BVB

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Hertha BSC

Im Liveticker: Borussia Dortmund gegen Hertha BSC

Zum Götzen

Borussia Dortmund ist lange Zeit die bessere Mannschaft, aber verliert in letzter Sekunde noch zwei Punkte gegen Berlin. Hat nie an der Sensation gezweifelt: der Ticker.

15:15 Uhr

Guten Tag bzw. Heja BVB! Denn Dortmund ist im Ausnahmezustand. Bayern schwächelt, der neue Trainer versprüht ungeahnten Spirit, eine Spielphilosophie ist wieder eingekehrt, sowieso noch ungeschlagen und sogar Mario Götze darf spielen. Ach: Was war das schön am 9. Spieltag 2017/18. Nun also Hertha BSC. Es grüßt Sie, Tobias »Dieses Jahr wird alles anders« Ahrens. 

15:21 Uhr

Aber wir sollten nicht zynisch sein, Dortmund spielt tatsächlich tollen Fußball. Und Lucien Favre hat so schnell und unauffällig den BVB refomiert, dass alle Volksparteien gleichzeitig Interesse an ihm angemeldet haben sollen. 

15:24 Uhr

Schnell zu den Aufstellungen. Dortmund mit folgender Startelf: Bürki - Piszczek, Diallo, Zagadou, Hakimi - Dahoud, Witsel - Sancho, Götze, Guerrero - Reus.

15:26 Uhr

Hertha: #Jarstein - #Skjelbred, #Rekik, #Stark, #Kalou, #Duda, #Mittelstädt, #Ibisevic, #Lazaro. #Maier, #Lustenberger.

15:28 Uhr

Lucien Favre heute natürlich gehörig unter Druck. Bei einer Niederlage würde ihn das Hertha-Management sofort feuern.

15:30 Uhr

Zwei Gründe, warum ich nie Bundesliga-Schiedsrichter wurde. 

1.) Ich habe keinen Diplomwasweißichnichtwirt. 

2.) Ich sehe auch nicht aus wie ein Diplomwirtsbeamter. 

Aber viel Erfolg, Sascha Stegemann. 

1.

Anstoß. Noch kein Tor. Dortmund im Formtief, meine Meinung.

2.

Paco Alcocer muss weiterhin pausieren. Wird deshalb heute wohl nur zwei Tore schießen.

3.

Die erste Chance! Nach einem Einwurf gelangt Götze in den Berliner Strafraum, streichelt den Ball sanft, nimmt ihn dann einfach mal zur Seite. So weich, seine Berührungstipps stehen nächste Woche wahrscheinlich in der Bravo. Spielt dann zu Hakimi, der den Ball über die Latte bolzt. Hakimi, die »Beef« unter den Fußballzeitschriften.

5.

Und die nächste Chance für Dortmund! Reus lässt Lustenberger eleganter stehen als ein Friedrichshain-Hipster seinen Dreitagebart. Spielt rüber, ein Berliner springt dazwischen, zeigt den Borussen mal, was Hauptstadt bedeutet. Denn in Berlin kannst du überall alles sein, auch eine Woche ungeduscht in Marzahn-Hellersdorf.

7.

Hakimi mit dem Foul an Duda an der Seitenlinie. So wohl überlegt, dass Hakimi vor dem Spiel vermutlich Tac-Tic-Toe hört.

9.

Eigentlich wollte Hakimi frühzeitig in den Winterurlaub, aber das wird wohl nichts. 

11.

Hertha-Fans machen Alarm im Innenraum. Dreht Frank Zander jetzt völlig durch?

13.

Das Spiel bisher wie ein übermotivierter Liftboy: Es geht rauf und runter.

15.

Hakimi mit dem nächsten Schuss. So knapp am Tor vorbei, dass Millimeterpapier wieder eine Daseinsberechtigung hat.

17.

»Das ist ein ganz ganz schlimmes Bild für die Hertha. Bitte, liebe Fans, konzentriert euch auf den Fußball«, sagt Dortmunds Stadionsprecher. Noch ein bisschen sachter, und er steht gleich vor dem Block, hebt den Zeigefinger und ruft: »Dududu.«

18.

Tooooooooor für Dortmund! Und was für eins. So wunderschön, ich möchte diesem Tor ein teures Kleid kaufen, Perlenohrringe schenken und zum Edelitaliener entführen, der dem Tor zuruft, es solle bloß bei mir bleiben. Reus auf Sancho, der mit der Hacke vollendet und dabei zwei Berliner ins Leere laufen lässt.

19.

Doch kein Tor, weil Abseits. Der Edelitaliener lässt die Pasta anbrennen, die Perlenohrringe kamen aus dem Kaugummiautomaten und das Kleid? Nun ja.

20.

Szene wird nochmal eingeblendet, Reus soll im Abseits gestanden haben. Fazit: Das var knapp, aber richtig. Und das sollte man in diesen Zeiten ja auch mal sagen.

23.

Dortmund im Aufbauspielen mit derart vielen Pässen, Horst Seehofer wird's bald verbieten.

24.

Aber auch ansonsten das Spiel bisher eines für Feinschmecker, Abteilung »Schmackofatz«.

27.

Und jetzt? TOOOOR für Dortmund! Aber wirklich. Weil Herthas Lustenberger übermotiviert in den Zweikampf grätscht, den Ball verpasst und deshalb drei Dortmunder allein auf Rekik und Jarstein zulaufen. Der vielleicht kürzeste und zugleich unnnötigste Konter der Bundesligageschichte. Götze spielt auf Sancho, Sancho spielt ins Tor. 1:0! Fast zu simpel, zu hässlich für dieses schöne Spiel.

28.

Mario Götze mit der Vorlage, spielt zum zweiten Mal von Beginn an. Hat sich gegen alle Widerstände und Wahrscheinlichkeiten nach oben gekämpft. So unerwartet erfolgreich, dass man ihm empfehlen möchte, vorerst keine Rolex zu tragen.

29.

Das Tor zu diesem Zeitpunkt so verdient, man hätte streiken, protestieren und am Ende einen Tarifvertrag aufsetzen müssen, wenn es nicht von selbst gefallen wäre.

31.

Der Hertha kann man aktuell die Bemühungen nicht absprechen, aber gut, dass würde man den BER-Bauarbeitern ja auch nicht.

34.

Derweil an der Säbener Straße:

Salihamidžić: »Sancho und Götze... das könnten doch auch welche für die Bayern sein, oder?«
...
Salihamidžić: »Hallo? Ha-llo?«

36.

Derweil wird in den sozialen Netzwerken darüber diskutiert, ob die Polizei eine Mitschuld an den Ausschreitungen zu Spielbeginn tragen könnten. Wir melden uns gleich wieder, werden die Situation sachlich-fachlich analysieren zusammen mit dem objektiven Experten Rainer Wendt.

38.

Zucke unwillkürlich zusammen, wenn Marcus Lindemann »Duda« brüllt.

40.

Tooooor für Hertha! Kalou setzt sich nach einem Ballgewinn gut durch, spitzelt, drängt, schiebt den Ball über die Linie. Ein Tor, so unerwartet, dass Meteorologen mit den Blick in den Himmel »heiter« rufen.

42.

Das Dortmunder Spiel jetzt eines für DIN-Fetischisten: viele Standards.

44.

Eine Schweigeminute für alle Sky-Kommentatoren, die nun Werbung für »Jurassic Park« machen müssen und die Überleitung »Liga-Dino« nicht anbringen können, weil der HSV abgestiegen ist.

45.

Hertha ansonsten wie ein erfahrener Apnoe-Taucher. Nutzt jeden Raum zum Atmen.

45.+1

Jetzt aber erstmal Halbzeit. Oder wie wir es mit Anblick auf diese rasanten 45 Minuten nennen würden: Boxenstop.

16:23 Uhr

Derweil sucht Toni Tomic noch immer nach Interviewpartner Manuel Akanji. 

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16:29 Uhr

Wie Pal Dardai das Trainingsspiel einteilt? »Duda gegen Darida«. 

46.

Anstoß, nichts passiert. Wann greift die Polizei ein?

49.

Eckball für Dortmund. Piszeck mit einem Kopfball, der nach internationalem Waffenrecht vermutlich verboten wäre. Jarstein entschärft. Kathryn Bigelow hätte es nicht besser verfilmen können.

52.

Dortmund hat sich vom Gegentor jedenfalls nicht irritieren lassen, diktiert weiter das Geschehen mit seiner jungen, unaufgeregten Mannschaft. Dass diese Mannschaft nicht über Jahre den deutschen Fußball mitdiktieren wird, liegt wohl nur daran, dass Bayern, Real Madrid, Barcelona, Manchester United u.v.m. in der Krise stecken. Schade.

54.

Und jetzt? Elfmeter? Reus wird von Lustenberger am Strafraumeck gefoult. Stegemann zeigt auf den Punkt, aber lässt sich nochmal beraten. Entscheidet dann auf »außerhalb«. Das letzte Mal, dass in der Bundesliga eine Linie so entscheidend war, war Christoph D... ach, lassen wir das.

56.

Die nächste Möglichkeit für die Borussia. Reus flankt ins Zentrum, da steht Götze allein und hat gegen diese Industrieeckkanten Rekik und Stark natürlich keine Chance. Aber das ist auch egal, denn ich bin immer noch verliebt in den vorherigen Vertikalpass von Akanji. So perfekt und übersichtlich hat er da den freien Raum gefunden, dass er bald deutsche Großstadtprojekte planen sollte.

59.

»Berlin unter Druck«. Könnte auch eine ARD-Sendung mit verwirrenden Balkendiagrammen und einem grimmig dreinschauenden Jörg Schöneborn sein. Hören Sie dazu einen Kommentar von Ulrich Deppendorf.

61.

Tooooor für Dortmund! 2:1! Hakimi auf Reus, Reus auf Sancho, Sancho allein aufs Tor. Kein Berliner war am Ball, jeder Dortmunder hat den Ball nur ganz kurz berührt. So fein, so perfekt. Nächste Woche gibt der BVB Seminare für junge Schneiderinnen. Thema »Nutzen von offensichtlichen Schnittstellen«. Wir nehmen teil.

63.

Dortmund-Fans 2018/19, wenn sie Dortmund 2017/18 sehen: 

(Screenshot: youtube.com/jackwhitehall)

66.

Jadon Sancho ist übrigens der erste Spieler des Jahrgangs 2000, der einen Doppelpack in einem Bundesliga-Spiel geschossen hat. Und ich nehme mir gleich meinen Gehstock, gehe in die Küche und trinke meine Ration Doppelherz und Klosterfrau Melissengeist. 

69.

Ganz ehrlich? Ich bin dafür, dass die Zeitumstellung in diesem Jahr etwas früher kommt und weil die Uhr zurückgestellt wird, müssen diese beiden Mannschaft gleich noch eine Stunde wiederholen. Wird aber wahrscheinlich vom Europäischen Parlament abgelehnt. Es grüßt: ein Verdrossener.

73.

Auch interessant zu sehen, wie Hertha das Gegenpressing des BVB imitieren will. Wie ein Grundschüler, der Rubens »Die drei Grazien« gesehen hat und nachmalen will, bis die Mutter lobt: »Oh toll, ein Elefant.«

76.

Und natürlich muss man aufpassen, dass man den Höhenflug der Dortmunder nicht höher schreibt, als er eh schon ist. Dass man Favre nicht überhöht. Dass man aufgrund dieser Spiele nicht Mario Götze wieder mit mehr Druck und Erwartungen überlädt, als er erfüllen könnte. Aber ich habe Hertha gegen Gladbach gesehen (unglaublich stark!), gegen Bayern gesehen (unglaublich effizient!) und sehe sie jetzt gegen den BVB (unglaublich chancenlos!). Und dann bleibt nicht mehr zu sagen als: »Wow«. Und das reicht dann vielleicht auch schon.

79.

Und Hakimi spurtet noch immer die linke Außenbahn hoch und runter und hoch und runter. Erinnert dabei derart an das Duracell-Häschen, dass es mich nicht wundern würde, wenn Jürgen Klinsmann ihn bald umtritt.

82.

Pulisic wirft zu Götze, der spielt Pulisic im Abseits wieder an. Ist das der Schlüssel gegen diese BVB-Offensive? Zu Einwürfen zwingen? Genial. Beziehungsweise: Ich weiß ja nicht.

84.

Und jetzt? Die Hertha! Dilrosun mit einer starken Bewegung, kommt mal zum Schuss, wird aber genauso geblockt wie Sekunden später Valentino Lazaro. Kommt Berlin hier nochmal zurück? Wäre in jedem Fall das unerwarteste Comeback seit Tegel.

86.

Dortmund mit dem Konter zum 3:1. Götze steckt zu Bruun Larsen - Abseits? Wir wissen es nicht - denn Bruun Larsen vergibt freistehend. Die Situation wird deshalb nicht aufgelöst. »Das Kind ist schon in den Bruunen gefallen«, wie Stegemann erklärt. Vielleicht. Egal.

87.

+++ EIL: Hertha nimmt jetzt tatsächlich am Spiel teil. +++

89.

Lazaro mit dem Freistoß, Bürki wird vom eigenen Mann behindert, sodass Kalou ganz allein zum Schuss kommt. Die Chance? Ja! Doch Zagadou hält seine Birne hin. Die entschiedenste Birne des Tages. Und da muss man nicht mehr mit Äpfeln vergleichen.

90.

Und jetzt? Elfmeter! Davie Selke führt Zagadou am Nasenring durch den Strafraum, lässt sich im richtigen Moment, aber nicht unfair fallen - und bekommt den Pfiff. Sollte allein für diese clevere Aktion eine Hochschulberechtigung erhalten.

90.+1

Und Kalou trifft! 2:2! Tooooor für die Hertha! Die fünf Minuten vor der Halbzeitpause und fünf Minuten vor dem Ende mitspielt. Und hier vielleicht einen Punkt mitnimmt. So effizient, dass die Automobil- und Energiewirtschaft nach der Erfolgsformel suchen

90.+2

Und Dortmund nochmal. Wie ein Berghain-Besucher mit Schluckauf: Kriegt die Pille nicht rein.

90.+3

Aus! Ende! Berlin holt tatsächlich einen Punkt. Gegen dieses Dortmund, das klar besser war, und trotzdem nicht gewinnt. Weil der 18-jährige Sancho zweimal trifft, aber der 33-jährige Kalou eben auch. Ein Spiel der Gegensätze. Aber das zieht sich ja bekanntlich an, uns zumindest schon. Vielen Dank.