Bayer Leverkusen

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Juventus Turin

Leverkusen-Juve im Liveticker

Wer ist hier der Bosz?

Leverkusen und Trainer Peter Bosz hatten auf ein Wunder gehofft, stattdessen gewinnt Juve und nur die Flitzer hatten eine Chance gegen Ronaldo. Der Ticker zog blank.

20:45 Uhr

Guten Abend, liebe Sportsfreunde! Leverkusen gegen Juve, ein Duell, auf das ganz Turin seit Wochen hingefiebert hat. Oder eventuell auch nicht. Denn für die alte Dame aus Norditalien geht es in dieser Partie um nüscht mehr, Juve ist längst Gruppenerster. Ganz anders die Ausgangslage für Bayer 04, the artist formerly known as Vizekusen. Mit mageren sechs Punkten aus fünf Spielen braucht Leverkusen unbedingt einen Sieg und muss gleichzeitig hoffen, dass Atletico (7 Punkte) gegen Lokomotive Moskau (3 Punkte) verkackt. Eher unwahrscheinlich? Die Hoffnung stirbt zuletzt!

20:47 Uhr

34.400 Ergebnisse, wenn man "Das Wunder von Leverkusen" googelt. 57, wenn man nach "Alex Raack sieht besser als aus Bernd Schuster" sucht. Klarer Fall: Leverkusen kommt weiter.

20:49 Uhr

Cristiano Ronaldo wird übrigens doch auf dem Rasen stehen. Man kann von diesem Kerl ja halten, was man will, aber der ist eine Maschine. Mit seinem Arbeitsethos würde mir jetzt schon Sport1 gehören. Erste Amtshandlung: das Phrasenschwein zum Chefredakteur machen und Rudi Brückner in den "Sexy Sportclips" unterbringen. Neben dem nackten Giovani Elber, der auf einem Motorrad liegen die besten Zitate von Udo Lattek auf portugiesisch singt.

20:51 Uhr

Aus unserer beliebten Rubrik "Fantasiemeldungen": "Havertz wird von Vereinen wie dem FC Bayern, dem FC Barcelona, Real Madrid oder dem FC Liverpool umworben. Ein Wechsel im Sommer erscheint wahrscheinlich, Bayer erhofft sich eine Ablösesumme von bis zu 130 Millionen Euro." (Quelle: Sport-Bild)
Ich war übrigens heute ein Suppenhuhn kaufen und ein Wechsel im Sommer erscheint eher unwahrscheinlich. Ablösesumme steht derzeit bei zwei Kisten Bier (kalt). Vielleicht auch von Interesse.

20:54 Uhr

Funfact I: Peter Bosz hatte auch mal Haare. Siehe seinen Wikipedia-Eintrag. Was ich mich frage: Ob er diese Leihgabe anschließend an Rudi Völler zurückgeben musste oder irgendwo im Keller verstaut hat.

20:55 Uhr

Dazn heute mit Experte Sebastian Kneißl. Musste ich erstmal Freund Internet um Rat fragen. Mein Jahrgang (83), wurde kurz vor der Abramowitsch-Übernahme von Chelsea gekauft, dort dann nach der Superstar-Sinflut ohne Chance, später mal Düsseldorf, Schweinfurt, U20. War mal Streetworker in London, hat mit Problemkids gebolzt. Lieber Herr Kneißl, lassen sie sich doch bitte mal auf ein Bier einladen!

20:57 Uhr

Diese Dazn-Dauerschleifenmusik löst bei mir schon krampfartige Aggressionsschübe aus, aber dann lächelt mir Frau Kimmel entgegen und ich muss blitzverliebt alle Mordeslust vergessen. Trotzdem: Bitte, bitte!! schmeißt diesen Sound aus eurem Programm und auf den Müllhaufen der Geschichte. Das alte Modem-Knarzen wartet schon. Für alle merkwürdigen Nostalgiker: https://www.youtube.com/watch?v=gsNaR6FRuO0

20:58 Uhr

Funfact II: Als Deutschland im Gruppenspiel gegen Holland bei der Euro 1992 eine 1:3-Reibe kassierte, wurde Peter Bosz nach 88 Minuten eingewechselt. Für Dennis Bergkamp. Sind wir wieder etwas schlauer. Und Grüße an Dennis Bergkamp: Wir sind unwürdig!!

1.

Und bitteschön. Leverkusens Fanszene hat übrigens im Vorfeld eine neue Kleiderordnung aufgestellt. "Gegen Juve alle in Rot!", lautete die Ansage. Oskar Lafontaine soll sogar als Capo angefragt worden sein. Antwort OL: "Hoffnungen sind auch eine Belastung, weil sie mit Erwartungen verbunden sind." Dann eben nicht.

2.

Im Tor von Juve: Natürlich Gigi Buffon. Der stand schon zwischen den Pfosten, als die Turiner 2002 gegen Leverkusen antreten mussten. Was 2002 noch passierte:
- Jacques Chirac wiedergewählt
- Sieg für Lance Armstrong bei der Tour de France
- Jahrhundertflut an der Elbe

4.

Peter Bosz könnte ich mir auch gut an irgendeiner gottverdammten Nordseeküste vorstellen, wie er stundenlang am Ufer sitzt und darauf hofft, dass kein Fisch auf die Idee kommt, seinen Angelköder zu erwischen, während im Viertelstundentakt ein Flensburger ploppt. Niederländisch herb.

5.

Einer meiner Lieblinge bei Leverkusen ist ja Lars Bender, dieser Mensch gewordene Duracell-Hase in Bayers Zentrum. Einer von diesen Jungs, die lachend in einer Kreissäge grätschen würden, falls es der Gefahrenabwehr denn zugute käme. Wenn der nach dem Spiel nicht mindestens ein Gelenk gestaucht hat, übt er zur Strafe Flugkopfbälle auf dem heimischen Nagelbrett. Generation Aua.

7.

Und Samstag dann gegen Köln. So viel Fußball war in Leverkusen nicht mehr, seit sich Andi Brehme auf Rudi Völlers Schulter den Beelzebub aus den Augen heulte.

9.

Unvergessener Juve-Spieler für mich: Fabrizio Ravanelli. Hatte eh schon diesen grandiosen Namen (in Deutschland wuchsen wir mit Andreas Fischer und Mike Barten auf), wurde dann aber auch noch "Die weiße Feder" gerufen, weil er schon mit etwa Fünfzehneinhalb grau geworden war. Dazu dieses Mittelstürmergesicht. Solche Typen kamen früher unangekündigt zum Frühjahrsputz. Gab ja genug abzustauben. Bester Mann.

10.

So richtig Flair will bei mir bislang noch nicht rüberkommen, trotz roter Kurve und Gruppenphasen-Endspiel. Trotz zwei ersten kleinen Chancen von Bayer. Trotz Sebastian Kneißl. Liege hier ausgestreckt auf meiner Königsklassen-Yogamatte und warte auf positive Schwingungen, Leverkusen!

12.

Sprachs und sah Diaby anschließend fasziniert dabei zu, wie er mit links einen richtigen Huf auspackte und den Ball fachgerecht gegen den Pfosten zimmerte. Hat für vieles entschädigt. Könnte ich eventuell das Klatschen von Ball auf Pfosten irgendwo als Klingelton bekommen?

14.

Juves Sturm-Duo könnte unterschiedlicher nicht sein. Cristiano Ronaldo und Gonzalo Higuain. Auf der einen Seite eine eitle, gestählte Kampfmaschine mit strahlend weißen Jürgen-Klopp-Zähnen, die mit technisch-brutaler Genauigkeit alles kurz und klein schießt. Und auf der anderen Seite ein argentinischer Lebemann, dem man nachsagt, beim Essen auch gerne mal einen zweiten Nachschlag zu nehmen, quasi der Carlo Ancelotti unter den Stürmern. Unsere Symphathien könnten nicht eindeutiger verteilt sein.

17.

Leverkusen spielt den Ball ins Aus, weil Bernadeschi das macht, was ich heute Morgen auch gerne getan hätte: bleibt einfach liegen.

19.

Ecke Leverkusen. Und Gigi Buffon sitzt in seinem Ohrensessel, hebt gelassen die Arme, um seinen Jungs mitzuteilen, dass diese Ecke ohnehin niemals ankommen wird, das hat er sofort gesehen mit seiner Erfahrung. Und natürlich behält er recht. Und erzählt anschließend Geschichten von früher, von damals, von 2002.

21.

Cristiano Ronaldo gockelt in den Strafraum, zieht ab, aber hauchzart vorbei. Kikeriki.

24.

Kurzer Moment der Andacht an dieser Stelle für alle Zocker da draußen, die diese Partie bei FIFA nachspielen wollen. Forza Piemonte Calcio!

26.

Mein Gott, ist dieser Diaby schnell. Wann fordern die Grünen ein Tempolimit in der Bayarena?

30.

Im Parallelspiel führt Atletico derweil übrigens mit 1:0 gegen Lokomotive Moskau. Was bedeutet, dass sich Leverkusen hier auf den Kopf stellen kann, bei diesem Stand der Dinge ist das Achtelfinale ausgeschlossen. Aber vielleicht sollten sie es trotzdem versuchen. Also das mit dem auf den Kopf stellen. Sähe bestimmt lustig aus.

33.

Zur allgemeinen Unterhaltung habe ich heute übrigens ein Buch mit zum Tickern gebracht: Dennis Rodman - Der Abräumer. Bad as i wanna be. Zitat: "Frauen sind entzückt, einen Typen zu sehne, der keine Angst vor seiner Männlichkeit hat. Sie sind begeistert, wenn einer mächtig viel Selbstvertrauen hat, genug jedenfalls, um seine Fingernägel rosa zu lackieren oder eine rosa Harley-Davidson zu fahren."
Männlichkeit, Selbstvertrauen, rosa Harley - ist notiert! Danke, Dennis.

35.

Und mal wieder werden wir Zeuge der guten alten italienischen Abgezocktheit. Die Geister von Franco Baresi, Paolo Maldini und Filippo Inzaghi sind bei jeder Aktion allgegenwärtig und mich würde es nicht wundern, wenn sich Maurizio Sarri gleich die Maske vom Gesicht reißt und sich als Giovanni Trapattoni zu erkennen gibt.

38.

Dazn erinnert selig an die Offensivqualitäten des frühen Michael Ballack. Herrlich. Bernd Bananenflanke, er Kopf, Tor. Nur Gigi Buffon weiß noch, wovon die Rede ist.

41.

Moussa Diaby wurde im Sommer 1999 geboren. Ein paar Monate zuvor holte Gigi den Uefa-Cup mit Parma. Es bleibt weiterhin unglaublich. Wann fängt Buffon an, nach dem Spiel Werthers Echte an die Gegner zu verteilen und auf Trickanrufe reinzufallen?

42.

Kai Havertz mit diesem unkaputtbaren Bravo-Boy-Aussehen: Schlafwagenblick, Haare verwuschelt, wäre ich jetzt 14 und würde ich auf Kerle stehen, ich würde ihm längst Liebesbriefe schreiben. Willst du bei Bayer bleiben? Ja, nein, vielleicht.

45.

Steile These: Der Zigarettenstummel von Maurizio Sarri ist mit dem Kaugummi von Alex Ferguson verschwägert. Hat mir die Rotze von Rijkaard verraten.

Halbzeit

Beim heiligen Pillendreher! Havertz hatte eben noch die Führung auf dem Schlappen, vergab bravoboyig und jetzt gehen beide Mannschaften mit 0:0 in die Kabinen. Spiel tor-, Ticker atemlos. Kurze Pause. Bis gleich.

46.

Weiter geht's. Und wenn Leverkusen hier noch etwas ausrichten will gegen dieses italienische Bollwerk rund um Gigi Buffon, sollten sie vielleicht wirklich darüber nachdenken, Michael Ballack und Bernd Schneider einzuwechseln. Und Zoltan Sebescen. Der kann's nämlich noch, kein Scheiß!

48.

Bei mir jetzt übrigens gerade die volle Dröhnung Fußball. Mitbewohner (Bayern-Fan) hat seinen Laptop neben dem Fernseher aufgebaut, um parallel noch die Konferenz zu verfolgen. Noch mehr Streaminganbeiter und ihr treibt uns in den Ruin, liebe Sender!

51.

Tor. Doch nicht. Abseits. Einfach so. Ohne VAR. Schön.

53.

Hier übrigens ein Bild von Gianluigis neuem Sportwagen:

55.

Juve jetzt in dieser zweiten Halbzeit bislang so wie all diejenigen, die auf der 11FREUNDE-Weihnachtsfeier gestern den DJ gemacht haben: gibt den Ton an.

58.

Können wir bitte kurz darüber sprechen, wie hässlich die Trikots von Juventus Turin sind? Da überzeugen die modebewussten Italiener jahrelang mit Understatement, mit klassischen schwarz-weißen Längsstreifen, nur um ihr neues Leibchen dann von einem pinken Strich in eine schwarze und eine weiße Hälfte teilen zu lassen. Der Äquator des schlechten Geschmacks.

61.

Maurizio Sarri wirkt auf mich immer ein bisschen so, als stünde er kurz vor der Explosion. Wie so ein cholerischer Nachbar, der die ganze Zeit am Fenster steht und nur darauf wartet, dass vor seiner Tür jemand falsch parkt. Bislang jedoch alles ordnungsgemäß.

64.

Happy Birthday an dieser Stelle übrigens an den großartigen Uwe Klimaschefski, den ich einst zu seligen 11Freunde-Zeiten interviewen durfte. Wohnte damals direkt neben einem Fußballplatz und ließ seine Gattin Aktenkoffer voller fotografischer Erinnerungen aus dem Keller holen. Schönste Stelle im Interview:
Frage: Als Sie 1974 von einem Mainzer Fan beleidigt wurden, sollen Sie den Herren gebeten haben, Ihr Brötchen zu halten und verpassten ihm anschließend einen rechten Haken? Stimmt?
Antwort Klimaschefski: Stimmt.

66.

Ach, Leverkusen. Fast verschwommen sind die Erinnerungen an jene unglaubliche Champions-League-Saison 2001/02, mit Ballack, Schnix, Bastürk. Kinder, war das schön. Und heute? Grauer Durchschnittsfußball, während man gleichzeitig seine Hoffnungen in Lok Moskau setzen muss. Ich schick Klaus Toppmöller mal ein Tränen-Emoticon.

68.

Noch immer führt Atletico und ist Bayer nicht mal in der Nähe von Buffon. Erinnert hier gerade an eine Party, bei der irgendwie keine Stimmung aufkommen will, während im Nachbarhaus die Post abgeht und die ersten Gäste besoffen in den eigenen Garten pinkeln. Hat mal jemand den Schlüssel zum Schnapsschränkchen? Peter Bosz füllt verzweifelt Flips nach.

70.

Highlight des Abends: Kamera zeigt erst Michael Ballack, dann Pavel Nedved. Wo zur Hölle ist mein Faber-Trikot vom VfL Bochum?

72.

Bayern führt übrigens mit 3:1 gegen Tottenham. Vier Buden. Und wir Eimer haben uns für Leverkusen entschieden, zaghaft auf einen besonderen Abend hoffend. Hat alles was vom vergeigten Tinderdate: Leverkusen sah auf den Fotos so viel besser aus.

74.

Immer wieder erstaunlich wie leise mehrere zehntausend Zuschauer sein können, wenn auf einem Fußballplatz nicht viel passiert. Aus dem Hintergrund müsste im Oberrang einer niesen, man könnte "Gute Besserung" wünschen.

75.

Ronaldo hämmert den Sargnagel rein: 1:0 für Juve.

76.

Und unten am Seitenrand steht, die daunenjackenbedeckten Arme verschränkt, Peter Bosz und schaut durch seine Irgendwasmitmedien-Brille ins Nichts, das heute den Namen "Europa League" trägt. Ein einst so stolzer Wettbewerb, aufgeblasen zu einem langweiligen Haufen Schrott. Da qualifiziert man sich mühsam für die Königsklasse, denkt sich Bosz, nur, um dann nach sechs Spielen in die Europa League zu stürzen. Tiefer Seufzer von Bosz. Vielleicht denkt er in diesem Augenblick an die Euro 92, an Gullit, an Bergkamp, an den großen Glanz von damals. Das Leben ist schon ne harte Sache. Kopf hoch, Peter!

79.

Tja. Seien wir ehrlich. Da hätte heute auch schon so einiges zusammen kommen müssen, damit das noch etwas wird mit Bayer Leverkusen und dem Champions-League-Achtelfinale. Pavel Nedved und Michael Ballack zum Beispiel. Stattdessen: Dragovic und Cristiano Ronaldo

82.

Immerhin die Stimmung versprüht internationales Flair. Also so Die-Mannschaft-Länderspiel-Flair.

84.

Was Emre Can wohl gerade macht? Vielleicht gewinnt er mit Piemonte Calcio die Champions Leauge auf der Playstation.

87.

Leverkusen macht und tut und ist bemüht, aber im Grunde wissen sie doch selbst, dass das alles nichts nützt. Fast so wie wir, wenn wir arbeiten.

90.+2

Und jetzt trifft auch noch Juves anderer Super-Stürmer. Der symphatische. Und das alles mit minimalem Aufwand. Lässig.

90.+3

Peter Bosz hat die Brille abgenommen. Clevere Entscheidung.

90.+4

Ein Flitzer rennt auf das Spielfeld und Maurizio Sarri schäumt vor Wut. Weil das den Schlusspfiff noch weiter hinauszögert und er noch länger auf seine Sieger-Zigarette warten muss.

Abpfiff

Und dann ist Schluss. Leverkusen ist raus aus der Champions League. Weil Juve zu stark ist, weil Juve Cristiano Ronaldo und Gonzalo Higuain hat. Und Gigi Buffon, der alle Leverkusener Angriffsbemühungen einfach mit seiner Altersmilde weglächelt. Und Maurizio Sarri raucht vor Glück. Aber: Kopf hoch, Leverkusen, UEFA-Cup ist auch schön. Fragt mal in Frankfurt nach. Wir machen's derweil wie Bayer - und sind ebenfalls raus.