Eckkneipe nebenan vorstellen würden: Immerhin.

18.

Wenn man die Unterschiede zwischen Schalke und Manchester auf eine Person runterbrechen will, dann auf Leroy Sané. Ist der am teuersten verkaufte Spieler der Schalker Vereinsgeschichte. Und sitzt bei ManCity nur auf der Bank. 

19.

Und dann das: Katastrophaler Pass von Fährmann im 16er, David SIlva klaut den Ball, bedient Argüero und der schiebt einfach ein ins leere Tor. 0:1. Spätestens jetzt alle Halb-Experten wie sonst nur im Massage-Studio: Erwarten eine ordentliche Abreibung. 

22.

Kurze Diskussion, ob der VAR eingreift. Aber der dummerweise noch immer beim DEKRA-Werbe-Shooting. 

24.

Schalke mit all der Aufregung um Taktik und Torhüter und Spielkultur in einem Champions-League-Achtelfinale fast so unpassend wie Boris Palmer auf Streife im Görlitzer Park. Aber nur fast. 

25.

Hat vor exakt fünf Minuten den funktionierenden Teil seiner Matchpläne verlassen: Domenico Tedesco. 

26.

Aber dann: Super-super-Chance City, Schalke klärt, Schalke kontert, Schalke schließt gefährlich ab. Alles in allem aber nicht Uth genug. 

28.

Mahrez auf der Bank zu Sané:
»Und mit DEM Keeper hast du damals zusammengespielt?«
»Man Riyad, ich war noch ein Teenager!«

30.

Komische Trikotwahl. Wenn ich blau gegen blau sehen will, kann ich doch einfach kurz vor Sperrstunde in die Trinkerkneipe um die Ecke gehen und laut in den Raum rufen: »Der Stärkste trinkt auf mich!«

31.

Doofe Frage, aber: Warum zur Hölle verlegt man einen neuen Rasen, wenn man definitiv eher nicht so über die fußballerische Schiene kommt?

32.

Caliguiri mit einem Handspiel, worauf Guardiola an der Seitenlinie nahezu emotionslos aufmerksam macht. Aber kein Vorwurf, der Mann muss sich schließlich auf ein Viertelfinale vorbereiten.

33.

Freunde! Jetzt wird es heißer als in der Rentnersauna in Berlin-Charlottenburg. McKennie mit einem starken Ballgewinn. Caliguiri dringt in den Strafraum ein, schießt einfach mal und trifft den Arm von einem Manchester-City-Verteidiger. Schalke drängt auf den Videobeweis. Drängt auf den Elfmeter. Wissen die, dass Hellmut Krug heute gar nicht Schicht hat?

35.

Ich bin mir nicht sicher, was passiert. Aber es sieht so aus, als wäre Halbzeit.

36.

Otamendi hatte gar keine Chance mehr wegzuziehen. Wird da einfach angeschossen. Oder wie man auf Schalke sagte, als Franco di Santo noch vorne drin stand: Torchance.

38.

TOOOOOOR für Schalke! Bentaleb schickt Ederson in die andere Ecke - 1:1. Schalke erzielt das wichtige Auswärtstor, wenn's nach mir ginge.

41.

Caliguiri will an Laporte vorbei, spielt den Ball an seiner linken Hüfte vorbei. Laporte zieht den Arm an den Oberkörper, streckt aber in letzter Sekunde noch einmal die Hand aus, um den Ball zu stoppen. Noch ein klein wenig verdeckteres Handspiel und Laporte wird noch an Ort und Stelle festgenommen.

43.

ICH.FASS.ES.NICHT!! Entschuldigung, aber es gibt schon wieder Elfmeter. Weil Fernandinho Sané im Strafraum hält. Ist das die größte Überraschung seit dem Aufwärtstrend der SPD?

44.

Womit auch klar ist, dass die Experten alle wieder Recht hatten: Sané entscheidet das Spiel.

44.

Bentaleb, Teil II. Der größte Fortsetzungserfolg seit »Die Hard«. 2:1.

45.+1

Es ist wirklich wahr. Schalke führt 2:1. Und wenn das bis zur Halbzeit bleibt, da bin ich mir sicher, dann verteilt Rollo Fuhrmann in der Halbzeitpause die Meisterschale.

45.+3

Kurzer Schwenk zu unserem Experten vor Ort. Wie ist die erste Halbzeit einzuordnen?



Vielen Dank.

45.+5

Schalke führt zur Halbzeit. Und was soll ich sagen? Es ist irgendwie, also so ein ganz kleines bisschen, was man eben sagt, wenn man gerade sechs Richtige plus Zusatzzahl im Lotto hat, dann auch doch verdient. Weil: Muss man ja erstmal so machen. In diesem Sinne: Gebt nicht alles auf einmal aus. 

21:55 Uhr

Halbzeittelefonat zwischen Pep und ManCity-Besitzer Sheikh Mansour: »Bentaleb oder Nix!«

21:57 Uhr

Stambouli im Interview. Sieht aus, als wäre er gerade erst von seinem Hochrad abgestiegen.

21:59 Uhr

Gott, ist der Stambouli sympathisch. So nett, sein großer Bruder muss eigentlich »Scheiße« heißen. 

22:02 Uhr

Wobei nett fast das falsche Wort ist. Der Typ ist einfach cool. Würde ihm gerne meine Chupa-Chups-Caps-Sammlung zeigen. 

22:04 Uhr

In Manchester keimt Hoffnung auf. Sebastian Rudy macht sich warm!

22:05 Uhr

Dieses komplett blaue Outfit von Schalke ist schon super. Zum Beispiel für einen Anchorman. Als Hintergrund. 

46.

Der Wahnsinn geht weiter. Immer noch 2:1. 

47.

City kommt mit Druck aus der Pause, de Bruyne gleich mal mit dem ersten Abschluss. Aber wer aus jedem Abschluss gleich ein großes Thema macht, wird man ja verrückt. Alte Staubsauger-Vertreter-Weisheit.

49.

Aporpos Staubsauger: City fängt schon wieder an, richtigen Dreck zu spielen.

51.

Kaum sage ich es, rollt City auch schon auf Schalkes Defensive zu. Die im Verbund aber das Gegenteil der GroKo: Hält sich vorbildlich an alle Absprachen. 

54.

Und Fußball ist eben doch geil. Da kommt eine zusammengekaufte Fantasie-Truppe, finanziert von zweifelhaften Scheich-Millionen, bekommt ein Tor geschenkt und frisst dann plötzlich trotzdem zwei Buden von einer Mannschaft, die sich noch vor drei Tagen gegen Heinz und Lienhard und Kübler die Zähne ausgebissen hat. 

57.

Dabei klang das vor dem Spiel noch nach Harakiri. Alleine Oczipka als Außenverteidiger mit der Aufgabe, seine Seite wahlweise gegen Silva oder Sterling oder später Sané dicht zu machen. Was in etwa so vielversprechend wirkte, als würde man Lukas Hilbert damit beauftragen, den Abou-Chakers ein für alle mal das Handwerk zu legen. Alleine. Und jetzt legt dieser Hilbert Arafat plötzlich Handschellen an, zwinkert der hübschen Hausfrau lässig zu, die am Fenster gafft und flüster dem frisch verhafteten Clan-Boss leise ins Ohr: »Nichts für ungut, Kleiner..«

60.

62.

Ernsthaft: Diese Schalker Mannschaft in der Champions League. Als würde man einen Château Lafite-Rothschild 2009 in ein Ikea Cocktailglas füllen. In das sich noch ein Restschluck Cola-Korn verirrt hatte. Aber was sollen wir sagen? Es knallt.

64.

Bernardo lässt sich im Strafraum fallen. Fordert den Videobeweis. Spielt City jetzt schon auf Zeit?

66.

McKennie jetzt wie ein Inneneinrichter, der sich aus Versehen ein schmales Stück Holz in den Unterarm gerammt hat. Die Leiste zwickt.

67.

Heidewitzka, oder wie man im Pott sagt: Leck mich am Arsch! Burgstaller dreht den Ball clever an Otamendi vorbei, der ihn am Knöchel berührt. Foul und: GELB-ROT! Und ja, wir wollen jetzt euch Tippschein-Süchtige nicht enttäuschen, aber: Zweistellig wird das hier wahrscheinlich nicht mehr.

69.

Klarer Beweis, dass Manchester City nur noch eine riesige Firma ist - Guardiola bringt: Kompany.

71.

Gut, wird für Schalke aber auch im Rückspiel unangenehm. Gegen einen Außenseiter, dessen letzter Europapokalsieg 49 Jahre zurückliegt, und der nichts mehr zu verlieren hat.

73.

Wow, Sané mit einem Foul an Bernardo, das nur hätte klarer ausfallen können, wenn er ihm den Ball schon zum Freistoß hingelegt hätte.

75.

Leroy Sané macht sich zur Einwechslung bereit. Einfach schön, wenn Schalke Champions League spielt. Dann kann Norbert Elgert sichergehen, dass es seinen Jungs weiter gutgeht.

78.

Jetzt noch eine Viertelstunde volle Konzentration bei der Arbeit, liebe Schalker!

79.

Endlich: das Sané-Duell. Vor allem für mich persönlich interessant, weil ich es erst kürzlich wieder zu Hause bei der Frage »mit-oder-ohne-« krachend verloren habe.

81.

Spätestens jetzt dürfte klar sein: Am Samstag gibt's ein auch in der Höhe verdientes 0:3 in Mainz. 

83.

Nicht mal zehn Minuten mehr, bis wir im Partyschacht feiern dürfen. Kollege Ahrens verteilt schon mal die Grubenlampen. 

84.

City hier wie ein Boxer nach zwei, drei Runden: angeschlagen. 

87.

Ich glaub, mich leckt ein Lama! LEROY SANÉ!!! Jagt einen Freistoß aus 25 Metern dermaßen entschlossen in den Winkel, dass er demnächst einen Beziehungspodcast starten sollte zum Thema »Wie verhalte ich mich besonders souverän in Gegenwart der Ex«. 2:2, Ausgleich. Und wenn das Wort ausgerechnet noch nicht erfunden wäre, spätestens jetzt wäre es höchste Zeit dafür. 

88.

Man, ist der Junge gut. Das wäre doch vielleicht einer für die WM 2018!

90.

Sind die abgezockt. 2:3, Sterling, in Unterzahl. Hätte Schalke Bock auf eine kalte Dusche gehabt, hätten Sie doch einfach Bescheid geben können. Ich hätte den Boiler ausgeschaltet...

90.+1

»Billiges Gegentor«, nennt Hagemann das Ding. Und hat ja auch irgendwie Recht damit. Sterling hat 2015 schließlich nur knapp 64 Millionen Euro gekostet. 

90.+3

Fährmann beim Gegentreffer wie wir nach drei Wochen Sauf-und Fressurlaub in Kroatien: Macht keine gute Figur. 

90.+5

Da kann ich an Ahrens Center Shoks verteilen, so viele ich will. Bitterer wird's heute nicht mehr. 

22:59 Uhr

Hm, vielleicht ist das mit diesem §13 doch keine schlechte Idee... 

23:04 Uhr

Und dann ist dieses Spiel vorbei. Was spektakulär war, wahnsinnig spektakulär sogar, aber so ganz anders, als wir es vorher erwartet hatten. Weil Schalke nicht spektakulär unterging, sondern Paroli bot. Weil Schalke das Ding zwischenzeitlich umbiegen konnte. Weil Schalke bis acht Minuten vor Schluss so aussah, als würden sie Peps milliardenschwere Zirkustruppe wirklich schlagen können. Nur um dann auf imposante Art und Weise, wie vielleicht nur Schalke es im Fußball kann, alles zu vergeigen. Aber, liebe Schalker, falls euch das tröstet: Man kann noch viel wichtigere Dinge noch viel imposanter vergeigen. Müsst ihr nur mal bei dem Köpenicker Bauarbeiter nachfragen, der mit seinem Presslufthammer für mehr als 24 Stunden die Stromversorgung von 30.000 Haushalten, zwei Krankenhäusern und diversen Großkreuzungen gekappt hat. In diesem Sinne: Licht aus! Und bis bald.