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Italien – Wales 1:0
EM

17:45 Uhr

Hallo und einen schönen frühen guten Abend mit­ein­ander. Eigent­lich hatte diese EM doch gerade erst begonnen und nun fechten Ita­lien und Wales im letzten Grup­pen­spiel schon den ersten Platz unter­ein­ander aus. Ita­lien reicht dazu ein Punkt, Wales müsste gewinnen. Soweit die Fakten. Aber was sind schon Fakten gegen die Aus­sicht auf so mit­rei­ßenden Fuß­ball wie in den ersten beiden Spielen der Ita­liener.

17:48 Uhr

Wenn du 11FREUNDE auf dem Platz hast, kannst du jedes Spiel gewinnen“, sagt Gareth Bale. Danke für die Promo, Junge!

17:49 Uhr

Kurzer Blick auf die Auf­stel­lungen: Ita­lien wech­selt auf gleich acht Posi­tionen. Man könnte auch sagen: Der Trainer hat die Rota­tions-Man­cini ange­worfen.

17:51 Uhr

Aber auch bei Wales ein paar Wechsel. Der Kieffer sitzt zum Bei­spiel Moore auf der Bank.

17:55 Uhr

Wales betritt den Platz, Gareth Bale geht voran. Nimmt noch einen Schluck aus der Pulle. Winkt dann freund­lich Uli Hoeneß und Dietmar Hopp zu. Man kennt sich vom Golf­platz.

17:57 Uhr

Jetzt die ita­lie­ni­sche Natio­nal­hymne. Und auf ZDF-Text­tafel 888 findet sich statt des Textes nur ein Warn­hin­weis vor mög­li­chem Hör­sturz.

1.

Los geht’s. Oder wie mein Groß­vater immer betonte: Wer A sagt, muss auch nstoß sagen.

2.

Wir lernen: Heute sei ein schöner Tag in Rom, 30 Grad. Und schon laufen Eis­ver­käufer über den Platz, gebräunte Männer liegen auf dem Rasen und prä­sen­tieren ihre Six­packs, ein Greis don­nert auf einer Vespa durch den Straf­raum der Waliser, Tor­wart Ward guckt sich über­rascht um. Steckt wohl gedank­lich noch im Links­ver­kehr.

4.

Wenn Ita­lien heute hier gewinnt, wäre das der 30. Sieg in Folge. Wann end­lich kommt jemand auf die Idee, für solche Natio­nal­mann­schaften eine Super League zu eröffnen? Ich hätte schon die Idee für einen Namen: Nations League“ wäre doch gut. Was denkt ihr?

6.

Die Ita­liener machen ordent­lich Druck, aber Wales mit der Brief­träger-Taktik: stellen schnell zu.

7.

Im Par­al­lel­spiel führt die Schweiz. Nur wohin eigent­lich?

8.

Ah, schöner Schwenk auf die Funk­tio­närs­tri­büne, wo wir alte, grau­haa­rige Männer in Anzügen sehen, fast alle ohne Maske, einer mit dem Mund-Nasen-Schutz unterm Kinn. Hätte man ja auch nicht gedacht, dass Kalle Rum­me­nigge in seinem Alter nochmal zum Trend­setter wird.

10.

Ich würde hier ja gerne auch mal eine Szene aus dem Spiel beschreiben, aber leider bisher eine Partie wie mein Stu­dium nach zwölf Semes­tern: noch ohne Abschluss.

12.

Aber jetzt doch: Scharfe Flanke, Andrea Belotti springt hin, den Fuß gestreckt, aber leider ein paar Zen­ti­meter zu weit vom Ball ent­fernt. Wenn das in der Geschwin­dig­keit weiter geht, fällt der erste Treffer in der 107. Minute.

16.

Und nun ein Abschluss aufs Tor. Toloi zieht aus dem Rück­raum ab, Ball wird abge­fälscht, aber Ward hält. Eben ein echter Tor­ward. Haha. Sorry.

19.

Bis­lang sieht dieses Spiel leider noch längst nicht so gut aus wie Roberto Man­cini.

21.

Offi­zi­eller Hashtag zum Spiel ist übri­gens #ITALWAL. Man darf also davon aus­gehen, dass sich beide Mann­schaften mit ITAWAL-Trai­ning auf dieses Spiel vor­be­reitet haben.

23.

Chiel­lini heute nicht im Kader. Muss auf die Enkel auf­passen.

26.

Das Niveau, das Wetter, das halb­leere Sta­dion, die vielen Wechsel in beiden Mann­schaft: Irgendwie erin­nert das hier alles sehr an ein Test­spiel in der Sai­son­vor­be­rei­tung. Wann wird end­lich der Transfer der neuen Sturm­hoff­nung ver­kündet?

28.

Die schönste Szene des Spiels lie­ferte bis­lang Roberto Man­cini. Natür­lich. Bei ihm sieht ein­fach alles gut aus.

30.

Auf der anderen Seite gerade dann mal Chris Gunter mit einem Kopf­ball­ab­schluss. Macht’s aber wie der Gast­geber der WG-Party mit dem letzten Gast, wenn keine Stühle mehr frei sind: setzt ihn auf den Kasten.

32.

Schweiz mitt­ler­weile 2:0. Die Türkei war in dieser Gruppe echt der Typ aus der Kreis­liga-Truppe, der mal fast Profi geworden wäre, hatte mal Pro­be­trai­ning beim BVB, echt war so, aber dann lei­der­leider Menis­kus­riss und die spä­teren Ange­bote kamen immer nur von Ver­einen, die ein­fach zu weit weg waren, er wollte nicht umziehen, und ohnehin wäre ihm das eh zu unsi­cher gewesen, Fuß­ball­profi, ist ja nichts hand­festes, jetzt kickt er auf jeden Fall nur noch aus Spaß, ver­sucht im Spiel gegen DJK TuS Hols­ter­hausen II. sieben Über­steiger, klappen tut keiner, lässt sich nach 40. Minuten aus­wech­seln, weil das Knie weh tut und schnorrt danach Kippen bei der Trai­ner­frau am Grill.

33.

Ein neues Fea­ture wird vom ZDF beworben, irgendwas im Internet, wo man sich noch einmal die neur­al­gischsten“ Szenen dieses Spiel anschauen könne. Zeit­spa­ren­dere Vari­ante mit glei­chem Ergebnis: Ein­fach mal zwei Sekunden die Augen zuma­chen.

36.

Eine Sta­tistik wie meine Tinder-His­torie: Jetzt in diesem Augen­blick haben die Ita­liener seit 1000 Minuten keinen Treffer rein bekommen.

38.

Tor! Frei­stoß Ita­lien, Waliser ver­su­chen eine Abseits­falle, ver­ka­cken sie aber, Ball kommt flach und kurz rein, Mat­theo Pes­sina läuft super an, kriegt den Fuß dran, 1:0. Ein so guter Stan­dard, die Euro­päi­sche Union wird dieser Szene gleich eine EN-Nummer zuweisen.

41.

Und gleich noch eine Chance, wieder Pes­sina, der dieses Mal aller­dings an der Flanke vor­bei­grätscht. Die Mög­lich­keit, so schnell nach­zu­legen, kenne ich eigent­lich nur vom All-You-Can-Eat-Buffet beim Mexi­kaner in Dort­mund-Oespel.

44.

Ita­lien übri­gens sicher im Ach­tel­fi­nale. So oder so. Span­nungs­kurve wie ein Kamin­feuer-Video auf You­Tube.

45.

Pause. Oder wie man in Wales sagt: Llan­fairpwllgwyn­gyll.

18:54 Uhr

Die Ita­liener führen mit 1:0. Und sind damit also auf bestem Wege, sich den Grup­pen­sieg zu holen. Trotz B‑Elf. Aber wie sollte es bei Man­cini auch anders sein? Natür­lich sitzt auch der zweite Anzug.

18:56 Uhr

Im ZDF-Studio jetzt Kathrin Müller-Hohen­stein (KMH), Mar­tina Voss-Teck­len­burg (MVT) und Per Mer­te­sa­cker (BFG). In diesem Sinne: MfG! Und bis gleich!

46.

Weiter geht’s in Rom mit der zweiten Halb­zeit. Oder wie Jessy Wellmer sagen würde: mit Piz­za­hälfte Nummer zwei.

47.

Blau von rechts nach links. Gilt für Ita­lien in der zweiten Halb­zeit. Und für mich letzte Nacht.

50.

Sollte Ita­lien hier übri­gens am Ende wieder das Stan­dard-Ergebnis von 3:0 errei­chen und die Schweiz mit 2:0 gegen die Türkei gewinnen, was ja gerade der Stand der Dinge ist, dann würde tat­säch­lich die Anzahl der Gelben Karten über den zweiten Platz ent­scheiden. Oder wie ver­bit­terte Vize­welt­meister von 2002 es nennen: das Bal­lack-Sze­nario.

53.

Jetzt wieder Frei­stoß Ita­lien. Und die ita­lie­ni­schen Spieler bilden tat­säch­lich zwei Mauern, eine vor, eine hinter der wali­si­schen. Und stiften damit reich­lich Ver­wir­rung. Am Ende haut Ber­na­de­schi den Ball an den Pfosten. Eine Aktion wie Cur­ry­wurst-Pommes mit Gyros auf einem Teller: inter­es­sante Vari­ante.

55.

Auf der anderen Seite die große Chance für Wales nach einer ita­lie­ni­schen Unauf­merk­sam­keit. Aber Ramsey ver­lässt dann doch der Mut. Da war mehr drin! Glei­ches trifft übri­gens auf mein Getränk zu. Frau Oberin, einmal Luft aus dem Glas lassen bitte!

58.

Und dann das: Ampadu sieht Rot! Weil er Ber­na­de­schi ziem­lich rabiat auf den Schlappen tritt. Viel­leicht die wali­si­sche Art, wei­tere gefähr­liche Frei­stöße zu ver­hin­dern.

61.

Aber, viel­leicht erin­nert ihr euch: die Karten könnten durchaus noch rele­vant werden. Tau­sende Kon­zert-Jun­kies, die ihre Tickets nie­mals weg­schmeißen, fühlen sich bestä­tigt.

63.

Ita­lien jetzt hier wie ein Klein­gar­ten­be­sitzer, der sich über einen unfer­tigen Zaun auf­regt: will noch ein Tor.

65.

Und unfass­bare Chance! Chiesa sprintet quasi von der Mit­tel­linie los, lässt alle hinter sich, hört gar nicht mehr auf zu rennen, ist schon fast am Trevi-Brunnen, dann fällt ihm aber doch ein, dass er viel­leicht vorher den Ball abspielen sollte, passt also scharf auf Belotti, doch dessen Schuss hält Ward. Chiesa schickt ein Foto vom Kolos­seum hin­terher.

67.

Ecke Ita­lien, Ward schafft es nicht den Ball fest­zu­halten, kurze Anspan­nung, dann klärt ein Waliser Ver­tei­diger. Quasi ein Awk­ward-Moment.

70.

Claudia Neu­mann: Ihn müssten sie in Stel­lung bringen, Kieffer Moore.“ Nur leider kein Garten-Land­schafts-Bauer auf der waliser Bank.

72.

Schon wieder so eine gefähr­liche Ecke von Ita­lien. Die kannte ich eigent­lich so nur von meiner Abschluss­fahrt nach Neapel, als ich mich an einem Nach­mittag in diese komi­sche dunkle Gasse ver­irrt hatte.

75.

Bale mit guter Mög­lich­keit nach einem Frei­stoß. Und beweist einmal mehr, dass er sich selbst für Gott hält: ver­gibt.

78.

Chris Gunter sieht Gelb. Und im deut­schen Team­quar­tier sieht Jogi Löw vor­sichts­halber mal nach, ob sein Frei­burger Rechts­ver­tei­diger eigent­lich noch da ist.

81.

Aktuell viele Unter­bre­chungen, viele Fouls. Wäre Mehmet Scholl anwe­send, er würde die betei­ligten Spieler sicher davor warnen, sich nicht wund­zu­liegen.

83.

Aber ist jetzt natür­lich auch schwer für die Waliser mit einem Mann weniger. Anders aus­ge­drückt: Wales willse machen?

85.

Sag mal, Marco, was ist denn eigent­lich euer Erfolgs­ge­heimnis? Ver­ratti nicht!

87.

Gareth Bale ver­lässt den Platz. Konnte sein Han­dicap heute leider nicht ver­bes­sern.

89.

Und wäh­rend das Spiel so seinem Ende ent­ge­gen­plät­schert, fasst sich Belotti noch einmal ein Herz und macht’s wie Lucky Luke: schießt aus der Dre­hung. Aber diesmal Ward Dalton war dieses Mal schneller.

90.+2

Man­cini zemen­tiert jetzt den Test­spiel­cha­rakter end­gültig. Wech­selt kurz vor Schluss sogar noch den Tor­wart. Nach Abpfiff dann sicher noch ein Spaß-Elf­me­ter­schießen, Auto­gramme für die Dorf­ju­gend und ein paar Fotos. Dann wieder zurück ins Trai­nings­lager.

90.+3

Und dann ist Schluss und damit steht fest: Ita­lien siegt und zieht hoch­ver­dient als Sieger der Gruppe A ins Ach­tel­fi­nale ein. Aber auch die unter­le­genen Waliser sind als Grup­pen­zweiter durch. Alle freuen sich. Gleich kommen noch Jessy Wellmer und Basti Schwein­s­teiger und ordern Pizzen für alle. Und zwar ganze! Wes­halb wir uns nun schnell auf unsere Vespa setzen, um so schnell wie mög­lich über den Brenner zu kommen und viel­leicht auch noch ein Stück zu ergat­tern. In diesem Sinne: Ciao!