Schalke 04

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B. Leverkusen

Liveticker: Schalke-Leverkusen

Holt dieser Mann die Kohlen aus dem Feuer?

Es wird dunkel. Am Freitag schließt die einzige noch aktive Zeche – und Schalke befindet sich im freien Fall. Der Ticker trägt heute schwarz und reibt die Wangen mit Kohle ein. Glück auf, Freunde!

imago

18:26 Uhr

Willkommen zum Spiel Schalke gegen Leverkusen. Preisgekrönt (wenn auch mit dem ewigen Platz 2). Aber keine Sorge: »Der Spiegel« hat bislang keine Informationen darüber, dass das Spiel erfunden sein könnte.

18:32 Uhr

Gänsehaut-Atmosphäre, denn alles gedenkt heute dem Bergbau in der Region. Wenn jetzt gleich noch R.A.G. das Steigerlied performen, weine ich ein bisschen.

1.

Anstoß. Echt wahr. Auch das hat Dokumentationsabteilung des »Spiegel« bestätigt.

3.

Schalke droht, vor der Winterpause noch auf einen Abstiegsrang zu rutschen. Aber Appetit macht die Mannschaft offenbar immer noch. Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Augsburg sagte Tedesco: »Wir wurden im ersten Durchgang regelrecht aufgefressen.« Kurzer Blick auf die Tribüne: Reiner Calmund, Leverkusens Manager-Legende, bindet bereits sein Lätzchen um.

5.

Rudy bei Schalke nicht im Kader, Rudi bei Leverkusen auf der Tribüne. Sagen wir, wie es ist: Der Name hat schon bessere Zeiten erlebt.

7.

Leverkusen baut sich vor dem gegnerischen Tor auf. Die Situation sieht vielversprechend aus. Und dann? Wendell mit einem Pass, der aussieht, als habe ihn ein Teilnehmer des örtlichen Volkshochschulkurses »Mittelmäßige Erfindungen« erfunden.

10.

Bailey mit einer Pirouette. Bringt nichts ein, aber sieht schick aus. Als wollte er sich beim Let’s Dance »Special Edition Disco 1975« bewerben. Unsere Stimme hat er.

13.

Erste Halbchancen für Schalke. Ein verunglückter Kopfball, ein verunglückter Torschuss. Insgesamt: Wie ein nie gedrehter Film mit Louis de Funes, in dem Inspektor Clousseu die Hauptrolle spielt.

15.

Weiser umdribbelt Nastasic, dessen Gesicht vor Wut oder Erschöpfung läuft rot anläuft. Oder versucht er sich an einer Hoeneß-Parodie= Der Bayern-Präsident lässt über seine Anwälte vorsorglich Unterlassungsklage verschicken. Per Brieftaube. Wie es weiter geht? Erfahren wir demnächst im »Spiegel«: »An einem kühlen Mittwochabend im Spätherbst...«

17.

Erster gefährlicher Angriff der Schalker: McKennie legt auf Schöpf, doch dessen Schuss mit weniger Erfolgschancen als Jens Spahns Kanzlerhoffnungen.

19.

Schalke trennte vor dem Spiel nur noch ein Punkt von einem Relegationsplatz, Leverkusen vier. Das Spiel könnte dem Twitterbeef zwischen Oliver Pocher und Boris Becker den sichergeglaubten Titel "Duell der größten Underperformer 2018" so kurz vor Jahresende noch entreißen.

23.

Kohr mit der Riesenchance! Der Leverkusener läuft alleine auf's Tor zu, hat nur Fährmann vor sich, schießt - doch der Schalker Torwart entdeckt seinen inneren Oliver Kahn und schreit den Ball einfach am Tor vorbei.

26.

Jetzt geht's Schlag auf Schlag. Bailey bolzt den Ball aus 25 Metern an den Pfosten. Dragovic staubt ab: VIDEOBEWEIIIIIIIIIS!

27.

Der Videoschiedsrichter entscheidet: Kein Abseits, Tor für Leverkusen. 0:1. Emotionen pur!

30.

Die Leverkusener Abwehr mit einem Riesengeschenk - wenn man daraus zu dieser Jahreszeit nur einen Gag machen könnte...

31.

... und Harit kommt im Strafraum zu Fall. Kohr schubst und Aytekin entscheidet auf Schwalbe.

32.

Schiedsrichter Deniz Aytekin ist übrigens Gesellschafter bei Astro TV. Eine Arbeit, die ihn auch auf dem Fußballfeld nicht loslässt: Während Aytekin Harit gelb zeigt, sagt er: "Diese Karte bedeutet Gefahr. Sie sollten in nächster Zeit etwas vorsichtiger sein."

35.

Was macht Tedesco nun mit diesem Spiel? Neue Taktik? Wechsel? Neuer Stürmer? Der Trainer hat da noch eine ganz andere Idee:

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37.

Und schon steht es 0:2. Lucas Alario schießt, und Ralf Fährmann lässt den (sehr haltbaren) Schuss durch die Beine kullern. Beschwert sich danach. Bei wem, weiß er vermutlich auch nicht genau. Vermutlich stand  Ulf Kirsten stand im Abseits oder Reiner Calmund hat ihn von der Tribüne aus mit einem Laserpointer geblendet. Wir bleiben dran.

39.

Nahaufnahme Tedesco. Schaut wie jemand, der bei einem Preisaufschreiben zwei Tickets für eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt Dr. Schmerz gewonnen hat – statt VIP-Tickets für die anstehende Slayer-Tour.

41.

Wir können uns nicht helfen, aber die meisten Schalker Spieler sehen heute aus wie Figuren aus einem C64-Computerspiel, die versehentlich in ein Virtual-Reality-Film geraten sind.

43.

»Es wird Zeit, dass die Mannschaften in die Kabine kommen«, sagt Kai Dittmann. Und irgendwo im Jenseits sitzt Wolf-Dieter Ahlenfelder, trinkt keine Fanta – und nickt.

45.

Jetzt liegt Stambouli am Boden, niedergestreckt von Havertz. Derweil wird die Nachspielzeit verkündet (Breaking: 1 Minute). Und dann fällt plötzlich doch das 1:2. Immerhin. Wright steht right und spitzelt einen Ball aus vier Metern über die Linie.

19:21 Uhr

Und dann ist Halbzeit. Das späte Gegentor hätte nicht sein müssen. Das wissen die Leverkusener. Das weiß Trainer Heiko Herrlich. Kurzer Blick in die Kabine von Bayer:

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19:27 Uhr

Zurück im Sky-Studio. Mit Didi Hamann und Jessica Kastrop. Wir sehen die Tore in der Wiederholung. Und wir müssen uns korrigieren: Den Schuss zum 0:2 ließ Fährmann nicht durch die Beine, sondern unter den Beinen durch. (Anm. der »Spiegel«-Dokumentationsabteilung: »So ist es korrekt.«)

19:30 Uhr

Merke gerade, dass ich das erste Mal gewhamt wurde dieses Jahr. Dass ich diesen Moment zusammen mit Didi Hamann und Jessica Kastrop erlebe, macht mich irgendwie sentimental. Gehe zum Weinen mal rüber und trinke einen Schnaps. Last Christman, Freunde! Bis gleich.

19:35 Uhr

Das alte Halbzeit-Lied: Wir sehen Werbung für Technikprodukte, Autos, Wetten. Männerwerbung mit Männerslogans für Männerzuschauer. Wenn ich das noch länger sehen müsste, würde ich eher ein Emma-Abo abschließen. Mit Widmung von Alice Schwarzer.

46.

Weiter geht's. Hoffen wir, dass die zweiten 45 Minuten ähnlich wild werden. Der lange Ball von Schalke direkt nach dem Anstoß füttert diese Hoffnung.

49.

Caligiuri versucht sich an einem Hackentrick und und sieht dabei hilfloser aus als ein 16-Jähriger, der zum ersten Mal versucht, ein Mädchen in der U-Bahn anzusprechen.

51.

Havertz kontert, ist auf Höhe des Strafraums, wo zwei Teamkollegen völlig frei auf die Flanke warten - Havertz entscheidet sich für den einzigen Schalker zwischen den beiden. Damit sich keiner benachteiligt fühlt.

54.

Wieder ein Fehler von Leverkusens Defensive. Die Leistung der Verteidiger heute ist ähnlich verstörend wie das neuen Till-Lindemann-Lied feat. Haftbefehl.

56.

Weiser mit dem beliebten Schulhof-Gag "Gehfehler". Was früher einen Verweis gab, gibt bei Aytekin nicht mal gelb.

58.

Auf der anderen Seite sieht Serdar gelb für ein taktisches Foul. Die Schalker protestieren und Aytekin muss seinen strengsten Blick auspacken, damit ihm das Spiel nicht entgleitet.

60.

Lange Bälle, Ausrutscher, misslungene Tricks. Das Niveau sinkt schneller, als wenn man beim Zappen aus Versehen auf RTL II kommt.

65.

»Nächstes Foul, nächste Karte«, informiert Dittmann. Und ja, das Spiel wird ruppiger. Fluggrätschen, Pöbeleien. Zeitweise so ansehnlich wie ein aufgeklappter Döner, der auf dem Kottbusser Damm liegt und von einer Taube angenagt wird.

66.

Kopfball Nasatasic. In etwa so gefährlich wie eine Textzeile von Der Wolf.

69.

Aber jetzt? Traumpass von Schöpf, aber der Schuss von Skzrybski kullert am Tor vorbei. Einfach nur enttäuschend. Wie früher, wenn der Videorekorder versehentlich das ARD-Testbild aufgenommen hat, obwohl man ihn auf Sat1 um 23:30 Uhr gestellt hatte, weil dort »Lass jucken, Kumpel, Teil 7« lief.

72.

Apropos: Skzrybski. Ein Name, neben dem sich Srna oder Konoplyanka lesen wie Ein-Wort-Gedichte von Rilke.

75.

Apropos Konoplyanka: Der läuft sich nun wunderbar frei, nimmt den Ball an und muss alleine vor dem Tor nur vollenden. Und was macht er? Er schiebt das Ding gefühlte acht Meter vorbei. Die Szene sieht aus, wie ein Track von Kollegah klingt: technisch perfekt, aber einfach sehr sehr dumm.

78.

Die Schlussoffensive beginnt jetzt schon. Aber es kommt einfach nichts dabei rum. Oder auch: Alle elf Sekunden verliebt sich ein Schalker in eine semi-geniale Idee.

80.

Und man muss leider konstatieren: Vieles sieht ncicht so aus wie Fußball. Jedenfalls nicht der Abschluss. Man muss trotzdem die ganze Zeit hinschauen. Es ist ein bisschen so, als würde Dieter Bohlen im Duett mit Markus Lanz zu Cloud-Rap Walzer tanzen.

82.

Wieder Ecke. Heiko Herrlich ist die Angst ins Gesicht geschrieben. Schaut rüber zu Tedesco. Vielleicht möchte er sich direkt auf Remis einigen. Beide Zweiter. Beide Vize-Irgendwas. Kennen wir doch alle. Und Erster? Erster wird Rudi Völler. Na, okay, oder Maskottchen Erwin.

84.

Wieder Ecke. Und wieder nichts. Und dann Caligiuri aus der Distanz. Und auch das: nichts. Man muss wohl oder übel konstatieren: Schalker Abschlüsse verhalten sich bislang zum Adjektiv »effektiv« in etwa so wie Till-Schweiger-Filme zum Prädikat »wertvoll«.

87.

Wieder Ecke. Und wieder nichts. Irgendwie fühlt sich das an, als hätten wir das irgendwann schon mal gesehen.

89.

Sven Bender kommt für Karim Bellarabi. Was Heiko Herrlich mit diesem Wechsel nur bezwecken möchte? Die Sky-Experten werden das uns später hoffentlich erklären.

90. +2

Havertz läuft Halbherzig zur Eckfahne, lässt sich noch halbherziger den Ball abnehmen. Am halbherzigsten: sein Protest beim Schiedsrichter.

90. +3

Mitchell Weiser lässt sich im Strafraum fallen. Aytekin zeigt gelb für Schwalbe und Weiser fällt auf die Knie, fleht, bettelt, doch es hilft alles nichts Aytekin bleibt bei seiner Entscheidung. Bleib stark Mitchell.

90. +4

Das Spiel ist Aus. Schalke 1 - Leverkusen 2. Tedescos Blick ist leerer als der Gästeblock bei einem Leipzig-Auswärtsspiel in der Europa League.

20:25 Uhr

Kai Dittmann verabschiedet sich von den Zuschauern. Die Schalker verabschieden sich von der letzten Zeche, einem Konzept, das gegenüber dem Schalkerkombinationsspiel am heutigen Abend so jung wirkt wie eine flipigge Start-Up Idee aus dem Silicon Valley. Und wir verabschieden uns von euch. Zum Runterkommen hören wir noch einmal Mathematik von Lindemann.