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Chelsea – Bayern 0:3

20:36 Uhr

Freunde, hallo. Zu diesem legen­dären Duell. Bayern gegen Chelsea. Da kommt alles hoch. Finale dahoam, Arjen Rob­bens Linker, Bas­tian Schwein­s­tei­gers Pfos­ten­schuss, Drogbas Beton­stirn. Wir freuen uns riesig und machen uns schon mal warm, mit einer Dia­show von Jupp Heynckes schönsten Weis­heiten. Nummer eins, auch unsere aktu­elle Stim­mung hin­sicht­lich der Lage unseres Landes gut zusam­men­fas­send: »Nega­tives möchte ich nicht sagen. Und posi­tives fällt mir nicht ein.«

20:43 Uhr

In den ver­gan­genen acht Jahren natür­lich viel pas­siert. Trump Prä­si­dent geworden. Groß­bri­tan­nien aus der EU aus­ge­treten. Und, ach ja, das hier: 

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20:44 Uhr

Exklusiv: Wie 11FREUNDE aus Mann­schafts­kreisen erfuhr, hat Frank Lam­pard seinen Spie­lern befohlen, heute zu ver­lieren, weil er Angst hat, sonst irgend­wann Schalke-Trainer zu werden.

20:47 Uhr

Auf der anderen Seite: Hansi Flick gänz­lich frei von Vor­be­las­tungen. Naja, wenn man davon absieht, dass er acht Jahre lang Jogi Löw täg­lich die Hand geben musste. 

20:51 Uhr

Auch schon wieder acht Jahre her: Das Finale Dahoam“, ein End­spiel, dass der FC Bayern schon des­halb ver­lieren musste, weil sich irgendwer diesen behäm­merten Namen aus­ge­dacht hatte. Wir erin­nern uns: Bayern hun­dertmal besser (min­des­tens), Müller mit der Füh­rung, Drogba mit dem späten Aus­gleich, Elf­me­ter­schießen, das ganz große Drama. Kor­ri­giere mich: Droama.

20:54 Uhr

Damals an der Sei­ten­linie: Der ewig eis­graue Jupp Heynckes. Don Jupp hat nun der Frank­furter Rund­schau“ ver­raten, dass sich damals zwei gesetzte Elf­me­ter­schützen weg­ge­duckt“ hätten. Muss für einen wie ihn, der sich im Trikot seines Arbeit­ge­bers ver­mut­lich auch ohne Wider­worte in einen Kugel­hagel gestürzt hätte, nur schwer zu ver­k­nusen gewesen sein. Namen wollte der Ehren­mann nicht ver­raten, aber wofür hat man denn die Bild“? Die Kol­legen haben nach­ge­schaut, zusam­men­ge­rechnet und führen Arjen Robben und Toni Kroos als die Weich­kekse von damals auf. Hof­fent­lich hat der Jupp den Arjen damals in der Kabine wenigs­tens ordent­lich auf Links gezogen.

20:58 Uhr

Das per­so­ni­fi­zierte Fra­ge­zei­chen der Mün­chener ist gegen­wärtig der mit großem Trara aus­ge­lie­hene Cou­t­inho, von dem man jetzt immer noch nicht sagen kann, ob er nun ein Welt­klas­se­spieler ist oder ein Durch­schnitts­mann, der ab und an mal seinen Feen­staub ver­sprüht. Die SZ“ hat dem Bra­si­lianer vor dem Ach­tel­fi­nale ein Por­trait gewidmet und gleich im Titel erklärt, was sie eigent­lich von ihm hält. Stabil wie eine Sand­burg“ sei der Mittelfeldzaub/​derer. Ganz anders die Bild“, die die Sache mal wieder ganz anders anging, ein unscharfes Foto von Cou­t­inhos Gattin am Flug­hafen ver­öf­fent­lichte und sofort wusste, wie der Hase läuft: Cou­t­inho-Frau mit nach London gereist – So hilft ihm seine Ainê“. Was mit Hilfe“ in diesem Fall gemeint war, und ob die Dame viel­leicht von Hansi Flick als Backup im Mit­tel­feld vor­ge­sehen ist, um ihrem Gatten den Platz frei­zug­rät­schen, ver­riet die Zei­tung leider nicht.

1.

Und ab dafür. Frank Lam­pard denkt an 2012, Hansi Flick hof­fent­lich nicht, ich per­sön­lich hoffe auf eine bes­sere Inter­net­ver­bin­dung und das Ende des Pixels, ihr sicher­lich an ein groß­ar­tiges Spiel. Diese räu­dige Cham­pions League, Fluch und Segen zugleich, jetzt steckt sie mal wieder in der soge­nannten heißen Phase“. Motto heute in London: Cool bleiben.

2.

Jawollo, geht gut los, Davies sprintet durch, Müller zieht mal ab. Eine Duft­marke. Sie riecht nach Hirsch­leder. Und nach Aus­wärts­sieg.

3.

Keine drei Minuten gespielt, packt ein Junior namens Mason Mount den Huf aus und tritt Davies über den Haufen. Anderswo würden sie jetzt den Kran­ken­wagen, ganz sicher Doktor Müller-Wohl­fahrt und Doktor Müller-Wohl­fahrts Assis­tenten rufen, aber wir sind ja auf der Insel und des­halb beißt Davies auf die Zähne und das Spiel läuft weiter. Geht doch.

5.

Apropos: Chelsea-Mann Mateo Kovacic hat sich vor dem Spiel in ker­niger Rhe­torik ver­sucht und schon mal ein paar Gift­pfeile in Rich­tung Süd­deutsch­land abge­schossen. Zitat: Die Bun­des­liga ist nicht so tough wie die Pre­mier League, also werden sie aus­ge­ruhter sein. Aber wir sind vor­be­reitet, ihnen weh­zutun.“ Da wünscht man sich doch solche Stei­ne­klopper wie Jens Jere­mies zurück auf den Rasen, der einst für einen unver­ges­senen Dialog sorgte, als er im Spiel gegen Arsenal London Gegen­spieler Patrick Viera an der Mit­tel­linie umnie­tete und dann sprach: If you come our side, it will hurt.“

8.

Kann gerade nicht zuordnen, ob die Mikro­fone so geschickt auf­ge­stellt sind oder mir meine Boxen einen Streich spielen, aber die Stim­mung klingt doch tat­säch­lich mal nach Spit­zen­spiel und der guten alten Mut­ter­land-Lei­den­schaft. Viel­leicht auch nur die leicht glücks­be­sof­fenen Baju­waren mit ihrer krach­le­dernen Fröh­lich­keit. Wie auch immer: Meine Ohren sagen Danke.

10.

Finde übri­gens toll, dass sie bei »Spiegel Online« Didier Drogba heute für eine Gast­ko­lumne gewinnen konnte. Gern gelesen. 

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12.

Geil, hier ist, wie mein Groß­vater gesagt hätte, richtig Musik drin. Aber mein Groß­vater war auch schwer­hörig und glaubte noch vor der ver­gan­genen Bun­des­tags­wahl daran, dass die SPD 35 Pro­zent holt. Also, besser nicht auf seine Urteile ver­trauen. Hier jeden­falls ver­sucht es Coman auch eher so mit der AfD-Taktik: Durch die Mitte zum Erfolg. Steht aller­dings schnell allein da und am Ende: doch rechts vorbei. Ich for­dere: Diese Chance rück­gängig machen!

14.

So ein geiler langer Ball auf Lewan­dowski, dass jeder Ver­bands­liga-Sechser gerade googlet, ob man auch Flanken hei­raten kann. Lewa pflückt ihn aus der Luft, als wäre es ein Apfel. Beiß rein, Lewa, beiß rein! Aber Cabal­lero kommt ihm zuvor, spuckt die Kerne ins Aus. Die Zeit, der Apfel, meine Meta­phern – alles noch nicht reif. 

17.

Auf der Gegen­seite klärt Alaba so geis­tes­ge­gen­wärtig und ent­schlossen vor dem Tor, die Bezirks­re­gie­rung Kreuz­berg ver­pflichtet ihn sofort als Streit­schlichter am Kotti.

21.

Auch super geil, wie die Chelsea-Fans ein­fach jeden Ball­kon­takt ihrer Mann­schaft beklat­schen. Wirkt fast so, als hätten sie einen Warm-Upper vorne im Block stehen, der immer zur rich­tigen Zeit anheizt. Da fällt mir diese eng­li­sche Witz ein, auch pas­send zum Finale dahoam: 

Why can’t Chelsea for­wards score any more goals?

I haven’t got a Kalou.

25.

Ansonsten, wo gerade doch nicht so viel pas­siert, lasst uns kurz das Tages­ge­schehen auf­ar­beiten. Fried­rich Merz will Clans bekämpfen, um Deutsch­land besser zu machen. Hier mein Vor­schlag, mit wel­chem er anfangen könnte: 

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27.

Frank Lam­pard wird gezeigt und sieht aus, wie Frank Lam­pard eben aus­sieht, ein nie alternder Brite, nicht schön, nicht häss­lich. Mein Herz geht auf, ich möchte mich auf einen Ball setzen, ich möchte, dass Frank Lam­pard diesen Ball aus 16 Metern per Innen­rist in den Winkel zir­kelt. Das, ja doch, das ist mein Lebens­traum. Ein Frank-Lam­pard-Frei­stoß sein. Werde ich morgen mal meiner Bera­terin beim Job­center vor­schlagen. Viel­leicht haben sie ja eine Maß­nahme dafür. Akti­vie­rung der beruf­li­chen Bogen­lampen-Ein­glie­de­rung. Wäre dabei. 

30.

Immer wenn Thomas Müller heute den Ball bekommt, fühle ich mich wie Ber­liner Bank­an­ge­stellte, die früher zu viel im Berg­hain gefeiert haben: Sitze am Schreib­tisch und bekomme Flash­backs. Und meine sind, auch ohne Dro­gen­ein­fluss, min­des­tens genauso grausig. Müller wie er per Kopf­ball-Irgendwas, es gibt kein Wort für diese Art Schuss, so scheuß­lich, so häss­lich, dieses 1:0, im Spiel 2012 und ahhhhh, ent­schul­digt mich, ich muss an die fri­sche Luft. 

33.

Wäre ich ein Lon­doner und wäre ich ein Chelsea-Fan, ich hätte mir schon vor sehr sehr langer Zeit ein Trikot von Antonio Rüdiger gekauft. Ver­mut­lich mein Lieb­lings­nach­name im inter­na­tio­nalen Fuß­ball. Weil ich nicht aus London komme und Chelsea eigent­lich nicht mag, bleibt mir nur dieser Klas­siker. Ich teile ihn gerne mit euch. Liebe Grüße, euer Albert Q. Ein­stein

35.

Lernt der Müller auf seine alten Tage dann doch noch schießen, ich glaub es nicht. Schlenzt eben bei­nahe ein Traumtor von der linken Seite ins lange Eck. Was kommt als Nächstes? Pisst er die kom­plette Chelsea-Hin­ter­mann­schaft mit Zinedin­scher Ele­ganz aus? Schickt er Neuer nach vorne und hält den Kasten sauber? Wird er etwa der neue starke Mann an der Sei­ten­linie und führt den FC Bayern als erste Spie­ler­tor­wart­trainer zum Cham­pions-League-Titel? Alles erscheint jetzt mög­lich. 

37.

Kaum den Tick gesetzt, kopflupft Müller bei­nahe mit dem Hin­ter­kopf das 1:0, doch auch der Ball erscheint von so viel Ele­ganz voll­kommen ver­wirrt und ent­scheidet sich für den Sprung gegen den Latte. In seinem von Sepp Her­berger ver­erbten Ohren­sessel steigt Uwe Seeler blitz­artig nach oben und sucht ver­zwei­felt das Kopf­ball­pendel. Dann die trau­rige Erkenntnis: Hat Ilka längst auf dem Dach­boden ver­staut. 

39.

Irgendwie ver­misse ich auch den alten Müller. War immer eine Freude. Und machte die eigene Unfä­hig­keit am Ball erträg­li­cher.

40.

Ach, und ich ver­misse N‘Golo Kanté. Diesen freund­li­chen Otto-Normal-Super­star, der sich angeb­lich gegen Man­chester United ver­letzt hat, aber ver­mut­lich ein­fach einem guten Kumpel ver­spro­chen hat, heute beim Umzug zu helfen. Und danach das Auto aus­zu­saugen. Und die demente Oma zu besu­chen. Um anschlie­ßend ganz alleine ein Kli­ma­ab­kommen mit den USA, China und Indien abzu­schließen.

41.

Auch nicht dabei: Callum Hudson-Odoi. Aus unserer Serie: Fuß­baller, die wie japa­ni­sche Früh­stücks­flo­cken klingen.

Callum

43.

Noch gar nicht über die Jahr­hun­dert­mel­dung vor diesem Kra­cher gespro­chen, als noch einmal öffent­lich gemacht wurde, dass sich die Bayern schon im Januar die Dienste von Scout Flo­rian Zahn gesi­chert haben. Ist der Sohn von Helmut Zahn, Nach­wuchs­ko­or­di­nator beim 1. FC Kai­sers­lau­tern. Von seinen Cou­sins Karius und Baktus habt ihr sicher­lich auch schon mal was gehört.

45.

Musste doch tat­säch­lich eben mal der Neuer ran und natür­lich hat er den Schuss von Alonso abge­wehrt. Wann ent­de­cken ihn die Chi­nesen end­lich als Gegen­mittel für den Corona-Virus? 

Halb­zeit

Herr­schafts­zeiten, was für ein schnelles Spiel. Sogar mein längst ver­ges­sener Ten­nis­na­cken ist wieder auf­ge­bro­chen, ein paar sanfte Marc-Kevin Goellner-Mas­sa­ge­griffe werden sicher­lich Abhilfe schaffen. Wir pusten einmal durch und melden uns spä­tes­tens zum Anpfiff der zweiten Halb­zeit zurück. 

21:54 Uhr

Auwei, hatte gerade kurz Schiss, dass ich aus Ver­sehen auf »Wendler vs. Pocher« geschaltet habe, ist aber doch nur die Halb­zeit-Ana­lyse von Lothar Mat­thäus und Stefan Effen­berg, die gemein­schaft­lich gegen die deut­sche Sprache antreten.

21:57 Uhr

So, und nachdem jetzt nochmal schnell alle 385303502958 Wett­an­bieter für ihre besten Quoten geworben haben, geht es dann morgen früh auch schon weiter mit dem Spiel. 

21:59 Uhr

Und wäh­rend wir hier sitzen und doof zuschauen, wie Chelsea und Bayern kein Tor schießen, uns leer und ver­braucht fühlen, uns allein mit dem Plas­tik­fla­schen-Bier von Penny betrinken, um die Zeit bis zum gesetz­li­chen Min­dest­ur­laub erträg­lich zu machen, haben sich andere ihre Träume schon lange erfüllt.

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46.

Zweite Hälfte läuft. Chelsea in Blau. Bayern in Rot. Ich unten ohne. Alles wie immer.

47.

Irgend­wann werden mir Fuß­ball-Nerds auf der Straße auf­lauern, mich fest­halten und unter tau­senden Seiten DFB-Regel­werk und aus­ge­druckten »Spielverlagerung«-Blogeinträgen begraben, nur weil ich beim Anstoß zur zweiten Halb­zeit immer behaupte, es wäre schon die 46. Minute.

48.

Rie­sen­chance Chelsea. Mount wie­selt sich allein durch die gesamte Bayern-Abwehr. Aber Neuer da, wie er immer da ist, der Omni-Tor­wart. Irgend­wann wird er seine kör­per­liche Hülle ver­lieren und sich voll­ständig ins Internet laden lassen, denn das ist die ein­zige Mög­lich­keit, wie er, Wer­be­grinser, Rekla­mierarm und Para­den­führer dieser Welt, noch all­ge­gen­wär­tiger werden könnte. Und bei Com­unio abzo­cken wird er uns auch. 

50.

Zack, bumm. Tor. Bayern trifft, Gnabry um genau zu sein. Vorher wirk­lich unfassbar her­aus­ge­spielt. Chris­tensen rutscht aus, Gnabry zieht hoch auf 300 km/​h, gibt ab zu Lewan­dowski, driftet weiter in Rich­tung Tor, kriegt das Ding zurück und wämmst rein. An der Sei­ten­linie läuft sich Didier Drogba warm. 

53.

Ja und warum auch nicht. Langer Ball Neuer. Gnabry zu Lewand­woski. Lewan­dowski zurück zu Gnabry. 2:0. Zwei Tore in 202 Sekunden. So erfolg­reiche schnelle Zusam­men­spiele gibt’s sonst nur bei Sta­di­en­kon­zerten von Death-Metal-Bands. 

55.

Aber man sollte sich nicht zu früh über eine Nie­der­lage der Blauen freuen. Haben wir ja am Wochen­ende erst bei der Ham­burg-Wahl gelernt, gell? 

58.

Gnabry mit der nächsten Chance. Gewinnt jetzt an Übermut und zielt ein­fach aus der zweiten Reihe drauf. Habe ich ja früher beim Völ­ker­ball auch immer so gemacht. Pech für uns beide: nicht getroffen. 

60.

Geil, Wil­lian kommt rein. Der ein­fach schon seit sieben Jahren bei Chelsea kickt. Was in diesen schnell­le­bigen Fuß­ball-Zeiten fast wirkt wie ein alter­tüm­li­ches Kar­rieren-Modell. Ob Wil­lian bei Chelsea auch im Betriebsrat ist? Ob er dort immer so komi­sche Flyer in der Kabine ver­teilt, für die nächste Ver­samm­lung, bei der er jetzt mal ehr­lich den Mangel an Kaf­fee­ma­schinen auf die Agenda bringen will? Ob Wil­lian gar eine betrieb­liche Alters­vor­sorge bei Chelsea genießt? Irgendwo liest Roman Abra­mo­vich eine Otto-von-Bis­marck-Bio­gra­phie. 

63.

Coman ver­letzt. Müller-Wohl­fahrt sprintet im Neo­pren-Anzug aufs Spiel­feld, will per Kopf­sprung in den Muskel tau­chen. Coman winkt ab, da lässt er sich lieber aus­wech­seln. So sei es, sagt ein gütiger Hansi Flick und bringt Cou­t­inho, weil das ja jetzt auch nicht viel schlimmer ist, als nur zu zehnt wei­ter­zu­spielen.

67.

Sag‘ ich ja: Flanke Müller und Cou­t­inho ver­sucht allen Ernstes einen Seit­fall­zieher. Sonst wäre der Ball halt ins Aus geflogen. So oder so: Abstoß Chelsea. 

69.

Meine Polit-Pro­gnose zum Abend: In zwanzig Minuten wird Didier Drogba Groß­bri­tan­nien zurück in die EU köpfen. 

72.

Die Bayern erin­nern mich doch jetzt stark an das ewig grau­se­lige Spiel zwi­schen Katze und bereits leicht ver­sehrter Maus. Lewan­dowski kotzt vor Freude seinem Trainer einen Klumpen Flusen vor die Füße und kratzt sich dann an der Selbst­ge­fäl­lig­keit von Doktor Müller-Wohl­fahrt.

73.

An der Sei­ten­linie steht hilflos Frank Lam­pard. Der alte Hau­degen wirft wahllos neue Spieler aufs Feld und bellt dann seine Befehle zur Auf­hol­jagd. Nur: Nie­mand ver­steht ihn. Live­auf­nahmen:

74.

Hui! Und dann wird es doch noch gefähr­lich, als Wil­lian eine Flanke in den bay­ri­schen Straf­raum schau­felt und diesmal nie­mand ent­schärfen will. Lam­pard wit­tert Mor­gen­luft. Flick gibt ihm ein Stück Wurst. Uli Hoeneß gefällt das.

75.

Davies mal wieder im Armin-Hary-Modus, rauscht die Außen­bahn her­unter, nie­mand, wirk­lich nie­mand kann ihm folgen, doch, einer, es ist Robert Lewan­dowski, und voller Bewun­de­rung schiebt ihm Davies dann auch den Ball vor die Füße: 3:0! Die Rück­kehr der Roten Bestie. Und wir alle sind Zeuge.

80.

Schöne Reibe ist das jetzt. 3:0 im Aus­wärts­spiel. Nicht unwahr­schein­lich, dass Frank Lam­pard das Sta­dion nach der Partie heim­lich im Wäsche­korb hockend ver­lässt. Den Trick kennen sie hier.

84.

Herz­lich Will­kommen zurück in der Defen­si­ve­lite Europas, Jerome Boateng. Klaut Abraham mit einer solch wun­der­baren Grät­sche den Ball, dass sich zukünf­tige Braut­paare dieses Tack­ling ver­mut­lich bald auf die Finger schnitzen lassen, als Zei­chen ihrer unend­li­chen Liebe. Der Ticker ist Trau­zeuge.

87.

Weil zu einem echten Scheißtag auch eine echte Scheiß­ak­tion gehört, bekommt Marcos Alonso nach einer Tät­lich­keit gegen Lewan­dowski erst Gelb, dann Rot. Schlag ins Gesicht. Für Chelsea schon seit 87 langen Minuten.

90.

Wenn es noch eine Szene gebraucht hätte, um die bay­ri­sche Über­le­gen­heit zu ver­deut­li­chen, dann diese: Konter von Chelsea, doch in einer fürch­ter­lich ein­ge­spielten Gleich­schal­tung jagen die beiden letzten Reihen der Mün­chener zurück und stehen zur Abwehr bereit, kaum, dass sich Chelsea offensiv sor­tiert hat. In Hansi Flicks Gewin­ner­blick fun­keln Tränen der Rüh­rung.

Abpfiff

Beein­dru­ckende Vor­stel­lung der Bayern, beein­dru­ckende Pleite für Chelsea. In dieser Form sind die Baju­waren wieder Mit­fa­vorit auf den Titel und was wäre das für eine hüb­sche Geschichte, wenn Not­lö­sung Flick die Saison auf Europas Thron beenden würde. Der Beginn einer Ära? Fragt der Ticker zum Abschied, wünscht eine gute Nacht und hofft auf ein bal­diges Wie­der­sehen! Peace out.