Gladbach
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Bayern München

Gladbach - Bayern im Liveticker

Ramy Lama Ding Dong

Borussia Mönchengladbach gewinnt mit 2:1 gegen Bayern München. Dank eines Doppelpacks von Ramy Bensebaini, einer der größten Charity-Aktion in der Geschichte der Bayern und viel viel »smmvfhdfkjhascfd«. War ganz nah dran und teilweise objektiv: der Liveticker.

15:15

Freunde, herzlich willkommen zum Ticker. Und was ist das für eine spektakuläre Begegnung. Zwei alte Rivalen. Zwei echte Schwergewichte im direkten, gnadenlosen Aufeinandertreffen. Aber genug von Kollege Behnisch und mir, ab zum Spiel.

15:20 Uhr

Gladbach gegen Bayern also, und die Borussen grüßen von der Tabellenspitze. Parallel dazu spricht Reiner Bonhof im Interview. Ist das hier noch 2019? Oder bin ich rückwärts durch die Zeit gefallen und befinde mich irgendwo in den Siebzigern? Weil, wenn das der Fall ist, kann ich leider nicht tickern. Dann muss ich nämlich ins Kino und den neuen Schulmädchenreport gucken.

15:23 Uhr

Schade, erstmal Werbung. Hab Bonhoff gerne zugehört, diesem in sich ruhenden, unfassbar langsam sprechendem Fußballopa, der auf den Worten erstmal lange rumkaut, bevor er sie ausspuckt. Erinnert mich an Morla, die riesige, uralte Schildkröte aus der unendlichen Geschiche. Bin gespannt, ob Atreyu heute Sky-Experte ist und nachher das Umschaltspiel vom FC Fantasia analysiert.

15:25 Uhr

Ach, Werbung ist eigenlich ganz ok. Also auf Sky. Denn jede Sekunde Werbung ist eine Sekunde, in der mir irgendein Sky-Experte nicht die Feinheiten dieses wunderbaren Fußballsports aus dem Gehirn rauserklärt.

15:28 Uhr

Ach, ach ach. Der Fußball, er schafft es ja immer wieder, einem Träume zu verkaufen. Mein aktueller Bundesliga-Traum wäre: Heute ein Sieg der Gladbacher gegen Bayern, dann ein packender, spannender, wunderbarer Meisterschaftskampf zwischen diversen Teams, von denen man das nicht erwartet hat. Mit einem hochdramatischen, richtig bitteren, fanseelenzerquetschenden, Mäzen-zum-Rückzug-bewegenden Katastrophenende für RB Leipzig. Ach, ach ach.

15:29 Uhr

Geile Hymne haben sie, die Gladbacher. Die Seele brennt. Würde jeder Wolle-Petry-Playlist zur Ehre gereichen. Wenn man ein Lied holzvertäfeln oder ihm eine Zapfanlage einbauen könnte, dieses wäre es.

1.

Anstoss Bayern. Da fehlen bei Borussia einfach noch die Automatismen.

2.

Wenn ich es richtig gesehen habe, hat sich der Schiri-Assistent eben, kurz vor dem Anpfiff, und also dann, als die Fotos gemacht wurden, den rechten Zeige- und Mittelfinger an die linke Brust gehalten. Als würde er eine, seine Gang grüßen. Wie sie sich wohl nennen? Die Blood&VAR? Original unparteiisch? Oder doch einfach nur Brigade Hartmut Strampe?

4.

Gladbach hier ziemlich Babo zu Beginn. Wie so ein weißes Ballett. Also ohne Ballett. Eher wie so eine weiße Dampframme, die den Ball von Panzerschrank zu Panzerschrank nach vorne schubst. Gleich meldet sich der VAR und prüft auf Genfer Konventionen.

5.

Erste gelbe Karte der Partie für Benes. Der Davies am Knie erwischt. Bitter. Er wollte zentraler.

8.

Das Spiel »sucht« sich noch. Zeit, auf Randerscheinungen zu achten. Zum Beispiel auf Schiedsrichter Marco Fritz. Der immer so aussieht wie dieser eine Typ, der den Leuten in mittelgroßen Städten Westdeutschlands reihenweise VW Polos verkauft. Und dann begegnet er den Menschen in der Folge jeden verdammten Samstag auf dem Wochenmarkt. Und schämt sich kein bisschen.

9.

Aha. Erste Chance für die Bayern. Viel Kuddelmuddel und dann ist es Müller, der von der Strafraumgrenze die Schusschance hat und ihn so ziemlich Müller trifft, also irgendwie so halb und irgendwie auch so gar nicht und dann trifft der Schuss ein paar Bayern-Füße, Gladbach-Schakren und die Raumstation MIR, ehe sie dann doch am Tor vorbei zischt. Vor drei Jahren wäre der noch in den Winkel geflogen. Zeiten ändern sich eben. Vor drei Jahren war die SPD auch noch am Arsch. Oh. Moment.

12.

Bayern jetzt wie in der deutschen Politik. Will das Geschehen diktieren. Findet aber kein Gehör.

14.

Lewandowski mit Schlenzer vom linken Strafraumrand und nur einen Reklamier-Arm am Tor von Yann Sommer vorbei. Nach schönem, doch recht ungestörtem Vortrag der Bayern. Über drei Stationen und das komplette Feld. Wäre dieser Angriff eine Powerpoint-Folie gewesen, dann diese:

19.

Bayern hier bislang wie die eklige Kreisligatruppe aus dem Nachbarkaff, auf die man zweimal im Jahr trifft und schon vorher weiß, dass das nichts wird. Viele kleine Tritte, paar kleine Fouls, die den Spielfluss unterbrechen, und vorne drin den Neuner, der mal höher gespielt hat und auf jeden Fall noch seine zwei Hütten machen wird. Und nachher pissen sie dir noch die Nasszelle voll, schmeißen ihre Schampooflaschen durch die Gegend, machen ihre Schuhe in der Kabine sauber und kippen den Mülleimer um.

23.

Eieiei, jetzt eine Szene im Bayernstrafraum, die mich stark an mein Leben erinnert. Viele Fehler, die zu weiteren Fehlern führen, dann ein Missverständnis, bei dem man nicht gut aussieht und Kapital kann am Ende auch niemand draus schlagen. Weiter 0:0.

25.

Tolisso übrigens verletzt raus. Hatte schon vor der Partie Probleme, als er sich während der Gladbach-Hymne das Trommelfell gezerrt hat.

27.

Dann mal Thuram, macht es aber wie ich in der Achten, als ich in Mathe und Physik je eine Fünf bekam: Bleibt hängen.

30.

Alter, was eine Szene. Die Bayern drücken, erst Müller mit der Chance, dann Kimmich, der nach einer Ecke aus der zweiten Reihe abzieht und Sommer fast, aber nur fast überwindet. Aber der Ball geht so hauchzart nicht über die Linie, dass sich Gladbach beim Zeugwart bedanken kann. Denn hätte der Ball ein halbes Bar weniger Luftdruck gehabt, wär es ein Tor gewesen.

32.

Gladbach offensiv umständlich, wenig zielführend. Als würde sich Familie Grumpelbrecher über die Anreise zum Ferienort Gedanken machen. Drei Stunden später macht Mama Hilde erstmal Tee. Denn einfach nur möglichst viel Anlauf nehmen und auf den Rollkoffern Richtung Provence zu reiten, erscheint dann doch als nicht ideal.

33.

Bayern jetzt hier mehr am Drücker als eine Familie, die Familienduell gegen sich selbst spielt:

34.

Nennen Sie einen Ort mit viel Beinfreiheit! Uff. Gladbachs Hälfte!

35.

+++BREAKING: Leben in Bayerns Hälfte gesichtet. Dann Einwurf für die Münchner. Eins nach dem andern.

36.

Ja, da sieht man mal, so ein Offensivfeuerwerk wie das der Gladbacher lässt dann natürlich Raum für Konter. Und Lewandowski, der alte Raumaustatter, weiß den zu nutzen, nagelt einen wunderschönen Raum auf den rechten Flügel, zieht die Gladbacher Viererkette ins »Hä?«, womit Ivan Perisic völlig blank steht, der dann auch noch den Ball bekommt und schiessen darf. Aber drüber. Bzw.: Kovac raus!

38.

Gladbach zwei Klassen schlechter als der Gegner und trotzdem in der Nahrungskette immer noch vor ihm. Womit, im Gegensatz zu der von Kollege Reich, meine Schulzeit ganz treffend umschrieben wäre.

41.

Ha! Ein Torschuss von Borussia Mönchengladbach. Der erste der Partie. Durch Pléa. Aber der Plan der Fohlen geht nicht auf! Manuel Neuer noch wach. Hält dann mit dem Atemzug seines Gähnens.

43.

Goretzka lässt die nächste Chance liegen. Wenn Bayerns Finanzvorstand clever ist, verbucht er diese erste Halbzeit als Charity-Aktion.

44.

Hansi Flick für mich jetzt schon Top3 der Bayern-Trainer 2019.

45.

»Die Bayern spielen das komplette Klavier«, so Wolff-Christoph Fuss. Und Gladbach? Wie die gute alte Orchester-Triangel. Wartet auf diesen einen Moment.

45. +2

Aha! Schöne Konter-Chance für Borussia, und dann ... Halbzeit.

16.18 Uhr

Pause. Bisschen Kraft schöpfen. Auftanken. Bis gleich.

46.

Anpfiff Gladbach. Also nehme ich mal an, dass es den in der Pause gab. Geht außerdem auch weiter.

48.

Gladbach in Hälfte zwei jetzt wie ein Pornodarsteller, der Überstunden macht. Da muss mehr kommen.

51.

Tja, und dann sind sie da, die gandenlosen Superbayern, dürfen sich im Gadbacher Srafraum den Ball hin und herspielen und machen dann das, was die Bayern eben so machen: In diesem Falle ein ekliges 1:0 aus der Drehung von Ivan Perisic. Und irgendwo am Tegernsee summt Uli Hoeneß zufrieden Seven Nations Army.

53.

Gedämpfte Laune jetzt auch bei Gladbach-Fan Behnisch. Verstehe ich als Frankfurter nicht, um ehrlich zu sein. Ein 5:1 ist doch noch drin?!

57.

Hier eine unvollständige Liste von Dingen, die kreativer sind als die Gladbacher Offensive an diesem Tag.
- Schranz-Produzenten
- Die Farbe Grau
- Die Steuererklärungssoftware ELSTER
- ein eingeschlafener Fuß
Ende der Liste

60.

Bei Gladbach jetzt neu im Spiel: Embolo. Scheint, als wolle Rose mehr Tempolo. Hahahaha. Hahaha. Haha. Ha. Hust. Entschuldigung.

61.

JAAAAAAAAAA!!!! TOR!!!! Für Borussia Mönchengladbach. Was ich natürlich total objektiv bemerke. Also: JAAAAAAAAAA! Ecke Fußballgott, Kopfball Bensebaini. FUSSBALLGOTT!!! 1:1. Und nach Effizienz: Blitz-K.O. Und übrigens: JAAAAAAAAAAA!!!!

62.

Genial von Marco Rose, seine Mannschaft in der ersten Halbzeit mit der Geriatrie-Variante eines 4-4-2 auf das Feld zu schicken, um dann in der zweiten Halbzeit alsbald auf 4-3-3 umzustellen und also den verdammten Zug auf das Gleis zu setzen, mit dem Borussia hier bisher als Pseudo-Transrapid in Richtung Sonne gestürmt ist. Jetzt kann hier alles passieren. Sogar, dass dieses 1:1 irgendwann verdient wäre.

63.

Oha. Bayern nervös. Boateng tritt Pléa kaputt. Für ihn jetzt Patrick Herrmann im Spiel. Und der gleich mittendrin, statt nur dabei, denn die anschließende Freistoßflanke schädelt er nur knapp am Pfosten vorbei. Aber gut: Neuers Reklamierarm wäre wohl auch da gewesen.

66.

Gladbach will und drückt und drängt. Und das klingt wie der verzweifelte Versuch, eine Darmspiegelung zu verhindern, ist aber das Indiz dafür, dass wir, liebe Freunde, hier endlich ein Fußballspiel haben. So richtig mit ZWEI Mannschaften und hin und her und Ramba-Zamba. Und wenn jetzt noch der Hot-Buzzer zuschlägt, bin ich endgültig reif für 9Live.

69.

Martinez kommt. Boateng geht. »Hat bisschen Probleme mit Knie, Schrägstrich Oberschenkel«, so Wolff-Christoph Fuss. Interessante Umschreibung für »Kopf«, wenn man mich fragt.

70.

Sage es ungern, aber Stindl bisher bester Bayern-Spieler in der zweiten Halbzeit. Verdaddelt hier aussichtsreiche Gladbacher Möglichkeiten in Serie. Will er sich so für Jogi interessant machen?

71.

Wo ist Igor de Camargo, wenn man ihn braucht?!

73.

Das Spiel jetzt wie ein Boxkampf an der Spielekonsole. Sieht brutal aus, tut aber niemandem weh.

75.

Kurze Warnung. Wenn Michael Cuisance heute ein entscheidendes Tor erzielt, werde ich nicht eher ruhen, bis er einen Besen frisst.

78.

Jungejunge, der Embolo macht mehr Betrieb als eine Kreisligatruppe auf Mannschaftsfahrt am Ballermann. Wenn er so weitermacht, bestellt er bei Neuer gleich einen Wodka-Energy-Tower für die ganze Bande. Und bekommt ihn.

80.

Und daneben der Thuram. Werde immer ganz melancholisch, wenn ich einen Fußballer kicken sehe, dessen Vater ich auch schon kicken gesehen habe. Gibt wenige Dinge, die mir die eigene Vergänglichkeit, die Gnadenlosigkeit der Zeit so vor Augen führen. Ob das wohl in Zukunft noch schlimmer wird? Sitze ich irgendwann 80-Jährig mit glasigen Augen vor der Sportschau und denke: "Ach Mensch, schön, Alexander Esswein der III., ich gönne ihm den Ballon d'Or. Hab ja den Opa schon spielen sehen"? Bevor ich dann meinen Rollator nehme und in den Park gehe, Robo-Enten füttern.

83.

Eieiei, Riesenchance Gladbach, aber Stindl legt den Ball knapp am langen Eck vorbei. Falls ihr in Brandenburg wohnt und lautes Gejaule gehört habt, keine Sorge, das sind keine Wölfe, das war Kollege Behnisch, der den Mond angeheult hat.

86.

Nochmal Freistoß Gladbach. Würde mir ja ein Gladbach-Tor wünschen, allein um zu sehen, wie sich Manuel Neuer den Arm blutig reklamiert.

89.

Die Schlussphase jetzt wie morgens um vier im Ü40-Schuppen. Alle wirken platt, viele unkoordinierte Bewegungen, ständig liegt jemand, niemand kann mehr. Und alle hoffen, trotz allem noch was mitzunehmen.

90.

Parallel führt übrigens RB Leipzig und ist Tabellenführer und ich schreibe jetzt mal eine Mail an unseren IT-ler, warum unsere Tickermaske eigentlich keinen kotzenden Smiley hat, der sich eine Pistole an die Schläfe hält.

91.

Aaaaaaaaaalter: Konter Gladbach, 90. Minute, Martinez räumt Thuram ab. Elfmeter. Leck mich fett.

93.

UND DA IST DAS DING. Oder wie es Kollege Behnisch schreiben würde, was er leider gerade nicht kann, weil er eine Mischung aus spastischem Anfall und Siegertänzchen aufführt: DJWVBV SBVFUB OIIDCUEFBVUB CFOUBFV!!!!!!!!! Bensebaini schweißt das Ding ins Eck, Gladbach führt. Und dieses Spiel steht endgültig in einer Reihe mit all den legendären Klassikern aus den 70ern. Was! Ein! Drama!

94.

Und das war's: Gladbach dreht das Spiel so dramatisch, dass ich eine verdammte Netflix-Dramolette darüber erwarte. Mit Ralph Fiennes als Bensebaini, Willem Dafoe als Manuel Neuers Reklamierarm und Cate Blanchett als Kollege Behnischs Jubelschrei. Belassen wir es dabei, euch einen schönen Abend.