Liveticker
Deutschland – Ukraine 3:1
Nations League

20:30 Uhr

Wir melden uns vom Abgrund. Fünf ukrai­ni­sche Spieler sind positiv auf Corona getestet worden, aber natür­lich findet dieser Kick trotzdem statt. Die Natio­nal­mann­schaft im Jahre 2020. Selbst Horst Lichter lacht über Oliver Bier­hoff. Und wir? Grienen heiter mit, weil: miese Laune gab es in diesem Jahr schon genug. Gleich­zeitig hoffen wir natür­lich auf mehr Klicks als damals, als Reich und ich auf die gran­diose Idee kamen, eine Bil­der­strecke über die schönsten langen Unter­hosen im euro­päi­schen Spit­zen­fuß­ball zu ver­öf­fent­li­chen. Also gebt euch Mühe!

20:35 Uhr

Ach, dieser Mario Götze. Eben mal wieder im Bild. Man möchte ihn knud­deln, in den Arm nehmen und zu den anderen Diddl­mäusen und dem Herz­kissen legen. Der­weil Jogi Löw in einem Mantel, den wir zuletzt im Herbst 1988 aus einem Wart­burg ohne Tür­griffe im Heck haben steigen sehen. Nie­mand hat die Absicht, ein wenig Auf­bruch­stim­mung zu erzeugen.

20:38 Uhr

Kurzer Blick auf die Auf­stel­lungen. Da sehen wir bei den Deut­schen ein offen­sives Trio mit Werner, Sané und Gnabry. Reich ver­sucht bereits ver­zwei­felt, Carl Lewis die Staats­bür­ger­schaft zu ver­schaffen und die Herren dann fürs nächste Staffel-Gold anzu­melden. Armin Hary hat diesen Tick übri­gens mit der Hand gestoppt.

20:40 Uhr

Gru­selig. Bela Rethy wird ein­ge­blendet, dahinter sehen wir ihn auf seinem Bild­schirm und darauf ihn auf seinem Bild­schirm und darauf ihn auf seinem Bild­schirm und darauf ihn auf seinem Bild­schirm und darauf ihn auf seinem Bild­schirm und darauf ihn auf seinem Bild­schirm und darauf ihn auf seinem Bild­schirm und darauf ihn auf seinem Bild­schirm und darauf ihn auf seinem Bild­schirm…

20:42 Uhr

Mit Blick auf die ukrai­ni­sche Eleven stelle ich erneut fest, wie weit ich mich vom aktu­ellen Fuß­ball ent­fernt habe. Oder besser gesagt: Wie wenig Ahnung ich habe. Die aller­meisten Jungs habe ich noch nie gehört, ein paar Namen klingen irgendwie bekannt, gut mög­lich aber, dass ich sie mit Ava­taren von Pro Evo ver­wechsle. Hof­fent­lich bringt Löw später noch R. DOM­M­ARTIN.

1.

Apropos Jogi. Der wurde in der PK zu den miesen Ein­schalt­quoten vom letzten Län­der­spiel befragt, reagierte ziem­lich unwirsch und ver­wies darauf, dass sich diese Quote spä­tes­tens zum Start in die Euro­pa­meis­ter­schaft wieder gigan­tisch stei­gern werden. Was wieder einmal deut­lich macht, wie furz­pie­pegal es dem DFB eigent­lich ist, was außer­halb seiner kleinen Fan­ta­sie­welt so pas­siert. Bestes Bei­spiel: die Gra­tu­la­tion via Twitter an Geburts­tags­kind Thomas Bert­hold. Wobei ich Bert­hold an dieser Stelle in Schutz nehmen muss. Dass der Kol­lege mög­li­cher­weise nicht ganz rei­se­fertig ist, hätte man sich schon beim Anblick dieses beein­dru­ckenden Zeit­do­ku­ments denken können:

2.

An der Sei­ten­linie der Ukraine: der gute alte Andriy Shev­chenko. Mein Gott, was war das für ein Fuß­baller. Erst gemeinsam mit Serhij Rebrow bei Dinamo Kiew, später dann beim AC Mai­land mit all den Calcio-Legenden der frühen Nuller-Jahre. Natür­lich kennt ihr die Anek­dote, wie die Ver­treter von Werder Bremen einst nach Kiew eilten, um sich die Dienste von Jurij Maximov zu sichern, dort dann statt­dessen ein junges Talent namens Shev­chenko ange­boten bekamen, aber trotzig auf Mit­tel­feld­mann Maximov beharrten. Wie wir alle wissen, ein echter Glücks­griff für die Bun­des­liga. Denn wäh­rend Shev­chenko mit Müh und Not lum­pige 127 Tore in 208 Serie-A-Spielen gelangen, trumpfte Super­mann Maximov in 69 sagen­um­wo­benen Auf­tritten für Werder Bremen derart auf, dass sich anschlie­ßend der ruhm­reiche SV Waldhof Mann­heim die Dienste des Fuß­ball-Ästheten sicherte. Nochmal nach­träg­lich Glück­wunsch, Werder!

4.

Philipp Max vor dem Tor, legt zurück, Chance vertan. Live­schalte zu Papa Martin: Du bist nicht mehr mein Sohn!“ Der DFB weiter in der Krise.

5.

Auch irgendwie erhei­ternd, dass das Län­der­spiel rein quo­ten­tech­nisch heute in arger Kon­kur­renz zu einer Sen­dung mit dem Namen Das Super­ta­lent“ steht. Dort an der Sei­ten­linie: good old Dieter Bohlen. Gut mög­lich, dass der heute sein größtes Ass seit Naddel aus dem Sakko zieht und Thomas Müller in die Jury setzt. Motto des Abends: Back for Good. Nur echt mit Nora-Kette.

7.

Selbst­re­dend wurde auch auf dieser wun­der­baren Home­page in den Tagen vor dem Spiel an die Rele­ga­tion gegen die Ukraine erin­nert, damals, 2001, gefühlt 100 Jahre her, tat­säch­lich aber nur 19. Deutsch­land mit Zickler, mit Asa­moah, mit Linke und natür­lich mit Michi Bal­lack und am Ende der wun­der­samen Ret­tung Rich­tung WM 2002. Die, wir wissen es alle, mit dem Final­einzug endete, was ich selbst 19 Jahre später immer noch nicht wirk­lich fassen kann. Meine Fresse, war das mieser Fuß­ball damals. Geschämt habe ich mich, als die USA zigmal besser waren, und irgendwie dann doch von Kahn und Bal­lack, pardon: R. DOM­M­ARTIN, raus­ge­ke­gelt wurden. Erin­ne­rungen werden auch wach an eine hoch­gradig ner­vige Bio­logie-Leh­rerin, die just an dem Tag, als Deutsch­land in der Vor­runde gegen Irland und Robbie Keane ums Über­leben kämpfen musste, eine Exkur­sion in den Wald ange­setzt hatte. Blätter unter­su­chen. Machen wir es kurz: ich suchte keine Blätter, später dafür aber auch ver­geb­lich eine bes­sere Note als 4 Minus auf dem Zeugnis. Womit wir wieder beim Fuß­ball im Jahr 2020 wären.

10.

Rüdiger klärt zur Ecke. Ein Satz aus der Kreis­liga B. Aber selbst da sind nor­ma­ler­weise mehr Zuschauer anwe­send, als heute in Leipzig. Gleich kauft sich Ralf Rang­nick ne Brat­wurst. Stil­echt für 150 Mark.

13.

TOOOOOOOOOOORRR.… Für die Ukraine. 1:0. Ein Mann namens Yarem­chuk nagelt den Ball in den Winkel. Manuel Neuer wünscht sich zurück nach Mün­chen, wir uns ins Jahr 2014.

15.

Von einer dunklen Wolke“ hatte Oliver Bier­hoff gespro­chen und aktuell hat diese Wolke starke Ähn­lich­keit mit dem, was uns einst im Klein­kind­alter aus den Sand­kästen getrieben hat und aus der Ukraine kam. Auf dem Hin­ter­kopf von Jogi Löw wächst ein Stein­pilz. Er ist unge­nießbar.

16.

Tja, Vier­tel­stunde gespielt, 0:1 hinten. Will ja nie­mandem hier die Schuld in die Schuhe schieben, aber der Özil hat vorhin nicht die Hymne mit­ge­sungen.

18.

Jetzt Philipp Max mit der Ecke, kommt gar nicht so schlecht. Find es aber trotzdem bitter, wie er sich abmüht, und am Ende nimmt der Löw eh den Sohn von Carsten Jancker mit zur EM.

21.

Aber wo ich so drüber nach­denke: Neben Max stehen mit Robin Koch und Leroy Sané ins­ge­samt drei Söhne von Neun­ziger-Legenden in der Startelf. Schon geil. Ist das viel­leicht die zün­dende Idee des DFB, ver­lo­rene Fan-Gunst zurück­zu­ge­winnen? Muss sagen: Bei mir klappt’s. Wenn ich mich jetzt zwi­schen diesem Län­der­spiel und einer Wur­zel­be­hand­lung ohne Betäu­bung ent­scheiden müsste, würde ich eine Sekunde weniger zögern.

25.

Und Tooooooor für Deutsch­land. Steil­pass von Goretzka, dann geht Sané ab, macht einen Haken und zieht ins lange Eck ab. Wirk­lich ein schöner Angriff, den ich gerne noch blu­miger beschreiben würde, leider muss ich aber kurz meinen Kopf gegen die nächste Back­stein­mauer schlagen gehen, weil ich die über­laute Kir­mes­techno-Tor­mucke samt eska­lie­rendem Schlaaaaand-Sta­di­on­spre­cher bei einem FUCKING GEIS­TER­SPIEL leider nicht ertragen kann.

28.

Max mit der nächsten Ecke. Wenn man den so spielen sieht, fragt man sich auch, was den so lange in Augs­burg gehalten hat? Viel­leicht der erste bestä­tigte Fall des Stock­holm Syn­droms in der Bun­des­liga?

31.

Deutsch­land jetzt besser im Spiel. Und den­noch: Ein Geis­ter­spiel. In der Red Bull Arena. In einem abso­luten Bana­nen­wett­be­werb. Wenn zur Halb­zeit die chi­ne­si­sche U23 über­nimmt, gebe ich meinen Mit­glieds­aus­weis des Fan­club Deut­sche Natio­nal­mann­schaft powered by Coca Cola zurück.

34.

Und Toooooooooooooooor, bzw. utz-utz-utz. Denn: Goretzka bringt den Ball in die Mitte und Timo Werner trifft, Mensch, aus­ge­rechnet der Werner, an seiner alten Wir­kungs­stätte. Das sind Geschichten, die nur der Rasen­ball­sport schreibt. Hach.

37.

Gedanken am Abend: Diese Schland-Cho­reos sind irgendwie das sport­liche Äqui­va­lent zu dem Baum, der im Wald fällt und nie­mand weiß, ob er dabei ein Geräusch macht. Wenn näm­lich nie­mand weiß, wer die Choreo gemacht hat, nie­mand weiß, was der Quatsch eigent­lich soll und auch mal wieder nie­mand erkennen kann, was da eigent­lich drauf­steht, gibt es diese Choreo dann eigent­lich wirk­lich?

42.

Ohlala, gerade nochmal die Ball­an­nahme von Leon Goretzka vor dem 2:1 gesehen. Gefühl­voller als ein Barry-White-Best-of. Ent­schul­digt mich, ich muss die Duft­kerzen anma­chen und ein paar Rosen­blätter rund ums Bett ver­teilen.

45.

2:1 für Deutsch­land, gar kein schlechtes Fuß­ball­spiel. Und doch fühlt es sich an wie eine läs­tige Pflicht. Wie ein Zahn­arzt­be­such. Wie ein Termin beim Steu­er­be­rater. Wie Mathe­haus­auf­gaben, die man noch nicht erle­digt hat. Was ist es denn, das uns gerade so von der Mann­schaft“ ent­fremdet? Warum hat man nur noch Häme oder noch schlimmer, ein Ach­sel­zu­cken übrig? Oder anders: Warum ant­wor­tete mein Kumpel, als ich ihm vorhin erzählte, ich müsse tickern, mit HAHA­HA­HA­HA­HA­HA­HA­HAHA? Pause, Zeit dar­über nach­zu­denken.

46.

Noch immer schwer geblendet von Gun­dula Gauses rosa Jackett kehren wir zurück nach Leipzig, wo dieser Fuß­ball-Lecker­bissen darauf wartet, erneut von uns ange­bissen zu werden. Reich gräbt seine beein­dru­ckend festen Zähne ins Fleisch der Nations-League, kaut, muss würgen und spuckt das 2:1 in die Spüle. Wir sind bereit für Halb­zeit 2.

48.

Öster­reichs Rechts­außen Kurz eben mit Staats­mann-Miene: Sie sollen nie­manden mehr treffen.“ Hoffe nur, dass der Mann nicht auch zur Pau­sen­an­sprache in die deut­sche Kabine zuge­schaltet wurde. Danach der unver­meid­bare Donald Trump, der seinen Nie­der­lage noch immer nicht glauben kann. Als würde Ferenc Puskas 1960 immer noch mit glän­zenden Augen vom Son­nen­schein in Bern und der klaren 4:1‑Klatsche für die Deut­schen fabu­lieren.

50.

Und Jogi in der Kabine mit Gier im Mund­winkel: 45 Minuten Voll­gasch, Leute! Tut es für die Fansch da drauß­schen!“ Timo Werner will was sagen, lässt es. 2020 kichert dia­bo­lisch vor sisch hin.

52.

Die Schweiz führt übri­gens gegen Spa­nien mit 1:0. Tor­schütze: Ste­phane Cha­puisat. Ottmar Hitz­feld zieht den Trench­coat glatt.

53.

Eben das erste Mal fest­ge­stellt, dass auch Serge Gnabry auf dem Platz steht. Angeb­lich schon seit der 1. Minute. What? Traurig gibt Marek Mintal seinen Spitz­namen ab.

55.

In den Pausen, die einem Live­ti­ckerer bleiben, wenn der Kol­lege in die Tasten haut und einem genü­gend Zeit bleibt, sich zu betrinken oder Gedanken über das zu tickernde Spiel zu machen, besteht die Mög­lich­keit, das Geschehen mal ganz klas­sisch auf sich wirken zu lassen. In Zeiten wie diesen auch, sich zu hin­ter­fragen, ob man sich wirk­lich schon daran gewöhnt hat, dass solch ein Län­der­spiel in einem rie­sigen leeren Sta­dion statt­findet, wäh­rend man selbst nicht mal auf die Bezirks­sport­an­lage ums Ecke gehen darf, um ein paar lange Dinger zu spielen. Nein, ich denke gar nicht daran, selbst eine mini­male Gewöh­nung zuzu­lassen. Nennen wir das Kind beim Namen: selbst wenn das heute 8:7 für Deutsch­land aus­gehen würde, wäre das ein­fach nur kacke.

58.

Alte Männer wie ich ver­lieren sich gerne in Erin­ne­rungen, die zu einer Zeit statt­fanden, in der sie wirk­lich ver­dammt viele Mög­lich­keiten hatten, sich mit Fuß­ball zu beschäf­tigen. Und des­halb will mein Hun­de­hirn auch nicht akzep­tieren, dass Sheva jetzt Trainer ist und nicht mehr Spieler. Nost­al­gisch ver­blendet fliege ich zurück zu seinem Auf­tritt gegen Juve, damals, als ein Tor schoss, dass all seine Büf­fe­lig­keit und Schlau­heit ver­einte. Ladys und Gen­tleman, bitte lehnen sie sich zurück und genießen diese Hütte. Es schnalzt für sie genie­ße­risch mit der Zunge: der Live­ti­cker.

60.

Manuel Neuer in seinem 95. Län­der­spiel. Was hat uns der Mann schon für groß­ar­tige Momente beschert? Und jetzt steht er hier, in diesem leeren Red-Bull-Tempel, hinter ihm gigan­tisch-gru­se­lige Schland-Cho­reos, vor ihm ein Spiel gegen die Ukraine, das eigent­lich nie­manden inter­es­siert. Wäre keiner böse, wenn er jetzt ein­fach seine Tasche packt und nach Hause fährt.

62.

So, halbe Stunde noch. Status meiner Natio­nalelf-Begeis­te­rung? Suche gerade nach Bares für Rares“-VHS auf Ebay Klein­an­zeigen.

66.

Und Toooooor für Deutsch­land. Gün­dogan raus auf Ginter, der rein zu Werner, der zum 3:1 ins Netz. Juhu, juhu. Kleiner Wer­muts­tropfen: Kra­wall­techno-DJ und Schrei­hals-Sta­di­on­spre­cher sind noch da. Hatte gehofft, sie wären schon auf irgend­eine Kir­mes­tech­no­kirmes wei­ter­ge­zogen. Schade.

69.

Toller Neben­ef­fekt heute übri­gens: Der Spiel­termin hat es vielen Fans ermög­licht, ihre Schland-Schminke von der Coro­nal­eugner-Idio­ten­demo direkt drauf­zu­lassen.

71.

Sehe ich das eigent­lich richtig, dass heute weder ein Frei­burger noch ein Hof­fen­heimer spielt? Was ist pas­siert? Hat sich Löw eine Bahn­card gekauft?

75.

Wit­ziger Zufall, fällt mir gerade auf: Der Hashtag GERUKR ist zufällig auch das Geräusch, das man macht, wenn man intu­biert wird. Zwinker, zwinker @ Gesund­heitsamt.

77.

Dann Neuer im Glück, Pfos­ten­schuss von Ukraines Marlos. Schon das zweite Mal Pfosten heute. Komisch, dachte sämt­liche Pfosten des Landes wären heute in Frank­furt bei der Quer­denken-Demo gewesen.

80.

Und auf, auf in die letzten zehn Minuten. Es ist so, wie es Kol­lege Reich schon sagte: Es fällt so wahn­sinnig schwer, sich über das Geschehen auf dem Rasen auch wirk­lich zu freuen. Euphorie zu emp­finden. Oder zumin­dest ernst­haftes Inter­esse. Das kommt nicht über­ra­schend, irgend­wann hängt einem halt selbst die schönste Neben­sache der Welt zum Hals raus, wenn man sich an ihr voll­ge­fressen hat. Wie wir damals vor der Glotze hingen, 2001, als Deutsch­land so kurz davor war, nicht mit zur WM zu fahren und wir dachten, dass dann die Welt unter­gehen würde. Ich wün­sche mir diese Ver­bun­den­heit zurück, die irgendwo zwi­schen Rio, Russ­land und Die Mann­schaft“ ver­loren gegangen ist.

83.

Julian Brandt auf dem Platz. Steht da draußen mit Knautsch­ge­sicht, kne­tenden Händen und einer Aus­strah­lung, die irgendwo zwi­schen gelang­weiltem Ober­schüler und Fahrt­kar­ten­knipser kurz vor Fei­er­abend ein­zu­ordnen ist. Das macht Lust auf die letzten Minuten.

85.

Brandt schießt, Keller klatscht. Mit Pest-Maske. Ein Drittel der Euphorie sind bereits abge­storben, seit er das Amt über­nommen hat.

88.

Süle mag ich. Wäh­rend um ihn herum all die Leicht­füße selbst im eigenen Fünfer den Dop­pel­pass als Lösung wählen, klopft der rigoros die Bälle nach vorne, wenn ihm danach ist. Hätte man gerne dabei, wenn es in die nächste Wirts­haus­kei­lerei geht. Oder eben gegen die Ukraine.

90.

Haben wir eigent­lich erwähnt, dass die Ukrainer schon dreimal den Pfosten getroffen haben? Sei hiermit getan. Shev­chenko denkt an Cos­ta­curta, an Mal­dini, an See­dorf und Inz­aghi, sein Seufzen klingt zum Abschluss durchs leere Rund.

Abpfiff

Schluss­pfiff in Leipzig. 3:1 für Deutsch­land, gar nicht mal so übles Spiel, aber den­noch: große Freude kam hier über 90 Minuten nicht auf. Und weil jetzt auch noch Katrin Müller-Hohen­stein ins Bild kommt, ver­ab­schieden wir uns lieber und schauen uns nochmal das Was­ser­ball-Finale von 1995 an, das Reich auf VHS ein­ge­la­gert hat. Um den Groove nicht zu ver­lieren. Euch allen Danke fürs Durch­halten und ein schönes Wochen­ende – bleibt gesund!