Liveticker
Nordmazedonien – Niederlande 0:3
EM

17.45 Uhr

Freunde. Habe eben lernen müssen, dass Magenta TV was anderes ist als Magenta Sport und dass die EM nur auf Magenta TV läuft (hab ich nicht), nicht aber auf Magenta Sport (habe ich), was natür­lich Sinn macht, weil die EM ja kein Spor … ach, komm egal. Läuft jetzt. Am Ende ist es mit Magenta TV wie mit moderner Kunst. Man muss nur lange genug suchen, bis man einen Zugang findet.

17.48 Uhr

Und dann der nächste Schock: Johannes Bap­tist Kerner im Gespräch mit Michael Bal­lack. Ist das noch 2021 oder hat die Welt einen großen Satz rück­wärts gemacht, ermattet von Corona und Andreas Scheuer, ein­fach nochmal neu ansetzen, um Oliver Pocher zu ver­hin­dern? Weil dann: Mach et, Kerner!

17.53 Uhr

Mein Name ist übri­gens Ilja Beh­nisch. Für alle, die mich nicht kennen: Das hat wahr­schein­lich seinen Grund. Was man sonst noch über mich wissen muss: Ich bin der Typ, den sie das Spiel tickern lassen, bei dem es um nichts mehr geht. Freue mich schon auf die kom­menden Auf­gaben, wenn diese Euro­pa­meis­ter­schaft nach dem Titel­ge­winn der gegen­tor­losen Ita­liener beendet sein wird. Das 11FREUNDE-Archiv nach Gramm sor­tieren. Nach Wort­witz von Bas­tian Schwein­s­teiger suchen. In der Zeit reisen und Oliver Pocher ver­hin­dern. Sowas.

17.57 Uhr

Schnell noch die Auf­stel­lungen. Hier die Nord­ma­ze­do­niens: Dimi­trievski – S. Ris­tovski, Vel­kovski, Musliu – Ademi, Bardhi, Tra­j­kovski, Alioski, Trick­ovski – Pandev, Elmas

17.58 Uhr

Und statt einer müden Pointe hier ein­fach nur der Fakt, dass die Nie­der­länder ein Oranje-Trikot mit dem Flock Pandev“ dabei haben, Rücken­nummer 122. Die Anzahl an Län­der­spielen, die Pandev mit heute absol­viert haben wird, und dem sehr wahr­schein­lich keines mehr hin­zu­ge­fügt werden wird. Denn Pandev, dieses nord­ma­ze­do­ni­sche Wort für Legende, beendet seine Natio­nal­mann­schafts­kar­riere. Mit gerade mal 37. Only the good die young. Schnief.

1.

Nur mal so, Magen­taTV, falls ihr noch einen Experten braucht: Anstoss. Hatte ich so erwartet.

4.

Bin noch die Startelf der Nie­der­lande schuldig. Bit­te­schön: Stekel­en­burg – de Vrij, de Ligt, Blind – Dum­fries, van Aan­holt, F. de Jong, Wij­naldum, Gra­ven­berch – Depay, Malen.

5.

Der Voll­stän­dig­keit halber, Malen nach Zahlen: 18.

9.

Eine Partie bis­lang, so wichtig und pri­ckelnd wie die 19. Stelle von Pi. Und dann auch noch das, ein Abseits-Tor. Was bitter ist, weil es nach einem abso­luten Traum­pass von Goran Pandev fiel. Wenn sich Sports­ka­merad Trick­ovski heute doch nur in Schuh­größe 25 gezwängt hätte. Dann hätte er zwar immer noch im Abseits gestanden, sähe aber trotzdem komisch aus. Oder wie die Frau, die mit mir ihren ersten Kuss ihres Lebens erlebte, sagte: Man nimmt, was man kriegen kann.

15.

Mehr Gegrät­sche hier als in einem Dialog zwi­schen Jessy Wellmer und Bas­tian Schwein­s­teiger.

19.

Goran Pandev klärt eine nie­der­län­di­sche Ecke. Was kann der Mann eigent­lich nicht? Würde mich nicht wun­dern, wenn das, was Pandev Frisur nennt, im nord­ma­ze­do­ni­schen Haus­halt auf­taucht. Bud­get­punkt: Ver­tei­di­gung.

25.

Tor für die Nie­der­lande. Weil Oranje am eigenen Straf­raum Pandev foult und dann kon­tert. Schön, schnell, ziel­strebig und bis nach Mem­phis. Depay zu null. VARum war das ok, scheint Pandev, auf dem Boden lie­gend, zu fragen. Wor­aufhin Schieds­richter Istvan Kovacz ein Rechteck in den Abend­himmel malt. Was soviel heißt wie: Schnauze.

28.

Schöne Bilder jetzt von den nord­ma­ze­do­ni­schen Fans. Erin­nern mich an den Heimweg von meinem letzten Blind-Date. Kein Grund zu jubeln und dann ein­fach in die Offen­sive gehen und die Fahne schwenken.

32.

Ent­weder über­trägt Magen­taTV jetzt ein Stand­bild oder aber wir sind end­gültig in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwunden mit diesem Spiel. Für mich beides ok. Und wenn ich mich an den Sprint-Qua­li­täten von Goran Pandev erin­nere: für ihn auch.

35.

Freunde. Damit nie­mand sagen kann, er hätte nix gehabt von diesem Spiel, hier das leicht abge­wan­delte Gazpacho­re­zept nach Dani García:

600 gr Strauch­to­maten 
400 gr Cher­ry­to­maten 
1grüne Papri­ka­schote 
1 Knob­lauch­zehe (oder mehr)
1 Zwiebel
1 Gurke
50 ml Sher­ryessig ( oder Rot­wein­essig, aber nicht dunkler aceto Bal­sa­mico, der hat zu wenig Säure und ver­dirbt die Farbe)
200 ml Oli­venöl
Salz
Pfeffer
Pepe­ron­cino
Kreuz­kümmel

Das Gemüse putzen, in Stücke schneiden, mit drei Viertel des Öls, mit Essig, Salz und Pepe­ron­cino über­gießen und zwei Stunden stehen lassen. Dann zieht es und ent­wi­ckelt viel Saft. Geht auch über Nacht, dann viel­leicht im Kühl­schrank, wenn sehr heiss. Auf jeden Fall mit Folie abde­cken. Dann mit Pürier­stab oder im Stand­mixer zer­klei­nern, unge­fähr fünf Minuten lang, so ent­wi­ckelt sich eine tolle Textur und die rich­tige Farbe. Durch ein nicht zu feines Haar­sieb absieben, noch ein biss­chen mit Öl und Gewürzen abschme­cken, fertig!

43.

Die Nie­der­lande jetzt wie ein Dorf­fri­seur („Salon Hair­lich“) in der Aus­bil­dung: Gute Ansätze, schlechtes Finish.

18:47 Uhr

Istvan Kovacz pfeift zur Halb­zeit. Rich­tige Ent­schei­dung. Bester Mann.

46.

Frei nach Gareth Bale: Mücken­stich, Lebens­mit­tel­ver­gif­tung, Anstoss zur zweiten Halb­zeit Nord­ma­ze­do­nien-Nie­der­lande, Oliver Pocher. In that order.

49.

Viel­leicht muss man das Ganze hier pro­sai­scher sehen. Viel­leicht muss man #MKDNED ein­fach als Lite­ra­tur­ver­fil­mung sehen. Dessen Dreh­buch sich unge­fähr so lesen würde: Muslui (steigt auf den Fuß von Mem­phis, sein Augen­leuchten verrät den ansonsten stummen Neid auf Son­nen­kind Mem­phis, der, der immer von allem mehr erhalten hat. Von Gott bis Papa) sieht gelb. Seine Lippen beben, er will nun all das Unglück, dass das Leben ihn mit jeder Minute durch die Herz­kam­mern pöhlt, end­lich in die Welt schreien. Die Backen plus­tern sich auf Kröte XXL, dann röhrt es aus ihm heraus: sorry auch. Kommt nicht wieder vor. (Abgang Muslui)“.

52.

2:0 für die Nie­der­lande durch Gigi Wij­naldum. Der durch­ge­laufen ist, frei steht wie Superman am Waschtag und den Ball nur noch über die Linie schieben muss. Ein Treffer, den sich die SPD ganz genau anschauen sollte. Weil: Etwas Ent­schei­dendes, ein­ge­leitet über links – Ja, liebe Genossen, das gibt es!

55.

Frei­stoß Nord­ma­ze­do­nien. Malen legt sich hinter die nie­der­län­di­sche Mauer. Mal abge­sehen davon, dass es total kacke aus­sieht. Lächer­lich. Mal abge­sehen davon: WIE OFT IST DAS PAS­SIERT? DASS DA JEMAND WIRK­LICH UNTER DER HOCH SPRIN­GENDEN MAUER HIN­DURCH EIN TOR ERZIELT HAT? Weil: Man ist ja auch ein Mann weniger in der Rest­ver­tei­di­gung, wenn man da einen Mann liegen hat. Und über­haupt und aber vor allem: Wie hoch also ist die Wahr­schein­lich­keit, dass da unten einer durch flutscht? Oder anders gefragt: Ziehen Sie eine Warn­schutz­weste an, wenn Sie auf Klo gehen?

59.

Aus der Mitte ent­springt ein Schuss. 3:0 für die Nie­der­lande. Wieder Wij­naldum. Oder wie man bei seinem Hei­mat­verein in Liver­pool sagt: Wij not? (sorry)

66.

Traum­pass de Jong und der ein­ge­wech­selte Wout Weg­horst an die Latte. Immer noch besser als anders herum.

69.

Und dann doch wieder Liebe für dieses Spiel, da es das letzte Län­der­spiel des großen Goran Pandev ist. Der jetzt hier aus­ge­wech­selt wird und durch eines dieser Spieler-Spa­liere geht dabei, das beim Bun­des­liga-Tor­re­kord von Robert Lewan­dowski noch voll­kommen lächer­lich wirkte, jetzt aber genau den rich­tigen Rahmen bietet. Und dann küssen und strei­cheln sie ihn, das Idol, das ihr Freund ist. Und Pandev schaut dankbar zu Boden und auf dieses Spiel, so scheint es, das ihm so viel gegeben hat. Dass er geliebt und des­halb respek­tiert hat und dem er auch mit 37 noch seine kind­liche Freude schenkte und die Lust auf jede Sekunde mit dem Ball. Danke dafür, Goran.

75.

Tickere jetzt mit meinem Po. Man muss sich den Dingen schließ­lich anpassen: dfkll­mnsckdkmsöds lndaskn sdj­kndjfs ldfs

80.

Ande­rer­seits natür­lich bitter, dass Jogi Löw im WM-Quali-Spiel gegen Nord­ma­ze­do­nien (1:2) absicht­lich ver­loren hat, damit Deutsch­land in einem mög­li­chen EM-Finale als Underdog gelte. Und jetzt DAS!

85.

Schon vor Anpfiff aus­ge­schieden, dann auch noch 0:3 hinten. Ich war Nord­ma­ze­do­nien. Oder: End­lich sieht Europa, wie ich mich damals gefühlt habe, wäh­rend der Bun­des­ju­gend­spiele 1992 – 96 (danach: Attest).

89.

Ob es jemals pas­sieren wird? Ob jemals nach heute ein Mensch zu einem anderen Men­schen sagen wird: Komm‘, wir schauen das EM-Spiel 2021 zwi­schen Nord­ma­ze­do­nien und den Nie­der­landen im Relive!“ Ich meine, das ist doch eine span­nende Frage. Min­des­tens so span­nend wie die Frage: Warum hasst er ihn so?

90.

Elmas nochmal mit der Konter-Chance für Nord­ma­ze­do­nien. Spielt, allein unter­wegs in Rich­tung Tor, das Lied der 1.000 Über­steiger. Trifft dann auf Sports­ka­merad Timber. Der nicht nur heißt wie Bau­holz, son­dern auch so han­delt und Elmas auf 1×1 sägt.

19:53

Und dann ist es vorbei. Auf dem Rasen werden die ersten T‑Shirts ver­teilt: I sur­vived #MKDNED“. Für uns im fernen Berlin bleibt wieder einmal nur die Selbst­hil­fe­gruppe. Kommt vorbei, wenn ihr unser Motto lebt: Kann man nichts lachen.“ In diesem Sinne: Auf bald.