Liveticker
England – Dänemark 2:1
EM

20:34

Guten Abend, liebe Fans. Ich komme gerade von einem Aus­flug in den soge­nannten Potts Park in Minden/​Westfalen zurück. Da war eigent­lich alles so, wie ich es auch im Halb­fi­nale erwarte: Tri­um­phie­rende Kinder im Karus­sell, wei­nende Kinder vor dem Karus­sell. Es kann eben nicht jeder mit­fahren. Und wer es doch tut, der sollte sich nicht allzu sicher sein, dass er danach nicht trotzdem in den Müll­eimer kotzen muss. Ich heiße Dirk Gie­sel­mann, dafür stehe ich mit meinem Namen. Sie können mich aber auch der ori­gi­nelle Pottsy“ nennen, wie das Potts-Park-Mas­kott­chen. Geschenkt.

20:36

Ande­rer­seits möchte ich nicht als der trau­rige Typ in die Geschichte dieser EM ein­gehen, der aus dem Potts Park in Minden/​Westfalen berichtet. Eng­land gegen bzw. und Däne­mark: Da fällt mir, einem pas­sio­nierten Fern­seh­quiz-Zuschauer und abge­bro­chenen Anglistik-Stu­denten, vor allem eins ein: Hamlet. Ich werde also für die geneigten Lite­ra­tur­füchse unter Ihnen immer mal wieder ein Zitat ein­streuen, das ich aus dem Internet gesaugt habe. Wer es findet, darf es behalten.

20:38

Eben hörte ich in der Tages­schau fol­genden Wort­fetzen: „… außer Rand und Band hier in London – und damit zurück zu Jens Riewa.“ Seltsam tröst­lich, dass man immer zurück zu Jens Riewa“ schalten kann, egal was auch geschieht. Morgen geht die Welt unter – und damit zurück zu Jens Riewa. Lieb­ling, ich ver­lasse dich – und damit zurück zu Jens Riewa. Ihr Geschwür sieht gar nicht gut aus – und damit zurück zu Jens Riewa. Ich spiele mit dem Gedanken, „… und damit zurück zu Jens Riewa“ auf meinen Grab­stein mei­ßeln zu lassen. Und damit zurück zu Jens Riewa.

20:46

Peter Schmei­chel, Euro­pa­meister mit Däne­mark 1992, postet der­weil ein altes Foto von sich und Sohn Kaspar, womög­lich Euro­pa­meister mit Däne­mark 2021. Soll wohl nied­lich sein. Wer aber genauer hin­guckt, der sieht, dass der Papa den Kleinen gerade beim Stein-Schere-Papier mali­ziös zer­malmt. Und wer noch genauer hin­guckt, der sieht, dass 31 Jahre ver­gangen sind, seit dieses Foto ent­standen ist, und wird sich sehr, sehr alt fühlen. Und damit zurück zu Jens Riewa.

20:49

Wollen Sie ein Elf­me­ter­schießen?“, fragt KMH ihre Experten Per Mer­te­sa­cker und Bjarne Gold­baek. Per ent­scheidet sich, wenig über­ra­schend, für Maoam. Gold­baek nimmt ein Taxi nach Hause.

20:53

Bela Rethy am Mikrofon. Getreu dem Motto: Dein Ohr leihe jedem, wenigen deine Stimme! Bezie­hungs­weise andersrum.

20:55

Ange­spannte Gesichter im Spie­ler­tunnel, als käme gleich der Latein­lehrer mit den Klau­sur­bögen um die Ecke, und plötz­lich löst sich in allen Köpfen auf, was noch mal genau ein Abla­tivus abso­lutus ist. Natür­lich wollen, das ist ja das Hoch­an­stren­gende an so einem Halb­fi­nale und nicht nur daran, beide Mann­schaften gewinnen. Aber ich gebe zu bedenken: Das eigent­liche Wesen des Ehr­geizes ist nur der Schatten eines Traumes.

20:59

Jetzt wird uns hier noch mal, nur für den Fall, dass so was wie Vor­freude auf­ge­kommen sein sollte, Live is Life“ von OPUS rein­ge­bret­tert. Dann der Anstoß – und damit zurück zu Jens Riewa.

2.

Gareth Sou­th­gate steht jetzt schon seit sechs Spielen am Rand wie ein Mann, der am Bahn­steig auf seine Geliebte wartet, aber sie steigt nicht aus dem Zug, auch nicht aus dem nächsten, dem über­nächsten, nie. Er jedoch bewahrt die Fas­sung, nach innen wei­nend, der Blu­men­strauß wird welk, und er wartet und wartet. Mein Gott, wie lang kann ein Mensch einem ver­schos­senen Elfer nach­trauern? Sollte es hier und heute wieder zum Shoot-Out kommen, ich möchte, dass Sou­th­gate per­sön­lich den letzten Schuss ver­wan­delt. Ich halte diesen Herz­schmerz ein­fach nicht mehr aus. Wir sind doch hier nicht im ZDF!

5.

Apropos Ghos­ting: Kanes Flanke mag hier, vor allem bei Rethy, für einige Auf­re­gung sorgen, aber Ster­ling behan­delt sie doch eher wie die SMS seiner Ex-Freundin, und so landet sie im Nichts. Wei­nender Smiley.

7.

Sou­th­gate trinkt jetzt seine eigenen Tränen, gesam­melt seit 1996. Wann hört das end­lich auf?

9.

Erste Angriffe jetzt auch von den Dänen, als wollten sie zeigen, was sie könnten, wenn sie müssten. Hjul­mand: Nur reden will ich Dolche, keine brau­chen.“ Co-Trainer: „🙄.“

11.

Da ist Fan­tasie gefragt“, so Bela Rethy zum wie­der­holten Mal im Ange­sicht der däni­schen Defen­siv­taktik. Da muss ich an ein Video denken, das ich unlängst sah: Ein japa­ni­scher Greis ver­sucht seit 15 Jahren ver­geb­lich, ein Seil­puzzle zu lösen. Da kommt ein anderer japa­ni­scher Greis herein, der Erfinder des Seil­puz­zles, und zeigt ihm, wie es geht. Ant­wort des Greises: Jetzt kann ich in Frieden sterben.“ Also: nie­mals auf­geben! Oder eben den Erfinder der däni­schen Defen­siv­taktik fragen.

14.

Löw: Des isch im End­ef­fekt, sagen mer mal, scho au abso­lute Welt­klasse, was die Iren .… FFFFFF… bzw. Eng­länder da spielen.“ Sorg: Joa­chim, bitte ruf mich nicht mehr an.“

17.

Mehr Schüsse hier, als wenn beim Paint­ball-Betriebs­aus­flug Andreas, der Arsch­krie­cher vom Dienst, aus dem Dickicht auf­taucht. Für Außen­ste­hende aber leider auch genauso inter­es­sant anzu­schauen.

20.

Ein Ein­wurf. Es mag über­trieben klingen, aber: Ihr werdet nimmer sei­nes­glei­chen sehn!

23.

Dou­glas Adams wies zurecht darauf hin, dass es in keiner Sprache der Welt die For­mu­lie­rung schön wie ein Flug­hafen“ gebe. Und wenn die sich hier nicht mal ein biss­chen anstrengen, dann gilt das auch für die For­mu­lie­rung schön wie Eng­land gegen Däne­mark“. Das mag nicht wie ein Dro­hung klingen, aber es ist eine!

25.

Däne­mark jetzt mit einer Chance“, so Bela Rethy. Wenn DAS eine Chance war, dann hatte ich in meinem Leben mehr Chancen, als ich je ange­nommen hätte. Dann war ich viel­leicht, ohne es zu ahnen, die ganze Zeit auf der Sie­ger­straße und dachte bloß, es sei ein Feldweg ins Moor. Dann war alles ganz anders. Ich muss nach­denken, liebe Fans – und damit zurück zu Jens Riewa.

29.

Und damit zurück VON Jens Riewa – denn: TOOOOOOR! Und was für eins: Dams­gaard hat sich offenbar alle Jun­inho-Tuto­rials rein­ge­zogen, die das Internet bereit hält, zieht einen irr­wit­zigen Voll­spann­stoß aufs Tor, der Ball flat­tert wie eine Taube, die, schon mit gebro­chenem Flügel, vor einer sadis­ti­schen Katze flieht – und schlägt ein. Der ver­zwei­felte Pick­ford sieht in der Super­zeit­lupe aus wie Gary Barlow beim Orgasmus – aber das soll unsere Freude über diesen tollen Treffer nicht schmä­lern.

33.

Thomas Müller: SO wollte ich das Ding gegen Eng­land auch schießen, you know.“ Flick: Woher haben Sie meine Nummer?“

37.

Hjul­mand steht jetzt neben Sou­th­gate auf dem Bahn­steig. Er ist der Typ, über den sie gesagt hat, er müsse sich wegen ihm keine Gedanken machen. Aber jetzt ist er hier. Und er sieht erholt aus, braun­ge­brannt, mar­kant. Was will er hier? Hjul­mand: Hey, kennen wir uns nicht? Bist du nicht der Ex von…“ Sou­th­gate: „🥺.“

39.

Doch dann das: TOOOOR! Aus­gleich! End­lich fährt der Zug ein, auf den Sou­th­gate so lange gewartet hat. Wer aus­steigt, ist noch unklar, aber immerhin ist es ein Zug, und den kann ihm nie­mand mehr nehmen. Ster­ling war’s oder viel­leicht auch ein Däne, was das 38. Eigentor dieser EM bedeuten würde, wenn ich richtig mit­ge­zählt habe. Ein Trend, den mal irgendwer erfor­schen müsste. Aber Bela Rethy sagt, es sei egal, und er sagt auch: Das ist Fuß­ball!“ Aha! DAS ist also dieser Fuß­ball, von dem immer alle reden. Dann weiß ich Bescheid – und damit zurück zu Jens Riewa.

42.

Ein offenes Halb­fi­nale“, so Rethy. Löw: Heißt das jetzt scho au, dass man sich da, sagen mer mal, noch anmelden kann? Andi, füll das.… FFFFF… For­mular aus, wir fahren sofort, sagen mer mal, nach London!“ Köpke: Ich mach uns erst mal ne heiße Hexe, dann sehen wir weiter.“

45.

Halb­zeit. Nach meinen Berech­nungen müsste das Halb­fi­nale damit vorbei sein. Gute Nacht, liebe Fans.

21:56

Wie ich soeben erfahre, hat auch dieses Halb­fi­nale eine zweite Hälfte. Immerhin kommen wir so in den Genuss der lieb­li­chen Sprach­me­lodie des Bjarne Gold­baek. Das erin­nert mich daran, wie ich einmal Preben Elk­jaer-Larsen zum Inter­view im Kopen­ha­gener Tivoli traf. Wir aßen gemeinsam zu Mittag, als es plötz­lich wahn­sinnig laut knallte. Ich rutschte unter den Tisch, um mich zu schützen. Keine Angst“, sang Elk­jaer-Larsen lieb­lich. Das war nur ein Salut­schuss.“ Und nach einer wohl­ge­setzten Pause: Oder eine Bømbe!“

46.

Und damit zurück zu Bela Rethy, dem Jens Riewa der zweiten Halb­zeiten.

47.

Dams­gaard gegen Mount, ein Zwei­kampf, der klingt wie Jake The Snake“ Roberts gegen Ear­th­quake, damals bei den WWF-Sen­dungen auf Tele5, für die ich mir den Wecker stellte und sie heim­lich schaute. Selige Erin­ne­rungen! Wenn ich also viel­leicht die Augen ganz fest schließe und nur auf die Namen achte, dann… Aber Rethy müsste schon auch aufs Feld eilen und Pick­ford einen Klapp­stuhl über den Kopf ziehen.

51.

Pick­ford kriegt zwar keinen Klapp­stuhl über­ge­braten, ist aber auf andere Weise gefor­dert, muss in höchster Not einen Schuss von Dol­lberg parieren. Rethy: Achten wir mal auf Abseits… BOAH!“ Danke für diese bestechende Ana­lyse. Ob ich mir selbst einen Klapp­stuhl über­braten soll?

54.

Mit Ver­laub: Kane wirkt immer ein biss­chen wie ein Zehn­kämpfer: Kann alles, aber nichts richtig gut. In dieser Szene sehen wir ihn in seiner wohl unge­lieb­testen Dis­zi­plin, dem Kugel­stoßen.

56.

Kasper hält bra­vurös, Peter eilt in den Innen­raum, will ihm ein Hanuta zur Beloh­nung bringen. Nicht jetzt, Papa!“ – Bin ich dir pein­lich?“ – Nicht direkt, aber…“ – Ver­steh schon.“ – Papa! Ich hab dich lieb!“ – Ich dich auch. Es ist bloß, weil…“ – Ja?“ – Du warst doch ges­tern noch so klein…“

59.

Sonst heißt es ja immer, die Trainer hätten Elf­meter trai­nieren lassen. Lassen sie bei dieser EM eigent­lich auch Eigen­tore trai­nieren? Schon wieder liegt hier eins in der Luft! Und was heißt das für mich, einen Mann, der immer für ein Eigentor gut ist? Wer nomi­niert mich blitz­artig?

62.

Wenn ich Erd­kunde richtig auf­ge­passt habe, steht jetzt etwa ein Viertel der Ein­wohner Däne­marks im Straf­raum und wirft sich Ster­ling ent­gegen. Dafür schlägt er sich ganz wacker, sein Dribb­ling wird erst nach 0,5 Sekunden erstickt.

66.

Kjaer (OG) steht da auf der Ergeb­nis­tafel. Das ist natür­lich nicht mehr zeit­gemäß. Aber wozu gibt es 11freunde​.de, das Power­portal für die Jugend von heute: Kjaer (OMG). Gern geschehen!

69.

Bela Rethy mun­kelt nun, irgend­einer hätte eine HSV-Ver­gan­gen­heit“. Klingt dabei, als hätte der­je­nige welche vor Jahren mal Schmutz­film­chen gedreht. Das ist nun wirk­lich eine Belei­di­gung. Die gesamte Schmutz­film­chen-Szene sollte sich gegen unbot­mä­ßige HSV-Ver­gleiche ver­wahren!

72.

Wenn ich Grea­lishs Frisur sehe, kriege ich Lust, meine Bush“-CDs noch mal zu ver­brennen.

75.

Apropos Schmutz­film­chen: Der Schiri zieht sich einen Poten­tial Penalty Check rein. Das ist wie immer die hei­lige Minute, in der Experte Manuel Gräfe hin­zu­ge­schaltet wird und bei mir die Frage auf­kommt: Was, wenn er in diesem wahn­sinnig kurzen Moment, in dem er gefragt ist, gerade auf Die größten Flug­zeug­träger aller Zeiten“ umge­schaltet hat und also sagen muss: Öh, keine Ahnung.“ – WAS DANN?

78.

Chris­tensen geht, Andersen kommt. Die Dänen sind hier wirk­lich um kein Kli­schee ver­legen.

81.

Wenn Rethy Braithwaite“ sagt, muss ich beinah zwang­haft an einen Stu­diosus-Tou­risten (etwa 68) denken, der auf einer Schott­land-Exkur­sion ver­sucht, einen Whiskey-Namen auch dann noch kor­rekt aus­zu­spre­chen, wenn der Bar­keeper schon schreiend raus­ge­rannt ist. Bin ich etwa KRANK?

84.

It’s coming home“, singen die eng­li­schen Fans einmal mehr. Ja, mag sein, aber Zeit lässt er sich schon, der Fuß­ball, dieser seit 1966 ver­lo­rene Sohn. Oder sitzt er etwa in einem Flixbus, der außer­plan­mäßig über Salz­gitter fährt? Kann ja sein.

87.

Hjul­mand bringt jetzt Jensen. So erwartbar der Name, so per­plex macht einen die Frisur dieses Mannes: Er sieht haar­genau so aus wie Grea­lish. Genialer Coup von Hjul­mand oder boden­lose Dumm­heit? Der Grat ist so schmal wie das Stirn­band eines Gecken!

90.

Sou­th­gate zieht sich in die Kata­komben zurück, übt allein Elf­meter. Im Tor bzw. zwi­schen zwei Kühl­ta­schen: Andi Köpke. Großer Sport.

91.

Der Director‘s Cut der Unan­sehn­lich­keit: Sechs Minuten Nach­spiel­zeit.

93.

Auf den Tri­bünen: Dänen, die aus­sehen wie Dänen, und Eng­länder, die aus­sehen wie Eng­länder, im Bangen und Hoffen ver­eint. Das ist Europa!

95.

Die roten Tri­kots hätten mich eigent­lich eher darauf bringen müssen, nicht erst in der 95. Minute: Kann es sein, dass hier gar nicht Däne­mark spielt, son­dern die Tra­di­ti­ons­mann­schaft des 1. FC Kai­sers­lau­tern? Wo ist Axel Roos?

96.

Jetzt geht also weiter, was nie­mand mehr sehen will. Sie nennen es Ver­län­ge­rung“. Ich gucke mal, ob ich mich eigent­lich noch aus­wech­seln kann. Bis gleich.

22:58

Zu meinem Ent­setzen stelle ich fest: Mein Wech­sel­kon­tin­gent ist erschöpft. Dass ich aber wesent­lich erschöpfter bin, inter­es­siert die UEFA mal wieder einen Dreck. Anstoß. Der gna­den­lose Anstoß.

93.

Ver­blüf­fend! Rethy klingt jetzt wie Ross Anthony als Sam Haw­kins bei den Karl-May-Fest­spielen auf die Frage von Old Shat­ter­hand, warum er denn nicht, wie ver­ein­bart, in die Berge geritten sei: Mount war zu weit weg!“

96.

Foden kommt ins Spiel. Hjul­mand reagiert sofort, teilt Keine Macht dem Foden“-Shirts aus.

98.

Grea­lish mit einem Schuss, der jedoch so wenig subtil ist wie seine Hi-ich-bin-sexy-Frisur. Schmei­chel pariert, als würde er sich eine Strähne aus der Stirn wischen.

100.

Herz­li­chen Glück­wunsch zum Hun­dertsten, liebes Halb­fi­nale. Bleib nicht so, wie du bist! 🎂

103.

Elf­meter! Es sei eine harte, viel zu harte, unge­rechte, aber keine fal­sche Ent­schei­dung“, so Rethy. Muss ich mir merken, falls ich mal ver­haftet werde. Was ich mir auch merken muss: Elfer ver­schießen, dann aber den Nach­schuss rein­ma­chen. So wie Kane hier. 2:1 für Eng­land. Wie man hört, kommt der Fuß­ball jetzt wohl wirk­lich nach Hause, der Flixbus ist hart auf Kurs. Ab jetzt keine Pin­kel­pause mehr, im Bord­fern­seher läuft der Elf­meter in Dau­er­schleife, und die ersten Insassen kotzen bereits in die Aschen­be­cher. Stim­mung!

106.

Peter: Komm, wir gehen nach Hause. Ich mach uns Gries­brei.“ Kasper: Papa, ich bin kein Kind mehr.“ Peter: Das denkst du. Mama und ich sehen das anders.“ Kasper: Noch 15 Minuten, Papa.“ Peter: Aber dann ist Schluss.“ Kasper: Ver­spro­chen.“

105.

Sou­th­gate wech­selt jetzt zum, meinen Schät­zungen zufolge, elften Mal. Trip­pier kommt, Grea­lish geht, der selbst doch vorhin gerade ein­ge­wech­selt wurde. Das stürzt Rethy in einen Mit­leids­an­fall: Er sieht ein­fach nur traurig aus“, greint er, aber nicht ver­letzt.“ Nun, Bela, manche Ver­let­zungen sind unsichtbar, das wirst du eines Tages noch begreifen.

108.

Die Eng­länder mögen rein rech­ne­risch auf dem Weg ins End­spiel sein, aber auch sie wissen, was Giorgio Chiel­lini mit Typen macht, die durch unbe­rech­tigte Elf­meter gewinnen. Ich denke jeden­falls, dass Däne­mark das Ding hier noch rum­reißt.

111.

Zur Stunde kreuzt Chiel­lini im Mann­schafts­hotel auf dem Bestell­zettel Eng­lish Bre­ak­fast“ an. Mit dem Blut, dass aus seinem Schien­bein rinnt.

113.

Trip­pier, der Ein­zige, der nicht in der Pre­mier League spielt“, so Rethy. Zur Erin­ne­rung, lieber Bela: Du und ich sind über die Bezirks­klasse auch nicht hin­aus­ge­kommen, das wollen wir im soge­nannten Eifer des Gefechts nicht ver­gessen.

116.

Noch fünf unend­liche Minuten – und die bange Frage: Wann genau ist der Fuß­ball eigent­lich zu Hause? Schon dann, wenn Eng­land im Finale steht? Oder wenn Eng­land den Titel holt? Wann macht es Ding-Dong, und da liegt er end­lich vor der Tür, der run­ter­ge­kom­mene Fuß­ball, zer­schlis­senes Leder, zer­franste Nähte? Wann? Wann? WANN? Wann muss ich dieses Lied nicht mehr hören?

118.

Jetzt geht hier eine Welle durchs Sta­dion. Karl Lau­ter­bach zer­bricht vor Wut drei Salz­stangen (ohne Salz) auf einmal.

120.

Bela Rethy, der Jean Pütz des Welt­fuß­balls: Däne­mark fehlt ein Tor, aber dafür braucht man den Ball.“ Ein Anrufer aus Gum­mers­bach: Kann ich auch einen alten Sup­pen­topf ver­wenden?“ Bela Pütz: Ich würde abraten.“

121.

Und Schluss. Nicht ohne Ironie, dass Eng­land durch einen Elf­meter in ein Finale vor­dringt. Zwar hat Gareth Sou­th­gate ihn, genau genommen, nicht per­sön­lich ver­wan­delt, den­noch bewahre ich mir diese Vor­stel­lung, um mich über alles andere hin­weg­zu­trösten. Zum Bei­spiel, dass Bela Rethy jetzt die gesamte eng­li­sche Fuß­ball-Geschichte noch mal auf­wärmt wie der ZDF-Nacht­wächter den Mucke­fuck von ges­tern. Apropos: Gute Nacht, liebe Fans. Und gute Nacht, liebe Dänen. Schlaft euch schön aus. Ihr habt es Euch ver­dient.