Liveticker
Portugal – Frankreich 2:2
EM

20.46 Uhr

Guten Abend! Dies ist ein Hil­feruf! Denn ich bin seit drei Wochen Gefan­gener des fran­zö­si­schen WM-Songs von 2018. Ihr wisst schon, der, in dem die Welt­meister alle nament­lich gefeiert werden. Ramenez la coupe à la maison.” Ein biss­chen nervt es mich, dass ich kein Wort Fran­zö­sisch spreche, aber ich kriege auch so nicht genug von diesem Lied (da können Kim­mich und die anderen Jungs aus der Lager­feuer-WG in Her­zo­gen­au­rach mit ihrem Geklimper ein­pa­cken). Und immerhin die Spie­ler­namen kann ich mit­singen. Bei Mais com­ment il s’ap­pelle? Kanté / N’Golo, N’Golo Kanté“ lächele ich in mich hinein, weil ich vor meinem inneren Auge sehe, wie die Mann­schaft den besun­genen Mann im Stade de France in die Luft hebt. Und wie pein­lich berührt Kanté dabei grinst, als wäre ihm das zu viel Auf­merk­sam­keit. Wird ihn heute trotzdem genau beob­achten: der Ticker.

20.49 Uhr

Zur Ein­stim­mung:

20.52 Uhr

Und noch ein por­tu­gie­si­scher Klas­siker:

22.57 Uhr

Les Bleus stellen sich heute wie folgt auf: Lloris – Her­nandez, Kim­pembe, Varane, Koundé – Tolisso, Kante, Pogba – Mbappé, Ben­zema, Griez­mann. Kann man als kon­kur­renz­fähig bezeichnen.

20.59 Uhr

In der Startelf von Por­tugal heute erst­mals Renato San­ches für Bruno Fer­nandes (sprich: Gra­fitsch).

1.

Das Spiel beginnt mit dem Pfiff des Schieds­rich­ters und bei einem Stand von 0:0. Da habe ich mir, ehr­lich gesagt, mehr erhofft.

3.

Weder Petit noch Maniche bei Por­tugal von Beginn an. Nehmen sie die Fran­zosen nicht ernst?

6.

Nelson Semedo kann einem ein wenig leid tun. Fraß gegen Robin Gosens am Samstag ordent­lich Staub und darf heute gegen Kylian Mbappé ran. Ent­spannte Arbeits­woche.

10.

Das Spiel heute ja wieder in Buda­pest. Und es scheinen auch einige Ungarn im Sta­dion zu sein, denn als gerade die Bot­schaft die Runde macht, dass die unga­ri­sche Mann­schaft in Mün­chen mit 1:0 in Füh­rung gegangen ist, brandet Jubel in der Puskás Aréna auf. Und apropos Buda­pest: An dieser Stelle auch ganz liebe Grüße und ein Kopf hoch“ an die fran­zö­si­schen Fans, die das letzte Spiel ihrer Mann­schaft leider ver­passt haben, weil sie statt nach Buda­pest, wo die Partie statt­fand, nach Buka­rest geflogen waren. Und sich offenbar auch weder von den rumä­ni­schen Flaggen noch vom rumä­nisch spre­chenden Per­sonal am Flug­hafen abhielten ließen.

14.

Pepe musste schon einmal gegen Mbappé ran. Pepe? Zuge­geben, ich habe mich vorhin von Béla Réthy in den Schlaf kom­men­tieren lassen und bin daher noch etwas müde. Aber ich träume nicht, Pepe steht tat­säch­lich immer noch und damit seit 14 Jahren für Por­tugal auf dem Feld. Hat sich seitdem wirk­lich gar nicht ver­än­dert. Viel­leicht kann er mich gleich einmal wach machen“ (von hinten umwichsen und dann seine Eisen­stollen in meinem Rücken ver­ewigen).

20.

Hoppla! Varane köpft den Ball unglück­lich direkt in den Fuß eines Por­tu­giesen, was am Sech­zehner sowieso keine gute Idee ist, und erst recht nicht, wenn es sich bei diesem Por­tu­giesen um Cris­tiano Ronaldo han­delt. Eine per­fekte Vor­lage, Ronaldo aber wie ein Pfandau­tomat, den man mit der fal­schen Fla­sche füt­tert: kann sie nicht ver­werten.

27.

Nach einem Frei­stoß Por­tu­gals stürmt Hugo Lloris aus seinem Tor, um den Ball weg­zu­fausten. Trifft dabei aber haupt­säch­lich Danilo Pereira am Kopf. Es gibt Elf­meter für Por­tugal. Pereira wird der­weil am Boden behan­delt, das sieht ziem­lich übel aus. Warten wir mal kurz ab.

31.

Puh, Pereira steht zum Glück wieder. Ronaldo steht auch, und zwar am Sech­zehner, die Beine gespreizt, bereit den Elf­meter mit unzu­läs­siger Geschwin­dig­keit in die Maschen zu treten. Macht er dann auch. 1:0 Por­tugal!

35.

N’Golo Kanté bis­lang noch nicht gut im Spiel, sogar mit – Ach­tung – Fehl­pässen und Ball­ver­lusten. Ist aber natür­lich mal wieder überall. Gerade noch einen Zwei­kampf am eigenen Sech­zehner geführt, jetzt einige Meter vor dem por­tu­gie­si­schen Tor. Ich habe ihn vor dem Spiel übri­gens noch an der Kasse im Edeka getroffen.

38.

Die Fran­zosen schaffen es aktuell nicht, gefähr­lich vors Tor zu kommen. Denn: Dichter als die por­tu­gie­si­sche Ver­tei­diger stehen nur die Zuschauer in der Puskás Aréna.

44.

Hä?! Bzw.: Was?? Oder auch: Wie bitte??? Mbappé macht 329 Über­steiger, spielt ab zu Pogba, sprintet dann in den Sech­zehner, wo der Ball auch hin­kommt, wo er aller­dings an Nelson Semedo abprallt. Und es gibt Elf­meter? Leider lächer­lich. Eine zwei­fel­haf­tere Ent­schei­dung hat in dieser Woche nur die UEFA getroffen.

45.+2

Karim Ben­zema tritt an. 1:1. Und wenig später ist dann erstmal Halb­zeit. Marco Hage­mann droht mit Johannes B. Kerner, ich gehe lieber und schmiere mir die Schland-Schminke aus dem Gesicht. Bis gleich.

46.

Die zweite Hälfte läuft. Da sich die Auf­merk­sam­keit der Bun­des­re­pu­blik aktuell ohnehin auf DIE MANN­SCHAFT in Mün­chen richtet, erlaube ich mir einen Kom­mentar zum Par­al­lel­spiel: Ádám Szalai? Haha­ha­ha­ha­ha­haha.

47.

Toooooooor für Frank­reich! Schon wieder Karim Ben­zema! Wird von Pogba wun­der­schön in den Lauf geschickt, schließt ab, Innen­pfosten, drin. Freut sich dann gar nicht, weil der Lini­en­richter die Fahne hebt. Schieds­richter Lahoz aber malt ein Rechteck in die Luft und zeigt dann fast schon scha­den­freudig auf den Mit­tel­punkt wie auf einen Mit­schüler, den er gerne ver­petzen möchte. Bedeutet: Ein Ein­trag ins Klas­sen­buch und ein Treffer für Frank­reich. 2:1.

52.

Karim Ben­zema, ein Phä­nomen. Steht bei Real Madrid end­lich nicht mehr im Schatten Ronaldos und macht wei­terhin eine Bude nach der anderen. Trägt dabei natür­lich seinen weißen Ver­band an der Hand. Auch heute wieder. Ich hoffe ja, er wech­selt ihn ab und zu auch mal, sonst wäre es der schmie­rigste Ver­band nach der UEFA.

58.

Ich kenne ja eigent­lich nur Drei Ecken, ein Elfer“. Es scheint nun aber eine neue Regel zu geben: Kaum Ecken, drei Elfer. Diesmal wieder für Por­tugal, nach Hand­spiel des fran­zö­si­schen Rechts­ver­tei­di­gers. Eine frohe Koundé für die Por­tu­giesen.

60.

Ronaldo tritt wieder an, trifft wieder, rennt zur Außen­linie, schraubt sich in die Luft, landet auf einer Boeing im unga­ri­schen Luft­raum, die sich auf dem Weg zum Flug­hafen Köln/​Bonn befindet, und spielt fortan für den 1. FC. Trainer Andre Brei­ten­reiter: Es hat sich noch nie­mand in die Mann­schaft geflogen.“ Kon­se­quent.

67.

Dop­pel­chance für Frank­reich. Erst Pogba aus gut 20 Metern, Patricio mit einer spek­ta­ku­lären Parade, dann Griez­mann im Nach­schuss, nicht weniger gefähr­lich, aber schon wieder Patricio. Immerhin: Die Fran­zosen mit mehr guten Abschlüssen als NRW.

73.

Beide Mann­schaften gönnen sich gerade eine kurze aktive Pause, bevor die Schluss­phase beginnt. Was mir die Mög­lich­keit gibt, von N’Golo Kanté zu schwärmen, der inzwi­schen sehr gut im Spiel ist, dem nicht nur das Mit­tel­feld gehört, son­dern auch die Herzen vieler, vieler Fuß­ball­fans. Ver­ständ­li­cher­weise. Es kur­sierte vor kurzem fol­gende Geschichte über ihn: Kanté wurde zu seiner Zeit bei Caen in der Ligue 2 auf die Geburts­tags­feier seines Mann­schafts­kol­legen Felipe Saad ein­ge­laden. Kanté erschien am Restau­rant mit einer Tafel Scho­ko­lade und ent­schul­digte sich für dieses Geschenk. Er habe nicht gewusst, was er mit­bringen solle, weil er, und jetzt Taschen­tü­cher bereit halten, noch nie zuvor zu einer Geburts­tags­feier ein­ge­laden worden sei.

77.

Kanté fährt im Übrigen einen Mini Cooper. Zur Ein­ord­nung: Es gibt deut­sche Fami­lien, in denen so ein Wagen quasi im Abitur inbe­griffen ist.

82.

Kylian Mbappé bis­lang mit einem ent­täu­schenden“ Auf­tritt, was aber natür­lich ein hartes Urteil ist. Der Typ ist jetzt 22, hat schon im Alter von 19 Jahren alles gewonnen, ist mehr­fa­cher fran­zö­si­scher Meister, Pokal­sieger und Welt­meister. Ich bin genauso alt wie er und der größte Erfolg meines Lebens besteht darin, Ronald­inho bei FIFA 09 zum VfL Bochum gelockt zu haben.

88.

Inzwi­schen ähnelt das Spiel einem Nicht­an­griffs­pakt, beide Mann­schaften nehmen das Tempo raus, was daran liegt, dass beide aktuell im Ach­tel­fi­nale stehen. Ungarn Stand jetzt aus­ge­schieden. Und den unga­ri­schen Fans in Buda­pest geht es mit dem ambi­ti­ons­losen Rum­ge­schiebe auf dem Platz es jetzt wie der UEFA: es wird ihnen zu bunt. Und sie pfeifen.

90.+2

Die Fran­zosen beschweren sich über ein hartes Ein­steigen von Pepe. Was in etwa so ist, als würde man sich dar­über beschweren, dass Wasser nass ist.

90.+5

Es bleibt beim 2:2, davon drei Elf­me­ter­tore. Ich hatte mir etwas mehr ver­spro­chen, aber gut. Schiri Lahoz ver­teilt noch eben Kopf­noten, bestimmt den Tafel­dienst und dann dürfen alle gehen. Abpfiff. Por­tugal und Frank­reich sind weiter, Deutsch­land auch, Ungarn ist aus­ge­schieden. Die CDU atmet auf und darf sich dann nach dem deut­schen Sieg gegen Eng­land im Ach­tel­fi­nale über eine abso­lute Mehr­heit im Bun­destag freuen. Fuß­ball ist ein­fach so herr­lich unvor­her­sehbar. Und damit noch einen schönen Abend.