Liveticker
Italien – Schweiz 3:0
EM

20:45 Uhr

Hallo und Herz­lich Will­kommen! Oder wie wir im Stamm­lokal sagen: Dui cap­pu­cini por favor. Ita­lien gegen Schweiz, das erste Favo­ri­ten­duell seit dem DSDS-Finale zwi­schen Alex­ander Klaws und Juli­ette Schopp­mann. Tickert für euch: Tobi Take Me“ Ahrens und Jonah Tonight“ Lemm.

20:49 Uhr

Ich bin gerade extra nochmal raus, habe an der Eis­diele einen Spa­ghetti-Becher bestellt und bin damit wesent­lich besser vor­be­reitet als nor­ma­ler­weise. Ernst­haft: Die Ita­liener sind diesmal gefor­dert, können gegen die Schweiz, die gegen Wales Remis gespielt haben, aber bestehen, wenn sie, sofern ich die Experten vorhin richtig ver­standen habe, auf Joshua Kim­mich im Mit­tel­feld setzen.

20:52 Uhr

Kol­lege Lemm reicht die Auf­stel­lung der Ita­liener rein. Ich lege mich fest: Jetzt sind sie Favorit. Auch auf den Titel.
Kopie von QUER 32 für Querformate 2

20:54 Uhr

Waren beim Fri­seur: Granit Xhaka und Manuel Akanji (v.l.n.r.).

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20:55 Uhr

Jetzt die ita­lie­ni­sche Hymne. Ich weiß, viele da draußen sind beein­druckt, aber wenn ich diese Töne höre, dann kann ich nicht anders, sehe Michael Schu­ma­cher diri­gie­rend auf dem Trepp­chen in Sil­ver­stone stehen. Wann ver­kündet Jean Todt, dass die Squadra Azzurra auch heute auf Brid­ge­stone setzt?

20:58 Uhr

Bas­tian Schwein­s­teiger und Jessy Wellmer haben sich übri­gens vor­ge­nommen, Manuel Akanji nach dem Spiel Rechen­auf­gaben zu stellen. Der hat schon zuge­sagt, heißt es. Er hatte schon Sorge, er würde sonst Hucke­pack aus dem Sta­dion getragen werden.

1.

Anstoß. Ita­lien gegen die Schweiz. Der Sieger kriegt das Mat­ter­horn.

1.

Erstes Foul nach vier Sekunden. Spi­naz­zola legt Mbabu. Schnel­lere Tritte kenne ich nur aus dem Rock-n-Roll-Tanz­kurs an der VHS Reut­lingen.

3.

Wie wir in der Vor­be­richt­erstat­tung erfahren haben, ließen einige Schweizer Spieler vor der Partie einen Fri­seur ins Hotel ein­fliegen. Nico Elvedi zum Bei­spiel trägt nun – O‑Ton Wellmer – som­mer­liche Strähn­chen“. Ich möchte an dieser Stelle ein altes, bei­nahe aus­ge­stor­benes Wort aus dem Japa­ni­schen zitieren: Age-Otori“. Es bedeutet: Nach dem Fri­seur­be­such schlechter aus­sehen als vorher. Leider, so glaube ich, spricht Nico Elvedi nicht so gut Japa­nisch.

5.

Ah, Xherdan Shaqiri. Wenn ich den Mann sehe, fallen mir immer gleich zwei Dinge ein: Sein unfass­barer Seit­fall­zieher von der 16er-Kante bei der Euro 2016 gegen Polen. Und dass man das Volumen eines Qua­ders mit a mal b mal c berechnet.

6.

Heute leider zunächst nur auf der Bank: Mario Gav­ra­novic. Muss trotzdem direkt an den Schalke-Kader 2011/12 denken. Raul, Draxler, Matip, Höwedes, Fuchs. Trainer Ralf Rang­nick, Co Markus Gisdol. Naja, und halt Ralf Fähr­mann.

9.

Erste Chance Ita­lien. Spi­naz­zola, der ja im ersten Spiel gegen die Türkei schon so unfassbar geil gespielt hat, lässt Elvedi auf dem linken Flügel aus­steigen, flankt in die Mitte, da ist Ciro Immo­bile. Und köpft ein paar Zen­ti­meter drüber. Oder wie sie damals in seiner Dort­munder Zeit gesagt haben: Nichts anderes war zu erwarten.

12.

Sonst aber bisher ein Spiel wie viele Bier­fässer nach Öff­nung der Außen­gastro: wenig Druck drin.

14.

Irgendwie weird, dass alle Buch­staben auf den Schweizer Tri­kots klein geschrieben sind. Ist das jetzt hip? Oder schreibt man in der Schweiz ein­fach so? Wenn ich mir Granit Xhaka anschaue und sein ewig-grim­miges Gesicht, dann würde ich eher annehmen, der Mann denkt in Caps Lock.

18.

Chiel­lini, die per­so­ni­fi­zierte Füh­rung, macht die Füh­rung. Ecke Ita­lien, Gewusel, ein 36 Jahre alter Fuß. Netz. 1:0. Schön.

19

Aber nein: Der VAR erkennt ein Hand­spiel von Chiel­lini vor seinem Abschluss. Und das auch noch völlig kor­rekt. Chiel­lini: Als ich ange­fangen habe, haben wir noch mit Mam­mut­hirnen gekickt, da gab es weder Bild­schirme noch Strom und jetzt das!!!“ Erfindet vor Wut das Feuer und grillt den Schieds­richter. Es hilft alles nichts. Wei­terhin 0:0.

22.

Ein ähn­li­ches Bild bis hierhin im Ver­gleich zum ersten Grup­pen­spiel der Ita­liener. Die schon da, so heißt es, Pro­bleme hatten, die soge­nannten Halb­räume zu finden. Oder wie es in Berlin heißt: WG-Zimmer, 650 Euro kalt.

24.

Chiel­lini geht vom Platz, erste Dia­gnose: Per­sön­lich belei­digt vom abge­pfif­fenen Tor. Aber keine Sorge, gut mög­lich, dass das bis zum nächsten Grup­pen­spiel ver­heilt.

26.

Mamma mia! Ita­lien führt. Weil Jorginho raus zu Berardi spielt, der ins Eins-gegen-eins geht und den Ball anschlie­ßend mit dem Voll­spann fünf Meter und am Tor vorher in die Mitte passt. Dort steht Loca­telli und hält das Füß­chen hin. Und ich bin mir nicht sicher, aber ich möchte in die Six­ti­ni­sche Kapelle flitzen und nach­sehen, ob Michel­an­gelo irgendwo ein paar Leder­schuhe ein­ge­ar­beitet hat. Denn das war eine gött­liche Berüh­rung.

28.

Der Rück­stand aus Schweizer Sicht das exakte Gegen­teil zu dem Geld, das jeden Tag über die Grenze geschleust wird: Ver­dient.

32.

Nächste Chance für Ita­lien, aber gute Nach­richt aus Sicht von Rudi Carell: Der Sommer ist da.

35.

Die Schweizer schaffen es bis in den Straf­raum der Ita­liener. Kommen ver­greist an, mit zeris­sener Klei­dung, Bärten, die bis zum Boden rei­chen und schlot­ternden Knien. Erzählen irgendwas Krudes von Neuer Welt, Azte­ken­schatz und lassen sich vor dem Abschluss erschöpft ins Gras sacken.

39.

Und auf der anderen Seite: Ecke Ita­lien. Getreten von Insigne, der ja mit 1,63 Metern der kleinste Spieler der EM ist. Bezie­hungs­weise wie Philipp Lahm sagt: ein Riese.

40.

Aber eine der weniger schönen Ecken in Rom. Bevor Insigne den Ball treten kann, kommen Stra­ßen­ver­käufer ange­laufen und wollen ihm Leucht­arm­bänder ver­kaufen, einer klaut heim­lich sein Port­monee, Insigne schaut genervt auf seinen Stadt­plan, toll, jetzt ist das Geld für die Metro weg, bis zum Hotel sind 6 Kilo­meter Fußweg und JA ICH HABE AUCH HUNGER BITTE BERU­HIGT EUCH KINDER WIR FINDEN SCHON IRGENDWO EINEN LADEN, BEI DEM ES PIZZA HAWAII GIBT SO WIE IHR SIE ZUHAUSE AUS DARM­STADT KENNT.

43.

Gerd Gottlob über die Ita­liener: Das ist kein Hurra-Fuß­ball, son­dern clever.“ Und irgendwo ist Jogi Löw traurig, dar­über, dass er weder noch beherrscht.

45.+1

Embolo vorne, kommt aber nicht an den Ball. Vor dem Fern­seher weinen ein paar Schalke-Fans vor Glück: Das hat er bei uns gelernt!!!“

21:48 Uhr

Pause. Oder wie man Ita­lien sagt: der Arbeitstag nach 14 Uhr.

22:01 Uhr

Fan­tas­ti­sche Szenen jetzt, weil Experte Lutz Wagner das Hand­spiel von Chiel­lini erklärt, der Ton im TV aber nicht über­kommt. Nur Jessy Wellmer und Bas­tian Schwein­s­teiger wissen, was er sagt. Bitte nicht ver­wech­seln: Sonst wissen immer nur die beiden, was der andere sagt.

46.

46. Minute oder aus Sicht der deut­schen Nie­der­la­gen­serie bei End­runden: Weiter geht’s.

48.

Wie laut die Lobes­hymnen sein werden, wenn Ita­lien auch dieses Spiel gewinnt.
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50.

Tja, für einen kurzen Augen­blick hatte die Schweiz Druck aus­geübt, gezeigt, dass sie auch mit­spielen wollen. Und dann Loca­telli wie der gna­den­lose Vater, der seine Kinder schon um 6:25 Uhr weckt, damit ja nie­mand zu spät zur Schule kommt: Beendet die Träume früh­zeitig. Satter Schuss, 2:0, die Schweiz reibt sich den Schlaf aus dem Gesicht.

53.

Ita­liens Defen­sive Hart­kekse


<->


Hinten pas­siert gar nix

55.

Zwei Tore Ita­lien. 2:0. Oder wie Bas­tian Schwein­s­teiger sagt: Es wird wohl eine Regel dafür geben.“

58.

Ich werde meinen Kin­dern sagen, das sei Roberto Man­cini.
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61.

Wie nennen den Schweizer eigent­lich diese Art von Scherz, der ihr Spiel­aufbau sein soll? Rom-Com.

63.

Berardi mit schönem Allein­gang über links, zieht in die Mitte, ver­sucht’s von der Straf­raum­kante. Aber der Schuss leider so drüber, Til Schweiger wird gleich ein Selfie mit ihm auf Insta­gram posten.

67.

Wenn Ita­lien hier noch mehr Platz bekommt, kann der Papst sein Mit­tags­gebet aus einer der VIP-Logen halten.

70.

Wechsel Ita­lien. Nun im Spiel: Rafael Tolói, der zwar schon 30 Jahre alt ist, aber erst im Februar dieses Jahres in Ita­lien ein­ge­bür­gert wurde. Und auf der Tri­büne machen sich gerade ein paar Funk­tio­näre aus Katar eifrig Notizen.

72.

Nächste gute Chance für Ita­lien: Langer Ball auf Immo­bile, der aus viel­leicht zehn Metern knapp am Tor vor­bei­schießt. Scheint ihn dann aber auch nicht weiter zu stören. Weniger Lust zu treffen haben nur:

– vegane Jäger

- sozio­phobe Tin­der­nutzer

- ich meinen Chef, wenn ich nach andert­halb Stunden Mit­tags­pause mir erstmal noch ein paar Pirlo-Best-Goals-You­Tube-Videos rein­fahre

75.

Tja und leider nun das Spiel wie eine Pipi-Pause bei der Kaf­fee­fahrt: Tröp­felt so vor sich hin.

78.

Bleibt Zeit zu erzählen, dass der Schweizer Trainer Pet­kovic früher als Sozi­al­ar­beiter bei der Caritas in Tessin gear­beitet hat. Aber wer weiß, viel­leicht ist das auch eine ver­pflich­tende Qua­li­fi­ka­tion, wenn man mit Xherdan Shaqiri arbeiten muss.

80.

Shaqiri nun runter. Hier noch einmal seine auf­fäl­ligste Szene.
QUADRAT 11 fuer Hochformate

83.

Zwi­schen­durch immer wieder Schwein­s­teiger. Lobt jetzt das ita­lie­ni­sche Mit­tel­feld. Loca­telli, Jorginho, Barella, das sei ein­fach fan­tas­tisch“. Wie ein Gourmet, der sich die Ser­vi­ette auf den Schoß legt und dann Angst vor der Reak­tion des Kochs hat, wenn er das mit­tel­gute Steak einmal nur mit genießbar“ bewertet. Des­halb: alles toll, alles super, haben Sie herz­li­chen Dank. Und gerne noch ein Glas von der Magnum­fla­sche Lam­brusco.

85.

Loca­telli geht vom Platz. Und von der Loge singt Andrea Bocelli Applaus, Applaus“.

87.

Gottlob: Jetzt skan­dieren die Fans: Italia, Italia‘.“ Wo ist Heri­bert Faß­bender, wenn man ihn mal braucht?

90.

Oha, Ita­lien wie eine poly­amou­röse Bezie­hung: Jetzt sind es schon drei. Immo­bile bekommt den Ball 20 Meter vor dem Tor, lässt sich nicht lange bitten. Sommer schaut nur hin­terher, aber Eifer­sucht zwecklos.

90.+3

Schieds­richter Karasev pfeift ab. Ita­lien zieht als erste Mann­schaft ins Ach­tel­fi­nale ein. Und irgendwo in Her­zo­gen­au­rach sitzt Joa­chim Löw schweiß­ge­badet vor dem Fern­seher: Müssen wir die auch schlagen?“ Sorg: Nur wenn wir Euro­pa­meister werden wollen.“ Löw: Na, Gott sei Dank.“ Müde schließt er die Augen.