Liveticker
Dortmund – Hoffenheim 3:2
Bundesliga

20:15 Uhr

Guten Abend, Freunde des gepflegten Ball­sports und stei­gender Akti­en­kurse, es ist Spieltag: Dort­mund gegen Hof­fen­heim. Das erste Auf­ein­an­der­treffen der beiden Mann­schaften vor Zuschauern seit den Pro­testen gegen Hopp aus Kurven im ganzen Land. Daher heute ein kleiner 11FREUNDE-Ser­vice: Wir werden par­allel zu den Toren auch die ein­tru­delnden Anzeigen zählen. Ist jeden­falls der letzte rich­tige Fuß­ballfan: der Ticker.

20:18 Uhr

Für den BVB ist es auch das erste Spiel nach dem Wechsel von Thomas Delaney zum FC Sevilla. Der Däne bedankte sich kürz­lich bei Fans und Verein, aber auch beim Per­sonal des Dort­munder Knapp­schafts­kran­ken­hauses, in dem seine Tochter zur Welt gekommen ist. Eine schöne Geste. Stelle mir gerade nur vor, wie das Kind nun im male­ri­schen Sevilla auf­wächst, eines Tages beschließt, seinen Geburtsort zu besich­tigen – und dann am Dort­munder Haupt­bahnhof steht. Das muss man wollen.

20:22 Uhr

Natür­lich müssen wir an dieser Stelle auch auf die jüngste Kra­cher-Mel­dung vom Trans­fer­markt ein­gehen, über die gerade alle reden: Amin Younes wech­selt doch nicht zu Al-Shabab! Rückt die Meis­ter­schaft in der Saudi Pro­fes­sional League für den Verein aus Riad damit in weite Ferne? Diese und andere span­nende Fragen werden wir im Laufe des Abends hof­fent­lich klären können.

20:25 Uhr

Aber zurück zum heu­tigen Bun­des­li­ga­spiel. Und zur TSG Hof­fen­heim. Ich erin­nere mich gerne an diesen über­ra­genden Tweet aus März 2020. Knapp andert­halb Jahre später ist der erste Impf­stoff von Cur­eVac mit einer ver­gleichs­weise geringen Wirk­sam­keit von 48% (noch) nicht zuge­lassen, ein neuer wird zur­zeit ent­wi­ckelt. Für mich die Geste des Jahres, dass das Unter­nehmen mit Haupt­ak­tionär Hopp der Kon­kur­renz von Bio­n­tech, Moderna und Co den Vor­tritt gelassen hat.

20:28 Uhr

TSG-Trainer Sebas­tian Hoeneß meinte vor dem Spiel jeden­falls, man müsse die Wellen der Dort­munder bre­chen“. Was ich mit Blick auf die aktu­ellen Inzi­denzen in der Stadt sehr ver­nünftig finde.

1.

Anpfiff. Also das, was die DFL dem Hopp mal ver­passen müsste, weil er in der ganzen Welt schäbig Farm­teams kauft. Aber gut, anderes Thema.

2.

Haha, geil. Neun Sekunden gespielt, erste Gelbe für Baum­gartner wegen Ell­bo­gen­schlags. Wenn das in der Tak­tung wei­ter­geht, haben wir hier nach zwei Minuten die erste Rote, nach vier­ein­halb eine Mas­sen­schlä­gerei und nach sieben Minuten holt Witsel seine Knarre aus der Kabine und schießt in die Luft.

5.

Hossa, was ein Beginn. Auf der einen Seite Latte für Hof­fen­heim, dann der Konter des BVB, den Gio Reyna aber frei vor Bau­mann ver­gibt. Mehr hin und her als hier gibt es ja nicht mal in den Umfragen zur Bun­des­tags­wahl.

8.

Hach, werde immer ein wenig weh­mütig, wenn ich dieses Spiel sehe. Erin­nert mich immer an diesen einen letzten Spieltag 2011, als der BVB die TSG Hof­fen­heim ein­fach für immer in die Belang­lo­sig­keit hätte schießen können, und die TSG dann doch höchst dra­ma­tisch die Klasse hielt und seither so eine Art Zahn­schmerz der Liga ist, den man nicht mehr los­wird. Moment, habe ich weh­mütig gesagt. Ich meinte wütend.

12.

Du lieber Himmel, erst Posch gegen Dahoud mit einer abso­luten Dampf­ramme von Grät­sche, dann Raum gegen Bel­lingham mit dem nächsten fiesen Tritt. Wäre mal an der Zeit für Zweyer, eine Gelbe zu zeigen. Oder zumin­dest einen UFC-Titel­gürtel zu ver­leihen.

15.

Der Lat­ten­treffer von Hof­fen­heim kam übri­gens, na klar, von Andrej Kra­maric. Für mich eine unfassbar tra­gi­sche Gestalt. So ein geiler Kicker, kann Dinge, die sich andere Spieler nicht mal vor­stellen können. Und dann ver­bringt er die besten Jahre seines Lebens bei der TSG Hof­fen­heim. Bitter. Als wären Sieg­fried und Roy in den Acht­zi­gern durch den Pott gezogen, um bei Auto­haus- und Super­markt­er­öff­nungen vor vier, fünf gelang­weilten Gästen ein paar Kanin­chen aus dem Zylinder zu ziehen, einen illegal gekauften Luchs im Schlepptau, die weißen Gewänder schmutzig vom Regen und der Cur­ry­wurst zum Mittag.

17.

Hof­fen­heim schon mit fünf teils knall­harten Fouls nach 15 Minuten. Gegen die Anfangs­phase dieser Partie ist jeder MMA-Fight ein Kaf­fee­kränz­chen.

19.

Jude Bel­lingham mit einem Ball­ver­lust im Mit­tel­feld. Man sehe ihm nach, der 18-Jäh­rige ja wie der neue Impf­stoff von Cur­eVac: noch immer in der Ent­wick­lungs­phase.

22.

Die Partie wird ja auf Dazn“ über­tragen. Und wie immer bleibt mir nur zu hoffen, dass sich keiner von den 27 Freunden ein­loggt, denen ich mein Pass­wort über­lassen habe.

23.

Ich hoffe außerdem, dass der letzte Tick nicht jus­ti­ziabel ist.

26.

Die Dort­munder for­dern ver­ständ­li­cher­weise einen Elf­meter, weil Baum­gartner Reus im Sech­zehner in die Beine grätscht, den Ball berührt er dabei nicht. Der Pfiff bleibt aber aus. Und ich muss mir wirk­lich mal eine Über­sicht erstellen, die es mir ermög­licht, Baum­gart, Baum­gartl, Baum­gart­linger und Baum­gartner zu unter­schieden. Letz­terer zumin­dest spielt offenbar bei Hof­fen­heim.

30.

Kommen die Dort­munder heute über ihre rechte Seite, stehen sie vor der Febreze-Auf­gabe: Sie müssen den Raum frisch machen.

34.

Was ich aus Zwayers bis­he­riger Linie mit­nehme: Rot gibt’s nur, wenn man beim Gegen­spieler einen der Finish-him!-Moves aus Mortal Kombat macht, und Elfer nur, wenn man kurz auf den Sta­di­on­park­platz rennt, einen Bus klaut und im Sech­zehner jemanden damit über den Haufen fährt. Aber auch dann ist’s eher 50/50.

37.

Dort­mund jetzt klar besser, Hof­fen­heim mit dem Rücken zur Wand. Wenn ich Markus Gisdol wäre, würde ich so langsam mal den Marcel Gruber bringen. Aber mich fragt ja keiner.

39.

Mitt­ler­weile klares Über­ge­wicht der Dort­munder“, sagt Hage­mann. Da hat der aber noch nicht die 11FREUNDE-Redak­tion nach andert­halb Jahren Home­of­fice gesehen.

43.

Konter jetzt mal der TSG, aber Bruun Larsen schei­tert. Bleibt trotzdem dabei: Borussia Dort­mund klar die bes­sere Mann­schaft. Glaube, die ein­zige Chance für Hof­fen­heim, das Spiel hier zu gewinnen, wäre wenn Hopp und Roger Witt­mann den BVB in der Halb­zeit ein­fach kaufen.

45.+2

Und Halb­zeit. Ich lege mich fest: Dort­mund gewinnt das Spiel noch, Hof­fen­heims Tre­ter­truppe dafür mit guten Chancen bei den anste­henden Stihl Timber Games im Winter.

21:26 Uhr

Zur Pause eine Mel­dung, die mich dann doch etwas ratlos zurück­lässt. Dieses Ver­ständnis von Tra­di­ti­ons­duell“ kannte ich bis­lang noch nicht.

46.

Die Zweite Hälfte läuft. Hof­fen­heim bis­lang mit 30% Ball­be­sitz und zwei Tor­schüssen. Schlech­tere Werte hat momentan nur Armin Laschet.

49.

Geht gut los hier. Toooor für Dort­mund! Gio Reyna zieht am Sech­zehner ab, der Ball schlägt satt unten rechts ein. Reyna also, der ja auch erst 18 Jahre jung ist, wie Hage­mann gerade anmerkt. Spielt aber schon seit sieben Jahren in der Bun­des­liga.

53.

TSG-Trainer Hoeneß hat zur Halb­zeit übri­gens Rutter für Stiller gebracht. Uns liegen Auf­nahmen aus der Gäs­te­ka­bine vor. Hoeneß: Stiller, du kommst raus.“ Stiller: Ich bin nicht Stiller.“ Hoeneß: Wie bitte?“ Stiller: Mein Name sei Gan­ten­bein.“ Hoeneß: Du kommst trotzdem raus.“

57.

Ich hätte gerne das Video­ma­te­rial von Hof­fen­heims Defen­siv­ver­halten in diesem Spiel, um meinen Kreis­liga-Trainer fragen zu können, ob es das sei, was er meine, wenn er Gal­lig­keit“ ein­for­dert.

60.

Puh. Kra­maric wird in die Tiefe geschickt und hat viel Platz, mar­schiert gefühlt eine halbe Stunde lang mit Ball auf Kobel zu. Und ver­gibt dann. Muss sich so anfühlen, wie wenn man nach 17 Semes­tern exma­tri­ku­liert wird, weil man ver­gessen hat, den Sozi­al­bei­trag recht­zeitig zu über­weisen.

64.

Tja, und dann das: Steck­pass Geiger, knall­harter Abschluss von Baum­gartner ins lange Eck, 1:1. Und an der Sei­ten­linie sprintet Markus Gisdol wie manisch aufs Feld und rauft sich vor Freude das Gel aus den was­ser­stoff­blonden Haaren.

70.

Tja, ich war hier schon gerade am Ver­fassen eines Dok­tor­ar­beits-Exposés zum Thema Warum der BVB immer gegen so kleine Nicht-Ver­eine a la Hof­fen­heim, Frei­burg oder Augs­burg ver­kackt und nie­mals mehr Meister wird – eine sozi­al­psy­cho­lo­gi­sche Ana­lyse im Geiste von Theodor W. Adorno und Nobby Dickel“, da fasst sich Jude Bel­lingham ein Herz und nagelt das Ding ein­fach aus 16 Metern zum 2:1 ins Eck. Also doch keine Uni-Kar­riere mehr für mich, bitter. Wer zahlt mir jetzt das Semes­ter­ti­cket?

73.

Der BVB scheint sich jetzt aber ein wenig zu sicher zu sein, nimmt Bel­lingham direkt raus und bringt Marius Wolf. Muss nicht sein, find ich, dass man den Gegner hier jetzt ver­spottet.

75.

Apropos: Frage mich manchmal, ob einer wie der Wolf oder ein Nico Schulz oder so einen wie Erling Haa­land nach dem Trai­ning manchmal nach einem Auto­gramm oder Foto fragen, und ob Wolf und Schulz usw. nach dem Trai­ning auf­ge­regt mit­ein­ander quat­schen, Mensch, er hat mich ange­guckt vorhin, voll krass, ich glaube, we wusste sogar meinen Namen.

78.

Aber Hof­fen­heim weiter gut im Spiel, Kra­maric mit einem guten Frei­stoß, dann irgendein Stürmer, der ver­gibt. Glaube, das hat die TSG von Cur­evac gelernt: Ein­fach wei­ter­ma­chen, als wäre nichts, und irgendwie auf ein okayes Ergebnis hoffen.

81.

Der BVB bela­gert gerade den Hof­fen­heimer Straf­raum. Guer­reiro dann auf Wolf. Schade, da wäre mehr drin gewesen.

82.

Hage­mann erzählt, dass in keinem ein­zigen Test­spiel des BVB ein Profi-Innen­ver­tei­diger gespielt habe. Wenn man ehr­lich ist: Kein Unter­schied zur Vor­saison.

85.

Ich habe den Ein­druck, dass diese Spider-Cam, die über den Platz fliegt, immer häu­figer auch live ein­ge­setzt wird, und nicht nur in Wie­der­ho­lungen. So auch heute. Ich finde, das Ding dreht sich dabei viel zu schnell um die eigene Achse. Soll ver­mut­lich dafür sorgen, dass man das Spiel mal aus einer anderen Per­spek­tive sieht, zum Bei­spiel auf dem Boden hockend und kot­zend.

92.+2

Eieiei. 90. Minute. Und Hof­fen­heim macht den Aus­gleich durch Munas Dabbur. Immerhin: Ich freue mich auf die Dok­tor­ar­beit Warum der BVB immer gegen so kleine Nicht-Ver­eine a la Hof­fen­heim, Frei­burg oder Augs­burg ver­kackt und nie­mals mehr Meister wird – eine sozi­al­psy­cho­lo­gi­sche Ana­lyse im Geiste von Theodor W. Adorno und Nobby Dickel – Diesmal aber wirk­lich“ von Kol­lege Reich – NEIN! DOCH NICHT! 3:2! HAA­LAND! Wer sonst? Ein ganze Nation von Mana­ger­spiel-Spie­lern atmet auf.

90.+4

Ich will den Video­be­weis vor allem des­halb abge­schafft haben, damit ich hier nicht jeden Tick 38 Mal umschreiben muss. Treffer zählt aber. Danke, DFB.

90.+5

Und dann Abpfiff! Dort­mund schlägt Hof­fen­heim in aller­al­ler­al­ler­letzter Sekunde mit 3:2, weil Erling Haa­land es so will. Dreht nach seinem Tor ab, jubelt, die halbe Mann­schaft springt auf seinen Rücken auf. Sinn­bild­lich: Haa­land trägt mal wieder den gesamten BVB auf seinen Schul­tern und hievt ihn (vor­erst) an die Tabel­len­spitze. Ich sage: Prost nach Dort­mund!
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