Frankfurt

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Inter Mailand

Liveticker: Frankfurt - Inter Mailand

Trapp it like it's hot

Eine grausige erste Halbzeit, eine grandiose zweite Halbzeit und Fans, die ihr eigenes Eintrittsgeld wert waren. Frankfurt gegen Inter bot alles. Dank Kevin Trapp sogar Nachhilfe in Sachen Rap.

18.45 Uhr

Schiebt das Kamasutra unter das Bett, legt das Skalpell beiseite - es ist Frankfurt gegen Inter. Ach was, es ist der FC Deutschland gegen Inter. Europa League für Fortgeschrittene, nämlich in geil. Also breitet weit die Euphorie-Flügel und stimmt alle mit ein: Lebbe geht weiter. Endlich.

18.48 Uhr

Zu den Aufstellungen, hier die der Eintracht: Trapp - Hinteregger , Hasebe , Ndicka - da Costa , G. Fernandes , Rode , Kostic - Gacinovic - Haller , Jovic

18.49 Uhr

Also zunächst ohne Michael Anicic. Muss man sich leisten können.

18.50 Uhr

Und die Aufstellung von Internazionale: S. Handanovic - d'Ambrosio , de Vrij , Skriniar , Asamoah - Vecino , Brozovic - Politano , Borja Valero , Perisic - Martinez

18.51 Uhr

Inter also weiter ohne Icardi. Frankfurt aber auch. So geht Fair-Play.

18.52 Uhr

Oha. Das ganze Stadion wird zur Choreo. 120 Jahre Eintracht, so das Motto. Und jeder verdammte Platz in dieser großartigen Schüssel hält ein farbiges Fähnchen in den Himmel, dorthin also, wo dieser Moment hingehört. »Ganzkörpergänsehaut«, sagt der DAZN-Kommentator. Und was soll man sagen? Selbst die Inter-Spieler kriegen das Grinsen nicht aus den Mundwinkeln angesichts dieser Bilder. Hach. Jetzt gebt diesen Fans doch endlich was sie verdient haben, gebt ihnen diesen verdammten Europapokal.

1.

Anstoss Inter. Da spielen sie all ihre Erfahrung aus.

3.

Wilder Beginn. Frankfurt will erstmal gucken, was die Italiener so für eine Stimmung mitgebracht haben. Und Inter? Verfolgt hier bisher eine klare Marschroute: Viel bringt viel. Und so wuseln die Mailänder in wilden Läufen über den Rasen, immer mitgedacht ein Zuruf zum Mitspieler: »Ich laufe mal da lang, mal sehen. Vielleicht kommen wir ja später zusammen.« Kurzum: Wie ein Spiel gegen Schalke. Nur mit Fußballern.

6.

Mailands Spieler hauen Hasebe auf die Nase, hauen Kostic auf die Knochen und pressen sich allen schlechten Leumund aus den Leibern. Bisher insgesamt mit einem Auftritt, ganz auf der Höhe der Zeit, ganz Löw: unangenehm.

9.

Hin und her und hin und her und nix Zählbares. Kurzum: eine 1a-Bundestagsdebatte.

12.

Inter so unfassbar angestachelt. Als würde die sensationelle Atmosphäre hier in Frankfurt sie an ihrem Stolz gepackt haben. Würde mich nicht wundern, wenn die Eintracht-Fans zur Pause geschlossen das Stadion verlassen. Als ultimativer Dienst an der Mannschaft.

15.

Zwei gute Angriffe der Eintracht jetzt in Folge. Erst Jovic, dann Gacinovic schließlich mit Abschlüssen aus der Distanz. Dem Traum eines jeden Versicherungsvertreters.

18.

Dass Martin Hinteregger gegen Ivan Perisic andauernd die Oberhand behält, macht keinen Sinn, ist aber Fakt. Und da sagen sie, der Fußball sei ein Spiegelbild des Lebens. Pah.

21.

Elfmeter für Inter. Gelson Fernandes hustet Martinez im Strafraum um. Aber ganz egal, denn Kevin Trapp, dieser Titan, hält den anschließenden Strafstoß von Brozovic. Fliegt und fliegt und fliegt in die linke Ecke, Mr. Expandable der er ist, und dann brüllt er Tausende Hoffnungen wach. Lauter kleine Adler-Herzen, die weiter schlagen. Hach.

24.

Aber leider ja trotzdem: Frankfurt kriegt hier nix auf die Kette. Wie ein E-Auto, das Diesel getankt hat.

27.

Die schlimmste Nachricht: Inters Abwehr lässt Sébastian Haller aussehen wie Sandro Wagner. Zu dessen Zeit bei Werder Bremen.

30.

Noch ein hoher Ball der Eintracht, der von der Inter-Abwehr wieder herausgeschädelt wird, und auf dem Videowürfel des Waldstadions leuchtet in großen Lettern: Free Game - Pinball!

31.

Stand jetzt zieht übrigens die Choreo der Eintracht in die nächste Runde ein.

32.

Freistoß Eintracht. Freistoß Rode. Sucht Reus. Findet ihn fast. Abstoss Inter.

35.

Auf dem Rasen: nix. Auf den Rängen: die Hölle. Die Alufolien-Choreo-Teilchen werden weiter munter durch den Abend gewirbelt, rauschen wie ein Klangteppich von Kraftwerk, gegen den sie sich dann doch entschieden haben, wegen: scheiße. Und wer noch kann, singt immer und immer weiter das immergleiche Lied: Schalalala und Schalalala und Schalalala. Als würde ein Boxtrainer seinem Schützling in der Kampfpause zurufen: Und jetzt den Aufwärtshaken, damit er rechnet er gerade niemals!

38.

Ach, es hätte so schön werden können. Aber es passiert einfach nix. Nervöses Gestochere, wenig Brauchbares. Alles in allem: ein ganz normales Date.

41.

Kevin Trapp, so informiert der DAZN-Kommentator mal eben zwischendurch, wie so viele junge Männer: Möchte verlängern.

44.

Eine Halbzeit würde dem Spiel gut tun.

19.40 Uhr

0:0 nach 45 Minuten. Schreckliches Spiel alles in allem. Aber dank des gehaltenen Elfmeters von Super-Kevin immerhin doch: der beste Trapp-Song, den ich je gehört habe. Nur bisschen lang. Aber irgendwas ist ja immer. Manchmal auch zweite Halbzeit. Und die wird bestimmt besser. Weil: Schlechter geht nicht.

19.53 Uhr

65 Prozent gelungene Pässe übrigens bei der Eintracht in der ersten Halbzeit. Es soll Fälscherbuden geben, die auf einen besseren Wert kommen.

46.

Anstoss zur zweiten Halbzeit und also der Beweis: ist doch Fußball hier.

49.

Weiter ein Geholze hier! Würde mich nicht wundern, wenn gleich eine Stadiondurchsage ertönt: Der Kurzpass möchte aus dem Bälleparadies abgeholt werden.

50.

Kostic heute viel HSV: hoch, schlampig, vergebens.

51.

Aber Frankfurt jetzt mit ordentlich Wumms. Kaum was Geordnetes, aber viel Wille, viel Wucht. Und so fällt dann auch das Tor. Allein: es zählt nicht. Abseits. Vielleicht auch nur wegen hässlich, denn die Szene, nach der N'Dicka den Ball ins Netz köpfelt, ist vor allem das. Schlimmer als in Schönheit sterben ist dann am Ende nur: einfach so sterben.

54.

Die Eintracht drückt weiter, Haller kommt im Strafraum zu Fall, klassische »kann man geben, muss man aber nicht«, der Schiedsrichter jedenfalls entscheidet sich für die zweite Option und gibt stattdessen, irgendwas muss man ja tun, Hasebe die gelbe Karte. Und weil viel viel hilft, schickt er Adi Hütter auch noch auf die Tribüne. Das sind Emotionen, wo man schwer beschreiben kann. Aber versuchen wir es einfach: Europapokal.

56.

Und weiter, immer weiter. Jovic mit einer Kopfball-Chance, doch zu zentral. Aber mehr noch, die Eintracht jetzt als »Raging Bull«, als wäre dies hier das Rückspiel und der Mannschaft fehlt nur noch dieses eine Tor. Wahnsinn. Und wie das oft so ist mit dem Wahnsinn: er ist nicht schön, wahrlich nicht schön, aber irgendwie beeindruckend. Ein Arschgeweih von Fußballspiel. Ein Mann wie Steffi Graf.

58.

Candreva jetzt für Perisic im Spiel. Kassiert 30 Sekunden später die gelbe Karte. Wie ein Mediator, der erstmal auf den Tisch haut und dann fragt, wo eigentlich das Problem liegt.

60.

Nächste heiße Szene. Nähmaschine Filip Kostic nagelt einen Lauf in die linke Seite, wird dann kurz vor der Grundlinie und kurz vor dem Strafraum gelegt. Den anschließenden Freistoß buttert Rode auf da Costa, der den Ball »nicht gedrückt« bekommt. Kennen wir aus dem Fitness-Studio. Wenn wir Woche für Woche am Drehkreuz des Eingangs scheitern.

63.

Hasebe erneut am Boden. So viel, wie der Japaner hier auf dem Rasen liegt, muss man sich schon fragen, ob nicht längst Teile seines Gehalts von der Pflegeversicherung übernommen werden.

66.

Inter jetzt wie ich im Duell mit einem Schachgroßmeister: bietet das Unentschieden an.

69.

Inter-Trainer Luciano Spaletti mit klaren Anweisungen:

70.

Hinteregger klärt souverän per Kopf. Leider freistehend vor Inter-Torhüter Handanovic und aus fünf Metern. Bereitet da jemand seinen Wechsel nach Mailand vor?

71.

Und wieder Hinteregger! Diesmal per Distanzschuss und aus gefühlt Augsburg. Wo Jens Lehmann zufrieden gegen die Innenwand seines Helikopters schallert: hat er alles bei mir gelernt.

74.

Inter wie ein ganz hartes Ei: abgekocht. Derweil verfällt Frankfurt in alte Muster, spielt zu viele lange Bälle. Spekuliert munter auf den zweiten. Und verhaut den ersten. Mathe für Verzweifelte. Oder anders: 0-0.

77.

Inter jetzt mit Kontern, bei denen man die Buchstaben »K«, »n«, »t«, »e« und »r« entfernt hat.

80.

Das Spiel jetzt wieder wie eines meiner magischen Dates: kann nicht gegen will nicht.

83.

Schlechte Nachrichten: Heidi Klum hat heute leider kein Foto für die Eintracht.

86.

Pacienca wie wir nach 10 Bier an der Keramik. Zielt aus 25 Metern. Knapp vorbei.

89.

Und nochmal Gacinovic, Jovic, Pacienca. Alle mit schönen Einzelleistungen, alle hätten einen Treffer verdient, alle vergeben. Es ist schrecklich unfair, dass diese sehr gute zweite Halbzeit nicht mit wenigstens einem Tor belohnt wird. Und immerhin hier also Versöhnung zwischen Fußball und Realität.

90. +2

Drei Minuten Nachspielzeit. Stand jetzt sind das ungefähr unendlich zu wenig.

20.47 Uhr

Und dann ist es vorbei. Eine furchtbare erste Halbzeit, eine grandiose zweite Halbzeit, ein 0:0 nach 90 Minuten. Und Frankfurter Fans, die allein ihr eigenes Eintrittsgeld wert waren. Grund genug, sich auf das Rückspiel in einer Woche zu freuen. Bis dahin.