Liveticker
Hertha BSC – Union Berlin 3:1
Bundesliga

20:15 Uhr

Freunde, herz­lich Will­kommen zum Haupt­stadt-Derby-Ticker. Wir haben bereits die achte Schulle-Molle auf, ver­teilen Fahnen an unsere Umwelt und haben extra für den heu­tigen Ticker unser Ber­li­ne­risch-für-Dum­mies-Wör­ter­buch raus­ge­kramt. Knorke, wa? Bulette icke Keule ihm­chen j.w.d., wa? Oder so. Egal, let’s go.

20:17 Uhr

Hertha gegen Union also. Gab ja viel Auf­re­gung in Berlin unter der Woche. Erst die Fah­nen­ak­tion der Hertha, für die es direkt Ärger von irgend­einem ner­vigen Ber­liner Amt gab. Dann die schöne Kneipen-Aktion der Hertha. Schon eigen­artig. Hab ja acht Jahre in Berlin gewohnt und wenn ich die Schlag­wörter Kneipe und Fahne höre, klingt das eigent­lich nach meinem ganz nor­malen Alltag damals, und über­haupt nicht nach Auf­re­gung.

20:21 Uhr

DAZN direkt erstmal ganz tief in der Daten­ana­lyse, die dann auf einem digital zum blinken gebrachten Spiel­feld visua­li­siert wird. Schon irre, wie sich der Fuß­ball und Fuß­ball­über­tra­gungen in den letzten Jahren ent­wi­ckelt haben. Würde gern mal in der Zeit zurück­reisen und das alles einem Acht­zi­ger/­Neun­ziger-Hau­degen zeigen, so Günter Schlipper oder so, und ihn fragen, was er von der Pres­sing­rate hält, warum die Halb­räume so blinken und ob Gunesch wohl Recht hat mit seinem Monolog zu den Expected Goals. Oder ob er viel­leicht doch lieber mit Libero und zwei Vor­stop­pern spielen würde.

20:25 Uhr

Urs Fischer jetzt im Inter­view. Schon erstaun­lich, was der aus Union gemacht hat. Der Mann könnte wahr­schein­lich auch eine Dose Schappi von 1993 auf­ma­chen und daraus ein Drei-Sterne-Menü zau­bern.

20:28 Uhr

Wer­bung. Irgend­eine Wett­bude, aber im Bild: Jubelnde Fans im Block, die sich um den Hals fallen. Jesses, wie sehr kann man etwas ver­missen? Ich schwöre euch: Wenn der ganze Spuk vorbei ist, komm ich bei jedem von euch ein­zeln vorbei, und dann gibts ne schwit­zige Jubel-Umar­mung samt Bier­du­sche.

20:30 Uhr

Volle Sta­dien fehlen mir so sehr, ich klemme mir sogar den obli­ga­to­ri­schen Haha-bei-Hertha-ist-doch-immer-Geis­ter­spiel-Gag. So weit ist es schon.

1.

Union mit dem Anstoß. Stand­fuß­ball im Mit­tel­kreis bis hierher. Hertha ohne Zugriff. Ja wo ist sie denn, die breit dis­ku­tierte Iden­ti­fi­ka­tion mit dem Verein? Erkenne sie nicht. 60.000 Fähn­chen hin oder her. Reißt euch end­lich mal den Arsch auf, es ist Derby, man!

3.

Unions Robert And­rich prü­gelt gleich mal gehörig in Guen­douzi, wenig später in Cunha. And­rich sieht mit seinem Undercut, dem Hen­ri­quatre und den tat­too­wierten Schen­keln sowieso aus wie so ein Atze, der am Wochen­ende in seinem sil­bernen BMW Z3, Bau­jahr 1997, mit seiner Jessi an den Badesee bret­tert. Räd­chen aufm Zahn, Büchse Schul­ten­bräu in der Hand und wäh­rend er vom Steg ins Wasser pisst, fest­stellt: Schatz, weißte was das geile hier is? Keine Assis!“

5.

Krzy­sztof Piatek bei der Hertha erstmal auf der Bank. Bruno Lab­badia zu der Per­so­nal­ent­schei­dung: Warum ich Piatek nicht auf­ge­stellt habe? Weil ich meine Haare behalten möchte.“

9.

Guen­douzi mit dem Chip Rich­tung Luke­bakio, der aber nicht an den Ball kommt. Das sind die ersten Annä­he­rungs­ver­suche der Alten Dame. Klingt nach lüs­terner Bar­frau um viertel nach vier in irgend­einer ran­zigen Eck­kneipe. Ist aber Derby. Also Attacke!

13.

Max Kruse lässt sich nicht mit zahlen messen“, sagt Marco Hage­mann. Ich finde 28.740 Dollar bei den World Series of Poker in Las Vegas spre­chen für sich.

15.

Beide Teams bis­lang nicht mehr als eine Fahne im Wind. Quasi gesin­nungslos.

18.

Das Spiel bis­lang wie mein Besuch beim Uro­logen letz­tens. Biss­chen abtasten aber nix Gefähr­li­ches.

22.

Und Toooooooor für Union. Zucker­pass Ing­vartsen und Awo­niyi legt das Ding an Schwolow vorbei ins lange Eck. Schönes Tor, aber dieser Pass erst, ein Traum. Bitte, liebe Kol­legen von DAZN, zeigt davon nicht mehr so viele Wie­der­ho­lungen. Wenn ich den Zucker­pass noch zweimal sehe, bin ich Dia­be­tiker.

26.

Hui, jetzt geht’s hier aber rund: And­rich mit dem Round­house-Kick, trifft Plat­ten­hardt frontal am Hals und sieht dann Rot. Was ein Tritt. Wenn ich die Regeln richtig ver­standen habe, ist And­rich jetzt auto­ma­tisch fürs Kumite qua­li­fi­ziert und muss dort in der ersten Runde gegen den dicken Kumpel von Jean-Claude van Damme ran. Wir drü­cken die Daumen.

30.

Traum­pass mit anschlie­ßendem Tor, dann eine satte Rote Karte, so viel Action inner­halb weniger Minuten. Geht das in der Tak­tung so weiter, dürfte bald irgend­je­mand per Sche­ren­schlag von der Mit­tel­linie treffen oder eine Ecke rein­drehen oder per Drop­kick seinen Gegner umna­geln oder so.

32.

Hertha müsse sich Räume erwirt­schaften, fach­sim­pelt Hage­mann. Also ganz nach dem Mantra von Unions Tri­kot­sponsor Around­town?

35.

Nächstes Foul von Trimmel an Luke­bakio. Hat jetzt was von einem Ban­den­krieg hier. Wem gehört Berlin? Den Tsche­tschenen aus Köpe­nick oder der ara­bi­schen Groß­fa­milie der Hertha? Orga­ni­sierter tritt Union jeden­falls auf. Spielt starkes Schutz­geld­pres­sing.

38.

Nicht nur weil mein Mit­be­wohner meinen Fern­seher mit Hertha-Mer­chan­dise ein­ge­deckt hat und ich seine Tob­suchts­an­fälle aus dem Neben­zimmer wahr­nehme, ver­stehe ich das durchaus, was Hertha-Fans an dem Union-Gehabe stört. Sehe dieses Abge­kulte auch eher kri­tisch. Ich meine, ist jetzt nicht so, dass Urs Fischer in brauner Cord­jacke und Jahr­hun­dert-Schnäuzer auf der Bank sitzt, auf der Tri­kot­brust Faber-Lotto-Ser­vice pran­gert und Marco Hage­mann die Spiele bei Bun­des­liga Pur kom­men­tiert. Gut, aber das mit dem Schnäuzer und Faber stimmt ja wohl.

43.

Erste Chance für Her­thas Luke­bakio: Ecke, Kopf­ball, aber Luthe schnappt ihn sich. Dann Gegen­seite Max Kruse. Doch das muss ein Riss in der Matrix sein, ein uner­klär­bares Enigma. Denn in Max-Kruse-Logik müsste sel­biger seinen Gegen­spieler jetzt mit einer Kör­per­täu­schung stehen lassen wie ein Hipster seine fer­men­tierten Soja­bohnen, die Murmel mit seinem Linken anschlie­ßend in den Giebel schweißen, nach dem Spiel unge­duscht als Der­by­sieger Rich­tung Kreuz­berg fahren, in der S‑Bahn ne Fla­sche Luft ziehen, an Musti‘s Späti noch zwei, drei Sekt-Mate, eine Packung Nil-Kippen weg­atmen und vier, fünf Yup­pies anpö­beln. Statt­dessen: Gegen­an­griff über Cunha.

45.

Cunha jetzt in Groß­auf­nahme, mit einer wei­teren Ecke. Diese tief­braunen, trau­rigen Knopf­augen des Bra­si­lia­ners. Hugh Grant hat einen ähn­li­chen Blick, Guido Buch­wald übri­gens auch. Nur in Cunhas bemit­lei­dens­wertem Blick schwingt auch immer die Frage mit, wieso nicht jeder einen von Gott der­maßen geküssten Fuß hat wie er? Bezie­hungs­weise wieso der liebe Gott Niklas Stark gleich mit zwei Stumpen bestückt hat. Abstoß.

45. + 3

Da fällt mir auf: Michael Preetz hat auch diesen trau­rigen Blick. Naja, erstmal Halb­zeit.

21:31 Uhr

Starkes Best-of von Robert And­rich in der Dazn-Halb­zeit­ana­lyse. Jer­maine Jones zau­bert das eine Gän­se­haut unter die Eisen­stollen.

46.

Anpfiff. Schon der zweite inner­halb weniger Minuten nach dem Anpfiff von Arne Fried­rich eben im Halb­zeit­in­ter­view.

47.

Hertha muss sich stei­gern, ganz klar. Heute hier bis­lang mit einer Vor­stel­lung, dass ich fast sicher bin, Wind­horst hat den Klub auf Wish gekauft.

53.

Und Toooooooor für die Hertha, Peter Pekarik war’s. Cunha schießt, Luthe hält, und rechts unten hat sich Pekarik davon­ge­stohlen und staubt so sou­verän ab, dass nachher im Spiel­be­richt stehen wird: Tor (51.) Pekarik (Swiffer).

56.

Schade, Awo­niyi geht raus. Sehe den gern kicken, der Typ ist eine der­ar­tige Kante, dass The Rock neben ihm aus­sieht wie meine zwölf­jäh­rige Cou­sine. Habe letzte Woche Union gegen die Ein­tracht gesehen und nach dem ersten Zwei­kampf zwi­schen Awo­niyi und Hin­ter­egger hab ich die Fenster zuge­macht, weil ich dachte, es gewit­tert.

60.

Schöne Aktion der Hertha, die heute Herthak­neipe“ auf der Brust haben, eine gemein­nüt­zige Aktion für die Knei­pen­gas­tro­nomie. Will nicht das Haar in der Suppe suchen, aber eine echte, ernst­ge­meinte und nach­hal­tige Knei­pen­un­ter­stüt­zung trägt man nicht auf dem Trikot, son­dern im tiefen Bauch­fett dar­unter. Just sayin.

62.

Ralph Gunesch jetzt mit ganz akku­rater Ana­lyse: Die Drei sind härter als die Tür im Berg­hain, daher wird’s nicht leichter für die Hertha.“ Marco Hage­mann mit der einzig rich­tigen Gegen­frage: Was für eine Tür?“

64.

Hertha und Union neu­tra­li­sieren sich gerade ziem­lich. Es spitzt sich zu und alles kann pas­sieren. Blauer oder roter Draht?

68.

Aha! Krzy­sztof Piatek spielt seit 25 Minuten mit? Zum Ein­stand“ knüp­pelt er den Ball aus recht gefähr­li­cher Posi­tion Rich­tung Fre­ders­dorf. Also wie der am Spiel vor­bei­läuft und das bei einem Markt­wert von 21,5 Mil­lionen, dann, liebe Freunde, muss ich wirk­lich mal kurz inne­halten. Und ganz ehr­lich kon­sta­tieren: Alles war sei­ner­zeit an Vaclav Sverkos auch nicht schlecht.

73.

TOR! 2:1 Hertha! Und wer hat’s gemacht? Piatek! Manchmal braucht es viel­leicht auch ein­fach einen Arsch­tritt. Und ganz manchmal auch ein­fach von einem über­heb­li­chen 11FREUNDE-Redak­teur.

76.

Wahn­sinn, Piatek macht’s schon wieder. 3:1 für die Hertha. Und wie herr­lich nimmt er den denn? Tolle Kör­per­hal­tung, rechts unten, unhaltbar. Was ein Schuss! Ich würde mich gerne zu ihm legen und ganz viele kleine Baby­schüsse zeugen, sie groß­ziehen, mit ihnen in den Hei­de­park Soltau gehen, ein Baum­haus in den Garten bauen, an Geburts­tagen in die Soc­cer­halle. Irgend­wann nehme ich sie dann mit ins Olym­pia­sta­dion. Um dann sagen zu können: Ich hab den Piatek spielen sehen.

80.

Schön auch gerade: Max Kruse, meckernd in Groß­auf­nahme. Macht ja selbst kein gutes Spiel, aber ist den­noch so sehr viel besser als der Rest. Was ein Spieler eigent­lich. Poten­tial für 80 Län­der­spiele, aber nö, lieber Pokern und sein Ding machen. Würde mir wün­schen, dass er irgend­wann nach der Kar­riere in einer Ver­hin­derte-Welt­klas­se­spieler-Tra­di­ti­onself spielt. Dop­pel­pass Jordi Cruyff mit Yohan Gour­cuff, Pass auf Matt le Tis­sier, der auf Alvaro Recoba, Flanke, und in der Mitte nickt Kruse lässig ein.

85.

Kleiner Ser­vice von uns für alle Union-Fans, die heute nichts mehr zu lachen haben:

89.

Der Guen­douzi tut mir irgendwie leid, wenn er den Ball hat. Spa­ziert damit durchs Mit­tel­feld und sämt­liche Mit­spieler ver­halten sich, wie man sich ver­hält, wenn man irgendwo einen ent­fernten Bekannten trifft und kom­plett null Bock auf Small­talk hat. Gucken weg, pfeifen, glaube, der ein oder andere guckt sogar aufs Handy. Und wenn dann doch der Pass kommt, heißt es: Achja, hey, hi, cool, wir kennen uns doch, klar, du, sorry, aber ich bin echt mega in Eile. War schön dich zu sehen, ver­giss deinen Ball nicht, hier.“

93.

Dil­rosun noch mit dem Tunnel aller Tunnel im Sprint per Außen­rist im Fünfer gegen irgend­einen Unioner. Ver­tän­delt dann, aber ich habe gelesen, die Kids auf dem Schulhof spielen gar nicht mehr auf Tore, son­dern wollen sich nur noch tun­neln. Hertha also auch in dieser Sinne ein Klub der Zukunft, toll.

94.

Oha, Kruse muss mit irgend­einer Knie­ver­let­zung, die er sich ohne Gegen­spieler zuge­zogen hat, vom Platz. Gute Bes­se­rung an dieser Stelle. Und kleiner Leser­ser­vice: Das wäre der pas­sende Moment, Union noch als Absteiger zu tippen.

22:37 Uhr

Und das war’s, Abpfiff, Hertha schlägt Union mit 3:1, dank Joker Pion­teks Dop­pel­pack. Auch wenn jeder, der Ahnung von Fuß­ball hat, weiß, dass das Spiel nur so aus­ging, weil Tusche heute nicht gespielt hat. Trotzdem: Schön war’s. In diesem Sinne: Schönen Abend euch.