Liveticker
VfB Stuttgart – Borussia Mönchengladbach 2:2
Bundesliga

18:15 Uhr

Griaß Gott aus Stutt­gart. Tach an den Nie­der­rhein. Glad­ba­cher Boden­haf­tung trifft auf das eli­täre Schwa­ben­land. Du Wasser und Brot, ich Schampus und Koks.

18:18 Uhr

Auch wenn Thomas Bert­hold womög­lich nicht an die Heim­schwäche des VfB Stutt­gart glaubt, ist sie nicht weg­zu­dis­ku­tieren. Bis­lang ist der VfB noch ohne Heim­sieg in dieser Saison. Irgendwie stimmt da die Balance nicht, ich meine, aus­wärts läuft es ja. Das ist wie beim Kind, das beim Flo­rian zu Besuch ganz anders per­formt als zu Hause. Heike (Flo­rians Mutter) ist hellauf begeis­tert: Der kleine Nicolas ist vor­nehm, räumt seinen Teller immer weg, zieht die Schuhe aus.

Und kaum wieder zu Hause ange­kommen, kackt er neben die Brille.

18:23 Uhr

Junge, schwung­volle und sym­pa­thi­sche Akteure: Das war ein aus­ge­gli­chener Kampf zwi­schen Armin Laschet und Fried­rich Merz um den CDU-Par­tei­vor­sitz. Mal sehen, was Stutt­gart und Glad­bach dem ent­ge­gen­setzen können.

18:26 Uhr

Marco Rose hatte im Vor­be­richt gesagt, er schaue sich gerne Spiele des VfB an, wor­aufhin Pel­le­grino Mata­razzo sich geschmei­chelt zeigte und erwi­derte, auch er schaue sich gerne Glad­bach-Spiele an. Irgendwie süß die beiden. Und alle: Küssen! Küssen! Küssen!

18:28 Uhr

Stutt­gart im Zei­chen des CDU-Par­tei­tages heute ganz kon­ser­vativ mit elf Mann: Kobel-Stenzel-Anton-Kempf-Waman­gi­tuka-Man­gala-Endo-Sosa-Kli­mo­wicz-Castro-Gon­zalez.

18:30 Uhr

Und auch Glad­bach gegen das Pari­täts­ge­setz. Fai­rer­weise sollen es auch hier elf Männer richten: Sommer-Bense­baini-Elvedi-Ginter-Lainer-Kramer-Neu­haus-Zakaria-Hof­mann-Stindl-Embolo.

1.

Und bit­te­schön, Anpfiff in Stutt­gart, irgendwo auf einer Abgas­wolke sitzt Gott­lieb Daimler und vul­ka­ni­siert grimmig seine Reifen. Der Live­ti­cker hat die Zei­ge­finger geölt, das Groß­hirn gefettet und hofft auf große Unter­hal­tung. Naiv wie wir sind. Aber, hey, irgendwie muss man diese Zeit doch über­stehen. Viel Freude uns allen!

5.

Sicher­lich fragt ihr euch immer: Wie machen das diese Typen von 11FREUNDE nur? Wie können die sich ernst­haft für so ein Spiel begeis­tern, das ohne Zuschauer aus­ge­tragen wird, mitten im Januar. Nun, bei mir helfen alte VHS-Auf­tritte aus der Ver­gan­gen­heit, und so schmach­tete ich den gesamten Vor­mittag vor dem Röh­ren­fern­seher, sah Guido Buch­wald anno 92 auf­ge­löst in freu­dige Kro­ko­dils­tränen, jubelte Dahlin und Herr­lich zu, rasierte mir aus alter Ver­bun­den­heit einen Luchs ins Haupt­haar und malte mir die Schuhe Elber­weiß. So was hilft wirk­lich immer.

9.

Apropos Luchs. Apropos Schuhe. Der Kol­lege Ahrens schickt soeben dieses Fund­stück zu. Das sind die Ter­chers von Lothar Mat­thäus und das treibt uns dann doch die Tränen in die Augen. Ist direkt aus dem All ins Studio gesprungen. Mit einem Snow­board. Das er unter seine Moto­cross-Maschine geschnallt hatte. Didi Mate­schitz lacht sich ins Fäust­chen. Sky ist the limit.
Lothar schuhe

12.

Schön für Mön­chen­glad­bach, dass Embolo noch recht­zeitig fit geworden ist. Ver­dankt er, laut kicker, einer kurz­fris­tigen Ope­ra­tion an der Hand“. Sehr beliebt bei Bun­des­liga-Profis auch: Die spon­tane Darm­spie­ge­lung, die kurz­wei­lige Knie-OP oder die Wurmkur aus Jux und Dol­lerei.

16.

Ich komme aus einer Zeit, da wurde jeder räu­dige Hackentrick über zwei Meter unbe­drängt in der eigenen Hälfte mit einem Raunen begleitet, in der Regel gefolgt von der damals zeit­losen Beschrei­bung bra­si­lia­nisch“. Des­halb ist das, was Silas Waman­gi­tuka da eben auf der rechten Außen­bahn getan hat, für mich immer noch nicht wirk­lich zu erklären. Heri­bert Faß­bender hätte jeden­falls gar nicht mehr auf­ge­hört mit der Rau­nerei.

18.

Das Spiel bisher das Gegen­teil von Hertha gegen Köln: Fuß­ball.

20.

Glad­bachs Neu­haus jetzt mit der Schuss­chance von der 16er-Kante. Es gab Zeiten, da hat er die Dinger noch in den rechten Giebel gelegt. Damals stand aber auch irgendein halb­ta­len­tierter Schnapper aus der Schalker Knap­pen­schmiede im Tor und nicht Gregor Kobel. Zwinker, zwinker.

22.

Die Glad­ba­cher tun es ihrem Lan­des­vater jetzt so langsam gleich: sie über­nehmen.

25.

Unter­bre­chungs­pause, weil Waman­gi­tuka am Boden liegt. Das gibt der Regie die Mög­lich­keit auf Groß­auf­nahme Rose umzus­wit­chen. Langsam haben wir es begriffen, dass der Typ echt gut aus­sieht. Aber hey: Respekt an den Kame­ra­mann, wenn man bedenkt, dass er das womög­lich gerade ein­händig macht.

28.

Gon­zalo Castro, das Urge­stein, der Single Malt aus Stutt­gart. Trotzt dem Alter von 33 Jahren und spielt wahr­schein­lich die beste Saison seiner Kar­riere. Hat mitt­ler­weile eine krat­zige Blues­stimme, trägt Backen­bart und Cord­buxe. Zau­bert in seinen Buda­pestern aber trotzdem zum zweiten Mal einen äußerst feinen Hacken­pass aus dem Fuß­ge­lenk. Forever Young!

32.

Uff! Sosa mit der starken Her­ein­gaben, Gon­zalez mit dem Kopf – drüber. Was ich an dieser Stelle aber erwähnen muss: Starke Soli­da­ri­täts­geste von Sosa, dass er wie der Rest der Welt seit Monaten nicht zum Fri­seur geht.

34.

Elf­meter für Glad­bach. So klar, dass man sich mit der Grät­sche besaufen könnte. Stindl läuft an – und zim­mert den Ball mit einer Vehe­menz in den Winkel, dass man den Mann gerne in ver­ant­wort­li­cher Posi­tion im Gesund­heits­mi­nis­te­rium sehen möchte – alle durch­ge­impft in zwei Wochen. Gut, alle, bis auf Thomas Bert­hold. 1:0 für Mön­chen­glad­bach!

40.

Werde ich mich ein­fach nie­mals dran gewöhnen können: Bun­des­liga-Fuß­ball und Kreis­liga-Atmo­sphäre. Wenn wenigs­tens Tony Jantschke gerade den Wodka‑O von ges­tern Abend in die Müll­tonne kotzen würde oder Daniel Didavi um zwei Kisten Stark­bier wettet, dass er heute noch eine Bude macht. Statt­dessen zackige Kom­men­tare von hoch­ge­züch­teten Sie­ger­typen. Das hat mit Kreis­liga so viel zu tun wie Fried­rich Merz mit Femen.

43.

Die schlauen Offen­siv­be­mü­hungen von Lars Stindl sorgen der­weil in gewissen Kreisen der Ver­ei­nigten Staaten für Sehn­sucht und Lie­bes­kummer. Mit einem wie ihm hätte man gerne das Kapitol gestürmt.

45.

Halb­zeit, liebe Freunde. Eine unter­halt­same erste Halb­zeit geht zu Ende, wir pusten kurz mal durch und sind gleich wieder für euch da. Natür­lich nicht ohne ein wenig Pausen-Unter­hal­tung. Viel Freude!

46.

So, weiter gehts. Glad­bach führt nach 45 Minuten durchaus ver­dient mit 1:0. Und Max Eberl schaut sich das Ganze bei Käse­spätzle und Alm­dudler aus den Bergen an. Also behaupte ich jetzt ein­fach mal, dass er das tut. Viel­leicht beob­achtet er auch nur Alpen­sa­la­mander und Muff­lons. Aber auch dann wär‘s ver­dient.

49.

Erste Annä­he­rung der Stutt­garter in der zweiten Hälfte. Wieder Sosa mit der Flanke und Gon­zalez mit dem Kopf. Aber Elvedi denkt sich: El veni, vedi, vici – und blockt den mit der Rübe. Weiter 0:1.

53

Anton mit der dicken Chance nach der Ecke. Den Schuss blockt Ginter auf der Linie. Die Gast­geber geben jetzt ordent­lich Gas. Ver­sor­gungs­knapp­heit müssen die Stadt­werke Stutt­gart im baden-würt­tem­ber­gi­schen Umland jetzt noch nicht melden, aber es sieht schon mal besser aus.

57.

Hinter den Kulissen geht’s beim VfB seit Monaten rund. Zwi­schen Hitzl­sperger und Vogt ist ein Macht­kampf ent­standen. Stutt­garts Ultras plat­zierten dar­aufhin Spruch­bänder im Umfeld der Geschäfts­stelle. Nie­mand ist größer als der Verein“. Und das ist richtig! Gut, außer halt Kalajdzic, der ist wirk­lich unfassbar groß. Und jetzt im Spiel.

59.

TOOOOR! Sosa schlägt die vier­und­neun­zigste Flanke von links und diesmal nickt Gon­zalez den Ball rein. Schönes Ding! Und Hitzl­sperger sitzt Kon­fetti rülp­send im Ober­rang. Aus­gleich.

62.

Und nochmal: TOOOR! Glad­bach führt wieder. Stindl spielt mal wieder einen Stindl-Pass in die Tiefe, Zakaria legt den an Kobel vorbei. Das nenne ich Schlag­fer­tig­keit. Die Ant­wort kam so schnell, da waren nicht einmal die zwei Häk­chen blau.

65.

Der schnellen Ant­wort der Glad­ba­cher zum Trotz: Bin noch ganz gerührt von diesem wun­der­schönen Tor von Gon­zalez. Ein Flug­kopf­ball aus dem Lehr­buch. Für alle Lie­benden da draußen:

69.

Pel­le­grino Mata­razzo. Wahn­sinn. Als ich klein war, hießen die Trainer Otto, Ottmar oder Franz. Ich bin ein alter weißer Mann. By the way: Noch jemand Inter­esse an einem Kanz­ler­kan­di­daten?

72.

Stindl, der Inbe­griff des seriösen Fach­ar­bei­ters. Der faltet nach dem Spiel akkurat sein Trikot zusammen, hilft noch mit, die Kabine aus­zu­fegen, fährt dann nach Hause, schlüpft in die Pan­tof­feln und geht zeitig zu Bett. Muss morgen früh seine Steuer machen und ist schon ganz nervös: 16 Tage zu spät. Wäre Ned Flan­ders längst an einem Herz­kasper drauf­ge­gangen.

75.

Beob­ach­tungen im kicker-Live­ti­cker: Rose mun­tert seine Schütz­linge aktuell mit den Worten weiter, weiter‘ auf, er möchte etwas mehr sehen.“ Gepackt von altem Ehr­geiz greift Oliver Kahn über, rollt sich ele­gant in seinem Wohn­zimmer ab, schleift den trägen Öster­rei­cher aus der Nach­bar­schaft durch den Vor­garten, spürt die große Sehn­sucht, einen Schweizer zu zer­teilen und renkt sich dann bei einem nost­al­gi­schen Schrei­an­fall den Kiefer aus.
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77.

Eine meiner Ex-Freun­dinnen leis­tete mir gerne bei Fuß­ball­spielen Gesell­schaft, aller­dings nur des­halb, weil sie spä­tes­tens nach zehn Minuten Spiel­zeit sanft ent­schlum­merte. So ein Fuß­ball­spiel im Fern­sehen, erklärte sie mir, übe eine unglaub­liche Ent­span­nung auf sie aus. Da konnten 50.000 Frank­furter um ihr Leben schreien, enthu­si­as­ti­sche Kom­men­ta­toren durchs Mikrofon krie­chen oder Werder voll­kom­mend über­ra­schend die Meis­ter­schaft gewinnen, sie schlief wie ein Stein. Daran muss ich immer denken, wenn ich bei diesen Geis­ter­spielen dagegen ankämpfen muss, nicht sanft die Augen zu schließen, um von prop­pe­vollen Sta­dien und den guten alten Hexen­kes­seln zu träumen. Der soge­nannte Gähn-Def­fekt.

79.

Neu­haus jetzt mit der Chance den Deckel drauf­zu­ma­chen. Schei­tert aber an Kobel. Mich erin­nert Neu­haus an diesen feinen, schüch­ternen Pinkel aus der Vor­stadt, der auf Klas­sen­fahrt zum Riot wird, gestopfte raucht, Wein-Cola säuft und nachts die Jugend­her­berge vollt­aggt. Bis­lang spielt er eine Saison, als wäre sie eine nicht enden wol­lende Klas­sen­fahrt.

84.

Schön übri­gens, dass Alas­sane Plea wieder fit ist. Finde den sowas von geil. Weil der so der­maßen lässig wirkt. Würde mich nicht wun­dern, wenn er gleich mit Sir Benni Miles Bag­gy­jeans, Nike-Schweiß­bän­dern und Dog­tags ein­händig Auto­scooter ein­parkt.

87.

Wir sind aber auch ein­fache Leute bei 11Freunde. Bei Mega-Lock­downs“, Turbo-Viren“, Todes-Muta­tionen“ und einer Welt, die augen­schein­lich vor die Hunde geht, musst du uns nur das Flut­licht anknipsen, zwei x‑beliebige Klubs vor die Murmel treten lassen und sobald einer mit Stefan-Lainer-Gras­fresser-Grät­sche die Kugel auf die Tri­büne jagt, ver­gessen wir all unsere Pro­bleme, ver­geben uns und unseren Liebsten, und merken, dass irgendwie doch vieles okay ist. Jeden­falls für diesen Moment. Danke dafür!

90.

Nochmal Sosa über links, spielt den Ball flach in die Mitte, wo Elvedi noch recht­zeitig vor Kalajdzic klären kann. Aber was geht denn bei diesem Sosa? Rennt hier die Linie rauf und runter. Moti­viert wie ein 15-Jäh­riger auf dem Cann­statter Volks­fest, zuge­dröhnt mit V+ Curuba und ner Doppel-Apfel-Pfeife.

90. + 5

Uiuiuiui. Es gibt tat­säch­lich nochmal Elfer für Stutt­gart, weil Bense­baini Kalajdzic einen zweiten Brust­ring ver­passt. Wir sind fünf Minuten über der Zeit und Waman­gi­tuka knallt den ein­fach schnör­kellos rein. 2:2. Abpfiff. Und Eberl fällt in den Bergen vor Schreck eine Älp­ler­mak­ka­roni ins Ski­wasser.

90. + 7

Ver­wirrter als die Glad­ba­cher war übri­gens nur Kol­lege Raack, der beim Stand von 1:2 schon abge­schaltet hatte und mir schreibt: Ist noch was pas­siert?

Ich sag mal so: Jup, guck‘ in den Ticker. Und jetzt: Schönes Wochen­ende noch, alle­samt!