BVB

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Bayer Leverkusen

Im Liveticker: Borussia Dortmund gegen Leverkusen

Tatort Dortmund: Killerinstinkt

In einer darbenden Region werden elf Dortmunder gesucht, die nur wenige Gelegenheiten brauchen, um mit ihrem Gegner eiskalt abzuschließen. Doch welche Rolle spielt ein mysteriöser Rückkehrer, der nur »Der Bosz« genannt wird? Rief fast die Polizei: der Ticker.

17:45 Uhr

Freunde, herzlich Willkommen zum Topspiel des Wochenendes! Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen. Erster gegen Siebter. Bosz gegen Banger. Und für euch Mathematiker schnell ausgerechnet: Sollte der BVB mit sechs Toren Unterschied verlieren, sind sie die Tabellenführung los. Tickern für euch: Tobias »Unter« Ahrens und Kevin »Druck« Albrecht.

17:48 Uhr

Toll: Michael Zorc erklärt nochmal lauthals im Interview, dass es ihn nicht interessiere, was mit den Bayern geschehe. Man schaue nur auf sich. Man spÜRE KEINEN DRUCK, MANN!! Nickt im Takt: Die Wutader auf seiner Stirn.

17:53 Uhr

Oah, und jetzt wird mal wieder »You'll never walk alone« gespielt. Als würde Oasis im pickepackevollen Hydepark auftreten und die Masse singt ohne zutun »Wonderwall«. Und mit Oasis meine ich Wolle Petry, und mit Hydepark meine ich das »Mit Schmackes« und mit Masse meine ich fünf betrunkene BVB-Fans nachdem ihre Mannschaft gerade die Meisterschaft am vorletzten Spieltag gegen Düsseldorf vergeigt hat. »Waaaaalk on...!«

17:56 Uhr

Lucien Favre gehörig unter Druck, lässt Paco Alcacer erstmals von Anfang an spielen.

17:58 Uhr

Gute Nachrichten für alle, die fürchten, dass Favre im Falle einer Niederlage die Mappe hinwirft. Dieser Mann ist bereit für neue Aufgaben: 

17:58 Uhr

Wenn Innenminister in Stadien mal hart eingreifen wollen, dann bitte, um alle Smartphones zu beschlagnahmen. Meine Meinung.

18 Uhr

Motto für heute? »Rock'n'Roll den ganzen Abend«

1.

Los geht's! Dortmund muss heute unter Druck abliefern. Wie schwierig das ist, wissen alle, die mal in der Halbzeit am Pissoir standen.

3.

Alte Tradition im Leverkusener Block: Angrillen.

7.

Man will nicht gegen Sancho spielen. Gerade ist man ihm über 30 Meter hinterhergejagt, will sich erholen und dann kommt der Typ schon wieder.

10.

Was viele nicht sehen: Zorc ist aufgesprungen, macht sich eifrig an der Werbebandenelektronik zu schaffen. »Wenn der Lucien sieht, dass der für 29,- fliegen kann, müssen wir den heute wieder in Weeze abfangen.« 

12.

Die Anfangsphase noch etwas holprig. Keine Frage, es sieht schon so aus, als würde sie das alle beruflich machen. Aber es fehlt der Punch, das technisch Saubere, Abläufe fernab des Erwartbaren. Wäre dieses Spiel ein Comedian, es wäre Bernd Stelter.

14.

Bürki schlägt den Ball lang, Hradecky schlägt den Ball lang zurück. Bürki klärt. Noch zwei weitere Ballwechsel dieser Art und ich begrüße Sie hier zur PONG-WM.

17.

Bailey auf der linken Seite wie ein Berghain-Besucher am Sonntagnachmittag. Macht fehlende Aufmerksamkeit mit Speed wett.

19.

Tah und Bender spielen sich den Ball immer wieder zu, tragen das Spiel vor sich her und stehen nun an der Mittelinie. Der nächste Querpass. Treten hier auf wie meine Großmutter bei der Dauerwellen-Kur: will langsam locken.

21.

Nächste Ecke für Leverkusen, die hier mächtig Betrieb machen. Zehn-zwölf Mann warten auf die Flanke. Dortmunds Fünfmeterraum sieht aus wie eine Stammkneipe am Freitagabend. »Tschuldigung, dürft' ich mal« »Sorry, ich würd jetzt wirklich..« »Oaaaaah...«. Alles wartet drauf, dass der erste fällt.

22.

Bei den Leverkusener Ecken herrscht in Bürkis Fünf-Meter-Raum wildes Gedrängel, ständiges Reklamieren und einer ruft: »Halt mich zurück.« Die Standardvariante nennt man: »Dorfdisco«.

24.

Zur Entpannung kann man Walgesänge hören, Sonnenuntergange betrachten oder man macht es wie wir und schaut Leverkusen beim Passen zu. Schön, einfach schön.

26.

Bosz zu Besuch bei der Ex. Sein Lieblingssatz heute: "Ne klar, hab ich gut verkraftet und war auch für uns beide richtig so."

29.

Tah wirft sich sich in Weigls Schuss wie damals The Rock, wenn er zu seinem Finish-Move ansetzte.

30.

Und jetzt? TOOOOOOR! Bisher hat hier nur Leverkusen gespielt, aber plötzlich ist der Gastgeber da. Zagadou kommt im Strafraum völlig frei an den Ball, hält den Schlappen hin. Er ist verwirrt, wir sind verwirrt. Ein Tor, so unerwartet, dass wir ihn am liebsten fragen würde, für welche Mannschaft er eigentlich spielt.

32.

Dortmund jetzt wie ich, der morgens sieben Snooze-Wecker stellt: Ist nach einer halben Stunde auch endlich aufgewacht. Alcacer mit der nächsten Chance.

34.

Bosz in der Volltotalen. Sein Gesichtsausdruck wie ein Mathestudent, der alle Variablen einbezogen hat, jede Formel auswendig kennt, bereit ist, jegliche Gleichung zu lösen. Nur um dann zu merken, dass er sich für Germanistik eingeschrieben hat.

36.

Jedvaj, sagt Dittmann, sei »Aushilfslinksverteidiger«. Und von allen Jobprofilen, die ich bisher kenne (Top 5: Golfballtaucher, Wasserrutschen-Tester, Professioneller Anstehen, Menschliche Kanonenkugel und, natürlich, Autor für Glückskekstexte) ist das mit der Beste. Warte nur darauf, dass Tinder eine neue Studie veröffentlicht, dass 95 Prozent aller Befragten entweder einen Poligen oder wenigstens einen »Aushilfslinksverteidiger« daten wollen.

38.

Ha! Von wegen. Leverkusen mit dem Ausgleich - 1:1! Dortmunds Defensive wirkt, als wäre Frank Bsirske ihr Coach: tritt in den Streik. Volland trifft. Fazit: »Wir haben den Unternehmern einen harten Kampf geliefert, und sind mit der Gehaltserhöhung von 0,1 Prozent sehr zufrieden. Vielen Dank.«

40.

2:1 für Dortmund. Kein Scheiß. Mit dem direkten Gegenzug macht Sancho das nächste Tor. Wenn das in diesem Tempo weitergeht, hat sich Sophie Passmann gleich frischverliebt. »Was der Handball vom...«

42.

Gut, die erneute Führung hatte sich in den fünf Sekunden seit Wiederanpfiff natürlich angedeutet.

44.

Beide Defensivreihen hier bisher wie die Zukunft Großbritanniens: offen.

45.

Aber reicht die 2:1-Führung aus Dortmunder Sicht, um auch als Sieger vom Platz zu gehen. Experten warnen ja seit dem Winter: Favres Teams brechen in der zweiten Hälfte ein.

45.+1

Dortmund aktuell wieder mit drei Punkten Vorsprung Tabellenführer. Oder wie Uli Hoeneß es nennen würde: »Guter Zweiter.« 

45.+2

Jetzt erstmal Halbzeit. Wie wir hören, werden in Dortmund eifrig Sauerstoffflaschen ins Stadion getragen - für die Zuschauer.

18:51 Uhr

Komisches Spiel, die einen machen Druck, die anderen legen vor. Gegenschlag folgt auf Gegenschlag. Grundsätzlich versteht man es zwar, aber eigentlich weiß man nicht, warum das Ganze plötzlich so eskaliert. Wir wollen nicht übertreiben, aber #BVBB04 ist bisschen wie der Nahostkonflikt.

18:56 Uhr

Didi Hamann analysiert knallhart: »Das ist richtig schlecht verteidigt von Tin Jedvay.« Wussten gar nicht, dass der Mann von Hasan Salihamidzic verpflichtet wurde.

18:57 Uhr

Halbzeitinterview mit Gregg Berhalter. Er synchronisiert sich selbst. Wir sind beeindruckt.

19:01

Bosz geht durch die Dortmunder Katakomben mit dem resignierten Blick eines geschiedenen Ehemannes: "Das hier hat alles mal mir gehört, aber bei der Scheidung hab ich das alles eingebüßt."

46.

Zurück aus der Pause und so wirklich haben wir die erste Halbzeit noch nicht verkraftet. Bei der Pinkelpause kurz zusammengezuckt, weil wir Angst hatten, dass doch noch ein Tor fällt.

Auf der Redaktionstoilette müsste jetzt mal einer durchwischen.

49.

Foulspiel Götze. Wie muss es sich anfühlen, von Mario Götze gefoult zu werden? Von Maik Franz mal richtig rasiert werden, darauf kann man stolz sein oder ein Stollenabdruck von Roy Keane, davon kann man jahrelang erzählen. Aber von Mario Götze gefoult werden? Das taugt nicht zur Heldengeschichte.

52.

Havertz köpfte gerade dermaßen lehrbuchreif am Ball vorbei, dass wir kurz Angst hatten, er hätte sich den Nacken verrenkt.

54.

Weigl tunnelt Brandt. (Ja, das ist richtig herum.)

57.

»Sechser«, »Achter«, »Zehner«! Ist das ein Fußballkommentar oder ein Werkstattgespräch?

61.

Unfassbar, Dortmund kam hier zum vielleicht dritten Mal vors Tor. Schon steht’s 3:1. Und man kann nur hoffen Peter Altmaier, die Vorstände von VW und BMW sowie alle Energieriesen schauen sich dieses Spiel an. Um endlich zu lernen, wie man effizient mit Ressourcen umgeht.

60.

Göööööötze! Er macht ihn! Mario knallt die Kugel direkt links unten rein, schnörkellos, eiskalt. So langsam hegt Kollege Albrecht doch Sympathien für Super-Mario. Vielleicht schaut er sich heute wirklich noch Teil 2 der Hochglanz-Doku an. Nein doch nicht, das obligatorische Tor-Gif auf Twitter ist doch zu peinlich.

63.

Und jetzt?! Tor! Alcacer startet durch, legt den Ball an Hradecky vorbei, doch der Linienrichter hebt die Fahne. Abseits? Der Videoreferee schaut nochmal nach und bestätigt. Der VAR, der Abgasskandal des deutschen Fußballs.

65.

Puh, wenn der BVB seine Gegner weiter so eiskalt abknallt, muss sich Kommissar Faber gleich wieder durch Dortmund saufen. 

67.

Ob es Mario Götze bis heute Nacht noch nach Hollywood schafft? Angeblich soll ihm dort ein Oscar überreicht werden, so gut füllt er seine neue Rolle aus.

69.

Sky zeigt endlich vermeintliche Abseitssituation von Alcacer. So haarscharf, der Friseur im Teamhotel lacht frustriert auf.

73.

»Was würden Sie machen, wenn in acht Tagen die Welt untergeht?«, fragt Dittmann, weil er es halt fragen muss. Man hat bei Sky ja eben auch einen Job zu verrichten. Und ich stelle mir vor, wie Dittmann neben mir den Weltuntergang kommentieren würde. »Stark, wie Ahrens da das Auto aus der Garage holt. Hat er lange trainiert, wie man hört. Aber er ist besten vorbereitet für den Untergang… A apropos der Untergang, schauen Sie mal rein, bei Sky Cinema, die letzten Tage im Führerbunker«

75.

Tah da! Brandt legt sich den Ball zum Freistoß hin. Favre signalisiert noch, dass im Rückraum etwas nicht stimmt, kann aber keine Auszeit nehmen (weil der verdammte Fußball eben nichts gelernt hat im Januar!). Und weshalb Tah völlig frei steht und am zweiten Pfosten einschiebt - nur noch 3:2.

77.

Toll, weil sie in München noch immer »Keine Panik auf der Titanic« singen, spielt in Dortmund jetzt das Panikorchester.

79.

»Kapital ist der Schnitzer«, sagt Dittmann. Unglaublich, wofür Florian Homm heute noch die Verantwortung übernehmen muss.

81.

Wenn Dortmund weiter so spielt, müssen wir uns um die Welternährung keine Sorgen mehr machen. Erneut langer Hafer.

82.

Na toll, eigentlich wollten wir heute einen gemütlichen 0:0-Liveticker aus dem Ärmel schütteln, paar Bosz-Gags und dann wieder ab auf die Couch. Jetzt steht es 3:2 und wir müssen tatsächlich richtig arbeiten. Scheiße.

83.

Eine Grundsympathie, wie sie nur Bayern-Fans ausstrahlen können.

85.

Noch nie wurde ein Ball so schön vertändelt, wie von Alcacer gerade.

87.

Witsel steht draußen und darf nicht rein. Das kennen unsere Redakteure vom Berliner Clubleben. Es liegt sicher an der Frisur.

89.

Volland arbeitet stärker nach hinten als mancher Gondoliere.

90.

Fünf Minuten Nachspielzeit. Wir haben Angst, dass hier noch drei Tore fallen.

90+2

Völliges Chaos in der Nachspieltzeit. Taktik egal, Formation egal. Favre zittert und faltet aus seinem Notizbuch feinsäuberlich ein Origami.

90.+4

Leverkusen in den letzten Minuten der Nachspielzeit.. 

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90+5

Schluss! 3:2. Puh, was für ein Spiel. Super Spannungskurve, tolle Szenen, super Schnitt - da muss sich der Tatort gleich ganz schön strecken, wenn er das toppen will.