Werder Bremen

2
4

Schalke 04

Liveticker: Werder Bremen - Schalke 04

Deckel drauf!

Schalke macht das vielleicht beste Spiel der letzten Woche - und scheitert trotzdem. An einem überragenden Max Kruse, an der Logik von Matthias Stach und am Fehlen von Edi Glieder. Vermeidete Bekenntnisse: der Ticker.

20:17 Uhr

Freunde. Hallo und herzlich Willkommen! Bremen gegen Schalke, also. Nach all den großen internationalen Spielen unter der Woche wie der Blick auf Girokonto nach dem Karibikurlaub: Man muss der hässlichen Realität auch mal ins Auge blicken. Verspielt heute mit euch den letzten Kredit: der Ticker.

20:20 Uhr

Während wir noch gelassen im Sessel sitzen, macht es Matthias Sammer an der Videoleinwand wie ein Raumbefeuchter: Ordentlich Dampf. Während neben ihm Sebastian Langkamp steht, der aus irgendeinem Grund die Fehlleistung der letzten Woche erklären muss.Wie ein Student, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat und jetzt von Sammer vorgeführt wird. Man will ihm, also Langkamp, am liebsten die Lösung unter der Bank zuschieben. Aber auf unserem Zettel stünden nur Fragezeichen. Na dann.

20:23 Uhr

Ist aber auch egal. Denn es geht heute ja um viel mehr. Es geht um den Job von Domenico Tedesco. Verliert er, wird er Gelsenkirchen nie wieder betreten dürfen - könnte die Lage aussichtsloser sein?

20:26 Uhr

Was für Schalke spricht: Franco di Santo wird heute definitiv nicht spielen können.

20:28 Uhr

Kohfeldt bietet Claudio Pizarro von Anfang an auf! Nur sinnvoll, schließlich hat der Zivi um 22 Uhr Feierabend.

20:30 Uhr

Benjamin Stambouli führt die Schalker Mannschaft als Kapitän aufs Feld. Die Binde der Schalker Ultras musste er am vergangenen Wochenende leider abgeben. Aber immerhin: Der Swingerclub Herne hat ihm allem Anschein nach die Maske gelassen.

20:32 Uhr

»Es geht heute nur um Zweikämpfe«, sagt Matthias Stach. Und ich ahne schon, wie die Schalker Vereinsführung die positive Zweikampfwertung (49:38) vorlegen wird. Endstand: 0:3.

1.

Anstoß. Schalke bis hierhin fehlerfrei.

2.

Schalke mit gefälligem Spielaufbau. Stambouli bekommt in der Innenverteidigung den Ball, schaut sich hektisch um. Pizarro läuft an. Wir melden uns, sobald die Szene beendet ist.

4.

DIe Gäste heute in mausgrau. Nur falls sich noch jemand gefragt hat, wo Schalke tabellarisch steht.

6.

Eggestein mit der ersten Schusschance, knapp am Tor vorbei. Aber Schalke hier schon in den ersten Minuten wie eine funktionierende Toilettentechnik der Deutschen Bahn: Unterdruck.

8.

Stach: »Tedesco besitzt übrigens eine abgeschlossene Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann.« Mit dieser Info jetzt offiziell auf einem Niveau mit Nationalspielern aus Gibraltar und San Marino.

10.

Dabei weiß natürlich jeder, dass Tedesco im Falle des Falles beim DIN-Institut eine Stelle finden würde. Er ist schließlich bekannt für seine Standards.

13.

Erst Embolo, dann McKennie. Schalkes Spieler lassen sich aktuell in jeder Situation fallen, wollen jeden denkbaren Freistoß mitnehmen. Soll schließlich keiner sagen, die Mannschaft würde sich nicht auf ihre Stärken berufen.

15.

Trotzdem hat Bremen ein bisschen mehr vom Spiel. Eggestein wirbelt, Kruse lässt sich zwischen die Ketten fallen. Ist aber auch leicht. Schalkes Linien erinnern gerade in der Grundordnung an die Stirnfalten von Jens Keller.

18.

Erste Gelbe Karte des Spiels. Eggestein macht's mit Oczipka wie Schalke am unruhigen Umfeld: Hält dran fest.

20.

Ohhh! Pavlenka mit der nächsten guten Tat. Wäre dieser Mann nicht zufällig Fußballprofi geworden, er hätte sich bei seinem Arbeitsprofil in der Versicherungsbranche selbstständig machen sollen. Morgens spät aufstehen, viel Kaffee trinken, mit dem Porsche zur Arbeit fahren und zwischendurch lässig was absichern.

22.

Nächste Gelbe Karte für Bremen. Wenn das so weitergeht, sollten sich die Spieler gleich mit »Suche Karten«-Schild auf den Platz stellen, so fleißig sammeln die gerade Tickets.

24.

Nächster Freistoß für Schalke. Diesmal lässt sich Burgstaller stümperhaft im Strafraum fallen, will irgendwie einen Elfmeter rausholen. Aber das ist derart amateurhaft, man sollte die Schalker wegen Beleidigung an Pippo Inzaghi verklagen.

26.

TOOOOOOOOR für Schalke!! Weil Breel Embolo, ausgerechnet: Embolo, zwanzig Meter vor dem Tor an den Ball kommt, zwei-drei schnelle Schritte macht und den Ball an Pavlenka ins Tor schiebt. 1:0 - Damit wäre Schalke aus der Krise, Tedesco gerettet und Embolos Transfersumme für die nächsten 15 miesen Auftritte gerechtfertigt. Herzlichen Glückwunsch.

28.

Jetzt erzählt Stach, dass Kohfeldt als D-Jugendtrainer eine neunseitige Arbeit darüber schrieb, wie die Mannschaft künftig besser spielen könnte. Und ich sag's mal so: Sollte er heute Abend wieder den Drang verspüren, hoffentlich nimmt sich ein Professor seiner Habilitation an.

30.

Nächste Chance für Schalke! Knapp am Pfosten vorbei. Noch eine dieser Szenen und Königsblau fährt am Dienstag wieder mit Hoffnung nach Manchester.

31.

Tja, kaum hab ich es gesagt: 1:1. Weil Kruse von der Seite einfach mal reinflankt und Pizarro, dieses erfahrene Schlitzohr, erkennt, dass er mit dem Rücken zum Tor stehend nicht mehr gefährlich an den Ball kommen würde. Weshalb er nur antäuscht. Und Rashica hinter ihm den Ball unbedrängt in die Maschen zimmert.

31.

Tja, kaum hab ich es gesagt: 1:1. Weil Kruse von der Seite einfach mal reinflankt und Pizarro, dieses erfahrene Schlitzohr, erkennt, dass er mit dem Rücken zum Tor stehend nicht mehr gefährlich an den Ball kommen würde. Weshalb er nur antäuscht. Und Rashica hinter ihm den Ball unbedrängt in die Maschen zimmert.

33.

Schalke erinnert mich an eine ehemalige Mitschülerin, deren Namen ich mittlerweile vergessen habe, weil sie so unscheinbar war, die aber bei jeder Party den Einlass organisierte: Völlig unschuldig, aber wieder am kassieren.

35.

Kruse im Zusammenspiel mit Augustinsson auf der rechten Seite, haben es aber auch ziemlich leicht. Denn Schalkes Hintermannschaft wie eine Horde Handwerker nach Feierabend auf einer Baustelle für Mehrfamilienhäuser: Hinterlassen viele Räume.

39.

Ansonsten das Spiel aber einfach inspirationslos. Schalke will kämpfen, jeden Meter umgraben, aber Bremen spielt lieber Fußball, wenn auch mit vielen Fehlern. Ständig verspringt irgendwo ein Ball, neuer Spielaufbau, wieder langer Ball. Jemand läufts in Abseits. Langsam habe ich den Verdacht, die Mannschaften spielen nur noch, damit Stach alle Karteikarten (Statistiken, Berufe, Kinder, Berufe der Kinder) herunterlesen kann.

44.

Nach dem 1:1 passiert hier gerade so wenig, es würde mich nicht wundern, wenn gleich ein paar Algerier auf der Tribüne mit Geldscheinen wedeln.

45.+1

Halbzeit! Oder: Endlich ist das Rahmenprogramm von der Sammer-Show vorbei.

21:29 Uhr

Wow, wenn ich das richtig erkenne, müssen Henkel und Sammer nicht einmal das Videotape stoppen, um die rasantesten Szenen zu analysieren.

21:31 Uhr

Trotzdem lobt Sammer das Schalker Spiel. Erkennt eine kleine Trendwende, eine gute Verteidigung und lobt: »Sie spiegeln«. Und das wissen wir von unseren Friseurbesuchen: Das sieht nicht immer gut aus.

21:35 Uhr

Natürlich, was Schalke hier defensiv spielt, ist gar nicht so schlecht. Aber vorne fehlt etwas Durchschlagskraft. Diese exotische Extravaganz, die internationale Klasse, die Königsblau früher im Angriff aufbot. Ein Spieler, der den Unterschied macht. Ein Spieler, der aus keiner Chance ein Tor machte. Ein Spieler, der die Massen begeistert. Ganz klar, Schalke fehlt... Edi Glieder. 

46.

Anstoß. Bremen hat den Ball. Schalke schon wieder im Formtief?

48.

Embolo und Skrzybski im Kurzpassspiel, versuchen sich elegant durchzukombinieren. Tedesco an der Seitenlinie fuchsteufelswild: »Leute, nur das machen, was wir im Training geübt haben!!«

49.

Ha! Von wegen. Denn Bremen mit der nächsten Chance. Kruse kommt zu Fall, aber im Rückraum kommt Klaassen an den Ball. Macht es wie ein guter Autofahrer vor dem Wildunfall: Hält voll drauf. Aber auf der Linie klärt Stambouli. So schön, die Ultras drängen auf den Platz, um ihm die Binde wiederzugeben.

50.

Tja, und dann? Elfmeter. Weil Kruse im Strafraum gefallen war. Und Schiri Petersen schaut sich die Szene noch einmal an, berät sich mit seinem Videoassistenten (Findus) - und entscheidet auf Elfmeter.

52.

2:1! Kruse läuft an und macht es wie wir früher, wenn uns ein Tourist nach dem Weg fragt: Schickt Nübel in die falsche Richtung. Schiebt dann so cool ein, Vanilla Ice ernennt ihn zum neuen Bandmitglied.

55.

»Jetzt wird es zum Mentalitätsspiel«, sagt Stach. Tedesco hält seine 1,0 dagegen. Stich.

58.

Stach: »Große Szenen von Kruse jetzt gerade« - Ich finde ja, Handys sollten bei der Arbeit verboten werden.

60.

Bremen jetzt mit immer mehr Chancen. Pizarro und Kruse versuchen es mit gemeinsamen Kräften und sägen damit natürlich auch an Tedesco Trainerstuhl. Riskante Statik, aber noch hält der Nübel.

62.

Schussversuch von Caliguiri, aber Pavlenka wie ein Vorzeigepatient beim Allgemeinmediziner. Zeigt tolle Reflexe.

64.

»Sportlich nicht im Sinne von sportlich, sondern von mutig«, meint Stach. »Logisch nicht im Sinne von logisch, sondern von Häh?!«, sagen wir.

67.

Tedesco mit Blick auf die Wechseloptionen:

69.

Muss man aber mal ganz ehrlich sagen: Max Kruse heute mit einer überragenden Leistung. Spielt tolle Pässe, sieht immer wieder Räume, setzt seine Mitspieler in Szene. Schade, dass Joachim Löw Weltklassespielern über 18 gerade eine Generalabsage erteilt hat.

71.

Nationalmannschafts-Aus von Max Kruse: 21. März 2016. Gewonnene Titel des DFB seitdem: 0.

73.

Toooooooor für Bremen! 3:1. Und wer Diabetes hat, sollte jetzt besser nicht weiterlesen. Denn dieses Tor war Zucker. Kruse mit einer wunderbaren Flanke auf Eggestein, dessen inneres Sonar wohl bald vom US-Militär aufgekauft wird, der den Ball mit dem Hinterkopf weiterleitet. Denn da steht Rashica hinter ihm, schickt mit der lässigsten Körperbewegung seit Vince Vega zwei Gegenspieler auf die Reise, bestäubt die Szene mit einem letzten Hauch Puderzucker und schiebt locker ein. Hmmm, lecker!

76.

Fragt hoffentlich kein Pressevertreter später Schalkes Sportvorstand Schneider, was er von Tedesco hält. »Abstand.«

78.

Ha! Jetzt verarschen sie die Schalker. Rashica tunnelt sich selbst, der Ball landet bei Kruse, der aber vergibt. Hatte den besser postierten Harnik übersehen.

80.

Falls Martin Harnik, der ja der beste Freund von Kruse ist und die beiden nur deshalb - angeblich - bei Werder spielen, jemals eine Biographie schreiben sollte, hoffe ich, der Verlag nutzt die Gelegenheit, um es »Werder, Icke und der Dicke« zu taufen.

82.

Frage am Abend: Kann die Erderwärmung wirklich so schlimm sein, solange ein Kommentator in Deutschland eine Flanke noch beschreiben darf mit: »Da liegt Schnee drauf«?

84.

Und jetzt bringt Kohfeld ausgerechnet Fin Bartels. Der über ein Jahr an seinem Comeback gearbeitet hat. Und dessen Haare so grau geworden sind, dass Tedesco bei seiner Einwechslung so guckt, als würde er nach diesem Spiel die Gelegenheit nutzen, um seine Karriere als Bundesligaprofi anzugehen.

85.

TOOOOOOR für Schalke! Embolo wie ein motivierter Mieter im fünften Stock: Steigt richtig schön hoch! Nur noch 3:2. Die gute Nachricht für Schalke: Es besteht noch Hoffnung. Die schlechte Nachricht für Schalke: Es besteht noch Hoffnung.

88.

Tedesco bringt Sané für Caliguiri, und postiert ihn als Mittelstürmer. Schalkes Trainer wirkt jetzt wie ein verzweifelter Einbrecher: Holt die Brechstange raus. Und dabei steht das Fenster offen.

90.

Was für ein Mist: Da kämpfst du als Trainer um deinen Job. Und musst die letzten vier Minuten damit zubringen, zuzuschauen, wie Max Kruse den Platz verlässt.

90.+1

Falls jemand wissen will, wie sich Schalke in den letzten drei Jahren verändert hat: »Da ist der neue Stürmer: Sané.«

90.+3

Tedesco stellt um: 0-0-10.

90.+4

Und dann: TOOOOOOOR! Beziehungsweise: Tor. Denn es verändert nichts mehr, es macht nur alles klar. Harnik läuft alleine auf das Schalker Tor zu. Auf Nübel, der dem Ball noch hinterherfliegt, aber in dieser Szene wie Schalke in weiten Teilen der Saison: chancenlos. Und Werder macht den Deckel drauf.

22:27 Uhr

... zumindest auf dieses Spiel. Denn Petersen pfeift ab. Und damit hat Schalke schon wieder verloren. Was, verglichen mit den Auftritten zuletzt, ein bisschen unfair wirkt. Weil sie ein gutes Spiel gemacht haben. Aber eben doch verloren haben. War das die »Trendwende«? Darüber diskutieren jetzt zwei Männer in Wollpullover. Und das wollen wir wirklich nicht. Weshalb wir uns jetzt unseren Pyjama anziehen und ins Bett gehen. Deckel drauf.