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Schalke 04 – VfB Stuttgart 1:1

Um …

20.15 Uhr geht das hier los. Oder wie man auf Schalke sagt: 3 Monate zu spät.

20:15 Uhr

n’A­bend alle­samt! Seid ihr auch so gut drauf, um mal wieder richtig über Schalke abzu­gaggen? Ne? Ich auch nicht. Witze über Schalke sind irgendwie öde geworden. Ich fühle mich da mitt­ler­weile wie so ein Mario Barth, der über Frauen her­zieht.
Aber, was soll’s, da der Mann ja auch noch zugegen ist, machen wir auch weiter mit schlechten Schalke-Gags. Also auf eine 90-minü­tige Alberei. Oder wie man auf Schalke sagt: Bun­des­liga. Kennste? Kennste? Kennste?

20:18 Uhr

Frei­tag­abend, Schalke gegen Stutt­gart. Die Schwaben im Pott, quasi der feine Pinkel zu Gast beim Assi. Erin­nert mich an früher, als ich diesen einen Kumpel hatte, dessen Eltern, sagen wir, in etwas pre­kären Ver­hält­nissen gelebt haben. Für mich war das jedes Mal der Himmel bei ihm zu Besuch zu sein. Es gab liter­weise Cola, jeden Tag Pommes und nen Bro­cken Fleisch, es wurde Tag und Nacht gezockt und komi­scher­weise stand die Hei­zung immer auf Anschlag. Am nächsten Morgen haben meine Eltern mich dann mit acht­eckigen Augen vom 60-Zoller weg­ge­zerrt. Zu Hause gab’s Schwarz­brot.

20:23 Uhr

Manuel Baum jetzt im Inter­view bei Sebas­tian Ben­esch. Tat­säch­lich bemüht er wieder die abge­dro­schene Ketchup-Ana­logie. Von wegen: drückst lange und dann kommt alles auf einmal. Wenn das also seine Stra­tegie ist, wie er Schalke wieder auf die Beine bekommen will, dann würde es mich nicht wun­dern, wenn in der Kabine ein Wand­tattoo ange­bracht ist: Hin­fallen. Auf­stehen. Krone richten. Wei­ter­gehen. Im Hin­ter­grund läuft Remember the Name“ von Fort Minor und wenn heute ein Punkt drin ist, geht’s zur Beloh­nung geschlossen im Kanu den Rhein-Herne-Kanal runter. Hold On Jungs, Pain ends.

20:27 Uhr

Die DAZN-Vor­be­richt­erstat­tung in gewohnt hipp-flip­piger, nach­hal­tiger StartUp-Manier. Der Office-Hund im Hin­ter­grund, Ralph Gunesch hängt noch Tennis zockend an der Wii und bevor es los­geht, zieht jeder noch nen Ing­wer­shot weg. Das Koks des modernen Mannes. Und damit sei auch Diego Mara­dona gegrüßt. Happy Bir­thday.

20:29 Uhr

Schalke wie gewohnt mit der Frank­furter Reserve heute: Rönnow-Thiaw-Sane-Nastasic-Ludewig-Mas­ca­rell-Oczipka-Bozdogan-Harit-Paci­encia-Uth.

Die Stutt­garter gewohnt sparsam: Kobel-Kempf-Karazor-Stenzel-Sosa-Man­gala-Endo-Couli­baly-Castro-Kli­mo­wicz-Kalajdzic.

1.

1. Minute. Anstoss. Oder wie man auf Schalke sagt: Es geht schon wieder los.

2.

Schon jetzt das beste Biathlon Auf Schalke“, das ich je gesehen habe: nur Straf­runden.

4.

Erste Chance für Stutt­gart durch Dings hier, ihr wisst schon. Aber wie so ein eng­li­scher Tou­rist nach der Sperr­stunde: knapp neben den Pfosten.

7.

Gon­zalo Paci­enca fällt nach zarter Hand-Hand-Berüh­rung mit Pascal Stenzel im Stutt­garter Straf­raum. Will Elf­meter. Kann ich ver­stehen. Ich will eine Mil­lion in bar. Und eine zarte Hand-Hand-Berüh­rung mit Pascal Stenzel. Aber immerhin haben Gon­zalo Paci­enca und ich nun etwas gemeinsam: wirre Träume.

10.

Soll man ja nicht machen, sich am Leid anderer erfreuen. Aber bin ich denn kein Mensch? Jochen-Schneider-hockt-leid­voll-geplagt-auf-der-Tri­büne“ ist ein­fach mein guilty plea­sure dieser Schalker Krise. Ein Mann, der sein Hand­werk so sehr ver­steht und ein­fach auch nicht, was hier eigent­lich Woche für Woche pas­siert. Immer weiter fällt er in sich zusammen, das zuneh­mende nass-grau des Herbstes kriecht auch in seine Gestalt. Bald berühren sich Mütze und Schal im Ver­such, vom Kopf doch alles zu ver­hüllen, um für die Welt nicht mehr sichtbar zu sein, um sie aus­zu­sperren. Was ich nicht sehe, ist auch nicht da.“ Aber es hilft ja nix, irgend­wann kriecht die Rea­lität sich wieder ein und dann schaut man diesem vor Kummer und Hoff­nung und Unver­ständnis gebeugten Men­schen beim Denken zu. Was habe ich über­sehen? Wo noch ansetzen? Wie konnte es nur dazu kommen?“ Und das Hirn, es windet sich und sucht nach Ant­worten und es kommt zu keiner, außer: So ein Mist, Mist, Mist, Mist, kack­ver­dammter Mist!“ Und soll man ja nicht machen, sich am Leid anderer erfreuen. Aber sorry, Jochen: foot­ball, bloody hell. Und will­kommen im Leben.

13.

Die Anfangs­phase dieser Partie schon bald im Plat­ten­laden eures Ver­trauens: 

Funny albums7

16.

Dieses Spiel ist wie eine dieser Nach­mit­tags-Comedy-Serien auf SuperRTL oder Sat.1Gold. Sie sind ein­fach da. Und nie­mand weiß, warum. 

18.

Das Spiel ist bis­lang wirk­lich extrem zap­pelig. Viel Geschrei, wenig Über­sicht. Ein biss­chen wie auf nem Kin­der­ge­burtstag. Mit Spaß­kloppe, Schnit­zel­jagd, irgendwie riecht’s nach Kacke. Und dann der Super-GAU: Leute, wir können den Ludewig nir­gends finden.

20.

13 Mal soll Manuel Baum schon das Wort anbieten“ gesagt haben, weiß Sebas­tian Ben­esch. Der Markt­schreier Baum schreit schon wieder“, sagt Kom­men­tator Lukas Schön­müller. Tolle Ana­lyse, aber was soll’n das für ein Markt sein? Einer, auf dem Fall­obst ange­boten wird? Hehe. 

23.

So richtig Hoff­nung ver­sprüht dieser Baum nicht. Er hat irgendwie etwas Weh­lei­diges im Blick. Kommt nur mir das so vor oder wirkt er jetzt schon um Jahre geal­tert, über­müdet in grau, hat fal­tige Haut und diese quen­ge­lige Art im Alter. Frei nach Rudi Aus­sauer: Ent­weder ich schaffe Schalke oder Schalke schafft mich.“ Wir befinden uns in Runde vier, der Verein hat den Trainer schon auf den Knien.

27.

Stutt­garts Mateo Kli­mo­wicz jetzt in guter Schuss­po­si­tion an der Sechs­zeh­ner­kante, knüp­pelt aber ein ehren­wertes Luft­loch. Trotzdem Junge, lass dir mal die Matte von deinem Vatter stehen, will mich in Daniel-Lju­boja-Andres D’Alessandro-Erinnerungen suhlen.

30.

Ob du’s glaubst oder nicht: SCHALKE FÜHRT! Harit bringt den Stan­dard auf den Kopf von Thiaw, der ein­nickt. Und wieso eigent­lich nicht? Wieso soll Schalke heute nicht auch die Fuß­ball­welt aus den Angeln heben und ein Spiel gewinnen? Ich meine, der BER wird morgen eröffnet…

33.

Die 11FREUNDE-Tak­tik­ana­lyse klärt auf – Stutt­garts realtak­ti­sche Auf­stel­lung nach der Schalker Füh­rung:

Realtaktische aufstellung

36.

Stelle mir gerade vor, die Schalker gehen mit dieser Füh­rung tat­säch­lich in die Pause. Und dann finden sie sich langsam ein, bilden einen Kreis rund um Jahr­hun­der­trainer Manuel Baum, der sym­bo­lisch Ketchup-Fla­schen von der Decke regnen lässt, aber sofort beschwich­tigt, denn der Mann ist Päd­agoge: Keine Sorge Jungs, ist nur Kunst­blut!“ Und in die fra­genden Augen hinein, Baum weiß, was ein Baum tun muss, sofort der Fokus: Jungs, ver­diente Füh­rung! Ihr wisst, was jetzt zu tun ist!“ Und dann schauen sie sich an, seine Jungs, und dann im Chor wie aus tau­send Kehlen: 

39.

BREA­KING NEWS: Thomas Bert­hold leugnet Stutt­garts erste Hälfte. 

42.

Für mich ein klarer Fall: Fried­rich Merz ver­hin­dert ein bes­seres Spiel. (TB)

21.17 Uhr

Geil. Halb­zeit. End­lich Zeit für die wich­tigen Fragen: 

Schwanger

46.

Es soll Schalker Fans geben, die nie eine Füh­rung ihrer Mann­schaft erlebt haben. Wie geht das Team mit diesem Druck nun um? Wie moti­viert Manuel Baum seine Spieler jetzt dran zu bleiben? Ich weiß es nicht. 
Bei Stutt­gart kann ich mir das schon eher vor­stellen. Da sagt Mata­razzo ein­fach: Wenn ihr das Ding nicht dreht, ver­leihe ich will­kür­lich fünf Spieler an Schalke.“ Müsste ziehen. Auf geht’s.

49.

Schalke erstmal weiter offensiv. Die scheinen zu wissen: Gewinnen sie das Spiel, bleiben sie min­des­tens über Nacht an der Jahr­hun­dert­mann­schaft der Arminia dran. 

51.

Also, das ist wirk­lich kein Spiel für Stürmer bis­lang. Eigent­lich ist es nichtmal ein Spiel für Flei­sche­rei­fach­ver­käufer oder Bank­an­ge­stellte. Ich bemühe trotzdem mal eine Zwi­schen­bi­lanz der Angreifer: Auf einer Skala von Orlando Enge­laar bis Ebbe Sand, gibt Schalkes Pacencia bis­lang einen ast­reinen Ciprian Marica ab. Auf der anderen Seite bietet Kalajdzic hier zwi­schen Mario Gomez und Federico Macheda eine grund­so­liden Sergiu Radu an.

54.

Nicolas Gon­zalez gleicht für den VfB aus. Per Elf­meter. Nach einem VAR-Hand­spiel. Und ich bin inspi­riert für ein Hal­lo­ween-Kostüm. Ich gehe als Sor­gen­falte von Manuel Baum.

60.

Cas­tros ord­nender Fuß“, sagt Kom­men­tator Schön­müller über einen Pass von Gon­çalo Castro. Na klar, sorgt der hier für Ord­nung, denn was kaum einer weiß: Für ihn ist das heute quasi ein Heim­spiel. Cas­tros Eltern sind näm­lich ganz in der Nähe von Gel­sen­kir­chen auf­ge­wachsen. Sie haben ihren Sohn sogar nach ihrem Hei­mat­dorf benannt: Castro Rauxel… Okay, der tut mir wirk­lich, wirk­lich leid.

63.

Wenn Schalke jetzt einen Welt­klas­se­spieler wie Max Meyer hätte! Könnte man sich wenigs­tens über den auf­regen.

66.

Das Spiel, wie es wirk­lich ist: Rück­pass von Sané auf Thiaw, der unbe­drängt ins Seiten-Aus. Dann Spiel­un­ter­bre­chung. Rönnow liegt am Boden. Ver­mut­lich aus Scham. Ver­ständ­lich.

67.

Auf­re­gung bei den DAZN-Kom­men­ta­toren: Bas­tian Ozcipka hat wäh­rend der Spiel­un­ter­bre­chung von Manuel Baum einen Zettel zuge­steckt bekommen. Zum Glück haben wir hier bei 11FREUNDE Ruhr­schnell­bahn­dicke Ver­bin­dungen nach Gel­sen­kir­chen und decken auf: 

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69.

Zu seiner Zeit bei Unter­ha­ching hat Manuel Baum Spiel­zügen Namen gegeben, diese dann wäh­rend der Spiele auf den Rasen gerufen. Macht er auf Schalke aber offenbar nicht mehr. Habe noch nicht einmal Spielt Scheiße!“ gehört heute.

70.

Baum bringt Ben­taleb für Nastasic. Schalke also nur noch zu zehnt.

71.

Wäre dieses Spiel ein Box­kampf, dann ein abge­sagter. 

74.

Muss man jetzt aber auch mal sagen: Stutt­gart macht das mehr als ordent­lich. Suchen tat­säch­lich zumeist die spie­le­ri­sche Lösung. Finden sie sogar ab und an. Haben einen Trainer mit einem Super-Namen, der mal an einer Elite-Uni in den USA Mathe­matik stu­diert hat und aus der glei­chen Stadt stammt wie Queen Latifah. Deren größter Hit? Unity“! Klar. Noch Fragen, Hauser? Schnauze, Kienzle.

77.

Freu mich schon auf die Nach­be­richte, wenn die Kol­legen von DAZN auf­klären, was die ver­rückten Hob­by­ki­cker aus Schalke im Haupt­beruf machen.

78.

Baum jetzt an der Sei­ten­linie in der Hocke. Schaut das Spiel aus der For­scher­per­spek­tive. Sieht gezwungen aus. Für mich den­noch der deut­sche Mar­celo Bielsa.

79.

Stutt­garts Couli­baly muss ange­schlagen runter. In Kom­bi­na­tion mit der Magie eines Alex­ander Iash­villi, der Schnel­lig­keit eines Jona­than Pitroipa und der Absi­che­rung eines Andreas Iberts­berger war der Mann noch ne andere Nummer. Aber, dass Pel­le­grino Mata­razzo kein Volker Finke ist, muss ja nicht erwähnt werden.

82.

Schalke wech­selt. Wenn nicht jetzt? Raman?

83.

83 Minuten sind gespielt und Schalkes Stürmer Paci­encia hat noch nicht einmal den Ball im geg­ne­ri­schen Straf­raum gehabt. Das ist eine so ver­dammt bit­tere Sta­tistik. Hätte Ralph Gunesch sie gerade nicht aus­ge­packt, man hätte sie ansonsten in Paci­en­cias Blick ablesen können. Er schaut näm­lich immer, als würde er sich tag­täg­lich fragen Wie um alles in der Welt bin ich eigent­lich hier gelandet?“ Wie am Morgen nach einer durch­ge­zechten Nacht in Gittis Pinte. Wenn dich die Jungs am Neben­tisch zum Scho­cken über­redet haben. Du nach zwölf Bier und acht Ama­retto auf dem Bier­de­ckel deine Unter­schrift setzt. Und plötz­lich in Gel­sen­kir­chen-Bis­marck auf­wachst. Nur in Schal­ke­kutte bekleidet. Neben dir liegt Erwin.

Ver­dammt seist du, Ama­retto-Mitt­woch.

86.

Stutt­gart will einen Dreier, Schalke will nach Hause.“ Ist das straf­recht­lich rele­vant? 

89.

Schalke nochmal offensiv mit Ben­taleb unter­wegs. So einen Spieler nennt man bei uns übri­gens Trai­nings-Welt­meister. Einer, der ohne Zweifel einen von Gott geküssten Fuß hat, der im Fünf-gegen-Fünf in der Soc­cer­halle zum Lin­coln wird, im Spiel am Sonn­tag­morgen dann aber die Trans­for­ma­tion zum Sebas­tian Tyrala macht. 

90.+3

Und end­lich: Schluss­pfiff. Man, man, man! Was war das denn für ein Gepöhle? Ralph Gunesch mit knall­harter wie akku­rater Zusam­men­fas­sung: Puh.

20:26 Uhr

Schalke und Stutt­gart trennen sich mit 1:1. Im Westen also nix Neues: Schalke bleibt ohne Sieg.