Liveticker
Polen – Slowakei 1:2
EM

17:51 Uhr

Freunde, herz­lich Will­kommen zum Live­ti­cker. Und da möchte ich EXPLIZIT die paar Finanz­haie aus­nehmen, die durch ihre Rech­te­scha­cherei dafür gesorgt haben, dass ich das Spiel Schott­land gegen Tsche­chien eben nicht im Free-TV sehen konnte und damit auch das 50-Meter-Tor von Patrick Schick ver­passt habe, obwohl ein Fuß­ball­tur­nier ver­dammt noch mal Kul­turgut ist und für jeden und alle frei zugäng­lich sein sollte. Also: Ver­flucht seid ihr, ihr Gier­schlünde, irgend­wann hol ich mir per­sön­lich von euch den Fuß­ball zurück. An alle anderen: Hab euch lieb, lasst uns ein wenig Spaß haben.

17:53 Uhr

Wer lei­der­leider die ARD-Sport­schau-Band ver­passt hat, hier nochmal das Video:

17:58 Uhr

Polen gegen die Slo­wakei also. Geiles Spiel. Wäre das Bun­des­liga, wäre das viel­leicht Hof­fen­heim gegen Mainz oder etwas ähn­lich Unguck­bares, und ich würde 90 Minuten auf einer Hand­voll Reiß­zwe­cken rum­kauen, als das Spiel frei­willig anzu­schauen. Aber wäh­rend der Tur­niere lebe ich für diese Spiele, sitze hier im TSG-Trikot und hab das Schäl­chen Reiß­zwe­cken auf dem Tisch stehen, Geschmacks­rich­tung Cheese and Onion, mjam.

1.

Anstoß. Auch bei deut­schen Spe­di­tionen sicher ein beliebter Satz: Die Slo­waken starten.

2.

Klar, erste Aktion im Spiel ein Foul. Schneller gelegt wird nur auf der Berg­hain-Toi­lette. Und dann also Frei­stoß Slo­wakei. Durch Hamsik aus­ge­führt. Ja genau, der Hamsik, der zwölf Jahre bei Neapel gespielt hat, dann nach China gewech­selt ist, dann nach Schweden und jetzt also in der kom­menden Saison in die Türkei. Und der sich mit seinem Iro­ke­sen­schnitt so hip­ness­mäßig natür­lich auch irgendwo zwi­schen Mr. T und Berg­hain bewegt. Aber wie das oft so ist: Auf­fäl­liges Äußeres ungleich inter­es­sante Ideen. Frei­stoß bringt nichts. Schade.

4.

Ich freue mich immer noch, dass echt Paulo Sousa jetzt Polen trai­niert. Freue mich aber noch mehr darauf, dass also in logi­scher Kon­se­quenz bald Wolf­gang Fei­er­singer Coach der luxem­bur­gi­schen Natio­nal­mann­schaft werden muss und Knut Rein­hard die Betreuung von Hon­duras über­nimmt.

7.

Spiel gerade wie das Wahl­pro­gramm der CDU: Bis jetzt noch mit wenig Inhalt.

9.

Polen jetzt über rechts. Ver­bieten kurz Homo­se­xua­lität, Abtrei­bung, alle anderen Reli­gionen außer Katho­li­zismus sowie Vega­nismus sowieso und ver­su­chen’s dann noch mit einer Flanke. Lewan­dowski steigt hoch, kommt aber nicht an den Ball. Irgendwo nickt Andrzej Duda trotzdem aner­ken­nend.

12.

Wir lernen von Tom Bar­tels: Wichtig, dass die Slo­waken auch mal länger den Ball haben.“ Ich möchte zum Mas­ter­plan hin­zu­fügen: Und, dass sie viel­leicht auch mal aufs Tor schießen.“

14.

Aber jo, glatt pas­siert. Ondrej Duda pro­biert’s mit einem Fern­schuss aus gut 20 Metern, nicht so schlecht, trifft das Außen­netz. Und beim 1. FC Köln fragt man sich in diesen Minuten, wo er das nur gelernt haben könnte.

18.

Und Tor! Für die Slo­wakei. Robert Mak, wir erin­nern uns kurz, hat mal bei Nürn­berg gespielt, ja jeden­falls, der macht auf der linken Seite ein­fach mal zwei pol­ni­sche Ver­tei­diger so frisch, auf deut­schen Schul­höfen gibt es dafür Schläge in den Nacken: Tun­nelt seinen Gegen­spieler, zieht nach innen, hält aus viel­leicht zehn Metern drauf, zwar in die Tor­wart-Ecke, aber Szc­zesny patzt und dann ist das das 1:0. An der Sei­ten­linie zer­teilt Robert Lewan­dowski aus Wut einen Back­stein. Mit seinen Bli­cken. Weiter geht’s.

22.

Wie ich mir den Kom­mentar zum Tor im slo­wa­ki­schen Fern­sehen vor­stelle: Der kommt an. Mak ihn! MAK IHN!!!! ER MAAAAAAAAAAKKKKKT IIIIIIIHHHHHNN!!!!“

25.

Lewan­dowski bisher übri­gens blass. Tja, aber so ist das halt: Man ist ja immer nur so gut wie die Truppe um einen herum, und seien wir ehr­lich, bei den Rake­ten­bayern kannst du auch den Taxofit-Medi­zin­koffer in den Straf­raum stellen, der macht dann halt auch so seine zehn Sai­son­tore. Bei Polen ist’s dann schon wieder nicht ganz so ein­fach. Ent­spre­chend würd ich den Lewa gern mal in der Kreis­klasse sehen, wo er wahr­schein­lich hilflos über einen Acker­platz stol­pern würde, mit plötz­li­chen 15 Kilo mehr auf den Rippen, und die Rentner an der Bande nach zwei Minuten schon wieder genervt abwinken, weil der Blinde da inne Mitte“ den Ball mal wieder auf den Aldi-Park­platz gejagt hat. Und nachher in der Kabine, wenn das Spiel gegen die SG Altmorschen/​Beiseförth II mit 0:7 in die Hose gegangen ist, muss er sich von den anderen wieder ver­ar­schen lassen, Chan­centod, dies das, aber ist nicht schlimm, kicken ja eh alle nur zum Spaß, gibt n Bier­chen, nachher noch Grillen beim Kapitän und ent­spannt EM gucken. Ist doch ok so, das Leben ist gut.

26.

Kaum schreib ich’s, rutscht Lewan­dowski in der Mitte weg. Jun­ge­jun­ge­junge, doh. Ich geh ma zum Bier­stand, kannze dir ja nich mit angu­cken, dat Elend.

30.

Hossa, nächste gute Chance der Slo­waken, knappes Ding. Kucka pro­biert einen dieser fiesen Flat­ter­bälle, die in der Luft neunmal die Rich­tung ändern. Man nennt ihn halt nicht umsonst den slo­wa­ki­schen Caio.

33.

Die Slo­waken wirk­lich richtig gut hier gerade, kon­tern sich schon wieder vor das pol­ni­sche Tor. Schon wieder Kucka, diesmal per Kopf, doch gehalten. Den­noch, ich hatte dieses Team nicht auf dem Schirm. Aber würd‘ mich nicht wun­dern, wenn im Publikum doch der ein oder andere Scott von der SG Son­nenhof Groß­as­pach oder des SC Weiche Flens­burg 08 sitzt…

34.

Die pol­ni­sche Abwehr dagegen so durch­lässig, Jens Spahn wird sie gleich in einem Paket ver­pa­cken und an Alten­heime schi­cken.

37.

Aber schon geil: Da pro­biert Krychowiak einen Steil­pass durch die Mitte zu spielen, ein slo­wa­ki­scher Ver­tei­diger fängt ihn früh ab, doch im Augen­winkel sieht man schon Lewan­dowksi, der wirk­lich in der Mil­li­se­kunde des Abspiels in den freien Raum läuft. Glaube, wenn man mit diesem Mann einen Reflex­test durch­führt, zuckt nicht sein Knie. Son­dern der Hammer.

40.

Thema slo­wa­ki­sche Tri­kots. Sieht aus, als wenn man ver­sucht hätte, ein T‑Shirt mit Schlamm zu batiken. Irgendwie ist es blau und trotzdem camou­flage und ich frage mich, wer auf solche Ideen kommt. Ich meine: Es gibt keine blauen Büsche? Und im Meer muss man sich nicht tarnen, da kann man tau­chen? Erklä­rungen gerne an ichkaufnur80erjahretrikotsbeiebaykleinanzeigen@​11modefreunde.​de

45.+1

Tom Bar­tels: Glik auch kaum zu sehen.“ Und irgendwo hält Adam Sandler die Zeit an, um kurz zu weinen.

18:46 Uhr

Bisher die beste Aktion der Polen: der Kabi­nen­gang. Halb­zeit.

18:54

Frage mich, ob gerade irgendwo Stefan Kuntz‘ Enkel vor dem Fern­seher sitzt und heult, weil der Opa ihm die Schuhe geklaut hat.

46.

Gute Aktion von Lewan­dowski: Anstoß.

48.

Uiuiui, was ein Auf­takt. Wun­der­barer Angriff der Polen, Steck­pass an die Grund­linie, Rück­pass an den Fünfer, da steht Linetty und staubt zum Aus­gleich ab. Alte slo­wa­ki­sche Weis­heit: Netty ist der klein Bruder von Scheiße.

51.

Fahr­läs­siges Gegentor, schlecht ver­tei­digt. Vor allem Slo­wa­keis Füh­rungs­spieler Marek Hamsik scheint das ganz und gar nicht zu gefallen.
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56.

Sehe gerade Paulo Sousa an der Sei­ten­linie und find das ehr­lich gesagt nicht ok, dass die Trainer mitt­ler­weile aus­sehen wie Hugo-Boss-Models. Hab ich vor ein paar Tagen schon bei Man­cini gedacht. Wo sind sie denn hin, die kno­tigen, knor­rigen Kör­per­kläuse, die ohne jede Eitel­keit an der Sei­ten­linie ihre 80er-Bal­lon­sei­den­trai­nings­an­züge voll­schwitzten, mit Schlapphut oder not­dürftig über­kämmter Halb­glatze oder gleich einem ehr­ab­schnei­dend bunten Mül­l­er­Milch-Wer­be­käppi? Mit denen konnte man sich als Otto­normal-Fuß­ballfan / ‑tickerer noch iden­ti­fi­zieren und musste sich nicht schämen, wenn man seit ca. elf Jahren seinen Penis nicht mehr unter der Dusche sehen kann oder zum dritten Mal zu Mr. Käsefuß Ost­hessen“ gewählt wird. Naja.

60.

Polen jetzt besser, es fehlt aber ein­fach noch das Quänt­chen Glick im Abschluss. Hust.

62.

Krychowiak steigt seinem Gegen­spieler auf den Fuß und sieht Gelb-Rot. Oder wie sie diese Farb-Kom­bi­na­tion inner­halb der CDU nennen: Nah am Kom­mu­nismus.

64.

Polen also in Unter­zahl. Aber dafür immer noch mit Lewan­dowski und also eigent­lich in Über­zahl. Zumin­dest, was Lewan­dow­skis angeht. Und sind wir ehr­lich, dieser Mann ist eine Waffe. Man mun­kelt, die Bun­des­re­gie­rung rechnet mitt­ler­weile sein Gehalt bei den Bayern in die deut­schen Rüs­tungs­aus­gaben mit ein.

68.

Aber Quan­tität schlägt also doch Qua­lität: Ecke Slo­wakei, Skri­niar pflückt den Ball im pol­ni­schen Straf­raum mit dem Fuß aus der Luft, legt ihn sich zurecht, drei Ver­tei­diger laufen auf ihn zu, doch er schließt ab, links unten. Bar­tels mit Spon­tan­ana­lyse zum Tor­schützen: Er kommt über den Willen und die Aus­strah­lung.“ Das also der Grund, warum ich nie­mals ein Tor bei einer EM schießen werde. Oder eine Beför­de­rung bekomme. Oder Freunde finde. Oder von meinem Vater gelobt werde. Eh, sorry, zurück zum Spiel. 2:1.

71.

Sehe es schon vor meinem geis­tigen Auge: Vier­tel­fi­nale, Slo­wakei – Frank­reich. Mbappé macht das frühe 1:0, dann wird’s zäh. Der Star-Angriff der Fran­zosen beißt sich an Män­nern die Zähne aus, die Kucka, Hromada, Haraslin heißen. In der 82. Fern­schuss Mak, Lloris kann das Ding nicht fest­halten, Duda schießt sich selbst an den Kopf, von da prallt der Ball ab ins Netz. 1:1. Ver­län­ge­rung ohne Tore. Elf­me­ter­schießen. Am Ende ver­tritt Hamsik den ent­schei­denden, schon früh, schon den zweiten. Frank­reich gewinnt. Egal. Die slo­wa­ki­schen Fans zer­legen trotzdem vor Glück die Straßen und kurz wird sich alles wieder ein biss­chen anfühlen wie früher. Nur ganz kurz.

77.

Polen gerade wie Peter Zwegat in der Bilanz­rech­nung bei seinen Kli­enten“: Hätte gern den Aus­gleich, aber dafür reicht’s ein­fach nicht.

81.

Liebe es übri­gens, dass es vorhin hieß, die Hertha wolle mit Peter Pekarik ver­län­gern. Liebe diese ver­läss­li­chen Kerls, die man in jeder Bun­des­li­ga­mann­schaft findet, und die jede Woche seit hun­dert Jahren in der Startelf stehen, weil es all die vielen top­ta­len­tierten Kon­kur­renten ein­fach nicht so seriös und solide auf den Platz bekommen. Spieler wie Pekarik sollte man ver­be­amten können, meine Mei­nung.

85.

Gutes Spiel hier der Slo­wakei. Könnte eine der hip­ste­rigen Trend-Mann­schaften der EM werden: Slow Akei. Mit hand­ge­machtem Craft-Fuß­ball, fair gehan­delten Grup­pen­spielen und kalt­ge­pressten Sieg­toren, nach Flanken, die ein voll­tä­to­wierter Barista namens Marek ser­viert. Das ist nicht nur ein 2:1, das ist eine Lebens­ein­stel­lung.

87.

Polen übri­gens wild am Wech­seln, bei den Slo­waken tut sich noch nicht so viel. Immer noch Duda, Kucka, Mak auf dem Feld, die Auf­stel­lung der Slo­wakei klingt wie der andert­halb­jäh­rige Sohn meines Kum­pels, der gerade Spre­chen lernt. Hoffe, der Trainer bringt in der Schluss­phase noch Auto, Papa, Mama und nochmal Auto.

90.

Jetzt geht Duda. Gutes Spiel gemacht, yo.
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90.+4

Und das war’s: Die Slo­wakei schlägt Polen mit 2:1, und rechnet man das hoch auf die Lewan­dow­ski­haf­tig­keit des Geg­ners, kommen wir auf ein erstaun­li­ches 7:1. Glück­wunsch dazu. Ent­spre­chend bilden die Slo­waken einen Jubel­kreis in der eigenen Hälfte, gut mög­lich aber auch, dass Ondrej Duda nur eine Rap-Battle-Cypher ver­an­staltet. Die tickern wir übri­gens auch, gleich auf rap​.de. Wir sehen uns.