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1860 München – Borussia Dortmund 0:3
DFB-Pokal

20:31 Uhr

Hallo und herz­lich Will­kommen, bezie­hungs­weise: Berlin, Berlin, wir tickern aus Berlin. Aber das macht nichts, denn in Mün­chen, im Grün­walder Sta­dion, findet heute ein fan­tas­ti­sches Fuß­ball­spiel statt: 1860 gegen Dort­mund. Und die große Frage: Kann der BVB end­lich mal in Mün­chen gewinnen?

20:33 Uhr

Kathrin Müller-Hohen­stein steht am Spiel­feld­rand und begrüßt, wie sie sagt, eine echte Sechzger-Legende, Mit­glieds­nummer 1860, ein Leben lang ein Löwe. Ist Hasan Ismaik wirk­lich nach Mün­chen gekommen?!

20:38 Uhr

Aber was ist das für eine Geschichte: Edin Terzic als BVB-Coach bei seinem ersten Pflicht­spiel – seit dem DFB-Pokal­sieg 2021. Das letzte Mal, dass jemand nach so langer Zeit seinen Titel quasi ver­tei­digen durfte, stieg Syl­vester Stal­lone nochmal in den Ring. Steht Terzic gerade auch in der Kabine und sagt: Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel du aus­teilst, son­dern darauf, wie viel du ein­ste­cken kannst!“ Und ist es wirk­lich so klug, Dort­munds Defen­siv­ar­beit gleich so offen zu kri­ti­sieren?

20:40 Uhr

Sechzig hat für Dritt­li­ga­ver­hält­nisse einen wirk­lich bru­talen Kader, der Verein hat sich nochmal ver­stärkt. Oder wie Köllner bei der Vor­stel­lung der Neu­zu­gänge sagte: Da haben wir den Ver­laat.“ 

20:42 Uhr

Habe gerade ein biss­chen Gän­se­haut, weil ich die Dort­munder Startelf gesehen habe: Kobel – Meu­nier, Süle, N. Schlot­ter­beck, Guer­reiro – Bel­lingham, Dahoud, Reus – Malen, Mou­koko, Adeyemi. Mit diesem Kader wird Dort­mund in dieser Saison nochmal ganz anders Zweiter.

20:43 Uhr

Am Akti­ons­spieltag Kli­ma­schutz machen die Mün­chener Green­keeper das Tor­netz nochmal mit Kabel­bin­dern aus Plastik fest. Möchte das gar nicht bewerten, son­dern nuckel weiter an meinem Papp­stroh­halm.

20:46 Uhr

Frage am Abend: Darf Sascha Möl­ders auf der Ehren­tri­büne am Akti­ons­spieltag Kli­ma­schutz trotzdem acht Leberkäs‘-Brötchen essen?

1.

Anpfiff! Oder wie sie in Gie­sing sagen:
81wm AXOM0 YL

2.

Es glit­zert und blitzt und leuchtet im Block der 1860-Fans. Pre­mi­um­pro­dukt DFB-Pokal! Ob sich der Ver­band das so vor­ge­stellt hat?

4.

Die ersten Minuten erin­nern ein biss­chen an beson­ders zyni­sche Groß­wild­jäger, die auch vor Jung­tieren nicht Halt machen: Die Löwen gehen früh drauf.

7.

Kurzer Blick auf die Dort­munder Ersatz­bank: Dort hat sich Julian Brandt ein ganz beson­deres Outfit her­aus­ge­legt, um dem Gegner heute etwas mehr Respekt vor seinem Namen ein­zu­flößen:
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9.

Kannste dir nicht aus­malen! Bezie­hungs­weise: doch! Donyell Malen kommt über links und zieht flach ab. Erst linker Pfosten, dann rechter und dann drin. Oder wie ein ehe­ma­liger Bayern-Trainer sagen würde: Fuß­ball ist Ding, Dang, Dong!“

12.

Der BVB kommt schon wieder, dieses Mal über Mou­koko. Sein Abschluss aber wie 11FREUNDE-Redak­teure im Fit­ness­studio: zu kraftlos.

14.

Frühe Dort­munder Füh­rung hier also in Mün­chen. Kannten sie so von ihren letzten Besu­chen in der Stadt auch nicht.

17.

An Niklas Süle im Dort­munder Trikot muss man sich auch erstmal gewöhnen. Das letzte Mal als ich in gesehen habe stand er noch rap­pend vor dem Späti.

19.

Wahn­sin­nige Grät­sche von Nico Schlot­ter­beck, spielt aber nur den Ball und zeigt Sech­zigs Laken­ma­cher nebenbei, wel­ches Gesell­schafts­spiel er favo­ri­siert: Risiko.

21.

Bitter: Bär hat sich ver­letzt und Köllner ent­scheidet sich, auch vor­be­las­teten Rechts­ver­tei­diger Län­nert raus­zu­nehmen. Erin­nert an die Unter­ho­sen­si­tua­tion am Morgen des vierten Tages der Klas­sen­fahrt auf dem Achter-Jungszimmer: Zwei Wechsel.

23.

Das Grün­wal­der­sta­dion ent­faltet langsam seine Magie, auch wenn nur 15.000 Zuschauer hin­ein­passen. Größer darf das Sta­dion vor­erst nicht werden. Es könnte sonst Jens Leh­mann den Blick auf den Starn­berger See ver­derben.

25.

Dort­munds Offen­siv­spiel geht – abge­sehen vom Tor – bisher noch nicht auf. Die Flü­gel­spieler suchen den Mann im Zen­trum, aber Haa­land noch nicht einmal am Ball.

28.

Finde es ja völlig in Ord­nung, gerade in modernen Zeiten, dass Bela Rethy seiner Rolle als Vater gerecht wird und seine Tochter mit zur Arbeit gebracht hat. Aber langsam sollte ihm eine andere Beschäf­ti­gung ein­fallen, als immer nur zu for­dern, sie solle gefäl­ligst Malen.

30.

Für Terzic natür­lich ein Auf­takt nach Maß. Eine Blau­pause auf EDin-A4.

32.

2:0 für Dort­mund! Weil sich Malen und Reus durch den Sech­zehner kom­bi­nieren und sich der Kapitän für den Beatles-Spielzug ent­scheidet: Hey Jude! Der muss nur noch ein­schieben.

34.

Michael Köllner schaut kon­ster­niert drein. Sowas schlimmes hat er lange nicht gesehen – und dabei war der Mann einst Zahn­arzt­helfer bei der Bun­des­wehr.

35.

3:0 für Dort­mund! Adeyemi! Der ein­fach mal abzieht, flach, wenig Druck, eigent­lich total harmlos. Doch Hiller lässt den Ball durch­rut­schen. Da fehlte ihm ein­deutig der Hiller-Instinkt, um diese Chance zunichte zu machen.

37.

Die Laune bei den Löwen damit end­gültig im Köllner Keller.

40.

Mög­lich auch, dass Hiller der Patzer unter­lief, weil es in Gie­sing gerade kurz geregnet hat. Ver­dächtig kurz. Hoffen wir, dass es sich dabei wirk­lich um Regen gehan­delt hat und nicht um Tropfen aus dem Starn­berger See, wo Jens Leh­mann neue Gerät­schaften aus­pro­biert hat.

42.

Frage: Wenn 1860 hier noch ein Wunder gelingt und sie das Ding tat­säch­lich noch drehen und damit mal wieder unter Beweis stellen, dass der Pokal seine eigenen Gesetze hat, und das alles wegen ihres Angrei­fers mit der Nummer sieben, wäre das dann die Lex Stefan?

45.

Donyell Malen war hier in der ersten Halb­zeit übri­gens an acht Tor­schüssen betei­ligt. Oder wie sie nach diesem Abend bei 1860 sagen werden: Qualen nach Malen.

45.+3

Und dann ist Halb­zeit. 3:0 zur Pause für Dort­mund. Und ich will dem Spiel jetzt nicht völlig die ver­blei­bende Span­nung abspre­chen, aber ich sage mal so: Das heute journal ver­spricht mir jetzt doch etwas Auf­re­gungs­po­ten­zial.

21:40 Uhr

Kurzer Blick hinter die Kulissen: Kol­lege Ahrens hat Hunger, sagt er, und schmiert sich jetzt ne Knifte. Hoffe er lässt sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen wie die Sech­ziger.

21:49 Uhr

Zurück in Gie­sing. Es steht 0:3 gegen Dort­mund, Sechzig ist bisher chan­cenlos. Und aus den Boxen dröhnt Ich würde nie zum FC Bayern Mün­chen gehen“ von den Toten Hosen. Der welt­beste Fuß­ball­song. Also nach Das schlimmste ist, wenn das Bier alles ist“.

46.

Die gute Nach­richt: Noch 45 Minuten. Die schlechte Nach­richt: Noch 45 Minuten.

47.

Hum­mels kommt rein. Terzic wie der Zoopfleger, der sich nach der Füt­te­rung mit dem Rücken weg­dreht: Lässt die Löwen nochmal hoffen.

51.

Dort­mund jetzt wie die CDU bei der Frage, welche Rolle sie beim Ener­giemix der Bun­des­re­pu­blik gespielt haben: wollen es run­ter­spielen.

53.

Meu­nier mit einem starken Schuss aus 20 – 25 Metern, aber Hiller ist auf dem Posten. Dieser Schuss war mit sehr viel Opti­mismus ver­bunden, aber wie heißt es so schön? Sag nie­mals Meu­nier.

55.

Balitsch als Experte sagt: Man hat das Gefühl, 1860 würde führen.“ Und damit ist das Pro­blem dieses Spiels ganz gut zusam­men­ge­fasst.

58.

Es ist so: Seit Tagen warte ich auf eine neue SIM-Karte, die ich zwar bestellt habe, aber zu spät und des­halb ohne Mobil­funk unter­wegs bin, also, sobald ich mich aus dem Haus bewege, nach offenen WLAN-Stellen suchen muss, wenn ich denn Internet brauche oder eine WhatsApp-Nach­richt ver­schi­cken möchte. Fühle mich schon wie ein Mensch, der als ein­ziger in den Neun­zi­gern geblieben ist. Trage ab morgen eine dieser über­großen Horn­brillen, die einzig Helmut Kohl tragen konnte und Beige. Denn das Pro­blem ist, dass ich mitt­ler­weile täg­lich bei meinem Anbieter anrufe und frage, wo denn die SIM-Karte bleibt. Und nie­mand weiß es. Nicht die Frau am anderen Ende der Hot­line. Und auch nicht der andere Typ am nächsten Tag am andere Ende der Hot­line. Da kann man nichts machen, gedulden Sie sich noch etwas. Dauert ja nicht mehr lange. Und was ich sagen will: So muss sich 1860 fühlen. Machtlos.

60.

Dort­mund jetzt wie ich nach drei Bier: drängt aufs Vierte.

62.

Dort­mund jetzt wie meine Blase nach drei Bier: drückt.

64.

1860 jetzt wie der Bar­keeper, der dem Gespräch mit mir am Tresen mit drei Bier intus nicht aus­wei­chen kann: Hofft, dass in 26 Minuten alles vorbei ist.

66.

Gerade lobt Bela Rethy die Münchner Fans: Unver­drossen singen sie ihre Lieder.“ Und unge­fähr so müssen sich all die Helden fühlen, die trotzig bei jeder Gele­gen­heit Layla“ singen.

68.

1860 hier wie unsere Bier-Ver­gleiche: ein­fallslos.

71.

Man könnte auch sagen: Das Spiel hier heute wie beson­ders schnell ent­wi­ckelte Klein­kinder: früh gelaufen.

74.

Sechzig Mün­chen wird deut­scher Meister und wir holen den Pokal!“, singen die 1860-Fans auf die Melodie von Bella Ciao“. Nach dem Spiel heißt es für die Löwen und ihren Tor­wart aber wohl eher Hiller Ciao“.

77.

Bei Dort­mund jetzt Marius Wolf im Spiel. Und wenn es die Dis­kus­sionen um Dre­ad­locks bei weißen Men­schen und kul­tu­relle Aneig­nung und Cancel Cul­ture und so weiter noch nicht gäbe, man müsste sie allein für Marius Wolf und seine Inter­pre­ta­tion von Corn Rows erfinden. Denn das sieht wirk­lich ver­boten aus.

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80.

Marius Hiller übri­gens der Sechzger mit den meisten Ball­kon­takten. All Hiller No Filier.

82.

Bei den Löwen ver­lässt jetzt Deich­mann den Platz. Haben eben noch nie lange gehalten, diese Vic­tory-Treter.

84.

Köllner bringt Kobyl­anski. Das könnte die Wende sein, also wenn 1860 in den letzten fünf Minuten noch drei Frei­stöße aus 17 Metern zuge­spro­chen bekommt.

86.

Habe den­noch großen Respekt vor den Mün­che­nern, die sich beim Stand von 0:3 fünf Minuten vor Schluss hoch­mo­ti­viert ein­wech­seln lassen. So tun, als ginge es noch um etwas. Die ein biss­chen ihre Selbst­ach­tung ver­lieren. Ande­rer­seits: Was tut man nicht alles für ein halb­ver­schwitztes Trikot von Raphael Guer­reiro?

89.

Tor für Dort­mund, aber der Assis­tent hebt die Fahne. Abseits von Marco Reus. Der meckert. Ver­ständ­lich, er hatte dort ja ein­fach nur den Aus­gang gesucht.

90.

Schieds­richter Ben­jamin Brand pfeift ab wie ein genüg­samer Gurken-Züchter: Zieht es nicht unnötig in die Länge.

22:41 Uhr

Freunde, das war doch ein gelun­gener Auf­takt ins Pflicht­spiel­jahr. Borussia Dort­mund fegt 1860 gna­denlos vom Platz und gewinnt hoch­ver­dient. Dar­über ließe sich nun auf­regen, ob der feh­lenden Span­nung. Oder man sieht das Posi­tive: Ein Schritt nach vorne, dass nie wieder ein Mann mit blondem Pfer­de­schwanz Brause in den DFB-Pokal kippt. In diesem Sinne: Gute Nacht.