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Borussia Dortmund – Bayern München 2:3
Bundesliga

18.15 Uhr

Servus. Und herz­lich will­kommen zu Men­schen, Haa­land, Sen­sa­tionen. Das Wich­tigste vorab: Er spielt nicht. Chris­tian Früchtl aus Bischofs­mais sitzt nur auf der Bank. Keine Ahnung, was das mit dem asia­ti­schen Martk macht, aber wir lassen uns von denen DA OBEN die Stim­mung nicht ver­derben. Wir schauen auf das Beste, was die Liga zu bieten hat. Auf Lothar Mat­thäus seinen wirk­lich nicht alters­ge­recht-fal­ten­freien Hals und auf dieses Dop-Spiel“.

18.20 Uhr

Kommen wir zu den Auf­stel­lungen. Hier die des BVB: Kobel – Meu­nier, Akanji, Hum­mels, Guer­reiro – Can, Dahoud, Brandt, Reus, Bel­lingham – Haa­land

18.23 Uhr

Klingt für mich aller­dings eher wie so ein Gesprächs­fetzen aus der Wich­tig­tuer-Bar im Soho-House. Wenn zwei Yup­pies, die denken, sie hätten das Leben begriffen und die nicht schnallen, dass das ein­fach nur die Kre­dit­karte von Papa ist, über ihr neu­estes High-Tech-Gagdet par­lieren: Meu­nier Can Dahoud, und geht auch bei Brandt Reus.“ Akanji, Akanji!“

18.26 Uhr

Irre. Auch die Bayern mit einer Startelf. Und zwar dieser hier: Neuer – Pavard, Upa­me­cano, Her­nandez – Tolisso, Goretzka, Coman, T. Müller, L. Sané, Davies – Koan Welt­fuß­baller

18.27 Uhr

Sorry, musste kurz speien, da sie im Signal Iduna Park You’ll never walk alone“ singen und dabei alle so schön Ruhr­pott-Ori­gi­nalig schauen, mit diesem seligen Grinsen, dass sich und der Welt ver­ge­wis­sern soll: Hörma, dat jibbet nur bei uns. Nur bei uns jibbet dat. Gän­se­pelle. Echte Liebe. Nur bei uns. You’ll never walk alone.“ Ja. Ihr mich auch.

18.30 Uhr

Bei Erling Braut Haa­land reicht es laut Dort­munds Trainer Marco Rose übri­gens kei­nes­falls für 90 Minuten. Wir haben soviel gemeinsam.

1.

Anstoss-Pflicht vor­schrifts­gemäß aus­ge­führt. Mal schauen, was das für Lang­zeit­folgen hat.

4.

Bayern von Beginn an soweit auf­ge­rückt, dass es mich nicht wun­dern würde, es fällt gleich ein Tor auf Schalke. Und dann auch der erste Konter der Dort­munder, Haa­land schneller als alle, aber Neuer vor ihm, raunt dem Nor­weger zu: Schön, Sie ken­nen­zu­lernen. Aber warten Sie mal, bis sie Bekannt­schaft mit meinem Rekla­mierarm machen.“

6.

Tor für Dort­mund! Weil die Bayern den Brandt nicht gelöscht kriegen, weil sie ihn ein­fach laufen lassen, tanzen lassen, aus elf Metern schiessen lassen. Und dann schaut Manuel Neuer auch nur wie Angela Merkel beim großen Zap­fen­streich:
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9.

Ja BUMS mich doch. 1:1. Lewan­dowski. Weil: Hum­mels im Spiel­aufbau wie beim Rentner-Bingo, ein­fach gedank­lich zu langsam. Kai­sert einen beab­sich­tigten Dia­go­nal­ball direkt in bay­ri­sche Haxn, und dann Müller, der für Lewan­dowski über­lässt und ein Dort­munder Kobel im Tor, der nicht hier und nicht dort ist und dafür aber der Ball in seinem Tor. Was für ein Spiel“, brunftet Wolff-Chris­toph Fuss in den Äther. Kann ich Dir sagen: Fuß­ball, Wolff, Fuß­ball.

13.

Nächste Chance, diesmal durch Leroy Sané. Dieser Sen­sa­tion. Wie zart und gleich­zeitig unend­lich kraft­voll dieser Kerl ist. Dazu dieser iko­ni­sche Look. Als würde Jimi Hen­drix Beet­hoven spielen. Mit seinem Körper. Aber gut. Ich drifte ab. Das macht die Liebe. Sané jeden­falls plötz­lich vor dem Dort­munder Straf­raum mit mehr Frei­heiten als Superman am Waschtag, holt den linken Hammer raus und dann aber wie so ein Streeck-Hen­drik: ein­fach daneben.

16.

Das Spiel gönnt sich eine Aus­zeit. Ein guter Moment, in Ruhe auf den Ist-Zustand zu schauen:

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19.

Also wenn dieses Spiel Schule macht, muss eine mitt­ler­weile ewige Weis­heit um Ver­wandt­schaft in Gedanken erwei­tert werden und der fol­gende Lehr­spruch in die Fuß­ball­bü­cher dieser Welt Ein­gang finden: Es gibt kein Mit­tel­feld mehr.

23.

Emre Can mit dem Beweis, auf einem Level mit Mats Hum­mels zu sein. Schlu­dert einen Kata­stro­phen-Quer­pass aus dem Ich-Bin-Der-Babo-Selbst­ver­ständnis in bay­ri­sches Geläuf. Und dann macht King­sley Coman sein Ding, statt es zu Lewan­dow­skis Ding zu machen, der näm­lich frei stünde. Aber gut, wer auch nach 41-Bun­des­liga-Sai­son­toren nicht Welt­fuß­baller wird, dem würde ich die Pille auch nicht mehr geben. Ist ja irgend­wann auch pein­lich.

26.

Und nun wieder: Wild-West. Julian Brandt mit dem nächsten Tänz­chen, aber das ist kein Tango mehr wie noch beim 1:0, da schwoft er eher ein Glo­buli in den Abend, das vom dazu­be­stellten Alp­honso Davies schließ­lich dorthin gegrätscht wird, wo es hin­ge­hört: in die Tonne. Auf der Gegen­seite erneut Coman. Mit Fuß­ball-Mathe­matik des höheren Huch: Aus spitzem Winkel, in Rich­tung Winkel, zur Qua­dratur des Kreises.

29.

Konter Dort­mund, Konter Haa­land. Doch dessen Abschluss hauch­zart neben den Pfosten. Noch zarter, und Sky hätte hier aber sofort nach meiner Jugend­schutz-PIN fragen müssen. Statt­dessen Groß­auf­nahme von Upa­me­cano, der im Zwei­kampf mit Haa­land das große Nach­sehen hatte. Ich feel dich, Dayot:
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32.

Zwei­kampf auf Höhe der Mit­tel­linie. Und am Bild­rand tau­chen die Schat­ten­risse auf. Haupt­tri­bünen-Sitzer des Ball­spiel­ver­eins Borussia. Und sie recken die Fäuste. Wie der ein­fache Pöbel, der dem Geld­adel aber end­lich mal die Mei­nung geigt. Und ist das nicht eigent­lich die größte Leis­tung dieses Klubs? Dass die Men­schen diesen Quatsch noch immer glauben?

35.

Aber wollen wir mal nicht nur meckern. Dieses Spiel hat viel Schönes. Und es kann fast alles. Für den Moment sogar so attraktiv sein wie Hof­fen­heim-Wolfs­burg, Sonntag 17.30 Uhr.

38.

Stim­mung wie bei einer Quer­denken-Demo jetzt. Alle denken, gleich geht hier die Post ab. Und dann pas­siert: ein­fach nix.

41.

Foul an Reus. Muss eine Karte geben. Gibt keine Karte. Er pfeift nach Gefühl“, sagt Lothar. Und irgend­wann klatscht es. Aber keinen Applaus.

44.

Und dann pas­siert doch was. Tor für die Ord­nungs­macht. Tor für die Bayern. Nachdem Guer­reiro Hum­mels abschiesst. Gut. Nicht, dass daran etwas falsch ist. Aber so kommt der Ball eben zu King­sley Coman, der seinen dritten Ver­such dann also ins Tor wemst. Und dann ist Stille. Der Pöbel ver­stummt. You’ll never walk alone. Außer wenn Du hinten liegst.

45.

Die 11FREUNDE-Halb­zeit-Ana­lyse: Bayern spielt, Dort­mund kon­tert, Bayern führt, Fuß­ball ist super.

46.

Anstoss zur zweiten Halb­zeit. Rich­tige Ent­schei­dung. Meine Mei­nung.

48.

2:2. Weil Upa­me­cano einen Ball klären will, der derart harmlos ist, dass er sich für den Frie­dens­no­bel­preis Chancen aus­rechnen könnte. Weil Upa­me­cano diesen Ball mit der Brust klären will und weil Upa­me­cano diesen Ball zwar tech­nisch gesehen mit der Brust spielt, tat­säch­lich aber mit einem nassen Sack von Brust. Und dann ver­zagt sich der Ball vor die Füße von Jude Bel­lingham, der ihn schnell wei­ter­flötet, zum Hei­land, zu Haa­land, der es mit Gefühl macht, und schlimmer noch, mit rechts. Und dann zwir­belt ein Schlenzer durch die Nacht und alle ein Tore ver­liebt sich ein Fuß­ball-Fan in Erling Haa­land. Was für ein Tor. Und zur Beru­hi­gung hier ein Bild von Dayot Upa­me­cano seiner Brust:
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52.

Dort­mund mit Ober­wasser. Und irgendwo in Aachen sitzt Armin Laschet und denkt sich: Diesmal mache ich alles richtig.

55.

Gelbe Karte für Marco Rose. Hat sich wohl im Ton ver­griffen. Dabei finde ich, dass man ihm seinen säch­si­schen Ursprung über­haupt nicht mehr anmerkt. Womit ich nur sagen will: Ent­schul­di­gung.

58.

Coman zum Vierten, ver­passt sein Zweites. Womit klar sein dürfte: Fuß­ball ist wie Mathe, nur mit Wür­feln.

60.

Zum Bei­spiel Kniffel. Du kannst zwei Einsen wür­feln. Und dann ist das ja erstmal nix. Und dann wür­felst Du nochmal. Und dann sind da vier Einsen. Und das ist ja immer noch fast nix. Und dann wür­felst Du nochmal. Aber Du brauchst jetzt auch nur noch eine Eins, um die höchste Punkt­zahl von allen zu erzielen. Eine Eins nur. Weniger als nix. Du brauchst weniger als nix, um das Maxi­male zu errei­chen. Und jetzt weiß ich auch, wie Flo­rian Koh­feldt in Wolfs­burg gelandet ist.

63.

Wechsel bei Dort­mund. Einer, der klingt wie das Sonn­tags-Pro­gramm der Caritas Brakel: Malen für Dahoud.

66.

Auch die Bayern wech­seln. Musiala für Goretzka und Gnabry für Sané. Aber das ist alles ganz egal für den Moment. Da Julian Brandt und Dayot Upa­me­cano anein­ander ras­seln im Kopf­ball-Duell und dann legt es sie lan. Brandt schlägt schreck­lich wuchtig mit dem Kopf auf dem Rasen auf, scheint kurz bewusstlos. Seine Mit­spieler rufen hek­tisch nach ärzt­li­cher Hilfe und bald nach der Trage. Und dann wird er vom Spiel­feld getragen und kann zum Glück die Hände hinter den Kopf nehmen und den Kopf heben. Und kurzum: Alles Gute.

70.

Als wäre das in Zeiten von Corona nicht schon Dau­er­zu­stand genug, wird nun auch dieses Spiel vom Dauer-Ein­satz der Ärzte bestimmt, da Lucas Her­nandez sich derart schreck­lich das Knie ver­dreht, dass man nur hoffen kann, er hat schon längst auf Kugel­lager auf­ge­rüstet.

73.

Her­nandez muss vom Feld. Und kurz denke ich: Was macht denn mein Kühl­schrank da? Aber dann ist es doch nur Niklas Süle.

76.

Was diesem Spiel noch gefehlt hat zum All-Inclu­sive-Event, das uns ver­spro­chen wurde? Eben, ein richtig kna­ckiger VAR. Prä­sen­tiert von Mats Hum­mels seinem Ell­bogen, der nach einer Ecke an den Ball kommt. Und dann also Elf­meter und die Künstler dieser Stadt machen sich auf, ihrem Hum­mels ein Denkmal für diese Partie zu schmieden:
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77.

Elf­meter und Lewan­dowski und Anlauf und Anlauf-Stopp und Tor. 3:2 für die Bayern. Und gelb-rot für Marco Rose oben­drein, der Schiri Zwayer einen Daumen hoch gönnt und wer weiß was noch alles. Und auch wenn Co-Trainer René Maric ihn noch weg­trägt, im wahrsten Sinne des Wortes weg trägt, den Marco Rose, gibt es dann den Platz­ver­weis. Die Stei­ge­rung von All-Inclu­sive? Dort­mund-Bayern. Bal­le­lujah.

80.

Auf der Gegen­seite will Dort­mund nun einen Hand­elf­meter. Ich will 19 Mil­lionen Euro. Und ich sage mal so: Für den Moment stehen meine Chancen besser.

81.

Haa­land raus. Isso. Für ihn Tigges im Spiel. Zudem Schulz für Guer­reiro. Dort­mund als nur noch zu neunt. Bitter.

84.

Drei Gelbe frei vor Neuer“, prustet Lothar Mat­thäus. Und bitte, machen Sie ihren FDP-Gag selbst, ich habe hier zu tun, näm­lich zu schil­dern, dass Jude Bel­lingham nach Reus-Frei­stoß einen Kopf­ball über das Tor plat­ziert. Zum Trost“ für alle Anhänger von Unent­schieden hier ein Bild aus meiner ganz pri­vaten Rancho-Relaxo:
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90.

Das Spiel hat wirk­lich alles. Sogar die fol­gende Pointe: zehn Minuten Nach­spiel­zeit.

90. +3

Pro­blem. Bayern hat Dort­mund den Zahn gezogen. Da ist nix mehr. Kein Tropfen Sprit mehr im Tank. Der Ersatz­ka­nister flötet von der Wüste. Auch wenn Donyell Malen hier noch zu einem Fall­rück­zieher ansetzt. Es müsste ein Wunder geschehen. Oder irgendwas von Marco Reus. Der es auch nochmal ver­sucht, zwei Bayern ver­nascht, als wären sie die Leckerlis eines ganz eines wilden Labd­ra­doo­dels. Aber dann kommt Upa­me­cano, und der will nicht nur spielen, der will nur zer­stören. Und dann krümmt sich Reus am Boden und mit ihm jede Hoff­nung. You’ll never walk alone in Dort­mund. Außer wenn Du hinten liegst. Oder Marco Reus heißt.

90. +7

Aber Dort­mund will, will, will. Sucht nach der Luft­pumpe, nach dem Ventil, sie ans eigene Über­leben in diesem Spiel zu stöp­seln. Und sie laufen und passen und hoffen und prallen ein­fach ab wie Edmund Stoiber am Trans­rapid. Jetzt hilft nur noch Muschi.

90. +9

Nochmal Eck­ball für Dort­mund. Tor­hüter Kobel ist auch mit dabei. Alles steht“, so Wolff-Chris­toph Fuss. Aber halt auch die Bayern-Defen­sive. Und dann Konter und dann kann Tolisso den Ball allein auf das Dort­munder Tor zulau­fend zum 4:2 ein­schubsen. Und dann ver­sucht er es von der Mit­tel­linie aus und ver­passt um ein halbes Bochum.

20:35

Und dann ist es vorbei. Die Bayern gewinnen in Dort­mund mit 3:2. Herz­li­chen Glück­wunsch zur Meis­ter­schaft auch aus der 11FREUNDE-Redak­tion.

20:36

Mats Hum­mels beim Unpar­tei­ischen-Gespann um Felix Zwayer. Und sie dis­ku­tieren und dis­ku­tieren. Ist eine fifty-fifty-Situa­tion“, habe Hum­mels zu Reus gesagt, so Reus am Sky-Mikrofon. Und Mats Hum­mels? Fragt und erklärt und fragt und ver­zwei­felt und dann irgend­wann ist es auch gut und Hum­mels gibt den drei Spiel­lei­tern die Hand und geht fried­lich davon. Und siehe an, so wird man dann doch noch zum Spieler des Spiels. Cha­peau, Herr Hum­mels, Cha­peau.