Werder Bremen

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Frankfurt

Liveticker: Bremen - Frankfurt

Kruse Control

Ein Spitzenspiel das hielt, was es versprach. Vor allem auch dank Max Kruse. Warum der die Antwort auf alle Fragen kennt, weiß: der Liveticker.

18.15 Uhr

Moin, moin. Bremen gegen Frankfurt also. Das ist zwar »nur« Elfter gegen Fünfter, aber auch »Wir glauben an unseren Plan und unsere Idee von Fußball und scheißen drauf, dass das momentan noch so mittelgut läuft und die Gegentore manchmal härter regnen als Dollarscheine im Club Kruse« gegen »Rebic, Jovic, Haller. Noch Fragen?«. Also, Freunde gepflegter Langeweile: Schaut weg, sucht euch was andres, eine Handball-Aufzeichnung vielleicht. Und allen anderen: Viel Spaß!

18.20 Uhr

Kommen wir mal zu den Aufstellungen. Zunächst die von Werder: Pavlenka - Gebre Selassie , Langkamp , Moisander , Augustinsson - Bargfrede - M. Eggestein , Klaassen - J. Eggestein - Harnik , M. Kruse

18.21 Uhr

Sahin und Pizarro also zunächst auf der Bank. Ist aber auch wirklich kein Rheuma-Wetter.

18.22 Uhr

Und die Aufstellung der Eintracht: Trapp - Abraham , Hasebe , Falette - de Guzman , Rode - da Costa , Kostic - Rebic - Haller , Jovic

18.23 Uhr

Ndicka auf der Bank. N Dünner auch.

18.24 Uhr

Schlechte Nachrichten für Sebastian Rode und Fredi Bobic: Lothar Matthäus hat gerade am Sky-Mikrofon verraten, dass er Fredi Bobic zum Sebastian-Rode-Transfer gratuliert hat.

18.27 Uhr

Supermoderator Sebastian »Investigativ« Hellmann verrät auch noch einen aus dem Knopfohr: Werder Bremen ist die statistisch langsamste Mannschaft der Bundesliga. Und ich weiß nicht warum, aber irgendwie will ich Streber Hellmann daraufhin zurufen: »Na und?! Und Du, überhaupt, Du..« Und dann fällt mir nix Böses ein, weil Supermoderator Sebastian Hellmann überhaupt keine Angriffsflächen bietet. Und vielleicht ist das die schlimmste Beleidigung von allen.

18.29 Uhr

Die Mannschaften betreten das Spielfeld. Kapitän Kruse sieht entschlossen aus. Oder er ist schon jetzt konditionell am Ende. Die Zuschauer singen von der Meisterschaft. Toll, wie sie sich im Norden von jeder Realität befreit zeigen. Wir müssen uns Bremer als glückliche Menschen vorstellen.

1.

Komischerweise noch nicht an einen mittelmäßigen Bierhersteller vermarktet, macht heute aber trotzdem Lust, mit dem Trinken anzufangen: der Anstoß.

1.

Frage zu Beginn, wo wir schon beim Thema sind: Wann werden in Bremen eigentlich endlich die Kneipen »Bar Gfrede« und »Zum Eck Estein« eröffnet?

2.

Werder also ohne Rashica. Hat angeblich Rückenprobleme. Wird aber vielleicht bis zur Nachspielzeit wieder fit. Oder tritt den Freistoß direkt aus der Reha.

3.

Anfangsphase eher öde, viel Gezanke um die Pille. Kennt man ja sonst auch nur von Berghain-Gänger-Afterhouren am Dienstagabend.

5.

Na immerhin: Harnik schafft es irgendwie über rechts vor das Tor. Überlegt aber selbst zu lange, wie er das gemacht hat und schießt einfach mal die Frankfurter Verteidigung an. So langsam, so wenig kompromisslos. Ein Mann wie eine fleischgewordene Kohlekommission.

6.

Anschließende Ecke, aber Trapp, ein Kohle-Befürworter so scheint mir, wedelt den Ball einfach per Gehaltscheck weg. Und irgendwo schreibt Robert Habeck einen ganz analogen Beschwerdebrief: »Scheiß Frankfurter Bänker-Söhne, immer gegen die Grünen.«

9.

Wieder Bremen, wieder Torschuss, Hasebe fälscht ab. Handspiel? Der Japaner winkt ab, hatte seine Greifer gerade am Handy, um zu checken, wann die nächsten Partien beim Asien Cup anfangen. Schiri Markus Schmidt zeigt einen Daumen nach oben, powered by Toshiba.

11.

Alter, man muss hier festhalten: Bremen mit mehr Spielzügen Richtung Tor als Horst Seehofers Modelleisenbahn. Dabei hat diese Mannschaft tatsächlich noch keinen einzigen Treffer nach Konter in dieser Saison geschossen. Ich lege mich also fest: Das geht hier 0:0 aus.

14.

Frankfurts Abwehr allerdings hier so kriselnd, man könnte sie glatt in Eintracht Venezuela umbenennen.

17.

Lothar Matthäus analysiert begeistert: »Bargfrede mit der 44 auf der zentralen Position«. Ey, easy. Ich immer zentral über der Doppelnull. Wo bleibt meine Parade?

19.

Gebre Selassie nach Foul mit der gelben Karte. Macht dazu Augen, als hätte er gerade erfahren, dass er Gebre Selassie heißt und trotzdem Tscheche ist. Dann Freistoß Frankfurt, Kopfball Haller, knapp am Tor vorbei. »Das muss eigentlich das 1:0 sein«, sagt der Sky-Kommentator. Was mich an eine Szene aus dem Eröffnungsspiel dieser Saison erinnert, da Belá Rethy nach einem klaren Fehlschuss von Robert Lewandowski sagte: »Der hätte gepasst.«

21.

Blut. Viel Blut. Sébastian Haller hält den Schädel von Sebastian Langkamp für einen Ball und köpft mal kräftig gegen. Wenig überraschend: Der Schädel von Sebastian Langkamp zeigt sich beeindruckt und weint rote Tränen. Überraschend: Sébastian Haller schleicht von dannen, als hätte er sich nur mal eben gekämmt. Können aber beide weitermachen. Also sowohl Langkamp als auch die Frisur von Haller.

24.

Munteres Spielchen aber! Bremen mit Vorteilen und den besseren Chancen. Und ohne Mittelfeld. Das gibt es bei Werder nur in der Tabelle. Und jetzt alle:

27.

Tor für Werder! Tor durch Maxi Eggestein. Der den Ball nach Ballgewinn und schnellem Konter über Kruse (klar) auf Strafraumhöhe bekommt, gegen vier, fünf, ach, tausend Frankfurter steht und macht, womit niemand rechnet, weil es irgendwie auch albern aussieht, und dann aber doch auch wunderschön, jedenfalls dreht er sich einfach in die Frankfurter Traube und als wäre er ein Wirbelsturm, der alles um sich herum zwar aufnimmt aber doch nie in sein Innerstes lässt, zieht er einfach weiter und ins Glück. Oder wie es Lothar Matthäus in seiner Analyse knallhart auf den Punkt bringt: »Und das Tor macht Eggestein.« Und wie macht der Lothar das? Irre.

30.

Oha. Jetzt schlechte Nachrichten für ganz Bremen. Lothar Matthäus sagt: »Ich liebe Bremen.« Wir geben ab an alle angeschlossenen Therapeuten.

32.

Übrigens nur einen (gefühlten) Atemzug nach dem Tor: Flanke und der selbe Eggestein versucht einen Fallrückzieher. Wird das eine Hommage an Diego? Tritt natürlich irgendwohin, nur eben nicht gegen diesen Fleck Luft, wo sich der Ball befindet. Doch also eher eine Hommage an Aaron Hunt. Und die Lehre: Jetzt ist alles egal. An der Seitenlinie fährt Pizarro den Rollstuhl warm.

33.

Und auch Kruse mit der nächsten Chance, aber: gehalten. Wenn das so weiter geht, fällt morgen leider »Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs« wegen Liebestrunkenheit aus.

35.

Und dann, natürlich: Rebic. Bekommt nach einem Riesenabwehrfehler von Bremen den Ball kurz vor dem Strafraum und steht so frei, dass eine Horde Berliner Immobilienhaie gleich ein paar Hochhäuser um ihn herum zieht. Rebic ist's egal, er streichelt den Ball so zart per Innenrist ins Netz, dass man sofort anfangen muss zu weinen, weil das einfach so schön ist und überhaupt und sowieso. Und mal mit Rebics Innenrist ausgehen möchte. Aber jetzt erstmal: 1:1.

38.

Bremen - kein Scheiß - unbeeindruckt. Wer hätte damit gerechnet? Die Welt, liebe Leute, gerät zunehmend aus den Fugen. Abschluss, Maxi Eggestein, Pfosten. Da fehlen selbst Lothar die Worte. Ist aber auch gemein, einfach jemanden aus der Familie anzuschießen.

40.

Hat die Polizeigewerkschaft schon ein Tempolimit für dieses Spiel gefordert?

41.

Und Bargfrede im Frankfurter Strafraum, aber wieder nichts, weil wieder Trapp. Und ich werde unruhig. Warum ist dieses Spiel so unfassbar geil? War das im Aachener Vertrag gemeint, als es dort hieß, Deutschland mache sich wieder stark für Europa?

44.

Rebic kommt über rechts, macht unzählige Übersteiger, irgendwo gründet Cristiano Ronaldo eine Stiftung, um genau in diesen Spielzug Millionen zu investieren. Wird allerdings vorher von der Steuerfahndung gestellt. Für Frankfurt gibt's nach einem Bremer Fuß am Ball nur Einwurf. Glück gehabt.

45.+1

Die Bremer Fans unterdessen so laut, Uwe Seeler hält sich emsig in seinem Hamburger Weltuntergangsbunker die Ohren zu.

19:19 Uhr

Wir jetzt auch, denn es ist Halbzeit und es läuft Max Forster oder Andreas Giesinger oder vielleicht sind es doch die Toten Hosen. Egal. Pause. Wir hören eine Runde Bowie, »The Man Who Sold The World«, und denken dabei an den Sky-Intendanten. 

19.29 Uhr

Wie eine fortwährende Boris-Becker-Faust spielt er Fußball, dieser Max Kruse. Das Kreuz durchgedrückt, damit die breite Brust auch nur ja immer schön vor ihm im Moment ist. Damit sie uns schon vorbereiten kann auf das, was da kommt. Denn es kommt was, Digga, und es wird gut. Und tatsächlich. Ein kleiner Wackler mit dem Po, der taktische Gemäuer verschiebt. Ein kleiner Pass, der Räume öffnet, von denen vorher niemand wusste, dass es sie gibt. Eine Spielverlagerung, so weiträumig und alle Enge auflösend, dass man den Gegner ächzen zu hören meint vor lauter Anstrengung, die er ihnen nun schon wieder eingebrockt hat, dieser Kruse. Und die breiten Beine laufen und laufen. Und sie machen, wie sie aussehen: Oooooh. Und man sieht es ihnen an, dass sie das gar nicht so gern tun, das viele Laufen. Aber es hilft ja nix, ihr Meister will das jetzt so, denn er hat da so eine Idee und dann müssen sie da alle zusammen durch, auch sie, die Beine, die ansonsten im Leben stehen wie eine ziemlich lässige Universalantwort. Und vielleicht ist auch alles ganz einfach, und jede Frage, die wir uns stellen, ist tatsächlich nur die eine Frage: Was würde Kruse tun?

19.30 Uhr

Die erste Halbzeit aus der Sicht eines Werder-Fans:

46.

Anstoss. Gäbe es den beim Handball auch, würden jetzt alle jubeln.

49.

Bremen überlässt Frankfurt den Ball. Problem: Die Eintracht zeigt sich im Angriff weiter ziemlich uninspiriert. Noch zehn Minuten mehr davon, und die örtliche CDU bestimmt sie zu ihrem neuen Spitzenkandidaten.

50.

Sebastian Rode bisher völlig untergetaucht. Bisher! Denn jetzt senst er einen um, und es gibt die gelbe Karte und daran keine Zweifel. Wir wollen jetzt nicht damit anfangen, zu sagen, wir hätten es ja gesagt. Aber bitte. Schaut halt selbst. 18.24 Uhr. Wir haben es ja..

52.

Es war so eine schöne erste Halbzeit. Und nu? Nu ist guter Rat teuer. Oder ist das alles nur Teil der perfiden Internationalisierungsstrategien der DFL? Läuft das Spiel, diese zweite Halbzeit, in Asien unter »Deutsche Meditation«?

54.

Ha! Die Antwort lautet natürlich: Kruse! Aber der Reihe nach. Klaasen mit schönem Pass auf Kruse, der mit einem, und wir können nicht anders als Lothar Matthäus Recht geben, weshalb wir ihn dann auch einfach zitieren, da er sagt: »Zuckerpass«. Jawoll, Max Kruse mit einem Zuckerpass. Aus diesem Super-Zucker, von dem man wirklich ganz high wird vor Glück und gar nicht fett. Ein ZuckerSuperZuckerpass. Auf Martin Harnik, der den Ball am herauseilenden Kevin Trapp auf der einen Seite vorbei legt, um auf der anderen Seite an ihm vorbei zu laufen, und am Ende muss er nur noch zwei Dinge: Sich nicht darüber kaputt lachen und einschieben. Gelingt beides. Toll. Bzw.: Kruse.

57.

Und sonst so? Natürlich: Kruse. Wird von Eggestein geschickt, läuft, wie so eine kleine Nähmaschine rammt er die Schritte in den Rasen, und dann will er Kevin Trapp überlupfen. Und das gelingt nicht, weil Trapp jetzt auch keine Blindnuss ist, aber dass er es versucht, und wie er es versucht, und was das mit den Menschen macht in Bremen, das ist schlicht großer Zirkus oder Weltklasse. Oder nennt es wie ihr wollt, denn es heißt ja doch immer nur: Kruse.

60.

Bei der Eintracht ist es vielleicht langsam an der Zeit, sich über alternative Mittel Gedanken zu machen:

61.

Sky verrät: Kohfeldt überlegte erst, statt Harnik lieber Sargent in die Startelf zu nehmen. Der war allerdings noch beschäftigt damit, den Rückzug der Truppen aus Afghanistan in einer Power-Point-Präsi zu erarbeiten.

62.

Dinge, die ich lieber tue, als Lothar Matthäus zu zuhören:

- Einen Sack Nägel essen
- Im Winter kalt duschen
- Im Live-Ticker die Eggesteins verwechseln

64.

Martin Groß sagt: »Abraham wirkt nicht ganz zufrieden mit sich und seinem Körper.« Wird dann auch ausgewechselt. Gegen Russ. Der sieht aber auch nicht besser aus.

67.

Dann: Plötzlich Elfmeter. Guter Filmtitel eigentlich, zum Beispiel für eine verrückte Geschichte über einen jungen Engländer, der durch einen komischen Zufall plötzlich eine WM gewinnt. Aber zurück zum Spiel: Alles korrekt, Hand von Augustinsson.

68.

Haller macht's, unten in den Winkel. Noch weiter rechts und er hätte Björn Höcke getroffen. So aber nur 2:2.

72.

Rode mit der einzig logischen Konsequenz: Mehr Fouls. Baut einen Boxring im Mittelkreis auf und reißt sein Trikot entzwei. Max Kruse raunt: »Für sowas wäre ich gefeuert worden.« Schmidt belässt es bei einer Verwarnung und einem Hieb in die Niere. Kernig.

73.

An der Seitenlinie erscheint Thomas Schaaf aus einer Wolke Labskaus und gibt ein Impulscoaching: »Bring den Almeida.« Und dann kündigt Groß auch noch Wontorras Talk an. Wer sagt noch gleich, dass früher alles besser war?

77.

Ach, hatte ganz vergessen: Werder doch noch da. Insgesamt sechster Eckball für die Gastgeber nach einer vergebenen Chance von Eggestein (einem von beiden, sucht euch selbst aus, welchem). Aber Trapp faustet nach Hereingabe das Ding so hoch weg, dass er kurz den kompletten Luftverkehr über Schleswig-Holstein stört. Schade, für die eine Maschine.

80.

Oha. Max Kruse wird ungehalten. Erst Veljkovic mit einem langen Ball ins Seitenaus, dann Eggestein mit der Möglichkeit auf einen Steckpass Richtung Kruse, entscheidet sich für eine andere Option, die natürlich eine scheiß Option ist. Noch drei falsche Entscheidungen seiner Mitspieler und Kruse bekommt die gelbe Karte. Für ein Foul an sich selbst.

83.

Das Spiel jetzt wie ein stinknormaler Flirt in meiner Jugendzeit: Beide wollen, keiner kann.

85.

Schöne Szene: Claudio Pizarro kommt ins Spiel.

88.

Pizarro versucht sich an einem Sprint. Ist ja noch frisch. Aber leider auch 105 Jahre alt. Was seinen Versuch in ungefähr so sinnvoll erscheinen lässt wie dieses Fragezeichen an der Menschheit:

90. +2

Handspiel? Ja? Nein? Vielleicht? Haller lupft den Ball hinter die Bremer Abwehr und dann? Nix? Moisander eigentlich klar mit der Hand am Ball. Aber der Schiedsrichter lässt erstmal weiterspielen. Und im Gegenzug kontert Werder, und Kruse legt auf Eggestein zurück und er hat zentral die Chance aus zehn Metern die Führung zu erzielen, während der VAR vielleicht noch einen Elfer verhängt. Und dann wird Markus Merk zugeschaltet und sagt: »Klarer Elfmeter«. Und der VAR? Macht nix. Das Spiel geht weiter. Ist das fair? Macht das Sinn? Ja? Nein? Vielleicht?

90. +3

Frankfurt nochmal über Kostic und Haller, der quer legt, statt es selbst zu versuchen, und der ins Nichts legt. Und dann fliegt einer, und zwar Bremens Trainer Kohfeldt. Und er brüllt den vierten Offiziellen an: »Was denn, hab ich ein Wort gesagt?« Und er brüllt es so arg, dass man geneigt ist, tief Luft zu holen und dann ganz langsam und besonnen zu antworten: »Ne, musste auch nich, Kollege. Aber so wie Du hier brüllst, ist es eh besser, Du gehst jetzt mal.«

20.27 Uhr

Und dann ist es vorbei. Ein Unentschieden mit gleich drei Siegern: Dem Fußball und den neutralen Zuschauern. Und Max Kruse. Wer sich heute nicht in ihn verliebt hat, hat den Fußball nie geliebt. Und damit ist es voll, unser Floskel-Soll. Wir verabschieden uns in Richtung Phrasenschwein. In diesem Sinne: Prost.