Gladbach

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Bayern München

Liveticker: Gladbach-Bayern

Spitzenzweiter!

Dortmund verlor schon gestern, jetzt konnte München gegen Gladbach in der Tabelle gleichziehen. Und der FC Bayern ganz im Stile von Franck Ribery: Vergoldet das Wochenende. Servierte frisch: der Ticker. 

18.15 Uhr

Ladies and Gentleman: Ahoi. Topspiel also, Gladbach gegen Bayern. Der El Hippico. Für alle, die in den 70ern hängengeblieben oder einfach nur so cool sind. Und sonst so? Bayern kann Tabellenführer werden, also je nachdem, was die Tordifferenz sagt. Oder ob man Uli Hoeneß ist. Gladbach kann einfach nur gewinnen. So oder so. Wenn das nix ist, ist nix nix.

18.18 Uhr

Zu den Aufstellungen. Zunächst die von Borussia Mönchengladbach: Sommer - Lang , Ginter , Elvedi , Wendt - Kramer - Neuhaus , Hofmann - T. Hazard , Stindl , Plea

18.19 Uhr

Ohne Netzer, Vogts und Heynckes. Wofür schont sich die Borussia?

18.20 Uhr

Und die Aufstellung der Bayern: Neuer - Kimmich , Süle , J. Boateng , Rafinha - Javi Martinez , Thiago - T. Müller , James , Gnabry - Lewandowski

18.21 Uhr

Ohne Alaba, Goretzka, Ribery, Robben, Tolisso. Dafür auf der Bank: Mai, Davies, Jeong, M. Shabani. Oder wie man in München sagt: Ja gut, äh.

18.23 Uhr

Ribery hat übrigens Magen-Darm. So ein goldenes Steak kommt eben durch die Hintertür.

18.25 Uhr

Patrick Wasserziehr denkt, »Bayern will heute ein Zeichen setzen«. Falls noch jemand fragt, warum der Mann zu den absoluten Top-Experten in Fußball-Deutschland zählt.

18.28 Uhr

Seitenwahl. Lars Stindl gewinnt. Der Reklamierarm von Manuel Neuer zuckt. Was sagt der Videobeweis? Nix. Typisch.

18.29 Uhr

Geil. Gleich geht's los. Mein Tipp: 0-0 für den Fußball.

1.

Anpfiff. Weiter 0:0. Sieht nach Verlängerung aus.

2.

1:0 Bayern. Keine Pointe.

3.

Unglaublich, da legen wir gerade die Beine hoch und legen uns in die Ohrensessel. Kollege Behnisch macht den Kamin an. Machen es also so richtig gemütlich. Und dann kommt Javi Martinez, stiehlt sich bei der ersten Ecke davon und köpft den Ball rein. 1:0 für Bayern. Und ich schaue zu Behnisch, der schweißgebadet mit dem Feuerlöscher am Kamin steht.

5.

Aha! Dr. Markus Merk gesteht, das Tor hätte niemals zählen dürfen. Als ob Schalke gerade nicht andere Probleme hätte.

7.

Bitte nicht über die beiden Müllmänner wundern, die durchs Haupttor die Container ins Stadion rollen. Dieter Hecking wirft gerade seinen Matchplan weg.

9.

Freistoß für Bayern. Gelbe Karte gegen Jonas Hofmann, der mit Joshua Kimmich gerade so überfordert war, dass ich zweimal hinsehen musste, ob nicht Salif Sané auf dem Platz stünde.

11.

Tja, was soll man sagen. Die Bayern halt. Beziehungsweise: Thomas Müller! Der alleine vor Yann Sommer auftaucht, ihn erst anschießt (wahrscheinlich, weil er eben doch wochenlang nicht mitspielen durfte), nur um dann im Nachstochern das 2:0 zu erzielen! Unfassbar. Wenn das so weitergeht, hoffe ich, dass bis Spielende die Meisterschale zur Übergabe bereitsteht.

13.

Ansonsten aber, also abgesehen vom Ergebnis, ein ziemlich geiles Fußballspiel bis hierhin. Jetzt mal Gladbach, machen es im Münchener Strafraum wie Eric Frenzel: kombinieren. Dann Lang am Ball, aber vergibt links an Neuer vorbei, weil Kurz wäre besser gewesen.

15.

Dieter Heckings Augenbrauen gehen steil nach unten, treffen sich fast an der Nasenspitze zum riesengroßen »V«. Das Victory-Zeichen der Verlierer.

17.

Ganz ruhig, liebe Borussen-Fans: Nach Hin- und Rückspiel liegt Gladbach noch ein sattes Tor vorn.

19.

Gladbach, abgesehen von den Aussetzern bei den Gegentoren, gar nicht schlecht. Offensiv mit feiner Klinge und durchaus gefährlich. Wie ein guter Boxer. Der auf einen guten Boxer trifft. Blöd nur, dass es Mittel- gegen Schwergewicht ist. Wann greift der DFB ein bricht den Kampf ab?

20.

Plea wird von Stindl schön freigespielt, ist schon im Strafraum, zögert dann aber ungefähr für die Dauer einer dreiteiligen Doku über das Paarungsverhalten des seltenen Antigua-Gnus und senst seinen finalen Abschluss-Versuch in die Gräten eines Bayern. Ecke. Aber nicht nur weil El Hippico ist: Don't hate the Plea, hate the Game!

22.

Und die Ecke bringt ein Tor! Plea! Nur eben doch nicht. Weil: Abseits. Oder der Schiri pfeift jetzt erst das Schubsen von Martinez vor dem 0:1. Was wissen wir schon, wir Deppen glauben noch an das Regelwerk.

25.

München unfassbar souverän und abgeklärt. Jeder Ball auf den Millimeter genau. Viel Bewegung und das bei ordentlich Tempo. Ein Schweizer Uhrwerk. Tick-Tock. Oder wie man in Bayern sagt: Leberkäs komplett.

26.

Schöne Kombination über James, Müller und Lewandowski, der am Ende sahara-trocken abzieht. Zum Glück für die Borussia hat Wüstenfuchs Sommer die Ecke geahnt und fischt eine Oase der Hoffnung aus dem flachen Winkel. Und um das Bild zu Ende zu schiefen: it's lonely in the desert when you're on your own.

29.

Falls jemand fragt, was Gladbach zwischen der 20. und 30. Minute gemacht hat. Die Bayern für Liverpool geschont.

29.

»Ich hasse Fußball«, sagt Behnisch. Weshalb ich schnell die »Hans-Jörg Criens«-Notfall-VHS aus dem Regal fingere. Jetzt geht’s wieder.

31.

Bayern jetzt wie wir auf einer übervollen Singleparty mit willigen Ü30ern. Mit viiiiieeel Platz.

33.

Ohh! Gnabry, der ja beim Jubel immer in einer imaginären Schüssel rührt, allein gegen Sommer. Dessen liebstes Hobby: In der Küche steht. Sommer hält! Klassisch abgekocht.

35.

Dieter Hecking at the moment:

38.

Und jetzt: Behnisch nicht mehr zu halten, hat sich eine Warnweste übergeworfen und synchronisiert Scooter (keine Sorge, nur musikalisch)! Denn Gladbach mit dem Anschlusstor. Weil Thorgan Hazard einen so geilen Pass spielt, dass wir ihn fortan nur noch Passgan Hazard nennen werden. Durch die Beine von Niklas Süle und auf den Span von Lars Stindl. Und der trifft! Nur noch ein Tor und Bayern wäre sogar laut Uli Hoeneß noch nicht Meister.

41.

Drei Tore in 38 Minuten, dazu jede Menge Chancen und ein super Spiel. Aber gut, war ja klar, dass die verwöhnten Sky-Zuschauer nach dem Topspiel der vergangenen Woche, als Düsseldorf auf Nürnberg traf, jetzt auch mal wieder mit Magerkost zufriedengestellt werden müssen.

43.

Gleich schon wieder Halbzeit und in mir regt sich der Populist, der eine Volksabstimmung fordert. Um die Pause abzuschaffen, einfach damit dieses Spiel bloß keinen Bruch erlebt. Falls Sie also gleich einen Mann mit Protestschild durch Berlin laufen sehen, machen sie sich keine Sorgen. Ich bin es nur. Und Schule hab' ich heute auch nicht.

45.

Könnte gleich mal jemand nachsehen, was Thiago da unter seinen Schuhen trägt? Ich möchte damit ab Montag zur Arbeit gleiten.

45.+2

Gladbach jetzt wie ein Inkontinenter in der Nordsee: Lassen es lässig runterlaufen. Zwayer pfeift zur Pause. Besser ist das.

46.

Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Gladbach weiter mit elf Mann. Der Matchplan von Dieter Hecking geht also voll auf.

47.

Nehme alles zurück. Gladbach nur noch zu zehnt, da Nico Elvedi offenbar die Seiten gewechselt hat. Geht mit Ball ins Dribbling, ist davon dann völlig überfordert und spitzelt den Ball zu den Bayern. Vier gegen einen, dann vier gegen vier und James mit dem Fair-Play-Gedanken, ballert neben das Tor. Oder wie Bela Rethy sagen würde: Der hätte gepasst.

48.

Und dann doch: Tor für die Bayern. Thiago mit Zuckerpässchen auf Lewandowski, der kurz lachen muss, weil es nur zwei Gegenspieler sind, die ihn verteidigen wollen, der sich dann aber doch schüttelt, und in einer fließenden Bewegung aus Ballannahme und Abschluss das 3:1 für die Bayern erzielt. Eine Bewegung, die bald schon in die Yoga-Lehrpläne aufgenommen werden wird, aufgenommen werden muss. Den Lewandowski machen. Klassischer Brustlöser.

50.

Gladbach wie ein getuntes Auto, bei dessen Umbau mittendrin das Geld ausgegangen ist. Vorn schön windschnittig und mit ordentlich Zug. Hinten Modell »rostiges Dreirad«.

52.

»Handspiel« Boateng. Ein Handspiel, bei dem man sich fragt, wie verdammt groß die Hände dieses Mannes sein sollen und warum sie an seiner Schulter enden. Aber gut: Freistoß Gladbach. Den Oscar Wendt als Mittelstreckenrakete denkt und abfeuert und der aber knapp am Tor vorbei geht. Oder um es aus Sicht der Gladbacher zu benennen: Schlechtes Stellungsspiel des Torpfostens.

55.

Muss man ja auch mal sagen: nach 0-3 gegen Hertha und 0-3 gegen Wolfsburg jetzt also 1-3 gegen die Bayern. Es geht also aufwärts bei Gladbach.

58.

Gladbach jetzt mit viel Ballbesitz und ohne Ideen. Wie ein Comedian, der lauthals loslegt: Kennste, kennste, kennste? Und dann: nix. So fühlt sich also ein Abend mit Mario Barth an.

61.

Was wohl Cando gerade macht?

62.

Gladbach also jeweils in der ersten Minute mit einem Gegentor. Aber klar, sind noch dreißig Minuten zu spielen, ist noch alles drin. So müssen sich deutsche Politiker fühlen, wenn sie von »Chancengerechtigkeit« sprechen.

64.

Gladbach gibt nicht auf, gibt sich nicht auf. Thorgan mit schnellem Umschaltspiel, läuft auf Bayerns Viererkette zu. Und dann, aber, seht selbst... 

66.

Fuß: »Zakaria jetzt für Neuhaus im Spiel. Warum?«

Matthäus: »Ja.« 

Vielen Dank. 

70.

Bayerns Spiel jetzt wie ein älterer Mann, der die vielen Reisen satt hat nach Brasilien und Ecuador, wo er als Chefingenieur einer unbekannten, aber dennoch sehr wichtigen Ingenieursfirma viel Verantwortung trug, und nun das Rentnerdasein fristet. Im ordentlichen Tweetjacket, im Cafe Central Zeitung lesend und Braunen trinkend, während die Dogge zu seiner Seite sitzt und wartet. Alles in allem: Ruhig und gepflegt. 

72.

Aber schön zu sehen, dass die Bayern nun nicht mehr - so wie früher - wild aufs Tor stürmen und beim Stand von 3:1 den Gegner auseinanderzunehmen. Sondern sich einfach hinten reinstellt. Und, weil Gladbach jede Menge Fehler macht, doch noch das 4:1 macht. Willkommen in der Bundesliga 2019.

75.

Tja, was willst noch sagen? Sommer gegen Lewandowski wie eine Supermarktkassiererin, abends um 18.30 Uhr, wenn alle Arbeitstätigen in der Schlange stehen. Und sie nur nervös ins Mikro ruft: »3746 zu 32, 32 bitte.« Was nichts anderes heißt als: »Die Kacke dampft, aber gewaltig.« Doch statt dass jemand hilft, wächst die Schlange immer weiter an. Lewandowski kann Sommer noch sauber abkassieren, aber dann kommt Gnabry, und dahinter wären wahrscheinlich noch Thiago oder Müller gekommen. Während Gladbachs Hintermannschaft »63« macht, also: Pause. Und deshalb jetzt 4:1. Und das bedeutet leider gar nichts. Außer vielleicht: »Die Kacke dampft, aber gewaltig.«

78.

Die Bayern verhöhnen Gladbach jetzt, bringen Renato Sanches.

81.

Fuß sagt: »Jetzt lassen die Bayern Ball und Gegner laufen.« Krasser Lapsus, weil: Kein Gegner weit und breit.

84.

Spannung jetzt wie kurz vor der Bekanntgabe der Wahlergebnisse in Nordkorea.

87.

Wenn der Videobeweis sein Image aufpolieren möchte, sorgt er für den sofortigen Abpfiff.

88.

Thorgan Hazard sucht den Doppelpass mit seinem Bruder Eden. Wir bleiben dran.

90.

Hazard hält Kimmich im Strafraum, Kimmich fällt - Elfmeter. Lewandowski verwandelt sicher links unten. Nachdenklich stimmt nur die Einschätzung von Markus Merk, der zum Pfiff gegenüber Thorgan Hazard sagt: »Die Arme haben da oben nichts zu suchen.« Und dann zieht Merk zufrieden die Schnürsenkel über den Fingerkuppen zusammen und watschelt glücklich davon.

20.22 Uhr

Schluss. Bayern München gewinnt mit 5:1 bei Borussia Mönchengladbach und ist jetzt punktgleich mit Borussia Dortmund. Toll. Bzw: Pff. Gladbach hingegen Vierter. Was die Frage aufwirft: Warum? Teile des Tickerteams verabschieden sich jetzt in eine Nacht stabilen Frust-Saufens. Andere Teile kommen aus dem Emsland und trinken einfach so. In diesem Sinne: Macht mit, macht's nach, macht's besser! Tschüss.