Liveticker
Deutschland – Frankreich 2:1

20:46 Uhr

Schönen Abend Schland. Fetzig, dass ihr so zahl­reich erschienen seid. Beim letzten Lager­feuer der Nation, hier in Milton Keynes. Kol­lege Louis Richter (Ihr erkennt ihn am schland­far­benen Fuchs­schwanz, der hinten an seinem Fahrrad ange­bracht ist) holt gleich schon mal seine Klampfe raus und raunt ein gefüh­liges Frei­heit“ von Wes­tern­hagen in die stern­klare Nacht. Ich, Max Nölke (der mit der schwarz-rot-geilen Hawaiikette), steck mir jetzt das Kohl­ge­müse auf den Stock. Hach, ist das herr­lich!

20:50 Uhr

Was ich sagen will: EM-Halb­fi­nale. Deutsch­land gegen Frank­reich. Wir sind wieder wer! Bezie­hungs­weise waren wir nie nicht wer! Nicht wahr?

20:53 Uhr

Wich­tigste Per­so­nalie: Klara Bühl fällt wegen einer Corona-Infek­tion aus. Lena Ober­dorf hatte dar­aufhin ver­kündet: Wir werden für Klara spielen.“ Ange­nommen die Fran­zösin Élise Bus­saglia würde noch Fuß­ball spielen, dann aber aus­fallen. Spielen ihre Team­ka­me­ra­dinnen dann einen Klas­siker von Ludwig van Beet­hoven?

20:55 Uhr

Für die ver­letzte Bühl rückt Brand nach. Nicht zu ver­wech­seln mit der Situa­tion auf der A44 bei Kassel: da rückt Brand nah.

20:58 Uhr

Giulia Gwinn zu ihren Eltern: Mama, Papa. Ver­haltet ihr euch bitte normal heute?“

Giulia Gwinns Eltern:

Gwinn

1.

So, Anpfiff. Und wir Allez hoffen doch nur auf ein tolles Spiel. In dem sich die DFB-Elf im Ide­al­fall keine Bleuße gibt. Oder wie man in Frank­reich sagt: Kieken wa‘ ma.

2.

Die deut­sche Mann­schaft steht bis­lang bei 11:0 Toren in diesem Tur­nier. Oder wie sie beim KFC Uer­dingen sagen: Essen kommt. In diesem Sinne: Bon appétit

3.

Die Wie­der­zu­las­sung von Steh­plätzen im Euro­pa­pokal. 50+1‑Gegner Martin Kind nicht mehr bei Han­nover 96. Würde passen, wenn das hier gleich ein schep­perndes Acht-Tore-Spek­takel mit Sieg­treffer in der Nach­spiel­zeit wird, so sehr scheint der Fuß­ball heute in Gönn­erlaune zu sein.

4.

Mar­tina Voss-Teck­len­burg jetzt im Sakko am Spiel­feld­rand. Schade! Hatte sie doch beim Warm-Up noch einen der­maßen coolen over­sized Pulli an, dass ich bei der Pres­se­stelle des DFB soeben nach­ge­fragt habe, wann ihr erstes Rap-Mix­tape erscheint.

5.

Brand. Rauch. Wenn Jule heute nicht einen für Feli­citas auf­legt, zünden wir das Internet erstmal so richtig an.

8.

Das Bild auf dem Rasen bisher: Frank­reich ball­do­mi­nant, Deutsch­land zwei­kampf­stark. Ein erster Kon­ter­ver­such von Lina Magull ver­puffte eben. Musste da alleine gegen gefühlt sieben Gegen­spie­le­rinnen andrib­beln. Und von 7 vs. Wild“ brauchte nun wirk­lich nie­mand so drin­gend schon wieder eine neue Staffel.

10.

Poah, Wendie Renard. Frank­reichs Ver­tei­di­gerin läuft Svenja Huth erst den Ball ab und klärt die Situa­tion dann per Hacke. Zockt Eng­lands Alessia Russo nur ein müdes Lächeln ab.

12.

Bixente Liz­a­razu sitzt auf der Tri­büne und kom­men­tiert für das fran­zö­si­sche Fern­sehen. Bleibt nur die Frage: Hat wer’n Stream?

15.

Das deut­sche Team bis­lang noch wie ein wütender Feier-Tou­rist in einem Ber­liner Tech­no­schuppen, der das bepu­derte Tablet ver­se­hent­lich vom Tisch gehauen hat: Sucht noch nach der Linie.

17.

Magull schlägt einen Frei­stoß aus dem Halb­feld. Wieder ist die fran­zö­si­sche Tor­hü­terin unsi­cher. Aber wer will es ihr ver­denken? Sind nunmal Flut­schwinger-Tem­pe­ra­turen der­zeit.

20.

Wieder Lina Magull mit dem Frei­stoß. Diesmal hat Pau­line Pey­raud-Magnin den Ball sicher. Frank­reichs Kee­perin ist zu unserem Bedauern übri­gens nicht durch eine Heirat mit Ludovic Magnin zu ihrem Namen gekommen. Ganz ehr­lich, hätte ich aber auch nicht ver­standen. Dann doch lieber Pey­raud-Del­pierre oder Pey­raud-Zivkovic.

24.

Ufff! Erste gute Mög­lich­keit für Deutsch­land. Alex­andra Popp 20 Meter vor dem Tor beim Frei­stoß. Zieht mit links ab, Pey­­raud-Magnin lenkt ihn um den Pfosten. Trotzdem schöne Aktion, gibt Popps!

26.

Marina Hege­ring jetzt im Straf­raum. Sucht hege­rin­gend nach der Lücke. Wird geblockt. Weiter 0:0.

28.

Die deut­sche Mann­schaft geht nun ent­schlos­sener zur Sache als Jens Leh­mann in der Nach­bar­s­ein­fahrt.

31.

Jetzt alle in einer Hälfte“, sagt Claudia Neu­mann. Hey, das find ich unfair. Also wirk­lich. Ver­ein­zelte Teile der Bevöl­ke­rung sind schon noch in Ost­deutsch­land geblieben.

34.

Auf der Links­ver­tei­di­ger­po­si­tion zuhause, super linker Huf, gute Ecken und Frei­stöße: Mit den Qua­li­täten, die Feli­citas Rauch mit­bringt, würde sie bei Hertha BSC sofort zur Kapi­tänin ernannt werden. Grüße an Marvin Plat­ten­hardt.

37.

Memo an uns: Kein Wort­witz zu Sandie Toletti. Kein Wort­witz zu Sandie Toletti. Kein Wort­witz zu Sandie Toletti. Kein Wort­witz zu Sandie Abputzi. Kein Wort­witz zu Sandie Hän­de­wa­schi.

39.

Diese eine Angst: Mor­gens das Mee­ting geschwänzt und jetzt sitzt der Chef in der glei­chen Bahn. Diese andere Angst: Mit dem Ball am Fuß im Mit­tel­feld und Lena Ober­dorf kommt auf dich zu geprescht. Und grätscht dir, wie gerade geschehen, mit Karacho die Murmel vom Schnür­senkel.

41.

Und dann: TOOOOOOOOR für Deutsch­land! Und natür­lich ist es Alex­andra Popp. Wer auch sonst? Huth bringt den Ball von rechts rein, Popp rauscht im Fünfer ran und drückt das Ding über die Linie. Das letzte Mal, als eine deut­sche Natio­nal­mann­schaft eine solche Treff­si­cher­heit in vor­derster Front hatte, müsste Gerd Müller noch seine Schuhe geschnürt haben.

43.

Und die Füh­rung für das deut­sche Team ist mitt­ler­weile das, was eine Gehalts­er­höh­rung für das Pfle­ge­per­sonal wäre: absolut ver­dient.

45.

Oh là là: Der Aus­gleich! Und wie: Diani setzt sich im Zwei­kampf gegen Hend­rich durch, wühlt kurz im Werk­zeug­kasten und findet, sieh an!, den Hammer. Der Schuss prallt vom Pfosten an Frohms Rücken und von da ins Tor. Deut­sche Halb­zeit­füh­rung? War wohl ein allzu frohmer Wunsch. Denn kurz danach ist Pause.

21:51 Uhr

Übri­gens nicht zu ver­wech­seln: Frank­reichs Tor­schützin Diani und der Andi:
Brehme

21:54 Uhr

Auf­re­gendes Spiel! Jetzt aber erstmal run­ter­kommen mit leichten Themen im heute-journal: Pan­zer­hau­bitzen, Wald­brände und so. Nice und chillig auf jeden Fall! Bis gleich.

22:00 Uhr

Nicht zu ver­wech­seln Part 2: Kathrin Leh­mann: Experte Jens Leh­mann: Flex­perte.

46.

So weiter gehts. Deutsch­land jetzt von rechts nach links. Klingt prin­zi­piell schon mal ver­nünftig.

48.

Svenja Huth mit dem ersten Abschluss, knapp links vorbei. Aber ich sach mal so: huther Auf­takt! (Was man von diesem Ticker jetzt nicht zwangs­läufig behaupten kann.)

51.

Ober­dorf ver­fügt über einen wahn­sin­nigen Werk­zeug­kasten, quasi den von Obi“, will Claudia Neu­mann wissen. Den glei­chen hat Jens Leh­mann wohl auch.

53.

Und Mario Barth sitzt noch immer lachend vor dem Fern­seher und sagt zu seiner Freundin, kennze, kennze Freundin: Genaaaaa­auuu! Ne Frau und n Werk­zeug­kasten. Als ob ihr wisst, wat’n 9‑teiliger Innen­secks­kant­schlüs­sel­satz mit Kugel­kopf is! Hähähähähähä.“

56.

Lena Ober­dorf jetzt ver­letzt am Boden. Gerade mehr so Lena Unter­stadt.

59.

Jule Brand rennt die Linie hier rauf und runter, spielt nen guten Ball. Ganz ehr­lich: wären mir als Dort­munder 25 Mil­lionen wert.

62.

Auf der anderen Seite jetzt Svenja Huth am Ball. Rennt, als würde sie über den Are­na­ring gejagt. Und Mar­tina Voss-Teck­len­burg von der Sei­ten­linie: Da ist die Huth!!!“

63.

Jetzt mal wieder Frank­reich. Selma Bacha im Sech­zehner, dreht sich, schießt, doch Cathy Hend­rich sagt: Basta!“ und schä­delt das Ding raus.

65.

Puuuh! Anschlie­ßende Ecke der Fran­zö­sinnen und da fliegt Wendie Renard heran wie ein Düsenjet, köpft den Ball auf den Kasten doch Merle pariert frohms­artig.

66.

Grund 178358, warum dieses Tur­nier übri­gens so klasse ist: So wenige Schwalben, würde sich das aufs echte Leben über­tragen, wir hätten die Vogelart längst als aus­ge­storben ein­stufen müssen.

68.

Aiaiai, Marina Hege­ring wie ein stolzer Schäfer: mit nem ganzen dicken Bock. Der viel zu kurz gera­tene Rück­pass wird zur Groß­chance für Diani, doch Frohms pariert.

70.

Erste Wechsel beim deut­schen Team. Däbritz und Magull gehen raus, Linda Dall­mann und Sidney Loh­mann kommen. Ganz ehr­lich: Würde Letz­tere eine Singer-Song­writer-Platte auf­nehmen und als Sidney Lowman“ hau­sieren, wir wüssten, welche Gitarren-Cover­songs dem­nächst im Park eures Vetrauens von irgend­einem Eugen zum Besten“ gegeben werden.

72.

Brand drib­belt an. Wird gelöscht.

74.

Extrem­sport, aber im Sinne von: Sich von Lena Ober­dorf frei­willig mit beiden Beinen vom Rasen grät­schen lassen.

77.

Und dann: TOOOOOR. Und ver­dammt nochmal, was soll man dazu noch sagen?! Flanke Gwinn, Alex Popp fliegt ein und drückt den Ball per Kopf über die Linie. Legen – warte, es kommt gleich – där!

78.

Char­lotte Bibault, Eve Perisset, Pau­line Pey­raud-Magnin – Namen, als wären sie aus Charles Bau­de­laires Fül­ler­pa­trone direkt auf den Spiel­be­richts­bogen getröp­felt worden. Deutsch­land ant­wortet mit Alex­andra Popp. Und die stanzt auf 2:1.

82.

Däbritz klingt, als befände es sich nur zehn Traktor-Minuten von Kyritz ent­fernt. Von da wie­derum sind es in 20 nach Neu­ruppin geschafft.

85.

Es ist halt wirk­lich geil, Deutsch­land­spiele zu gucken und nicht einen emo­ti­ons­losen Ober­lehrer mit dunklem Strick­pulli an der Seite stehen zu sehen, einem nasal trö­tenden Weiß­haa­rigen zuhören zu müssen und alle zwei Minuten zu einem Schluck Bier gezwungen zu werden, weil der Neuner wieder hem­mungslos ins Abseits gerast ist.

88.

Würde ja gerne mal ein Kopf­ball­duell zwi­schen Jan Koller und Wendie Renard sehen. Ver­mute nur, dass sich Red Bull pro forma schon die Über­tra­gungs­rechte gesi­chert hat. Die stehen ja auf Stra­to­sphä­ren­sprünge.

90.+1

Und plötz­lich kann Loh­mann den Deckel drauf machen. Schiebt frei­ste­hend vorbei. L’Oh, Mann!

90.+4

Frank­reichs Taktik hier in den letzten Sekunden: Wendie Renard nur an den Ball käme…

90.+5

Und dann ist Schluss, Abpfiff! Die deut­sche Natio­nal­mann­schaft schlägt die Fran­zö­sinnen mit 2:1. Alex­andra Popp sackt auf dem Rasen zusammen. Was für eine Stür­merin! Was für eine Story! Wem­bley Cal­ling! L‘equipe Tri­co­ko­lores! Rien ne va plus! Wir müssen durch­atmen!

23:03 Uhr

Wow, ey. Was ne Story. Deutsch­land, als – jo, die fünf Euro zahlen wir ein – abso­lute Wun­der­tüte ins Tur­nier gestartet. Weil doch alle Nationen dieses Team über­holt und die DFB-Frauen den Anschluss ver­loren hätten. Und dann das: Finale. Mit einem Team, das die pure Geschlos­sen­heit aus­strahlt. Das packenden Fuß­ball spielt und irgendwie ein­fach so ange­nehm ehr­lich und echt ist. Das macht Spaß. Und dafür braucht’s dann auch keine Pointe. Sonntag also Wem­bley. Bock! Und bis dahin: Gute Nacht!