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Gladbach – Real Madrid 2:2
Champions League

20:45 Uhr

Real Madrid gegen Borussia Mön­chen­glad­bach klingt für mich so schön wie eine Kinder-Hör­spiel­serie aus den Acht­zi­gern, die ich unter der Bett­decke gehört habe. Spre­cher ist Rolf Töp­per­wien, die Taschen­lampe ist das Flut­licht und Uli Sude löst mit drei Freunden (Borowka, Rahn, Bruns) Kri­mi­nal­fälle in der Nach­bar­schaft. Wir sind die vier Freunde SBRB!“

20:51 Uhr

Aber lasst uns schnell in die Gegen­wart fliegen. Nach Donald Trump, Jair Bol­so­naro und Boris Johnson hat der nächste Mega-Sym­path Corona: Gianni Infan­tino. Wann ziehen Kim Jon-un und Gar­gamel nach?

20:52 Uhr

Zum Spiel: Glad­bach und Real trennen Welten, sagen manche. Was natür­lich Quatsch ist, denn in Wahr­heit liegen ganze Uni­versen zwi­schen den Ver­einen. Für die Jün­geren: Das ist unge­fähr so, als würde das Schalke von 2020 gegen das Schalke von 1997 spielen. 

20:54 Uhr

Immerhin: Glad­bach hat unseren Lieb­lings­trainer Marco Rose, der aus­sieht wie eine Mischung aus Tatort-Kom­missar (Münster), Folk-Sänger (Ken­tucky) und Lehrer (Erd­kunde). Ich würde immer und überall ein­schalten, wenn er dabei ist. Selbst wenn er das ARD-Test­bild oder Teil­nehmer bei der Flie­sen­leger-Welt­meis­ter­schaft wäre.

20:55 Uhr

Okay, ja, stimmt natür­lich, Zine­dine Zidane würden wir bei der Flie­sen­leger-Welt­meis­ter­schaft selbst dann zugu­cken, wenn sie ver­schlüs­selt auf Pre­miere liefe.

20:57 Uhr

Außerdem bei Glad­bach: Flo­rian Neu­haus. Der Mann, der am Wochen­ende einen Pass zeigte, dass selbst ein erfah­rener Grenz­be­amter genauer hin­gu­cken mussten: Ist der echt? Und wenn ja: Wie geht das?

20:59 Uhr

Jetzt die Hymnen. Schön, dass es Mendy aus Mar­zahn mitt­ler­weile zu Real Madrid geschafft hat.

1.

Anstoß. Wobei es bei einem Spiel, für das Mann­schaften in Zeiten einer welt­weiten Pan­demie quer durch Europa fliegen, ja eher Ans­tuss heißen müsste. Meine Mei­nung.

2.

Wirk­lich sinn­voll, so ein spa­nisch-deut­sches Treffen mitten in der zweiten Welle. Also sinn­voll im Sinne von sinnlos.

3.

Glad­bach gegen Real in Schwarz und Weiß. Mehr 70er-Fee­ling geht nicht.

5.

Nicht wun­dern übri­gens, falls Kol­lege Bock und ich heute beim Tickern etwas abge­lenkt wirken, aber wir müssen nebenher das ganze Klo­pa­pier im Lager ver­stauen.

7.

Hinter Vazquez ist viel Wiese“, behauptet Kult-Kom­men­tator Fuss. Dabei sehe ich hinter Reals Rechts­ver­tei­diger nicht mal ein biss­chen semi-pro­fes­sio­nellen Wrestler. 

8.

Glad­bach wie ich nach einem fiesen Spruch: ver­sucht erfolglos zu kon­tern. 

10.

Vini­cius ❤️ ❤️ ❤️

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12.

Varane ver­stol­pert erst einen Ball und grätscht dann halb-ver­zwei­felt, um eine Ecke zu ver­hin­dern. Habe mich noch nie so sehr mit Real Madrid iden­ti­fi­zieren können.

16.

Bis­lang bekommt Glad­bach das ganz gut weg­ver­tei­digt, um mal einen Ange­ber­be­griff ein­zu­streuen. Oder gibt es das Verb weg­ver­tei­digen“ gar nicht? Und ich habe nur geträumt, dass New-School-Ana­lysten es benutzen? Und was würde ein Traum­deuter mit dieser Art Alb­traum dann wohl anfangen?

17.

Prompt bal­lert Ben­zema aufs Tor. Sein Abschluss aber wie nahezu alle Leute, die von sich selbst behaupten, weder rechts noch links zu sein: zu weit rechts. 

19.

Was mich total irri­tiert: Links oben im Sky-Bild steht MGB – RMA. Für was steht MGB? Mön­chen­glad­bach? Mön­chen­glad­bach Borussia? Mön­chen­glad­ba­cher Bier? Maschi­nen­ge­wehr Bun­des­wehr? Und warum heißt es nicht mehr BMG? Wir tippen auf eine Beschwerde des Bun­des­mi­nis­te­riums für Gesund­heit. Und finden: Das hätten die sich spahn können.

20.

Eben erste Halb­chance für Real Madrid. Lucas Vas­quez vorne schuss­grätscht durch den Glad­ba­cher Straf­raum. Aber letzt­end­lich so auf­re­gend wie eine Runde Seven Eleven ohne Würfel. 

23.

Wir erfahren von Wolff Fuss, dass der kleine Marcus Thuram mal Feu­er­wehr­mann werden wollte. Zu einer Zeit, als der kleine Wolff Fuss Ernst Huberty werden wollte. Und jetzt hat’s nicht mal für einen Klapp­scheitel gereicht. Ärger­lich.

25.

Was ich mich bei Sergio Ramos immer frage: Hat der Mann, der seit circa 1983 bei Real Madrid spielt, eigent­lich schon mal ein Spiel ver­passt? Und was macht er, wenn kein Fuß­ball ist? Grätscht er zuhause seine Blu­men­vasen ab und ellen­bogt sein Bilder von der Wand? Ant­wort: Ver­mut­lich ja.

28.

Nicht in der Start­auf­stel­lung bei Real: Mar­celo, Eden Hazard und Luka Modric. Als würde man beim Heavy-Metal-Band-Con­test mit einer ori­gi­nalen Gibson SG von Angus Young auf­tau­chen, aber vor dem ersten Song fünf Saiten run­ter­nehmen und Jingle Bell’s statt Hells Bells into­nieren.

31.

Asensio macht Glad­bach die größten Pro­bleme“, expertet Fuss, wäh­rend Asensio zu einem Schuss ansetzt, der 500 Kilo­meter hinter dem Tor in einem Gebüsch kurz vor Mün­chen ein­schlägt. Adolfo Der Ent­lauber“ Valencia erstarrt in Ehr­furcht.

35.

Ja glaub ich’s denn? Glad­bach führt, bezie­hungs­weise: GLAD­BACH FÜHRT! Weil Real leicht­fertig wird, weil Plea schnell schaltet und einen traum­haften Quer­pass spielt und weil Marcus Thuram eis­kalt bleibt und den Ball in den rechten Winkel don­nert. Noch ein Tor, und Zidane wird in der Halb­zeit ent­lassen. 

36.

Eine Kom­bi­na­tion, so schön, ich möchte bei Domian anrufen und ihm beichten, dass ich mich in sie ver­liebt habe.

39.

Mal ange­nommen, durch dieses Tor rutscht Real Madrid end­gültig in die Krise, dann wäre der Sohn von Lilian Thuram dafür ver­ant­wort­lich, dass dessen alter Buddy Zine­dine Zidane richtig Pro­bleme bekommt. Irgendwie ulkig. Vor allem, wenn ich das mit meinem Leben ver­gleiche. Denn das ein­zige Pro­blem, das ich Kum­pels meines Vaters bereiten könnte, wäre ihnen in der Kneipe auf den Zeiger zu gehen. 

41.

Glad­bach jetzt wie Par­ty­gänger nach einem Gang auf die Club­toi­lette: deut­lich selbst­be­wusster.

42.

Cas­emiro mit Hand­schuhen. Könnte mir bei einem wie ihm gut vor­stellen, dass er selbst auf die Eisen­stollen geschraubt hat.

45.

Hazard gibt es auch noch, sagt Fuss. Aber mal ganz im Ernst: Statt 100 Mil­lionen an Chelsea zu über­weisen, hätte Real auch mich holen können. Also wenn es nur darum geht, mit fünf Kilo zu viel auf der Bank zu sitzen und Eng­lisch mit starkem Akzent zu spre­chen.

45.+1

Mal ange­nommen, Men­schen könnten dieses Spiel heute dicht an dicht und ange­soffen in Kneipen gucken, jede Wette, dass bei der Rose-Ein­blen­dung gerade in aus­nahmslos JEDER Kneipe dieses Landes ein dummer Spruch gefallen wäre. 

Halb­zeit

Dann pfeift der Schieds­richter die erste Hälfte ab. Glad­bach führt tat­säch­lich mit 1:0 gegen Real Madrid. Wow. Zuletzt so positiv ver­wun­dert war ich, als Mat­thäus vorhin den Namen Zine­dine Zidane aus­ge­spro­chen hat.

21:54 Uhr

Real in der zweiten Hälfte laut Junior-Experte Bene­dikt Höwedes wie die armen Teufel mit den schlechten Fahr­rä­dern und den viel zu großen Viereck-Ruck­sä­cken: müssen lie­fern.

22:00 Uhr

Es soll ja Zeiten gegeben haben, in denen sich Real Madrid und Borussia Mön­chen­glad­bach auf Augen­höhe begegnet sind. Zeiten, in denen Günter Netzer der letzte Schrei war und das Fern­seh­bild noch nicht in Farbe im Wohn­zimmer ankam. Für mich, Jahr­gang 89, irgendwie unvor­stellbar. Ich muss unbe­dingt mal Kol­lege Bock fragen, wie sich das damals ange­fühlt hat – vor allem für ihn als Sport­re­porter.

46.

Anstoß. Und jetzt gilt es: Die Glad­ba­cher müssen hinten den Laden so dicht­ma­chen, dass Karl Lau­ter­bach ihnen die Gol­dene Lock­down-Medaille ver­leiht.

48.

Glad­bach jetzt ver­mehrt hinten rum, immer wieder Rück­pass auf Sommer, der bisher hält, als sei es nie Herbst geworden.

50.

Chance für Real. Neu­haus lenkt einen Schuss an den Pfosten. Erstaun­li­cher­weise nicht mit einem Traum­pass, son­dern mit einem Kopf­ball. Pardon, mit einem Traum­kopf­ball. 

52.

Ramos sieht mitt­ler­weile aus wie ein Druide, der sich in einem Fler-Video ver­laufen hat. Kurzum: so ähn­lich wie der Kol­lege Max Din­kelaker, wenn er don­ners­tags im Casual-Friday-Look zur Arbeit kommt.

55.

Glad­bach kloppt jetzt Bälle raus. Radikal, kom­pro­misslos und hart. Diese Ver­tei­diger trauen sich alles, da bin ich mir sicher. Sie würden sogar um 19:55 Uhr ein After Eight essen und um 8.30 Uhr ein Knop­pers. Toll.

56.

Wie ist das eigent­lich, wenn an der Sei­ten­linie einer wie Zine­dine Zidane steht? A. Man zieht extra glän­zende Schuhe an. B. Man lernt extra coole Sprüche für den Trash-Talk. C. Man träumt die ganze Zeit davon, wie man eine Flanke von Zidane per Sche­ren­schlag in den Winkel setzt. Plea, dieser Wun­der­knabe, würde zu D ten­dieren: Ihm in der Halb­zeit­pause einen Zettel in die Hand drü­cken, auf dem steht: Ich habe als Kind schon davon geträumt, einmal in FC-Bar­ce­lona-Bett­wä­sche zu schlafen. Und nun hör auf, von meinen Pässe zu tag­träumen!“

58.

Toooooooor! 2:0. Der zweite Tor­ab­schluss von Glad­bach“, weiß Fuss. Oder wie Rudi Völler einst sagte: Das ist eine 110-pro­zen­tige Chan­cen­aus­wer­tung, aber die halbe Miete ist das noch nicht.“

61.

Rie­sen­chance mit Plea, danach Hoff­mann, der zwei Real-Ver­tei­diger aus­spielt. So langsam wirkt das alles, als ver­suche Real Madrid, die Saison 1965/66 von Tas­mania Berlin nach­zu­spielen. 

64.

Von außen Ansagen. Was ja hier in der Cham­pions League exakt so ist wie beim Kreis­li­ga­kick im Det­mold oder Süd­thü­ringen: Ansagen (vom Trainer oder von den Spie­lern) werden immer, ja wirk­lich immer, dop­pelt gemacht. Als hätten sie sonst keine Gül­tig­keit: Pas­sen­passen!“, Hin­ter­mann­hin­ter­mann!“, Ball­ball!“, Drü­cken­drü­cken!“, Raus­raus“, Spie­len­spielen“. Kenne das sonst nur von Twitter, wo einer immer Hal­lohallo schreibt. Ver­mut­lich ein ehe­ma­liger Cham­pions-League-Trainer aus Det­mold.

65.

Alter. Glad­bach spielt Real jetzt regel­recht schwin­delig, Lup­fer­pass hier, Tunnel da, Dribb­ling dort, dann fast das 3:0 von Stindl. Spä­tes­tens jetzt würde ich als Glad­ba­cher Spieler aller­dings eine Lebens­ver­si­che­rung abschließen. Für die Duelle mit Ramos.

68.

Dinge, die in Duellen gegen Sergio Ramos helfen würden: eine Rit­ter­rüs­tung.

69.

11FREUNDE-Kolum­nist Kramer sieht nach einem über­harten Ein­steigen Gelb. Kol­lege Bock nickt stolz. 

70.

Real Madrid wech­selt Modric und Hazard ein, wäh­rend Glad­bach Dop­pel­tor­schützen Thuram aus­wech­selt. Wäre das Spiel ein Schiff, es hätte plötz­lich ordent­lich Schlag­seite.

74.

0:2 hinten. Gegen Glad­bach. Wenn es einen Mensch auf der Welt gibt mit weniger Geduld als Fried­rich Merz, dann ist das defi­nitiv Sergio Ramos.

77.

Viel­leicht ein biss­chen Off-Topic, aber es inter­es­siert mich nun mal: Wie geht es euch eigent­lich damit, dass ihr dank der Mer­kel­dik­tatur nach 23 Uhr kein Adre­no­chrom mehr am Späti bekommt?

78.

Apropos Off-Topic und ner­viger Blöd­sinn: Haben Sie eigent­lich schon mal über SKY Q nach­ge­dacht???

79.

Und genau jetzt hätte Cris­tiano Ronaldo das erste von drei späten Toren gemacht. Per Elf­meter. Der eigent­lich keiner war. 

81.

Marcus Thuram in Madrid ab heute so beliebt wie Emma­nuel Macron in der Türkei.

83.

Hannes Wolf nun bei Glad­bach im Spiel. Immer wieder erstaun­lich, dass der HSV und Stutt­gart offenbar ein gutes Sprung­brett für die Cham­pions League sind.

85.

Modric ist 35, erfahre ich gerade. Das macht mir Angst. Neu­lich schon wurde der ewige Teenie-Schwarm Mehmet Scholl grei­sen­hafte 50. Wie alt bin ich eigent­lich? 102? Wenn ja: Hallo BVG, muss ich immer noch für die Kurz­strecke zahlen oder fahr ich mitt­ler­weile für lau?

87.

Letzt­end­lich muss man sagen: Das hier mit Fans, mit tau­senden sin­genden und tan­zenden Glad­ba­chern. Alles in Schwarz-Weiß-Grün. Gesänge, die durch die ganze Stadt wehen. Wen das nicht anrührt, der ist Kölner oder frisst mor­gens Nägel im Müsli. Was ver­mut­lich dass­selbe ist. 

89.

Ohn­ooooo. Real ver­kürzt. Ben­zema trifft. Jetzt wird das hier eine ganz ganz hotte Kiste. So hot viel­leicht, dass der ulti­ma­tive Hot­spot Neu­kölln dagegen wirkt wie eine Käl­te­kammer.

90. +1

Bense­baini schießt einen Frei­stoß auf die Tri­büne, der Ball ver­keilt sich zwi­schen den Sitz­reihen. Bense­baini ballt die Faust. Bis Yann Sommer ihm verrät, dass meh­rere Bälle im Umlauf sind und der Schieds­richter vier Minuten Nach­spiel­zeit ver­kündet. Wofür? Naja, dies­das­jenes. Wir trinken vor Wut einen Ahlen­felder.

90. +4

Ach­komm­schon­da­sist­doch­scheiße! Cas­emiro gleicht tat­säch­lich aus. In der dritten Minute der Nach­spiel­zeit. Marco Rose bereitet jetzt schon Post-its für das nächste CL-Spiel vor: Ein Spiel dauert 90 Minuten. Und manchmal 90 +3. Und viel­leicht sogar +4. Ein Spiel dauert ver­dammt noch mal so lange, bis der ver­dammte Mann in Rot/​Grün/​Schwarz/​Gelb/​Pink abpfeift!“ 

22:58 Uhr

Letzte Woche ver­passt Glad­bach einen Sieg gegen Inter in der letzten Minute. Diese Woche gegen Real Madrid. Unsere Spiel­ana­ly­tiker haben der­weil eine Inten­siv­re­cherche betrieben: Gegen Donezk braucht ihr nicht vor 90. +1 ein­schalten. Bis dahin.