Liveticker
Gladbach – Frankfurt 2:3

18:15 Uhr

N’A­bend aller­seits und herz­lich Will­kommen. Freunde, was soll ich sagen. Das wird ne runde Nummer heute: Glad­bach gegen Frank­furt. Wir werden viel gemeinsam lachen. Hier rollen die Wit­zela­winen den Spaß­berg her­unter. Also: Anschnallen.

18:18 Uhr

Zur Lage der Nation: Glad­bach spielt der­zeit wie die Ein­tracht noch vor wenigen Wochen, die Ein­tracht hin­gegen spielt der­zeit wie die Glad­ba­cher beim 5:0 gegen Bayern. Wenn hier heute auf eins Ver­lass ist, dann darauf, dass man sich bei beiden Teams auf nichts ver­lassen kann. So in etwa muss es sich anfühlen, Fan der Hertha zu sein. Die ja irgendwie zu Han­nover 96 ver­kommen ist. Und 96 schlägt ja gerade irgendwie Wege ein, die an Ale­mannia Aachen erin­nern. In diesem Sinne: Herz­lich Will­kommen bei Being John Mal­ko­vich – die Bun­des­li­ga­edi­tion.

18:22 Uhr

Bei den Glad­ba­chern fallen Stindl und Elvedi aus. Letz­terer wird intern nur noch Elweh­wehdi genannt. Huhuhu. Ich sagte doch, hier geht’s lustig zu.

18:26 Uhr

Für den nächsten Gag sorgt übri­gens Kol­lege Richter, der auf Dienst­reise weilt. Es gäbe Pro­bleme, sagt er und schickt mir einen Screen­shot, der zeigt, dass Sky in seiner Region nicht ver­fügbar ist. Witzig, weil: Er ist in Han­nover.

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18:30 Uhr

Wie dem auch sei: Wäh­rend Glad­bach, so scheint es, tief in der Krise steckt, spielt Frank­furt der­zeit groß auf. Gewinnt die Borussia jedoch, steht sie punkt­gleich mit der Ein­tracht dar. Man­noman ey. Kon­fuser geht’s sonst nur auf Boris John­sons Rübe ab.

1.

Also, ich melde mich aus der Peri­pherie, manch anderem auch als Lan­des­haupt­stadt Nie­der­sach­sens bekannt. Glad­bach sollte gewinnen, Frank­furt möchte gewinnen und ich muss hier morgen ganz schnell weg. Anyway: Anpfiff!

2.

Hoch­sen­sible Zone“, nennt Martin Groß den Raum vor dem eigenen Straf­raum. Da hat Glad­bach zuletzt so seine Pro­bleme gehabt.“ Ral­lige Teen­ager und Ama­teur­ki­cker kennen das nur zu gut.

3.

In kitz­ligen Situa­tionen einen klaren Kopf behalten“, legt Martin Groß mit dem nächsten Tipp für Glad­bach nach. Die ral­ligen Teen­ager schalten ab, so belas­tend sind die Erin­ne­rungen ans letzte Wochen­ende.

5.

Kamada mit dem ersten Tänz­chen gegen die Borussia-Defen­sive, die sich dabei hüftsteifer anstellt als dein Opa auf der Bank beim Phy­sio­the­ra­peuten. Wirk­lich gefähr­lich wird’s aber nicht.

7.

Und dann plötz­lich: TOOOOOOOOR für Glad­bach! Netz flankt, Scally legt ab und Flo­rian end­lich mal nicht wie Alt­e­hütte son­dern wie Neu­haus: Knallt den Ball per Direkt­ab­nahme flach ins lange Eck.

9.

Heißt im Umkehr­schluss: Glad­bach legt gleich nach, dann legt Frank­furt den Schalter um und gewinnt noch 5:2. Das Gesetz der Serie!

10.

Didi Hamann im Vor­lauf eben übri­gens mit einem ganz heißen Tipp für die Borussia: Kratzen, beißen, die Zwei­kämpfe annehmen.“ Mind? Blown!

12.

Frank­furts Kris­tijan Jakic auch so ein Spieler, der dafür sorgt, dass sich die rund 20 Mil­lionen Ablöse für Lucas Tou­sart für die Hertha-Fans noch schlimmer anfühlen als ohnehin schon. Danke auch!

14.

Frank­furt abge­sehen davon bis­lang mit einem Auf­tritt wie das Apple-Logo: mit nur wenig Biss. *Gril­len­zirpen*

15.

Ich bin ja sehr selten nei­disch. Außer es geht um den Nach­namen von Evan N’Dicka. Dann schon sehr.

18.

Glad­bach bleibt weiter dran. Spielen hier bis­lang frei auf. So wie damals, als sie sich unsterb­lich fühlten. Nein, nicht im Sommer von 69 mit Bandana um den Kopf und peit­schend warmem Fahrt­wind um die Nase. Son­dern so frei wie damals im Wurm­loch vom Borussia-Park, als die Bayern mit 5:0 nach Hause geschickt wurden.

21.

Tja, die ewige und unbe­ant­wor­tete Frage: Den Schlaf­sack falten, rollen oder formen, um ihn in die Hülle zu bekommen? Glad­bach macht das einzig Rich­tige: ein­fach pressen.

25.

Hmmm das ist schön gewesen“, raunt Kom­men­tator Martin Groß lüs­tern in sein Mikrofon nach einer feinen Bal­lak­tion von Frank­furts Rechts­außen. Dra­ma­ti­sche Liebe, tra­gi­sche Lei­den­schaft: Genau so hat Kino fürs Herz aus­zu­sehen, Inga Lind­ström. Viertel nach acht im Zweiten. Man sieht sich. Zwinker, zwinker.

29.

Glad­bach ist nahe dem Zweiten. Das, was Bayern Mün­chen seit zehn Jahren nicht mehr war.

32.

Jetzt mal nüch­tern betrachtet“, beginnt Martin Groß seinen Satz und ich schalte umge­hend ab. Fühle mich nicht ange­spro­chen.

33.

Es ist ja so: Ich (Louis) sitze im Hotel­zimmer. Ich schaue das Spiel über meine mobilen Daten auf meinem von Rissen über­säten Han­dy­bild­schirm. Schaue ich aus dem Fenster, sehe ich aller­dings den Haupt­bahnhof von Han­nover. Glas­klar: Nie­mand hat es schwerer als ich.

35.

Jetzt mal Frank­furt: Kostic bricht links durch und flankt, doch Sommer ist da, lässt den Ball zwar kurz fallen, doch wirft sich danach ent­schlos­sener auf das Spiel­gerät als ich mich nach der wieder mal eska­lierten Knei­pen­be­ge­hung nach Fei­er­abend ins Bett.

37.

Das Spiel gerade der­maßen am Plät­schern, wir rufen gleich den Hand­wer­ker­not­dienst an. Irgendwas stimmt da nicht mit den Was­ser­hähnen im Borussia-Park.

39.

Egal, wie das heute aus­geht. Wir emp­fehlen Adi Hütter, auf der PK nach Spie­lende ein über­zeugtes Ich bleibe“ ins Mikrofon zu näseln. Spe­ziell in Frank­furt ein gern gese­hener Schachzug.

40.

Tatu-Tuta, hehehe. Sorry, ja, für den haben wir Gelb ver­dient. So wie Frank­furts Ver­tei­diger eben für das tak­ti­sche Foul im Mit­tel­feld.

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44.

Von Hektik sind wir hier ganz weit ent­fernt“, sagt Martin Groß. Ver­bringt der Mann ein zweites Leben als stille Fliege an den Wänden unserer Büro­räume?

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Und dann plötz­lich: HEKTIK! AUF­RE­GUNG! Und vor allem: TOOOOOOR! Lind­ström bringt den Ball ins Zen­trum, da hat Borre mehr Platz als ein Kamel in der Sahara und macht den alten EC-Karten-Trick: schiebt ein­fach ein.

19:20 Uhr

Nach so viel Puls­schlag jetzt erstmal: Pause. Machen auch die Schrei­ber­linge Nölke und Richter und melden sich gleich mit noch geschmack­lo­seren Sprü­chen zurück. Also: dran­bleiben!

46.

So, da simma wieder. Mit 0:0 geht’s hier weiter. Bezie­hungs­weise 1:1. Bezie­hungs­weise wie auch immer. Alle jetzt nochmal 45 Minuten beißen und dann haben wir’s über­standen. Yip­pieh!

48.

In der Halb­zeit hatte ich sowas wie eine Erkenntnis. Es sind schon wieder so düs­tere Tage ange­bro­chen, dass Men­schen wie Didi Hamann sich zu Kon­stanten in meinem Leben ent­wi­ckeln. Ich wehre mich schon gar nicht mehr, aber diese passiv-aggres­sive Art gibt mir einen Halt, seine Nicht-Ana­lysen lassen mich spüren und dieser Geschichts­lehrer-Roll­kra­gen­pull­over hält mich wohl oder übel am Kacken. Ich bin froh, dass er da ist. Gleich­zeitig treibt er mich kom­plett in den Wahn­sinn. In etwa so muss es sich anfühlen, Fan von Glad­bach oder Frank­furt zu sein.

50.

Gibt’s nicht: TOOOOOR für Frank­furt. Die Ein­tracht dreht das Spiel. N’dicka ist über außen durch, legt den Ball in den Rück­raum, von wo Lind­ström ihn unter die Latte jagt. Gerade mal fünf Minuten sind in dieser zweiten Halb­zeit gespielt. Das ging fix. Nur im Frank­furter Bahn­hofs­viertel sind die fixer.

52.

Und nun Elf­meter für die Glad­ba­cher. Kone wird gefällt. Bense­baini tritt an, ver­lädt Trapp lässig und lässt den Frank­furter Tor­wart dastehen wie einen Bensebam­bini. Aus­gleich!

56.

Meine Güte, was ist hier denn jetzt los?? Frank­furt quasi im Gegenzug: Schöner Dop­pel­pass zwi­schen Borre und Kamada. Plötz­lich hat der Japaner 30 Meter Feld vor sich, rennt und rennt und rennt und schiebt den Ball an Sommer vorbei. Kamada meckern? Wir sagen: Nein!

61.

Frank­furt schiebt weiter an. Lind­ström mit zwei Abschlüssen. Zwei mehr als die gesamte 11FREUNDE-Redak­tion.

62.

Junge, Junge. Tor hier, Tor da, Tor wun­derbar. Glad­bach wäh­rend der letzten Spiele also jeweils mit mehr Gegen­toren als man­cher Fan im Sta­dion Biere trinkt. Beides: Schlecht für die Gesund­heit!

64.

Um kurz mal durch­zu­atmen hier eine Zwi­schen­mel­dung vom Han­no­ve­raner Haupt­bahnhof, den ich aus meinem Hotel­zimmer weiter gut im Blick habe: Eine Regio­nal­bahn fährt ein. Viel­leicht tuckert sie ja nach Gif­horn. Oder Celle. Oder Braun­schweig. Oder in irgend­eine andere Stadt, die außer­halb Nie­der­sach­sens kein Mensch kennt.

66.

Ein ganz Netter, dieser Filip Kostic. Ver­teilt rei­hen­weise Schlitt­schuhe an die Glad­ba­cher, die wild durch den Straf­raum rut­schen. Es ist hier, als ob jemand gezau­bert hätte, denn: Ein Tor liegt in der Luft.

68.

18 Punkte nach 16 Spielen für die Borussia in der Live­ta­belle – genau wie Hertha BSC. Luca Netz, vor der Saison von der Spree an den Nie­der­rhein gewech­selt, damit wohl der erste Spieler seit Jahren, dem ein Weg­gang von der Alten Dame nicht sofort zu neuem Lebens­glück ver­holfen hat.

70.

Ein Spiel, nachdem ich mir wirk­lich mal die Fragen wün­schen würde, was die beiden Mann­schaften eigent­lich in der Halb­zeit gemacht haben. *Schnief­Schnief* *Zwin­ker­Zwinker*

71.

Muss er weg­bleiben. Tuta nicht. Gelb-Rot. Frank­furt nun in Unter­zahl.

74.

Yann Sommer gerade wie ein Sozi­al­ar­beiter am Frank­furter Haupt­bahnhof: Hat hier mit ordent­lich Druck und einigen Schüssen zu kämpfen.

76.

Glad­bach in Über­zahl, Glad­bach in Rück­stand. Fuß­ball, so ein kom­plexes Spiel! Dabei ist es in Sachen Adi Hütter doch ganz ein­fach: Die Lage war bescheiden, die Lage wird beschissen – Stand jetzt!

79.

Glad­bach drückt. Will das dritte. Wie die junge Zwil­lings­mutter im Ein­fa­mi­li­en­haus nahe Oster­straße, Ham­burg-Eims­büttel. Wäre das nicht toll, Schatz, wenn Soraya und Fiete noch ein kleines Geschwis­ter­chen hätten?

82.

Nächste Chance. Ginter mit Kopf. Trapp mit Faust. Der Denker und der Macher.

85.

Plea gegen den fischen Lenz“, sagt Martin Groß. Der fri­sche Lenz? Klingt eigent­lich ganz lecker.

89.

Kamada bekommt den Ball nicht weg. Wie ich mit dem Kör­ner­kissen, bevor ich ne Nacken­starre bekomme: Macht das Ding nochmal heiß. Glad­bach weiß nicht damit umzu­gehen. Bleibt beim 2:3.

90.

Der vierte Offi­zi­elle zeigt die Nach­spiel­zeit von vier Minuten an. Es ist übri­gens Sascha Thie­lert. Den kann ich ja nicht mehr ernst nehmen. Seit ich das hier gesehen habe:

90. + 4

Glad­bach rennt an, drückt, will, schießt, pfef­fert aus allen Lagen. Doch letzt­end­lich reicht es nicht. Frank­furter gewinnt in Glad­bach, weil sie ein­fach sehr effektiv spielen. Hieße Adi Hütter mit Vor­namen Flo­rian und mit Nach­namen Koh­feldt würde er sich jetzt wahr­schein­lich in ein Rea­li­täts­ver­ständnis eines Hen­drik Streeck flüchten und von 8:0 Tor­schüssen und 70 Pro­zent Ball­be­sitz faseln. So ist er aber nicht, der Hütter. Ist mehr so der Rea­list. Und daher wird er auch erkennen: Sieht scheiße aus der­zeit für Borussia Mön­chen­glad­bach. Da gibt es kaum Aus­reden. Frank­furts Höhen­flug indes geht weiter. Glasner ist auf einmal der Gewinner des ganzen Trai­ner­zirkus. Und die Bun­des­liga bleibt eine komi­sche Eigenart. Wie dem auch sei. Kommen Sie jetzt gut durch die Kon­fe­renz, dort erwartet Sie unter anderem der Süd-Ost-Schlager Augs­burg gegen Leipzig. Haudi!