Schalke 04

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BVB

Im Liveticker: Schalke 04 - BVB

Keine Götter und Götze

Dortmund und Schalke würgen sich zu einem 0:0. Mario Götze kann irgendwann nicht mehr hinsehen - und verlässt das Stadion. Musste bis zum bitteren Ende durchhalten: der Ticker.

15.15 Uhr

Freunde, hallo und herzlich willkommen, oder wie man im Pott sagt: »Wat? Wer bist du denn?!« Hier ist jedenfalls der Ticker, freut sich auf ein spannendes Spiel. Wir sehen uns also gleich, wenn Favre mal wieder Götze nicht einwechselt (oder ihn spielen lässt, der Spinner), Guido Burgstaller irgendwen anläuft und am Ende irgendwo der Baum brennt. Wir freuen uns drauf.

15.18 Uhr

Jochen Schneider muss Antworten für Sky-Reporter Patrick Wasserziehr finden. Warum es bei Schalke läuft, ob Amin Harit der Grund ist, was er über das Derby weiß. Und irgendwie wünscht man sich, dass Peter Handke um die Ecke kommt, und ins Sky-Mikrofon brüllt: »Lasst mich in Frieden und stellt mir nicht solche Fragen!«

15.20 Uhr

Muss man sich halt auch mal vorstellen. 9. Spieltag, Revierderby. Aber es ist unruhig. Der Trainer steht unter Druck, öffentlich werden Nachfolger gehandelt, die sportliche Führung scheint völlig orientierungslos, weiß einfach nicht, was sie will. Die Spieler laufen ihrer Form hinterher. Und einen Stürmer gibt’s sowieso nicht. Und ja, wir schreiben hier gerade nicht(!) über Schalke.

15.24 Uhr

Halten wir nochmal fest: Dortmund gerade in der Krise, jedenfalls meint Aki Watzke das. Gegen Inter sah es so aus, als würde die Mannschaft auch in drei Stunden kein Tor schießen. Und auf der anderen Seite: Schalke. Die mit einem Sieg ihren ewigen Rivalen in die große Krise (sprich: Mourinho) stoßen könnten. Was mich zu der Frage führt: Muss man beim Tipp »0:0« eigentlich draufzahlen?

15.26 Uhr

Die Aufstellung des BVB: Hitz - Piszczek, Weigl, Hummels, Guerreiro - Witsel, Delaney, Sancho, Reus, Hakimi und: M. Götze. Damit ist schon klar, komplett egal wie es ausgeht, Favre hat auch den Grund aufgestellt.

15:27 Uhr

Und die Schalker laufen so auf: Nübel - Kenny, Stambouli, Sané, Oczipka - Mascarell, Caligiuri, S. Serdar, Harit - Matondo, Burgstaller. Schematisch dürfte das ein 4-4 ergeben.

15.28 Uhr

Uff. Die Schalker Kurve mit Fahnenchoreo. Und ich möchte spontan bei der DFL beantragen, dass Vereine wie Hoffenheim, Leipzig etc. einfach aus der Liga gekickt werden. Damit Schalke einfach häufiger gegen Dortmund II, Dortmund III und BVB Alte Herren spielt.

15.29 Uhr

»Bis zum Anpfiff ist es Folklore«, sagt Wolff-Christoph Fuss. Und wenn Guido das Tor nicht trifft, ist es Tradition.

15.33 Uhr

Brych wartet, weils bei den Dortmunder brennt. Wenn's dabei bleibt, wird das Spiel nie angepfiffen.

1.

Anstoß. Noch 0:0. Und irgendwo in Portugal reibt sich Jose die Hände.

3.

Schalke wie seine Fans mittwochsnachmittags vorm TV: Freut sich über Achtung Kontrolle.

5.

Fünf Minuten gespielt, noch keine Gelbe Karte. Und damit ist auch klar: Wenn es so weitergeht, wenn dieses Spiel nur aus zwei Mannschaften besteht, die sich bemühen, Fußball zu spielen. Und Fans, die ungeduldig sind, aber hoffen. Dann können wir auch gleich Düsseldorf gegen Paderborn schauen.

6.

Oha, Schalker Fans jetzt wie wir, wenn wir mit der Kreisklassentruppe nach fünf Tagen ausm Malle-Urlaub zurückkehren: Präsentieren stolz die Fahne.

8.

Hätte gerne Wolff-Christoph Fuss als meinen Lehrer während der Abiprüfungen gehabt: »Ab jetzt wird Geschichte geschrieben«. Thema: Das herbeigeredete Jahrhundert.

10.

Erste gute Gelegenheit für die Schalker. Harit zieht durch das Mittelfeld, lässt sich nicht aufhalten. Meine Güte, der Mann ist so in Form, er könnte als Plätzchenausstecher arbeiten. Der Angriff verpufft, und irgendwo in diesem Haus wird leise »Last Christmas« gespielt.

12.

Das Spiel jetzt wie eine richtig flotte Tupperwaren-Party. Es geht von Box zu Box. Ecke Schalke...

14.

Wie ein Immobilieninvestor in Berlin, der nach dem Mietendeckel durch Moabit zieht: Die nächsten zwei Ecken bringen nichts ein.

16.

Ansonsten das Spiel aber bisher wie bei zwei Rentnern, die im Lüdenscheider Altenheim seit drei Tagen Quartett gegen sich selbst spielen. Immer Unentschieden. »Diesmal hab' ich dich, Willi...«. Einwurf.

19.

Endlich! Stambouli im Zweikampf gegen Hakimi. Und jetzt erinnert das Ganze endlich an die Landjugendfete, die wir hier alle erwartet haben: Nach 20 Minuten knallt's zum ersten Mal. Gelb für Stambouli.

23.

So, ein Viertel Spielzeit ist rum und irgendwie fühlt sich dieses Derby bisher komisch an. Weil Dortmunds Spieler in jeder Situation andeuten, dass sie technisch eigentlich besser sind, aber Schalke trotzdem etwas dominiert. Vor allem körperlich. Als hätte Wagner ein Video des Gegners gezeigt, vielleicht über Amazon Prime gestreamt, während seine Jungs auf wackligen Stühlen im Vereinsheim saßen. Und alles, was der Trainer sagen konnte, was: »Jaha, aber wir. Wir können kämpfen.« Und jeder weiß, dass das heute reichen muss. Und das tut es bisher. Wüsste ich es nicht besser, würde ich fragen, ob der DFB-Pokal diese Woche etwas früher begonnen hat.

26.

Uff. Die beste Chance des Spiels! Weil Oczipka eine Ecke in den Strafraum knall und Schalkes Innenverteidiger am höchsten steigt. Köpft den Ball an die Latte! Fast das Tor von Sané. Mensch, das wäre eine tolle Geschichte gewesen, gerade nach dem Ende von Wattenscheid 09.

29.

Fände es gut, wenn dieses Spiel mit zehn Sekunden Verzögerung übertragen werden würde, sodass die Regie ungewollte Szenen rausschneiden kann. Zumindest in westdeutschen Altenheimen. Damit bei den risikoreichen Pässen von Alexander Nübel aus dem eigenen Sechzehner niemand in Lebensgefahr gerät.

33.

Hakimi auf der linken Seite, wie ein Student am Donnerstagabend vor dem Fernseher: Bleibt bei Kenny hängen.

35.

Ist dieses Spiel von Weight Watchers gesponsert? Das nächste dicke Ding! Serdar kommt in Dortmunds Strafraum an den Ball, dreht sich gut, und schließt direkt ab. Alles richtig gemacht, aber wieder: Pfosten. Und Serdar? In diesem Moment der Biggest Loser.

36.

Wow, so wie Matondo die nachfolgende Chance vergurkt hat, sollte man die Szene in Essig-Senf-Soße einlegen.

38.

Ja, man muss das so sagen. Dieses Spiel erinnert an den US-Präsidenschaftswahlkampf. Als es niemand für möglich hielt, als die Favoriten-Außenseiter-Lage doch Monate zuvor ganz klar schien, aber jetzt eben der Atomkoffer überraschend an den anderen geht. Ganz klar: Schalke ist hier am Drücker.

41.

So verzweifelt die Angriffe von Dortmund hier vorgetragen werden, wird Michel Houellebecq die Schuld am Scheitern nachher dem Feminismus zuschreiben.

43.

Oha! Matondo wird mit einem langen Ball auf die Reise geschickt, hat viel Zeit, um auf Hitz zuzulaufen und zu überlegen. Überlegt zu lange, oder zu wenig, keine Ahnung. Schießt den Torwart jedenfalls an. So unglücklich, wie sich der Schalker hier bisher präsentiert, wäre er auch ein Kandidat für die SPD-Regionalkonferenzen gewesen.

45.

Aha, der Assistent zeigt im Nachhinein Abseits an. Und somit bereits heute zum zweiten Mal: Überraschend geht 'ne Fahne hoch.

45.+1

Halbzeit. Fazit:

16.25 Uhr

Thon: »Solange Mario Götze vorne drin spielt, stimmt etwas nicht.« Und damit, Glückwunsch, es hat nur 45 Minuten gedauert.

46.

Kennen Sie eigentlich schon den neuen Dyson-Staubsauger powered by Tipico mit Wohninvest-Strateg… Oh, Fußball.

48.

Unglaublich, Matondo wird wieder geschickt, läuft auf Hitz zu, vergibt schon wieder. Und wieder hebt der Assistent im Nachhinein die Fahne. Ich finde: Jim Carrey hatte schon bessere Rollen.

50.

Aber auch klar: Dortmund bis hierhin so grauenhaft, dauert nicht mehr lange, und die FDP verteilt Rechtschreibkurse.

53.

Aber was schreibe ich?! Sancho mit der besten Gelegenheit für den BVB. Kommt so 18-20 Meter vor dem Schalker Tor an den Ball, zwirbelt das Ding einfach mal drauf, dass sich noch in der Luft Locken bilden. Aber wenige Zentimeter am Tor vorbei. Keine Pointe.

55.

Nicht mehr lange und Dortmund steckt in der Zwickmühle: Bei einer Niederlage ist der Verein richtig dick in der Krise. Im Fall eines Siegs kannst du auch nicht von Krise sprechen. So oder so: Bingo.

57.

Aber klar, für Schalke geht es natürlich auch darum, noch möglichst viele Punkte zu sammeln, bevor Clemens Tönnies’ Sperre abgelaufen ist.

58.

Hazard kommt. Götze wird ausgewechselt. Schleicht von dannen, so teilnahmslos wie in den 57 Minuten zuvor. Und mit ihm geht die Frage, wie man damit umgehen soll, dass einer der talentierten deutschen Fußballer aller Zeiten noch immer seiner Form hinterherläuft, falsch oder gar nicht aufgestellt wird. Und Fuss fragt: »Gibt es ein Abklatschen mit Favre?« Nein. Schade, man hätte sich ja wenigstens noch Adé sagen können, bevor der Trainer in den Flieger steigt.

60.

Uff. Hazard mit der ersten Aktion, kommt im eigenen Sechzehner an den Ball, aber mit der Hand. Aber Brych bleibt gelassen, entscheidet nicht auf Elfmeter. Klare Fehlentscheidung? Wahrscheinlich hätte der Assistent eh noch auf Abseits entschieden.

62.

Böser Verdacht: Hat Marco Reus die Zeitumstellung bereits gestern Nacht durchgeführt? Kommt hier in jeder Situation eine Stunde zu spät.

66.

So wie Schalke hier den BVB am Leben erhält, läuft die Mannschaft Gefahr, demnächst ausgezeichnet zur werden. 


(via twitter.com/plettigoal)

68.

Ich hoffe, in seinem Haus besteht ein kreisrunder Raum. Ansonsten wird Bastian Oczipka heute Abend ständig in eine Zimmerecke rennen, um den fälligen Standard auszuführen.

70.

Mittlerweile wird aber auch klar, dass Werbepartner wie Tipico bei Sky noch nicht die Oberhand gewonnen haben. Ansonsten würde Rabbi Matondo nicht mehr gezeigt werden, so wenig Glück wie der im Spiel hat.

73.

Der BVB plötzlich mit der großen Chance. Aber der beste Dortmunder kommt ins Fallen und vergibt, was schade ist, denn wahrscheinlich hätten sie ihm eine Statue gebaut, ihn heilig gesprochen, sein Trikot ab nächster Woche so beflockt: San Cho.

76.

Und jetzt auch die Pfiffe der Dortmunder Fans. Uns erreichen derweil die ersten Bilder vom Borsigplatz: 


(via twitter.com/luisrha)

78.

So wie Sancho durch die Schalker Hälfte pflügt, will man ihm am liebsten zurufen: »Junge, mach doch mal. Ist doch alles egal, auch was der Professor dir im Training gesagt hat, dass du polyvalent sein und auf den Deckungsschatten achten soll. Junge, mach einfach, knall dat Ding rein!!« Dann: Fehlpass.

80.

Wagner bringt Kutucu. Mit der Hoffnung, dass wieder eine Geschichte geschrieben, die nur der Fußball schreibt. Und wir haben uns die Buchrechte schon gesichert.

83.

Beide Mannschaften jetzt wie Bentaleb auf der Autobahn: Wären jetzt mit einem Punkt noch gut bedient.

85.

Sané springt Reus mit offener Sohle in die Beine. Und in dem Moment erinnert das Spiel an einen Stapel Holz, der mit stundenlang mit Zunder bearbeitet wurde: Endlich ist Feuer drin. Sané zeigt an: Nur Ball gespielt! Alle Dortmunder wollen: Rot! Brych zeigt: Gelb. Und ich fühle mich wie ein Koch, der eine neue Marmorplatte in die Küche gelegt bekommen hat: Auf der Grundlage kann man doch mal arbeiten.

86.

Und Fuss informiert: Götze hat das Stadion bereits im Privat-PKW verlassen. Und irgendwo weint Kevin Kuranyi gerührt in seinen Kinnbart.

88.

Und Fuss fragt, wem die Schlusspointe in diesem Spiel gehören wird. Aber ganz ehrlich, wenn das hier ein Gag ist, dann wurde er von Mario Barth geschrieben, von Chris Tall auf Political Correctness geprüft und durch Dieter Nuhr mit Rahmen einer »Kabarettnacht« vorgetragen.

90.+1

Wagner nimmt Burgstaller raus, bringt mit Ozan Kabak einen weiteren Innenverteidiger. Ist damit der erste Trainer, der sich auch mit einem 0:0 der schwächeren Sorte völlig einverstanden erklärt.

90.+2

Beide Mannschaften jetzt wie Axel Schulz, die elf Runden komplett durch die Manege geboxt wurden, das eine Auge zugeschwollen, das andere schon gar nicht mehr vorhanden. Schweiß, Blut, Tränen und vor allem: Viel Haue. Während der Trainer vor der letzten Runde noch den »Lucky Punch« beschwört.

90.+3

Aber nein! Brych wirft das Weiße Handtuch! Hat Erbarmen mit uns und allen Teilnehmern. Er, der Jurist, ist sich vielleicht auch nicht sicher, ob er sich bei einer weiteren Verlängerung nicht strafbar machen könnte. Deshalb: Abpfiff, im Namen alle Angeklagten.

17.26 Uhr

Und während sich auf dem Platz noch Trainer, Spieler, auch Angehörige umarmen und beschwören, das sowas nicht noch einmal vorkommen wird, meldet sich Patrick Wasserziehr zu Wort. Sagt »Danke, mhm, das reicht schon.« Vielleicht. Und wir können ihm nur Recht geben. Das reicht wirklich. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal, es kann nur besser werden.