Schalke 04

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BVB

Liveticker: Schalke - Dortmund

Das Leben der Anderen

35 Kilometer nur liegen zwischen ihren Stadien. Und doch Welten. Zumindest in dieser Saison. Zumindest in diesem Spiel. Warum Schalke trotzdem einen genialen Plan und Dortmund nicht überzeugt hat, weiß: der Liveticker.

freun.de

revierderby.

wie finden wir das?

easy:

15.10 Uhr

Und damit herzlich willkommen zum 177. Revierderby. Dem Sonntag unter den Samstagsspielen. Der Veronica Ferres unter den Derbies. Dem »urst« in Mettwurst. Wir stöpseln uns nur noch eben ein, und dann geht es los. Auch mit dem Ticker. 


Foto: Screenshot twitter.com/VeronicaFerres

15.15 Uhr

Los geht es mit den Aufstellungen. Zunächst die von Schalke 04: Fährmann - D. Caligiuri , S. Sané , Nastasic , Oczipka - Rudy - Harit , Schöpf - Bentaleb - G. Burgstaller , McKennie

15.16 Uhr

Aus Sicht eines Außenstehenden könnte man zur königsblauen Startelf sagen: Passt zum Pott - unterirdisch.

15.17 Uhr

Und flott weiter zur Startelf von Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek , Akanji , Diallo , Hakimi - Delaney , Witsel - Sancho , Reus , Bruun Larsen - Paco Alcacer

15.18 Uhr

Fun Fact: Die Dortmunder Viererkette klingt wie die Passwörter, die der Held in einem mittelteuren Fantasy-Thriller von Til Schweiger ausprobieren würden, würde er versuchen, den geheimen Zugang zur etwas zu deutlich als Pappmaché-Pyramide erkenntlichen Pyramide zu knacken: Akanji, Diallo, Hakimi. Und dann, wenn ihm nichts mehr einfällt, flucht er nur noch, der kleine Asi: Piszczek. Und dann geht sie auf, die Pappmaché-Pyramiden-Tür. Und alle so: Boah. Der Schweiger. Honig im Kopf.

15.20 Uhr

Sky mit Werbung. Können wir auch. Wissen nur nicht, wofür: 

15.21 Uhr

Dann kommen wir eben mal zur Experteneinschätzung. Schalke mit dem schwächeren Kader, keinem erkennbaren Plan, wie man Tore erzielt und Guido Burgstaller. Womit für uns klar ist: 1-0 Schalke. Burgstaller.

15.23 Uhr

Oha. Wolff-Christoph Fuss kommentiert. Wird es doch noch ein Hochsicherheitsspiel.

15.25 Uhr

Lucien Favre im Interview, das ist klar. Sagt: »Das ist das erste Mal für mich.« Und das um 15.30h - unorthodox!

15.26 Uhr

Lucien Favre mit so guter Laune. Steckt er hinter dem Erfolg von Annegret Kramp-Karrenbauer? Und warum nicht?

15.28 Uhr

»Kämpft für uns und unsere Farben« steht schon jetzt über der Schalker Kurve, wo sich gleich die Choreo ins Leben stellen wird. Wenn ich das richtig sehe, sind das die folgenden Farben: Schmutzblau und elfenbeinweiß. Ein Klassiker - beim Anmischen vertan.

1.

Anstoß Schalke. Damit ist der Matchplan aufgegangen.

2.

Erste Überraschung: Paco Alcacer hat die erste Minute nicht sicherheitshalber auf der Bank verbracht, nur um weiter Jokertore erzielen zu können.

3.

Und die erste Chance für Dortmund! Weil Schalkes Defensive das System 4-2-3-ich-lauf-einfach-mal-drauf spielt. Und das dyametral, was bedeutet: der BVB mit viel Platz. Ball auf Hakimi, doch der vergibt. Tedesco gleicht an.

4.

Rauch liegt über dem Spielfeld, als hätte die Bundeswehr versehentlich wieder ein hochentzündliches Torfmoor mit Raketen beschossen.

6.

Weston McKennie spielt tatsächlich eine Art hängende Spitze. Aber nun gut, defensive Stärken, gutes Anlaufverhalten und null Torgefahr gehören ja spätestens seit Franco di Santo zum Schalker Anforderungsprofil an einen Stürmer.

7.

Schalke weist im Dortmunder Umschaltspiel defensiv derart viele Lücken auf, dass ich mich nicht wundern würde, wenn Dr. Markus Merk doch noch mal in Gelsenkirchen zum Einsatz kommt. In seiner besten Rolle als Zahnarzt. Jetzt erstmal Freistoß, nicht indirekt.

8.

Und: TOR! Dortmunds Freistoß nach dem Prinzip »Es wird sich wohl jemand finden«. Und tatsächlich: Thomas Delaney ist zur Stelle, schädelt den Ball ins Tor, dass er nächste Woche als Abrissbirne gebucht werden dürfte. Dortmund führt 1:0. Nur noch drei Tore bis zur nächsten Aufholjagd.

10.

Gute Reaktion der Schalker: Spielen den Ball jetzt lang rein und hoffen, dass im Strafraum jemand angeschossen wird.

11.

... geniale Strategie! Denn tatsächlich reklamiert Bentaleb, er habe ein Handspiel gesehen. Nach kurzer VAR-Beratung wird aber klar: Es wäre ein Witselelfmeter. In der Arena wird müde gelächelt.

13.

Aber das Tor scheint dem Spiel, wie man so schön sagt, gut getan zu haben. Es entwickelt sich ein offener Schlagabtausch. Unklar, wer gewinnen wird. Nur eins ist klar: In sechs Minuten geht Axel Schulz K.o.

15.

Nächstes Foul. Piczeck sieht nach Foul an Harit Gelb. Das Derby jetzt wie Claude-van-Damme-Film. Wenig gute Schauspieler, aber viel Kampf.

17.

Halten wir fest: Im Versuch, einen Sieger nach Fußballspiel zu finden, wird Dortmund hier klar gewinnen. Wenn Schalke es packt, das Spiel irgendwann zu einer Veranstaltung des Willens werden zu lassen, zum »Komm, pack alles auf den Tisch, dann linke Wange, rechte Wange und mal sehen, wer stehen bleibt« - dann könnte es vielleicht noch ein Wettbewerb werden.

19.

Alcacer derweil mit einem aus 20 Metern und um die Ecke gezwirbelten Schuss, der nur hauchzart den Torerfolg verpasst. Schon morgen Lehrstoff in Dortmunder Grundschulen: Um wieviel Grad hat Alcacers Parabel das Glück verpasst? Richtige Lösung: Mist 04.

20.

Schau an! Joachim Löw ist im Stadion. Sitzt neben Clemens Tönnies. Ein Jahr zum Vergessen.

22.

Schalke weiter wie ein Nokia 3310 das versucht, im Vergleichstest mit dem neuesten iPhone BVBXXL zu bestehen. Und am Rand steht Domenico Tedesco, öffnet dann mit verschlagener Miene »Snake« und stellt den HighScore immerhin ein: 0.

23.

Die Schalke-Fans allesamt mit königsblauen Weihnachtspudelmützen. Es ist nicht alles schlecht.

25.

»Sancho tanzt«, ruft Wolff Fuss und hat Recht. Was bestürzt: Schalke lässt ihn tanzen. Schaut dabei wie der rückgratlose Schnittlauch aus der Tanzschule, der in der Tombola einen Abend mit der Dorfschönheit gewonnen hat. Und dann kommt der Maik aus dem Nachbarsdorf daher, rödelt sie an, die Janina-Jasmin, und wird überhaupt nicht gestört vom Maik. Dem man zurufen möchte, was man auch dem FC Schalke 04 zurufen möchte - jetzt hol doch mal die Axt raus!

28.

Und aus der Mitte entspringt ein Witz! Bzw.: Eine Chance für Burgstaller. Ecke für Schalke, Getummel im Dortmunder Strafraum und plötzlich steht Burgstaller ganz blank vor Roman Bürki. Dreht sich, schießt und produziert einen Gewaltroller. Da hat er nachgedacht, der Guido. Und das ist dann immer das Problem.

30.

Salif Sané passt sich dem Spiel an - sieht gelb.

32.

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann Schalke derzeit wie ein schlechtlaufendes Casino in Rheda-Wiedenbück: Braucht dringend neue Spieler.

34.

Diese beiden Mannschaften miteinander zu vergleichen, macht so viel Spaß wie die Synoptik der Datenblätter eines Porsche 911er mit einem Renault Twingo. Beide haben vier Räder, Bremsscheiben, Vorder- und Hinterachsen. Aber die Qualität, und überhaupt. Und so fahren sie, die beiden Karren, auf ein und derselben Autobahn. Schalkes einzige Hoffnung, ein billiger Aufkleber auf der Kofferraumtür: „Sie sind zwar schneller, aber ich fahre vor ihnen.“

36.

Tedesco hat die Auswechselspieler längst zum Warmmachen geschickt. Nahezu verzweifelt, als hoffe er, unter ihnen würde sich einer als Weltklassespieler entpuppen. Oder hat Angelos Charisteas seinen Spielerpass noch auf Schalke hinterlegt?

38.

Und als könne es nicht schlimmer werden, verletzt sich auch noch Burgstaller. Von dem man dachte, dass er sich gar nicht verletzen könne, weil er doch aus Stahl bestünde. Und Tedesco hat keine Wahl, als auf Mendyl zu setzen. Der jetzt mit McKennie Doppelspitze spielt. Die positive Nachricht: Di Santo dürfte es bei seiner Rückkehr schwer haben.

40.

Tedesco, wenn er vom Matchplan aufblickt und seinen noch vorhandenen Kader sieht: 

42.

Auch Favre schaut schon mitleidsvoll rüber. Wird er gleich den alten E-Jugendtrainer-Move bringen und anbieten, seinen besten Spieler einfach runterzunehmen, ohne dass es einer merkt? Oder: »Hey, ihr könnt auch einen von unseren haben.« Götze springt erwartungsvoll auf.

44.

Immerhin ist gleich Pause, Tedesco wird McKennie und Mendyl in 15 Minuten beibringen müssen, was für Aufgaben ein Stürmer überhaupt hat. Schalke läuft gerade so führungslos über den Platz, Friedrich Merz bereitet schon seine Bewerbungsrede vor.

45.

Dortmund hingegen wie ein Pianist kurz vor Schichtende. Träumte von der großen Bühne, sitzt jetzt unter lauter Betrunkenen in Gelsenkirchen und spielte das letzte Lied emotionslos runter.

16:19 Uhr

Jetzt aber erstmal Halbzeit. Klarer Fall: Schalke spielt auf Zeit: Vielleicht wird vor Abpfiff noch ein Stürmer wieder fit.

16:28 Uhr

»Eingeklemmt, eingeklemmt, komm' hör auf«, schön, dass Sky in der Halbzeitanalyse Fans aus Kurve befragt, die irgendwie Änhlichkeit mit Mike Büskens haben.

16.35 Uhr

Mike Büskens analysiert, was Schalke 04 jetzt braucht: einen Plan. Sensationell. Aber wer weiß, es ist ja alles möglich. Beweisstück A)

46.

Anstoss zur zweiten Halbzeit. Schalke weiter mit elf Mann. Spannend bleibt die Frage: wie viele davon sind Fußballer?

48.

Schön gespielt vom BVB, am Ende kommt Reus nach Steckpass von Alcacer frei... aber Abseits. Derweil Bentaleb sich als Begleitschutz des BVB und zugleich als Synonym bewirbt für: Alibi.

50.

Noch fünf Minuten und die DVD dieser Partie gibt es auf Rezept. Gegen Schlafstörung.

53.

Der BVB unter Kramp-Karrenbauer noch ungeschlagen.

55.

Nabil Bentaleb geht. Seine beste Szene heute.

56.

Schalke ein bisschen so wie Weihnachten bei meiner Familie: müsste über den Hass kommen.

57.

Serdar, für Bentaleb gekommen, wird zunächst gefoult, ehe er kurz darauf aus 25 Metern völlig harmlos abzieht. Womit er besser ist als alles, was ich jemals von Bentaleb gesehen haben. Und Schalke kommt, will jetzt. Gleich wird es ein Derby. Ganz bestimmt.

58.

In den Zeitlupen jetzt eine Strafraumszene: Reus gegen Harit, der abhebt wie ein Leichtflugzeug mit Mondmission. Aber die Zeitlupen zeigen auch: Reus trifft ihn schon, am Knöchel. Und Schiri Siebert macht, was wir alle am Samstag am liebsten machen: schaut in Ruhe fern. Zwischendurch noch eben eine gelbe Karte für Nastasic, der ihn dabei stören würde, und dann - Videobeweis. Elfmeter. Und so kommt das »ha« in Schalke.

60.

Trocken rechts unten. Klingt wie eine Anamnese im Pflegeheim. Ist aber die Beschreibung des Elfmeters von Caliguiri. 1-1.

61.

Man wird das Gefühl nicht los, dass das Dortmunder Spiel einem ganz genauen Plan folgte. Ein Tor nach einem Freistoß in der achten Minute. Und vielleicht ein zweites, ich sag jetzt mal in der 73. Minute, nachdem Bruun Larsen einen Pass auf Alcacer durchsteckt. Weil Schalke so leicht ausrechenbar, so ungefährlich ist. Und Dortmund streng Kräfte sparen wollte. Ein Plan, der niemals in Gefahr gebracht worden wäre, wenn der VAR nicht wäre.

63.

Jetzt wird's Derby! Es wird geschubst, es wird gefoult. Hakimi sieht direkt mal die Gelbe Karte. bväsdvgsdböjvgsdg. ölgh.... 'Tschuldigung, aber dachte, es wäre passend, mit Boxhandschuhen weiterzutickern.

65.

Genialer Schachzug von Tedesco: Kann auf ein 10-0-0 stellen, ohne einen weiteren Verteidiger einwechseln zu müssen.

66.

Dr. Markus Merk hält das Eingreifen des VAR für richtig. Stimmt das? Oder waren wir soeben Zeuge der verspätetsten Konzessionsentscheidung aller Zeiten?

68.

Gelbe Karte auch für Reus, der Harit unten trifft. Wenn das so weitergeht, muss der Marokkaner nach Spielschluss seine Knöchelepidermis mit der Greifzange aufsammeln.

70.

Hahahaha. Entschuldigt. Aber dieses Gesicht des völlig verwirrten Hamza Mendyl, der als gelernter Linksverteidiger noch immer Stürmer spielt, sah ich zuletzt bei einem Mitschüler vor zehn Jahren. Der hatte eine Woche fleißigst Französischvokabeln gelernt, um der Versetzungsgefahr zu entgehen, nur um dann in eine Englischklausur zu geraten. Je ne regrette rien.

73.

Tedesco könnte mit dem 1:1 übrigens der erste Trainer, der in den ersten drei Derbys nicht verlor, seit Rudi Gutendorf sein. Wenn das kein Omen für eine wahrhaftige Weltkarriere ist, dann weiß ich es auch nicht mehr.

74.

… derweil blickt sich Lucien Favre entsetzt suchend um. Wollte doch jetzt diesen Spanier bringen, der immer für ein Jokertor gut ist.

75.

Aber das braucht es überhaupt nicht! Weil Dortmund mit nur einer Szene zeigt, warum sie derzeit die bessere Mannschaft ist. Weil sie verdammt nochmal über die besseren Einzelspieler verfügen. Sancho bekommt den Ball am Seitenrand 40 Meter vor dem gegnerischen Tor, sprich: in einer saugefährlichen Position. Kurzer Doppelpass, der Rest ist individuell. 2:1 Dortmund! Und Sky zeigt die geschürzten Lippen Heidels. Zurecht.

77.

Götze jetzt im Spiel. Wo ist Schürrle?

78.

Schalke jetzt wie ein Familienvater auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken. Ohne Geld. Einen Tag vor Heiligabend.

79.

Reus mit der Chance, ähnliche Situation wie beim 2:1 für Dortmund. Doch Fährmann holt den Ralle raus, lässt keinen mehr rein. Noch so ein Ding, und ihm wächst ein Zopf. Oder eine BBS-Felge.

81.

Schalke jetzt wieder wie tot. Nur Domenico Tedesco an der Seitenlinie noch mit Zuckungen. Als würde er sich warm machen wollen für das eigentliche Highlight seines Abends: einen Auftritt mit seiner Boyband »Königslau«.

84.

Schalke hier mit so vielen schlechten Pässen, würde mich nicht wundern, wenn hier gleich die Polizei einreitet und den Fälscher-Laden dicht macht.

86.

Guerreiro aus elf Metern an den Pfosten. Dortmund dem 3:1 näher als Schalke dem Ausgleich. Wobei Schalke dem Ausgleich auch so nah ist wie Friedrich Merz dem...ihr wisst schon.

89.

Pulisic kommt für Sancho. Schalke erstaunlicherweise trotzdem weiter harmloser als ein Klumpen Lehm im Kampf gegen die Erderwärmung. Komisch.

90.

»Der große Glaube scheint auf Schalke zu fehlen«, sagt Fuss. Nicht nur asozial, auch noch Heiden. Bezeichnend.

90.+1

Freistoß Schalke. Der Ball wird immer länger, segelt über alle hinweg. Nastasic schirmt den Ball ab, will die Ecke rausholen, und der Ball rollt auch übers Seitenaus. Doch Schiri Siebert sagt: Abstoß. Alles, was man heute über dieses Spiel wissen muss.

90.+3

Jetzt aber Ecke für Schalke!

90.+3

... die nachfolgende Ecke brachte nichts ein.

90.+4

Schalke riskiert jetzt alles, will den Ausgleich erzwingen, wirft sich und jeden nach vorne. Blöd nur: Dortmund hat den Ball.

17:27 Uhr

Und dann war's das. Dortmund gewinnt mit 2:1. Weil Schalke nicht schon wieder und nicht zweimal einen Rückstand ausgleichen konnte. Und für Tedesco, den Momentesammler, bleibt im Moment nur der des Verlierens. Oder wie Günther Jauch sagen würde: »Im Moment vermitteln Sie mir die geistige Frische einer Tigerente.« Und auch die ist... Schwarz-Gelb. So viel dazu. Beziehungsweise: Glückwunsch. Und tschüss.