VfB Stuttgart

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1. FC Union Berlin

Im Liveticker: Stuttgart gegen Union Berlin

Köpenicker holen Remis im Prenzlberg

»Wir können alles – außer absteigen?« Nun, nach dem 2:2 gegen Union steht Stuttgart unter Druck. Die Entscheidung fällt Montag in Berlin. Dabei: der Ticker. Nicht dabei: Boris Palmer.

20:12 Uhr

Liebe Relegations-, Fußball- und Donnerstagabendfans – herzlich willkommen. Liebe HSV-Anhänger, bitte gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen.

20:17 Uhr

Verkehrte Welt: Berliner in Schwaben. Einige Union-Fans trauen sich gar nicht, richtig zu singen. Denken vermutlich, dass sie im Prenzlauer Berg gelandet sind – und da ist ja ab 20 Uhr Nachtruhe. Karla-Marie und Johan-Konstantin müssen morgen wieder in die Kita.

20:19 Uhr

Schön aber, dass die Berliner endlich mal den »funktionierenden Teil Deutschlands« kennenlernen dürfen. Findet jedenfalls Boris Palmer, der trotzdem nicht im Stadion ist – aus Angst vor all den Hauptstadt-Viren, dem Hauptstadt-Dreck und dem Hauptstadt-Chaos.

20:23 Uhr

Plötzlich: Papa Roach als Überleitungsmusik. Was kommt als Nächstes: Vengaboys und H-Blockx?

20:26 Uhr

Kommentiert wird das Spiel von Robby Hunke, der das Spiel im QVC-TV-Duktus anpreist: »Ich liebe die Relegation. Heißer wird's nicht.« Na gut, es gibt noch den Superclasico zwischen Boca Juniors und River Plate. Es gibt das Mailänder Derby und das Revierderby. Aber das ist wirklich B-Movie-Ware im Vergleich zu Stuttgart gegen Union Berlin in der Relegation. Wie gesagt: »Heißer wird's nicht!«

20:29 Uhr

Wir sind verwirrt: Das ganze Stadion ist rot-weiß. Wir fordern passend zum Auswärtstrikot: Auswärtsfanfahnen und -schals. Dringend!

1.

Anstoß. Jetzt schon das beste Relegationsspiel seit elf Monaten.

3.

Das blaue Camouflage-Auswärtstrikot ist wirklich schön. Oder anders: Kunden, die dieses Produkt kauften, kauften auch: Auto-Heckaufkleber (Pionieer oder Kenwood), Wandtattoos, Polohemden von fiktiven Segelklubs.

5.

Nico Willig sagte mal: »Wir müssen immer online sein.« Habe mich schon gewundert, warum Ron-Robert Zieler vor einer Minute eine neue Instagram-Story gepostet hat, während Christian Gentner Daniel Didavi auf Studivz angegruschelt hat.

7.

Nico Willig kaut indes auf seinem Kaugummi herum, als führe er in seinem Mund eine Art Wrestling-Fight. Zwischenstand: Hulk Hogan gewinnt gegen den Undertaker.

8.

Erste Chance für den VfB: Aber der Mann mit dem besten Spielernamen seit Jeff Bierchen – A. Donis – scheitert an Rafal Gikiewicz.

10.

Ein bisschen Statistik für alle Defensivfans: Union Berlin hat in der Saison 2018/19 15 Mal unentschieden gespielt und die wenigsten Gegentore kassiert. Stuttgart hingegen hat die drittwenigsten Tore in der Bundesliga geschossen. Aber keine Sorge: Sollte die Spiele 0:0 nach Elfmeterschießen enden, steigen beide Teams ab. Direkt in die italienische Serie C.

12.

Stuttgart bis hierhin wie die Kirche meines Heimatdorfes, wenn Kaplan zum Pfarrereigeburtstag samt Freibier eingeladen hat: Volle Kapelle.

14.

Aber ernsthaft: Laut Statistik gewinnt in 8 von 10 Fällen der Bundesligist. Nun gut, Statistiken. Welche stimmt schon? Weder Bock noch ich sind Chinese.

16.

Robby Hunke: »Union kann heute den Grundstein legen.« Ist das bei denen nicht Fansache?

18.

Stuttgart beim Freistoß mit vier Mann um den Ball. Irgendwer hüpft drüber, einer legt ab, der letzte schießt den Ball ungehindert dem ersten Berliner an die Beine. Damit offizielll der zweitbeste Trick seit diesem hier:

 

20.

Toll: Union mischt hier schon derart viel Beton an, dass die Stadionerweiterung bis zum Bundesligastart vollbracht sein dürfte.

22.

Hui! Die beste Chance bis hierhin. Andersson und Donis im Zweikampf, der Stuttgarter schießt Ziegler an - fast ein Eigentor. Klar, die Stuttgarter können sich als Erstligist nur selber schlagen. Auf der anderen Seite: Sie haben die Saison hinter Schalke beendet. Selberschlagen scheint eine nicht ganz unbekannte Disziplin zu sein.

24.

»Pavard«, sagt Hunke, »hat eine tolle WM gespielt.« Ein Nachsatz, der dem Weltmeister mittlerweile so hinterherhängen dürfte wie Ex-DSDS-Sieger Alexander Klaws die Betonung, er wäre Ex-DSDS-Sieger gewesen. Und leise flüstert Pavard bei der nächsten Ecke: »If we can't be lovers, let me be your friend.«

26.

Falls sich aber noch jemand fragt, wer hier gewinnt. Auf der einen Seite hat ein ehemaliger 11FREUNDE-Praktikant das Sagen. Also, Glückwunsch, Union Berlin.

28.

Geht jetzt hin und her. Bis hierhin das beste Montagabendspiel, das DSF nie übertragen hat.

30.

Auf der Bande jetzt Werbung für Fischertechnik zu sehen. Finde aber, das haben die elf Berliner bis hierhin ganz gut selbst hinbekommen.

32.

Aus der beliebten Serie: »Trainer, die sowohl den VfB Stuttgart als auch Union Berlin trainiert haben«:
Jens Keller.
Ende der Serie.

34.

Mario Gomez sagte vor dem Spiel: »Ich habe dem Verein ganz klar die Empfehlung gegeben, einen Stürmer zu holen, um in Konkurrenz mit mir zu treten. Aber wir haben keinen bekommen, weil es kein einfaches Transferfenster war.« Was nicht stimmt: Ich wäre sofort gekommen. Aber dann wäre es halt vorbei gewesen mit dem Trallafitti-Leben.

35.

»Es ist keine klassische erste halbe Stunde eines Relegationshispiels«, weiß Eurosport-Mann Robby Hunke, der sich zur Vorbereitung alle ersten halben Stunden von allen bisherigen Relegationshinspielen angeschaut hat. Wir, die sich alle letzten 15 Minuten von ersten Halbzeiten von allen bisherigen Relegationshinspielen angeschaut haben, können nur sagen: Bis zur Halbzeit passiert nichts mehr!

39.

Oder? Ein übler Bodycheck an der Seitenlinie! Kann mir momentan nur eine Sache vorstellen, die einen noch härter umhauen könnte: Philipp Amthor, der am Berliner Kotti Dosenbier mit zwei Kreuzberger Altpunks trinkt – und dabei seinen obersten Hemdknopf geöffnet hat. 

41.

Jetzt wieder der VfB. Flanke ins Nichts. Oder wie Rezo sagen würde: Die Zerstörung des Fußballs. Er dreht bereits ein fucking Video.

43.

EINS ZU NULL! Donis galoppiert auf der rechten Seite allen anderen davon, Pass in die Mitte – Gentner trifft zum 1:0. Und wir unterbrechen diue Tickerei kurz, um Donis die Usain-Bolt-Relegationsmedaille zu überreichen. 100 Meter in zwei Sekunden.

44.

Und nun: EINS ZU EINS. Direkter Gegenzug, direkt der Ausgleich. Eine großartige Antwort. Eine großartige Idee.

45.

Und dann ist Halbzeit. »Nico Willig heckt einen Plan B aus«, sagt Hunke. Vielleicht kommt Gomez. Vielleicht Fritzle. Wir bleiben vielleicht dran.

21:21 Uhr

Derweil schauen wir uns noch mal den Sprint von A. Donis auf der rechten Außenbahn an. Ein Mann von einem Mann. David Odonkor zündet direkt eine Kerze der Rührung in der Oliver-Neuville-Kirche seines Herzens an.

21:24 Uhr

Aber keine Sorge, der VfB wird stark zurück kommen. Unseren Informationen zufolge hat er 1980 eine bahnbrechende Spielidee heruntergeladen. Sollte demnächst fertig geladen haben.

20:31 Uhr

Sammer mit schönen Analysen wie immer. Stolpert ein wenig über seine eigenen Sätze. Dann zitiert er Ernest Hemingway. Und er sagt sehr häufig »wunderbar«, wie Menschen wunderbar sagen, die wirklich wunderbar sprechen können. Faltet dabei die Hände, als würde er zum Gebet ansetzen. Wenn er heute eine Partei gründet, trete ich sofort ein. Wenn er heute einen Skat-Klub gründet – ich bin dabei. Wenn er heute sagt: »Schließ sicherheitshalber fünf Eurosport-Abos ab«, schließe ich sicherheitshalber sechs ab. Das Ende ist nah? So ein Quatsch, die Erleuchtung ist nah!

21:32 Uhr

Zurückgeholt in die Realität wird man durch mittelmäßige Wettanbieter-Werbeclips, der Stimme von Oliver Kahn und dem Dating-Portal C-Date mit einer »Flirt-Quote von über 70 Prozent«. Interessiert mich alles nicht. Wobei: Sammer ist nicht zufällig C-Date-Kunde?

46.

Anstöße: 2
Platzstürme: 0. Relegation war auch schonmal besser.

21:34 Uhr

Frage Eurosport: »Mario Gomez kommt. Ein Problem für Sie?« Antwort Unions Co-Trainer: »Es sind auch nur elf Spieler!« Frage von 11FREUNDE: »Superman, Batman und Spiderman kommen. Ein Problem für Sie?« Antwort Unions Co-Trainer: »Es sind trotzdem nur elf Spieler!«

48.

»Abdullahi«, sagt Hunke, »jetzt schon Volksheld in Köpenick.« Damit auf einer Stufe mit Romano und Gregor Gysi, der sofort warnt: »Immer nach oben schauen, nie nach unten treten!«

50.

Schlechte Nachrichten für zwei Cannstätter Zivildienstleistende: Mario Gomez spielt jetzt mit.

52.

Ja von wegen! ZWEI zu EINS. Gomez wie ein Vorruheständler, der auf der Kaffeefahrt einen gänzlich unberührten Frankfurter Kranz am anderen Ende des Speisesaals erspäht hat. Löst sich vom Rollator, fühlt sich noch ein letztes Mal bis anno 1976, lässt zwei-drei Gegenspieler wie alte Säcke stehen und lässt den Ball wie eine Boulekugel ins Tor rollen. Toll! Beziehungsweise: Darauf eine Flasche Klosterfrau Melissengeist.

55.

Das Tor in der Wiederholung: 

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57.

Union Berlin kommt hier schlechter in die zweite Halbzeit rein als Heidi Klum und die Kaulitz-Brüder in die Kabine des FC Bayern.

58.

Aha, Akolo wurde von seinen Freunden auf der Straße früher »Zidane« genannt. Wahrscheinlich wegen seiner fußballerischer Fähigkeiten. Was auf meinen Spitznamen »Tobson Ponte« doch ein eher schlechtes Licht wirft...

60.

Vom Ergebnis natürlich alle Stuttgarter begeistert - also mal abgesehen von Wolfgang Dietrichs Geldbeutel.

63.

Mario Gomez läuft und läuft und läuft. Wahrscheinlich hat der Mann eben doch übernatürliche Fähigkeiten, wusste genau, dass ihn die Mannschaft zwischen der 50. und 90. Minute im Relegationshinspiel brauchen wird. Hat sich wahrscheinlich deshalb während der Saison mehrfach freistellen lassen, gab anderen den Vortritt. »Meinst du wirklich?«, wird Markus Weinzierl gefragt haben, »dass wir dich nochmal brauchen werden?« Und Gomez: »Also gut, Markus, du jetzt nicht direkt,…«

67.

Das Lieblingsthema von Eurosport-Kommentator Hunke ist und bleibt: das Auswärtstor. Könnte mir vorstellen, dass er demnächst an der Kölner Sport-Hochschule ein Blockseminar zum Thema »Die Relation zwischen Auswärts- und Heimtoren als Schlüssel zur Definition des Relegationsfußballs im Wandel der Postmoderne« anbietet.

68.

Und dann ist es passiert: Noch ein Auswärtstor. Friedrich macht das 2:2 nach einer Ecke, die so hübsch ist wie eine Word-Art-Geburtstagseinladung von 1998.

71.

Wir sehen das Tor in der Wiederholung. Friedrich springt nach der Ecke wirklich unfassbar hoch. Wir sind uns sicher: Ein Anagramm der Namen Sergei Bubka und Carlo Tränhardt muss Marvin Friedrich ergeben.

75.

Mal ehrlich: Hätten Sie mit diesem Ergebnis gerechnet? Wir nicht. Aber wir hätten auch nicht gedacht, dass dieser Hund seine Ausbildung als Concierge im Hamburger Atlantic-Hotel erfolgreich beendet. Udo Lindenberg gefällt das.

80.

Andersson mit einem Wahnsinnsschuss. In etwa so, als würde Thomas »The Hammer« Hitzlsperger einen Karl-Allgöwer-Fernschuss nachstellen. Zieler wiederum mit einer Wahnsinnsparade. Gratulation an alle Beteiligten. Oder wie Eurosport-Mann Hunke sagen würde: »Auswärtstore zählen doppelt!«

82.

Felix Kroos kommt. Einen Hauch von Real Madrid spürt Eurosport-Mann Hunke. Trainer Urs Fischer spielt ihm sicherheitshalber noch die Champions-League-Hymne vor. Stuttgarts Donis so irritiert, dass er sich direkt an einem »Zidane-Trick« (Hunke) versucht. Kommen gleich noch Cristiano Ronaldo und Xavi?

83.

Und: »Felix Kroos, das wissen Sie vielleicht«, sagt Hunke bei dessen Einwechslung, »der Bruder von Toni Kroos.« Was die Kameras leider nicht einfangen: Wie Benjamin »Hat eine tolle WM gespielt« Pavard den Unioner kurz in den Arm nimmt.

87.

Stuttgart bietet offensiv jetzt derart wenig Optionen an, es würde mich nicht wundern, wenn das Bundesgerichtshof gleich seinen Einsatz verbietet.

88.

Stuttgart hat derweil Alexander Esswein gebracht. Die Schwaben, ein bescheidenes Völkchen, wollen das 2:2 über die Zeit bringen.

90.

Nochmal Ecke für Stuttgart, der Ball segelt gefährlich rein. Aber Donis soll den Ball ins Toraus gespielt haben. »Hm, schwer zu sehen. Kann schon sein«, urteilt Hunke. Weshalb ihm noch vor Spielschluss die Goldene VAR-Brosche verliehen werden dürfte.

90.+2

Auch Berlin kurz vor Schluss nochmal mit einer gefährlichen Ecke. Kann von hieraus aber nicht erkennen, ob Leopold- oder Nollendorfplatz.

90.+3

Wenn Stuttgart Fans ein bisschen Selbstironie besäßen, wäre jetzt der Zeitpunkt für die »Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin«-Gesänge gekommen.

90.+4

Ich will nicht sagen, dass das Spiel gerade von der Spannung lebt, aber Freunde der interdisziplinären Brechstangenwirtschaft hätten hier gerade ihre Freude.

22:25 Uhr

So. Schiedsrichter Bastian Dankert wie ein magenschwacher Medizinstudent nach der ersten Leibesvisite: Hat genug gesehen. Pfeift das Ding ab. Weshalb und sowieso sich alle Beteiligten am kommenden Montag in Berlin treffen werden, zum Rückspiel zwischen Schwaben gegen Köpenick. Klingt wie ein stinknormales Berlinliga-Duell. Wir sind begeistert und werden da sein. Ohne Treten! Bis dahin.