Liveticker
BVB – Schalke 04 4:0
Bundesliga

15:15 Uhr

Freunde, wenn Karl Lau­ter­bach in den nächsten 15 Minuten nicht noch etwas ein­fällt, oder die NWO nicht doch noch durch­ge­zogen wird, dann sind wir: Zurück. Und die Bun­des­liga auch. Erstes Zwi­schen­fazit: Da müssen wir jetzt zusammen durch. Bezie­hungs­weise: Pack ma’s.

15:17 Uhr

Kri­ti­sieren für euch heute das Geschehen: Ilja Attila“ Beh­nisch und Tobias D!“ Ahrens. 

15:23 Uhr

Auf Sky jetzt seit drei Minuten Wer­bung. Irgend­welche Serien, die ich nie­mals sehen will und werde. Jürgen Klopp in einer Küche, die exakt nicht seine ist. Oliver Kahn mit Neu­kun­den­bonus. Dass sich der Fuß­ball in diesen schwie­rigen Zeiten end­lich aufs Wesent­liche zurück­be­sinnt hat, soooo wichtig. 

15:25 Uhr

Wie ich, der 11FREUNDE-Redak­teur, der aus Prinzip dem Prinzip Fuß­ball eher kri­tisch gegen­über steht, gleich die Bun­des­li­ga­hymne zum ersten Mal nach neun Wochen hören werde. 

15:26 Uhr

Ich sag wie’s ist: Für mich die größte Über­ra­schung, dass in vier Minuten ange­pfiffen werden soll und der SkyGo-Stream immer noch läuft. 

15:28 Uhr

So will Dort­mund, nachdem der junge Reyna kurz­fristig aus­fällt, spielen: Bürki – Pisz­czek, Hum­mels, Akanji – Dahoud, Delaney, Hakimi, Guer­reiro, T. Hazard, Brandt – Haa­land.

15:29 Uhr

Und Schalke: Schu­bert – Todibo , Sané , Nastasic – Kenny , Oczipka , McKennie , S. Serdar , Cali­giuri , Harit – Raman. Bezie­hungs­weise: Immer eins weniger.

1.

Habe lange über­legt, wie ich diesen beson­deren Moment in rich­tige Worte fasse. Habe die Lösung: Anstoss.

4.

Die Mann­schaften zu Beginn wie die Zuschauer: nicht wirk­lich da. Biss­chen abtasten, biss­chen vor und zurück. Teen­ager kennen das. Und das, was man hört, klingt erstaun­lich hallig. Wenn jetzt noch jemand einen Ein­kaufs­wagen auf den Rasen schubst, ist der Signal-Iduna-Park kaum mehr von einem Kauf­land-Park­haus nach Laden­schluss zu unter­scheiden.

7.

Erste Chance für den BVB, doch Haa­land kommt nicht recht­zeitig vor Schu­bert an den Ball. Auf der Gegen­seite Cali­guiri mit dem Frei­stoß aus gut 20 Metern und wie ein sehr erfolg­loser Repu­blik­flücht­ling der DDR: mitten in die Mauer.

9.

Aber: es ist Fuß­ball. Mit Zwei­kämpfen, Tempo, Emo­tion. Nur eben ohne: Zuschauer. Fans der Uefa-Youth-League gefällt das.

10.

Zehn Minuten gespielt, mein Sky­Ti­cket läuft rei­bungslos. So langsam glaube auch ich an die Neue Welt­ord­nung.

11.

Geis­ter­spiel, ein komi­sches Wort. Weil: Es spielen ja keine Geister. Es sind ja doch auch MEN­SCHEN. Dem all­ge­mein beliebten Nar­rativ über die Herren Profis zum Trotz. Und sie spielen ja auch nicht vor Geis­tern. Zumin­dest haben sie Aki Watzke noch nicht ein­ge­blendet.

12.

Aha, Hand­spiel, Fra­ge­zei­chen. Nein, sagt der VAR, sagt Schiri Aytekin, nachdem die Murmel in Folge eines Brandt-Frei­stoßes an die Pat­sche eines Schal­kers lüm­melte. Und dann geht es also weiter und Schalke tut sich weiter schwer damit, einen geord­neten Spiel­aufbau auf den Rasen zu zim­mern und immerhin das ist dann so, wie wir den Fuß­ball von früher kennen. Schön. 

15.

Hakimi mit Zeit, Platz und drei Anspiel­sta­tionen und das sind dann zu viel der Infor­ma­tionen und Mög­lich­keiten. Kein Wunder, in diesen Zeiten der Restrik­tion, was will man da erwarten? Und also wum­mert er stumpf in die Mitte, von da pren­gelt der Ball ins Aus. Und irgendwo in der Füh­rungs­ebene der FDP schun­kelt es einem in die Gedanken: Einer für uns?

17.

Eine Vier­tel­stunde gespielt. Und irgendwo in Fort Wayne, Indiana, zückt ein Fami­li­en­vater, der gerade noch stolzer Teil des Mil­li­ar­den­pu­bli­kums war, die Fern­be­die­nung. Sagt: What the Fuck?!“ und schaltet zurück auf Fox, wo gerade live vom 17. Loch in Mar a Lago über­tragen wird.

19.

Remember Schalke 04 e‑Sports? This is them now. Feel old yet? 

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22.

Tja, was soll man von alldem halten? Selten habe ich mich so nach einem ein­ord­nenden Kom­mentar von Ulrich Dep­pen­dorf gesehnt wie jetzt gerade.

24.

Habe den Aus­wärts­block beim Derby zuletzt so leer gesehen, da lag Schalke zur Halb­zeit 0:4 hinten. 

25.

Dort­mund aber ins­ge­samt besser in diesem Spiel, das den Test­kick­cha­rakter nicht ganz ablegen kann. Wann kommt raus, dass sich ins Schalker Team zwei glück­liche Mit­glieder des Vel­tins-Fan­clubs ein­ge­schli­chen haben?

27.

Kom­men­tator Fried­rich rastet aus: Die dickste Chance für Schalke bis hierhin!“ Und meint damit eine halb­gute Flanke, die Daniel Cali­guiri im Fallen aus wenigen Metern in die offenen Hände von Roman Bürki spielt. Und wer die Bun­des­liga jetzt nicht ver­misst, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

29.

TOOOOOOR für Dort­mund! Weil so schnittig her­aus­ge­spielt, dass dieser Spielzug wohl einen der wenigen Fri­seur­ter­mine diese Woche abge­staubt hat. Über Brandt und Pisz­czek geht’s fix zu Haa­land, der in der Mitte abstaubt. Und kurz gehe ich aus meinem Stuhl, juble um des Jubelns Willen. Sehe dann, dass Haa­land und all die anderen einen ein­stu­dierten Jubel(!) mit Distanz(!) ein­stu­diert (!) haben(!). Und jetzt müsst ihr mich kurz ent­schul­digen, weil ich bre­chen muss. Im Sinne der zehn­tau­send Arbeits­plätze, die daran hängen.

31.

Finde ich schön, dass mit Łukasz Pisz­czek einer dabei ist, der schon die Spa­ni­sche Grippe erlebt hat.

34.

Wenn Schalke ein Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker wäre, dann einer, dessen Handy per­ma­nent auf Edge“ läuft.

37.

Nächste Chance für den BVB, Hakimi nach Konter zu Guer­reiro, der den Ball knapp neben den Pfosten pren­gelt. Was ver­wun­dert, weil das ja bedeutet, dass Schalke im Angriff war. Und dafür Zeugen zu finden, wäre eine schöne Her­aus­for­de­rung. 

39.

Neu-Infek­tionen mit dem Schalke-Virus am heu­tigen Tag: 0

42.

Dort­mund drängt Schalke jetzt arg in deren Hälfte. Oder wie man bei You­Porn sagt: Breath­play.

43.

Harit fällt, will einen Frei­stoß kurz vor dem Straf­raum. Ich kann ihn ver­stehen. Ich will eine Mil­lion Euro. In Lut­schern. 

44.

2:0 für Dort­mund. Schu­bert gegen Haa­land mit dem not­dürf­tigen Befrei­ungs­schlag, und dann geht es über Dahoud, Brandt und Guer­reiro ins Glück, dass da ein Tor­netz ist. Und rund um Schalke kippt die Stim­mung: Komm, egal, her mit dem Chip. Und impft mich gleich noch gegen Königs­blau.“

16.18 Uhr

Und dann ist Halb­zeit. Spiel? Ok. Stim­mung? Keine. Klar. Wir nutzen die Pause, und schauen mal bei Tele­gramm vorbei. Viel­leicht erklärt uns dort ja jemand, was Schalke hier spielt. Bis gleich.

46.

Über­ra­schend nicht über­ra­schend: Es geht weiter.

47.

Ja gut äh. Bezie­hungs­weise: 3:0. Weil Schalke jetzt klas­sisch aus­ge­kon­tert wird. Und ich will nicht sagen, dass die Truppe hier gerade unter­geht, aber Sky macht schon wieder Wer­bung für Das Boot“. 

48.

51.

Und in den letzten Wochen haben wir immer wieder über Wett­be­werbs­ver­zer­rung gespro­chen und doch hat nie­mand dran gedacht, dass Dort­mund gegen Schalke nur eine Halb­zeit spielen muss. 

54.

Immerhin: Mit dieser Leis­tung muss Schalke zumin­dest nicht fürchten, dass finanz­starke Klubs aus dem Aus­land ihnen die Spieler weg­kaufen.

56.

Auf der anderen Seite, wenn man daran denkt, dass auch Erling Haa­land für irgend­wann und hof­fent­lich in sehr weiter Zukunft ein Ablauf­datum besitzt, wäre es auch eine Schande, ihn weiter nicht Fuß­ball spielen zu sehen. Weil: Ein Natur­er­eignis. Wenn auch nur das Zweit­größte in 2020.

58.

Liebe Schalke-Fans, nur noch 32 Minuten, bis euch eure Freunde“ die Abstands­regel-Gags über eure Abwehr in die Whats­ap­p­ver­läufe spülen werden. 

61.

Wir wollen auch wirk­lich nicht unnötig drauf­hauen, aber: Das letzte Mal, dass jemand bei einem Auf­takt­spiel so chan­cenlos war, war Saudi-Ara­bien bei der WM 2018.

62.

Nur für den Fall, ihr bräuchtet noch Futter für das WhatsApp-Gewitter: Wie man in Dort­mund zu einer 3:0‑Führung sagt? Schalke-Distan­cing. 

63.

Tja. Kor­rektur. Brandt weit auf links hinaus zu Guer­reiro, der zu Haa­land, Dop­pel­pass, Guer­reiro, Außen­rist, Kon­fetti, Tral­lala. Spä­tes­tens jetzt ist zumin­dest die Anzahl der Schalke-Fans im Sta­dion kor­rekt. 

65.

Sie wollen ja. Aber Schalke spielt Fuß­ball wie ich Lotto: heiß auf den Sieg, aber keinen Plan.

67.

Nach­trag. Inzwi­schen erste Men­schen vom Schalke-Virus geheilt.

68.

Dort­mund wech­selt. Balerdi für Delaney. Darf end­lich auch mal mit der ersten Mann­schaft spielen, der Argen­ti­nier. Aber dafür sind Test­spiele gegen unter­klas­sige Gegner ja auch da.

70.

Schalke nur noch dann mit einer Sieg-Chance, wenn Ken Jebsen den Spiel­be­richt schreibt.

73.

Gelbe Karte für Łukasz Pisz­czek. Unter­bindet einen Schalker Konter mit einem Hand­spiel an der Mit­tel­linie. Des­in­fi­ziert sich danach die Syn­apsen. Hat doch tat­säch­lich geglaubt, es könnte gefähr­lich werden.

76.

Elf Schalker Solo­selbst­stän­dige auf der Suche nach der Sofort­hilfe.

78.

Shyse, was is pas­siert?

QUER 3 2 für Querformate 12

80.

Sancho kommt für Hazard. Auch bitter: Schalke würde nicht einmal gewinnen, wenn Dort­mund heute fünfmal wech­seln würde.

82.

Und trotzdem wäre David Wagner mein Respekt sicher, wenn er gleich erklären würde: Ja gut, das sind Rück­schläge. Vieles hat uns heute nicht gefallen, es fehlen noch die Auto­ma­tismen, aber bis zum Sai­son­start sind wir sicher bei 100 Pro­zent.“

84.

Oha, schon vor Abpfiff melden sich erste Poli­tiker zur Schalker Situa­tion. 

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87.

Das war schon ein span­nendes Deenk­bvksböv ök.d. Oh, tschul­di­gung. Meine Hand hat sich gerade ver­selb­stän­digt, als ich vor lauter Freude fest­stellte, dass mich die DFL morgen mit Köln gegen Mainz aus ihrem Pre­mi­um­pro­dukt Bun­des­liga belohnen wird. 

89.

Frage: Wenn nach diesem Spieltag ernst­haft über Trai­ner­jobs dis­ku­tiert wird, könnte bei einer Ent­las­sung die Bun­des­liga unter­halb der benö­tigten zu bie­tenden Arbeits­plätze fallen, um als sys­tem­re­le­vant zu gelten? 

90.

Eins ist klar: Wenn heute Abend in Gel­sen­kir­chen jeder auf der Straße steht und auf Heim­kehrer wartet, dann sicher nicht, um Pfle­ge­kräften zu applau­dieren. 

90.+1

Deniz Aytekin pfeift höchst­pünkt­lich ab. Was schön ist, weil wir gleich noch in die Dro­gerie wollten, um Zahn­pasta und Haut­creme zu kaufen. Wie uns das gelang und ob wir den Zwan­ziger noch wech­seln konnten, erklären wir euch spä­tes­tens in der nächsten Woche. 

17:22 Uhr

Dort­munder Spieler mit einem gemein­samen Jubel in Rich­tung Gelbe, Leere Wand. Und irgendwo bei RTL ver­drückt ein ein­samer Redak­teur, der Mate­rial für Men­schen, Bilder, Emo­tionen“ sichtet, eine kleine Freu­den­träne. 

17:25 Uhr

Brandt im Inter­view. Sind Sie ein Qua­ran­täne-Typ?“. Und so können wir auch mit Abschluss dieses Tages das erfolg­reiche Come­back der richtig stumpfen Sky-Fragen ver­melden. Ein wich­tiger Schritt in Rich­tung Nor­ma­lität.

17:27 Uhr

Und das, liebe Kinder, war also ein Geis­ter­spiel. Nicht geil, aber ehr­lich gesagt halb so schlimm. Außer natür­lich, man hält es mit dem FC Schalke 04. Dann ist schlimm. Aber dann kennt man das auch. Ob der Neu­start der Bun­des­liga nun ein gutes Zei­chen ist und war? Eine Not­wen­dig­keit? Wer mag das schon ein­deutig beant­worten. In einer Gemenge­lage, die so viele Töne zwi­schen Schwarz und Weiß kennt, dass man bald gar nichts mehr sieht oder hört oder über­haupt wahr­nehmen will dar­über. Und dann steht da Julian Brandt am Sky-Mikro, das ein­ge­tütet ist wie ein Mais­kolben kurz vor dem Schub in den Ofen. Auf Distanz zum Sky-Reporter, der einen Mund­schutz trägt und die Situa­tion mit Fas­sung. Und doch ist dann da plötz­lich Trau­rig­keit, dar­über, dass all das nötig ist, und was das mit den Men­schen macht. Von Krank­heit bis Hass. Hoffen wir, dass es bald vorbei ist mit alledem. Hoffen wir, dass Fuß­ball ganz unge­scholten wieder die schönste Neben­sache der Welt sein wird. Bis dahin, passt auf Euch auf. Und seid’s ein bis­serl lieb.