Liveticker
Werder Bremen – Borussia Dortmund 3:2
DFB-Pokal

12:23 Uhr

Der Haa­land kommt. Gegen 20.30 Uhr. Bis dahin ein wenig Geschichte: 

20:28 Uhr

Hal­lo­hallo, pardon, halaa­haala natür­lich, liebe Fuß­ball­freunde. Also: Was gelingt dem BVB-Wun­der­knaben heute? Ein Sech­ser­pack? Ein Fall­rück­zieher aus 40 Metern? Oder knackt er heute Abend noch den Tor­re­kord von Gerd Müller? Bleiben Sie dran, bei Men­schen, Haa­land, Sen­sa­tionen.

20:30 Uhr

Werder-Trainer Flo­rian Koh­feldt sagte eben bei Alex­ander Bommes: Sonntag habe ich ange­fangen, Dort­mund-Videos zu gucken. Und da wurde die Freude immer größer.“ Sein Fazit? Kalle Gra­bowski sollte man auf jeden Fall in Mann­de­ckung nehmen!

20:33 Uhr

Wir sehen ein kleines Film­chen über Haa­land. Und ein Inter­view. Aber Obacht, Erling: Der nor­we­gi­sche Fuß­ball­ver­band hat ihm ver­boten, mit der Presse zu geben. Was schade ist, schließ­lich möchte man gerne wissen, wie es sich anfühlt, in der Ewigen Bun­des­liga-Tor­schüt­zen­liste gleichauf mit Joa­chim Löw zu sein – und nur noch acht Tore hinter Michael Stern­kopf zu liegen.

20:33 Uhr

Weiter im Small­talk-Ping­pong mit Bommes und Broich. Die zwei großen B der Sport­be­richt­erstat­tung. Wie damals die zwei großen V: Vaß­bender und Vale­rien. 

20:37 Uhr

Ach, Lucien. Lässt der BVB-Trainer den jungen BVB-Stürmer tat­säch­lich auf der Bank. Redet irgendwas von Vor­be­rei­tung. Man stellt sich vor, wie er nach den drei Toren gegen Augs­burg mit kicker-Chef Rainer Holz­schuh dar­über grum­melte, ob Haa­land eine 2,5 oder gar eine 2 bekommen sollte. Und ob man ihn im Blick­feld“ oder im Wei­teren Kreis“ ein­ordnen sollte. 

20:40 Uhr

Ein biss­chen was zum Träumen für Tor-Feti­schisten: Man stelle sich vor, Werder 2004 würde gegen den BVB 2020 spielen. Nach dem Spiel müsste man wahr­schein­lich in ein Sauer­stoff­zelt.

20:42 Uhr

Aber wir erwarten auch heute: ein Spiel wie einen Film mit Jean-Claude van Damme in seiner besten Rolle als Hulk Hogan, der für die Rolle als Arnold Schwar­zen­egger vor­spricht. Regie von David Lynch. Dreh­buch von Uwe Boll. Con­ti­nuity: 11Fruende. Will­kommen im Irren­haus.

20:44 Uhr

ARD-Kom­men­tator Gerd Gottlob erklärt, er könne Favres Ent­schei­dung ver­stehen, Haa­land auf der Bank zu lassen. Ach, und wofür zahle ich jetzt meine Rund­funk­ge­bühren? Dann hätte ich heute auch die Wie­der­ho­lung von GZSZ Folge 376 gucken können. Lügenpresse!1!!1

20:45 Uhr

So, los geht’s. Schieds­richter ist Guido Wink­mann, Lini­en­richter Her­bert Pfeif­mann. Wie gesagt: Will­kommen im Irren­haus.

1.

Anstoss. Haa­land im DFB-Pokal wei­terhin ohne Treffer.

2.

Habe jetzt kein Jodel-Diplom oder so, aber wenn mich meine Men­schen­kenntnis nicht trügt … so wie Emre Can gerade zur Dort­munder Bank getrottet ist, lässt das für mich nur einen Schluss zu: Der Mann hat abge­schlossen mit dem BVB, will nur noch weg.

3.

Habe par­allel zum Live­ti­cker auch Face­book offen. Und in einer Sei­ten­leiste wird mir ange­boten, der Gruppe »DFFV – WFF NABBA Ger­many 1.253 Mit­glieder • 5 Bei­träge pro Tag« bei­zu­treten. Habe so meine Ver­mu­tungen, was mich dahinter erwartet, und genau des­halb auch Angst. So unge­fähr muss es sich anfühlen, einen Pass in Rich­tung von Davie Selke zu spielen.

4.

Ach so, ja, Fuß­ball. Hier Bre­mens Heatmap der Anfangs­phase:

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5.

Immerhin, ein Satz, den man ver­mut­lich so nie wieder zu lesen bekommen wird: Selke prä­senter als Haa­land. Und trotzdem die erste Chance für den BVB. Hakimi mit Geschwin­dig­keits­über­tre­tung, also weit jen­seits der 30km/​h, und der dann per­fekten Flanke für den ziem­lich luftig ste­henden Reus. Doch Moi­sander bekommt gerade noch so das Rest­haar in die Flug­bahn. Lässt ab sofort lang wachsen. Ist dann in vier Jahren einer für Bayern. Zwei.

8.

Wie Bremer Angriffe ab sofort und in naher Zukunft häu­figer abmo­de­riert werden: »Und Selke …« 

9.

Dort­mund hier so klar Herr im Haus, das Bremer Sta­dion wird noch zur Halb­zeit in Signal Iduna Park II umbe­nannt.

10.

Haa­land wei­terhin auf der Bank. Macht aber auch da eine gute Figur:

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12.

Fun Fact: Flo­rian Koh­feldt und Davie Selke bisher mit exakt der­selben Lauf­leis­tung. Ers­terer strahlt aller­dings wesent­lich mehr Tor­ge­fahr aus. So wie in diesem Moment, da Selke am Fünfer nach ordent­lich Glücks­ge­gurke plötz­lich an den Ball kommt, mit dem Rücken zum Tor steht und den Hackentrick ver­sucht. Wich­tigste Nach­richt zuerst: Er hat sich nicht ver­letzt. Ansonsten: Nach­schuss Klaasen, knapp drüber. 

14.

»Nur der SVW, unser ganzes Leben …«, singen die Werder-Fans jetzt. Bald schon auch auf einer Blues-Com­pi­la­tion Eures Her­zens.

16.

Dort­mund mit viel Ball­be­sitz und wenig Ideen. Und Werder? Weiter auf Ziel­kurs Elf­me­ter­schiessen.

17.

Waaaaaahn­sinn! 1:0 für Werder Bremen. Schuss, Abpraller, Selke. Genau dafür haben sie ihn geholt“, sagt Gottlob. Ach, wir dachten ja eigent­lich, dass er den Mann­schaftsbus fahren sollte.

20.

Kurzer Blick auf die Bank. Haa­land wird unruhig. Spielt das Spiel selbst auf einem Miniatur-Tipp­kick-Tisch nach (nor­we­gi­sche Tra­di­tion) – und gleicht per Fall­rück­zieher aus.

21.

Werder jetzt mit mas­sivem Pres­sing. Man könnte glauben, die werden souf­fliert von Jürgen Klopp.

23.

Davie Selke erin­nert mich immer ein biss­chen an Carsten Jancker. Nur mit Haaren. Nur täto­wierter. Nur beweg­li­cher. Nur tor­ge­fähr­li­cher. Nur ver­mut­lich noch beliebter in Japan und Süd­korea. Also, nun ja, quasi ein und die­selbe Person.

26.

Ein ganz schönes Fuß­ball­spiel. Jetzt zim­mert Witsel den Ball in den Straf­raum. Dann Hum­mels per Fall­rück­zieher, und Gerd Gottlob jubelt: Wie Klaus Fischer!“ Die jungen Leute vor dem Fern­seher schauen sich nun fra­gend an, wäh­rend Gottlob die neue Fleet­wood-Mac-Scheibe auf­legt und eine Folge Denver Clan“ schaut.

29.

Ich kann nicht anders, immer wenn Bit­ten­court am Ball ist, muss ich erst an Energie Cottbus und dann an Ede Geyer denken. Und dann würde ich am liebsten stun­den­lang mit einem Medi­zin­ball und einer Pulsuhr durch den Wald laufen. 

31.

Verrückt!!1!! Wahn­sinn! WAHN­SINN! Gottlob schreit das Mikrofon an, als hätte es ihm in der 50er Zone die Vor­fahrt genommen. Aber es ist ja wirk­lich irre: Bit­ten­court, ja, dieser BIT­TEN­COURT von eben, macht das 2:0. Mit einem Schuss aus 20 oder 30 oder 40 Metern. Ede Geyer, hast du das gesehen? Wir sehen uns gleich beim Wald­lauf. Mit Pulsuhr. Bis nach Cottbus.

32.

Ein­ge­denk des Stan­dard-Dop­pel­packs von Haa­land steht es nun also 2:2. Werder also weiter auf Kurs Elf­me­ter­schiessen.

34.

Wir lernen: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Und sein eigenes Werder Bremen.

37.

Lässig aber, wie Dort­mund hier wei­terhin ruhig seinen Stiefel run­ter­spielt. Wie so ein alter Hau­degen im Karaoke-Club, der der Jugend ihre Euphorie und also die ersten 15 Songs lässt. Ja, nicht schlecht, gute Energie. Und dann, die erste Erschöp­fung der Dorf­disko-Cow­boys wabert durch den Mief, steigt er auf die Bühne, greift sich das Mikro und singt die Anlage mit einem Elvis-Song in die Selbst­zer­stö­rung.

39.

Auf der anderen Seite spielt der BVB für den Moment wie so ein AfD-Par­tei­pro­gramm: ein­di­men­sional, rechts­lastig und ziem­lich vor­her­sehbar.

40.

Und Sports­ka­merad Haa­land? Sieh an:

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41.

Bit­ten­court eben erst mit der blitz­sauberen Grät­sche gegen Sancho, dann sofort mit Hacken-Über­steiger-Pass. Macht sein Spiel des Lebens. Wenn er jetzt am Glücksrad eine 10 dreht, zieht er direkt in die Villa und zählt seine Sta­tus­sym­bole.

44.

Hum­mels strau­chelt wie so ein Coupon-Rentner am Black Friday. Und also: Selke hat das 3:0 auf dem Fuß. Und Zeit. Und Platz. Und das sind dann min­des­tens zwei Pro­bleme zu viel. 

45.

Selke am Boden. Hat sich bei der Chance zuvor offenbar weh getan. Geht meinen Augen genauso. Und? Mache ich Welle? 

21.33 Uhr

Halb­zeit. Werder führt mit 2:0. Ver­dient. Und Dort­mund? Macht gute Miene zum schlechten Spiel:

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21:39 Uhr

Ver­rückt, dass das Fehlen eines Mannes so viel aus­macht. HSV-Fans wissen das natür­lich. Nach dem Weg­gang von Heiko Wes­ter­mann stieg das Team ab. Ach so, Haa­land und Wes­ter­mann kann man nicht ver­glei­chen? 

21:48 Uhr

So wie ich bei Bit­ten­court immer an Energie Cottbus denke, denke ich bei Alex­ander Bommes immer an Herrn Nagorsnik, der alles weiß, aber nicht das: Wie lautet der zweite Vor­name von Jürgen Klopp: Nor­bert oder Gün­ther?

46.

Anpfiff zur zweiten Halb­zeit. Favre hat ein Ein­sehen und bringt Nor­bert Dickel, kom­men­tiert wird das Spiel ab sofort von Frank Mill.

48.

Nein, Scherz. Erling Haa­land jetzt im Spiel. Werder-Coach Koh­feldt stellt direkt die Taktik um und lässt mit einem modernen 9−1−0 spielen.

49.

Dort­mund rennt an, jetzt Frei­stoß, aber abge­wehrt. Im Großen und Ganzen sieht das alles aus, als würde ein Betrun­kener ver­su­chen, mit einer Ziga­rette eine Fla­sche Bier zu öffnen, wäh­rend er das Feu­er­zeug raucht.

53.

Sar­gent jetzt bei Werder im Spiel. Hum­mels steht sofort still.

55.

Koh­feldt tigert durch die Coa­ching­zone, um den Fans zu signa­li­sieren: Macht weiter! Haltet uns wach!“, weiß Gottlob. Er hat wohl gesehen, dass Selke eben ein kleines Nicker­chen auf dem Rücken von Osako gemacht hat, der wie­derum von Ailton geträumt hat, der hin­gegen an ein saf­tiges bra­si­lia­ni­sches Steak gedacht hat. 

56.

Haa­land bisher ohne Tor­schuss. Möchte ver­mut­lich seine Quote (7 Tor­schüsse, 7 Tore) nicht nicht kaputt­ma­chen. Clever.

59.

Jetzt aber Schulz. Mit einem Schuss von Links­außen. Der Ball jagt in Rich­tung Auto­bahn­aus­fahrt Herne-Süd. Inter­es­sant. Vor allem für Men­schen, die es zu auf­re­gend finden, wenn Schüsse in die Nähe des Tores gehen.

63.

Haa­land immer noch ohne Tor­chance. Dafür im kurzen Small­talk mit Pizarro, der dem Nor­weger das Du anbietet. Ein wun­der­li­cher, aber freund­li­cher älterer Herr“, denkt Haaa­land. Viel­leicht besuche ich ihn mal in seiner Senioren-Resi­denz für eine Partie Bingo.“

64.

Dort­mund wie ein ver­zwei­felter Tou­rist, der nicht mehr weiß, wie der ein­stel­lige Zah­len­code zu seinem Koffer lautet.

65.

Gelbe Karte für Marco Reus. Wegen Rekla­mie­rens. Und irgendwo in Mön­chen­glad­bach wird Alas­sane Pléa spontan für wei­tere zwei Spiele gesperrt. 

66.

Noch ein­falls­loser, und Dort­munds Spiel bekommt einen Sen­de­platz bei RTL.

68.

Ha! Haa­land. Tor. Drückt einen von Brandt über Pav­lenka gechippten Ball über die Linie. Hat jetzt eine 100-Pro­zent-Quote im DFB-Pokal. Mit anderen Worten: Lausig.

69.

Und gleich danach: Der ein­ge­wech­selte Reyna mit dem erneuten Chip-Ver­such gegen Pav­lenka. Aber der Tscheche wie einst Davie Selke im Trikot von Hertha BSC: Bleibt ein­fach stehen.

70.

ICH. FLIPPE. AUS. 3:1 Werder. Rashica. Der steil geschickt wird und steil ist geil und das Ding ist drin, weil Rashica den Ball an Hitz vorbei ins linke Eck zwingt. Keine Pointe. Wahn­sinn genügt.

73.

BREA­KING NEWS: Haa­land nach Traum-Steck­pass von Brandt frei vor Pav­lenka, lässt ihn aus­steigen, und dann bringt er den Ball nicht auf das Tor! Ich wie­der­hole: NICHT AUF DAS TOR. Was pas­siert als Nächstes? Gewinnt Mats Hum­mels ein Lauf­duell?

76.

Dort­mund wie so eine Bande unge­dul­diger nord­ko­rea­ni­scher Wis­sen­schaftler. Der Rake­ten­bau­satz hatte aber auch viele Teile. Und die weiß­rus­si­sche Anlei­tung war aber auch schwer zu ver­stehen. Dann werden sie unge­duldig, ein paar Schrauben und Teile liegen noch unver­baut vor ihnen auf der Werk­bank. Einer sagt: Egal, zünd ein­fach an das Ding.

77.

Nur noch circa 13 Minuten, bis wir dem FC Bayern Mün­chen zum DFB-Pokal 2020 gra­tu­lieren können. Aber hey:

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79.

Oder? Oder? Reyna! 3:2 nur noch. Bzw.: Genie­streich!!! Tän­zelt einen Rumba in die Bremer Abwehr, links, rechts, und dann strei­chelt er die Murmel von halb­links in den rechten, oberen Tor­winkel. Ich möchte dieses Bild als Gemälde kaufen, able­cken. Und mich dann davor stellen. Unge­fähr so:

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82.

Dort­mund jetzt auf dem Weg zum 3:3. Und das dank des Traum­tors von Reyna, der gerade mal 17 Jahre alt ist. Total irre. Was habe ich gemacht, als ich 17 war? Bong geraucht, nicht für Mathe­prü­fungen gelernt und Rick Dan­ge­rous auf dem Amiga 500 gespielt? Könnte hin­kommen. 

84.

Moi­sander greift seinem Gegen­spieler an den Hals. Müsste Rot geben… und… gibt… Gelb. Und einen Ver­trag bei der World Wrest­ling Fede­ra­tion. 

88.

Jetzt hat Marco Reus die große Chance. Dop­pel­pass, Schuss, aber Pav­lenka bahn­schrankt zu Boden. Die Luft wird dünner in Wer­ders Straf­raum.

90.

Fünf Minuten Nach­spiel­zeit. Und machen wir uns nichts vor: In wenigen Sekunden wird Haa­land das 3:3 erzielen. Und dann möchte ich nicht das Mikrofon von Gerd Gottlob sein. 

90. +2

Wer­ders Josh Sar­gent kann den Ball nicht kon­trol­lieren und geht zu Boden. Das klingt, als würde Bulle Roth Wer­bung für vegane Leber­wurst essen.

90. +4

Irre Wende: Tor­hüter hält Ball von Haa­land! Pav­lenka heißt der Held, der mit einem Wahn­sinns­re­flex einen Kopf­ball des Nor­we­gers über die Latte lenkt. 

90. +5

Koh­feldt wech­selt. Ömer Toprak kommt. Für zehn Sekunden. Könnte also noch (circa) 100 Meter rennen. Oder einen You­tube-Clip mit Ciro Immo­biles besten Szenen beim BVB gucken. 

22:42 Uhr

Und dann ist es aus. Haa­land trottet irri­tiert über das Feld. Hebt die Arme, jubelt den Fans zu. Man möchte ihm zurufen, junger Freund, heute hast du nur ein Tor geschossen, weil dein son­der­barer Trainer es für eine total geniale Idee hielt, dich erst in der zweiten Halb­zeit zu bringen. Und ver­dammt, heute war auch der Tag, als ein Tor­hüter einen Ball von dir parierte. Wo geht’s jetzt hin? Für Werder ins Vier­tel­fi­nale. Wir gra­tu­lieren.