Deutschland

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Nigeria

Liveticker: Deutschland-Nigeria

Wir sind wieder GER

Deutschland steht im Viertelfinale der Weltmeisterschaft in Frankreich! War dabei und fast so gut wie Nigeria: der Liveticker.

17.15 Uhr

Schlaaaaaaaaaaaaaaand, liebe Freunde, es ist angeschlanded. Schland im Schlandelfinale gegen Nigeria. Auf dem Weg zum Schlandesmeistertitel. Schlandsinn.

17.16 Uhr

Oder in höflich: Willkommen zum Liveticker der Achtelfinalpartie Deutschland gegen Nigeria. Ich bin ich und ich bin allein. Mir kann heute keiner was. Und deswegen auch gleich frei heraus mit dem Geständnis: ich bin für Nigeria. Weil ich gerade gelesen habe, dass ein Sprichwort dort lautet: »Alles wird nie gesagt.« Was gut und gern auch das Motto für den Liveticker sein könnte. Wenn sich jetzt noch eine nigerianische Spielerin findet, die mir das in meinen Kontostand tattöwiert, ist es vollends um mich geschehen.

17.20 Uhr

Der zweite Grund für meine nun nicht mehr heimliche Nigeria-Liebe ist dieses Video. Aufgenommen auf dem Hotel-Flur der Mannschaft und in dem Moment, in dem klar war, dass sich die Truppe trotz überschaubarer Vorrunde und fremder Hilfe eben doch noch für das Achtelfinale gegen die deutschen Maschinen qualifiziert hat. Wie egal es ihnen ist, dass sie dort, heute, zermalmt werden! Von teutonischen Zopfträgerinnen, die im permanten Stakkato verkünden, keine Eier zu haben. Wer sich auch noch freut, bald schon dem Tod entgegen treten zu dürfen, empfindet wohl wahre Freude. Bravo! Bzw.: Alles Gute auch.

17.23 Uhr

Aber schnell zu den Aufstellungen. Hier die der deutschen Mannschaft: Schult - Gwinn, Hegering, Doorsoun, Schweers - Huth, Leupolz, Magull, Däbritz - Schüller, Popp. Könnte jetzt einen Schü(l)ler-Popp-Witz machen. Aber dann heißt es wieder: »Du trägst keine Liebe in Dir, nicht für mich und für irgendwen.«

17.25 Uhr

Und die Aufstellung Nigerias: Nnadozie - Okeke, Ebi, Nwabouku, Ohale - Ayinde, Okobi-Okeoghene, Ordega, Kanu - Ihezuo, Oparanozie. Nur Kracher, wenn man mich fragt. Oder um es mit einem weiteren, nigerianischen Sprichwort zu sagen: Das Pferd verweigert niemals einen Galopp zum Hause. Oder auch: Der Frosch springt während des Tages nicht ohne Grund.

1.

Anstoß Nigeria. Oder wie man in Nigeria sagt: Anstoß.

3.

Erster Angriff Nigeria, erster Eckball Nigeria. Sagt der Kommentator. Sehen kann man das nicht wirklich, denn im Strafraum der deutschen Mannschaft steht die Sonne so AfD, dass sie hässliche Schatten bildet und man eben nichts sieht. Und plötzlich finden ganz viele Kritikaster Gefallen am Frauen-Fußball.

5.

Freistoß für die deutsche Mannschaft, in memorian Thomas Müller. Eine Variante. Also eine Idee, die um drei Uhr nachts und mit ordentlich Druck auf dem Kessel als absolut schlüssig daherkommt, im wahren Leben aber immer nach getanztem Schlaganfall aussieht. Im zweiten Rutsch immerhin eine blindlings nach vorn geschlagene Halbfeld-Flanke (in memorian Willy Sagnol). Magull kommt freistehend an den Ball, nur die Beine nicht rechtzeitig sortiert, um im Abschluss aus fünf Metern wirklich gefährlich werden zu können. Macht nichts, kennen wir aus der Disco.

8.

Ein Kampf der Systeme, diese Partie. Nigeria mit der Wucht der Anarchie, Deutschland hingegen klinisch präzise und geordnet. Würde mich nicht wundern, wenn der DFB die 90 Minuten bei der Krankenkasse einreicht.

11.

So langsam verschiebt sich das Geschehen immer mehr in die Hälfte Nigerias. Oftmals nur Almuth Schult noch in der Hälfte der Deutschen. Sie ist halt doch schüchterner, als gedacht.

14.

Immerhin, ein Satz, den man zuletzt vor allem aus dem Himalaya kannte: Volle Hütte in Grenoble.

17.

Nigeria, so scheint mir, mit derselben Taktik wie ich einst im mündlichen Abitur: hofft auf Abbruch und spätere Entscheidung am grünen Tisch.

19.

Alexandra Popp heute mit ihrem 100. Länderspiel. Das sind 100 Länderspiele mehr, als ich habe. Aber ich bin auch keine Frau.

22.

Pah. Streberin, die: Alexandra Popp nach Ecke mit dem Kopf zur Stelle. Muss einfach nur das Köpfchen drehen, denn der Ball strahlt wie ein Komet direkt auf ihr güldenes Haupt, direkt über zwei Nigerianerinnen hinweg. Und dann Jubel, und auch ich flippe natürlich komplett aus, war ja immer für die deutsche Mannschaft, doch dann, der Schrecken allen Lebens, der Anti-Gott, VAR. Review. Und? Kein Abseits vor Popp. Tor! Schlaaaaaaand!

24.

Und weil es so schön VAR, nochmal: Videobeweis. Magull wird im Strafraum nach den Regeln der MMA angegangen, offene Sohle gegen Schienbein und also - Elfmeter. Oder wie man in Nigeria sagt: Scheiße.

27.

Dauert alles ein bisschen, die japanische Schiedsrichterin weist erstmal die nigerianische Torfrau an, als sei sie ein Jumbo-Jet im Stadtverkehr. Dann endlich tritt Sara Däbritz an und macht es wie bei Oppa im Altenheim: trocken rechts unten.

30.

Nachdem ich schon das letzte deutsche Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gesehen und getickert habe und nun also dieses hier, muss ich sagen, dass ich endlich verstehe, was mein Geographie-Lehrer einst immer wieder zu mir sagte: Nigeria ist nicht Südafrika!

33.

Aus der Reihe »Kracher-Gags« geklaut: Deutschland so gut wie im VARtelfinale.

36.

Der folgende Tick in memorian Gerd Rubenbauer: »Huiiii, Freeecher Freistoß der Nigerianerin, die sie an den grünen Stutzen erkennen. Schlenzt ihn auf das kurze Eck, doch Schult, diese Teufelsfrau, pflüggt das Leder aus dem Winkel, Huiiii, huiii, huiii.« Oder halt so, wie es wirklich ist: Einwurf Deutschland. Hui.

39.

Das Spiel jetzt wie ein 11FREUNDE-Redakteur vor dem Computer: Kann nicht gegen will nicht.

42.

Achtelfinal-Kündigung ist raus.

45.

Eine Halbzeit würde dem Spiel guttun.

46.

Anstoß zur zweiten Halbzeit. Wo ist der VAR, wenn man ihn mal braucht. Aber gut, komm, egal, alles für Schlaaaaaand.

48.

Ein Spiel wie Sigmar Gabriel: komplett durch und trotzdem noch auf Sendung.

51.

Riesenchance für Nigeria, doch Desire Oparanozie wie die deutsche Grammatik im Kampf gegen Thorsten Legat: kommt knapp zu kurz.

54.

Deutschland nutzt die restliche Spielzeit jetzt offenbar als Trainingseinheit. Bitter für alle Zuschauer, dass ausgerechnet jetzt »Fehlpässe« auf dem Plan stehen. Aber immerhin: machen sie gut, die Damen. Die Streber.

57.

Ach komm. Liest ja eh keiner, den Bums hier. Ticker jetzt einfach meine Empfindungen. Also dann: -

60.

Nigeria jetzt wie ein aufmüpfiges Sektenmitglied. Will es unbedingt wissen, pocht und drängt mit aller Macht gegen das Tor zum Glück. Und muss doch Minute für Minute mehr einsehen: da ist nichts.

63.

Svenja Huth mit schönem Ball in die Tiefe, doch Lea Schüller lässt sich kurz vor dem Strafraum und im Zweikampf lauwarm abkochen. Wie eines dieser Eier, von denen die deutschen Frauen nix wissen wollen. Bitter.

66.

Bildausfall beim ZDF. Also soooo schlimm ...

68.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg derweil als ruhender Pol an der Seitenlinie. Ist ja auch wichtig, gegenüber den Spielerinnen auf dem Rasen eine gewisse Souveränität auszustrahlen, ihnen die Überzeugung vorzuleben, dass das hier schon genügen wird. Beeindruckende Bilder:

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72.

Kommentator Norbert Galeske überrascht, dass die Nigerianerinnen noch nicht aufgegeben haben. Galeskes »Schwerpunkte liegen beim Fußball, Basketball, Rudern und Kanurennsport sowie beim Eishockey und Rodeln«, so Wikipedia. Was mich überrascht. Also das mit dem Fußball.

75.

Was Team Nigeria und ich gemeinsam haben? Erste Krämpfe.

78.

Es ist ja so: 

81.

Aha! Oho! 3:0 für Deutschland! Lea Schüller mit rechts nach links unten. Schachmatt. Jetzt hilft nur noch der Sechser-Pasch.

84.

Die gute Nachricht: noch sechs Minuten. Die schlechte Nachricht: noch sechs Minuten.

90.

Fünf Minuten Nachspielzeit. Was man mit denen anstellen könnte. Ein Ei kochen. Ein Champions-League-Finale drehen. Fast 2,5 Mal »Song 2« von Blur hören. Stattdessen: Deutschland - Nigeria, 3:0. Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Desinteresse.

19.30 Uhr

Und dann ist es geschafft. Die deutsche Mannschaft schlägt Nigeria mit 3:0. Eine souveräne, eine gute Vorstellung. Spielerisch, taktisch, überhaupt. Doch bei allem Schlandsinn, schön wäre in der nächsten Runde dann doch: ein Gegner. Hat damit wenigstens einmal etwas einer deutschen Nationalmannschaft voraus: der Liveticker. Grüße. Und: Gute Nacht.