Liveticker
Finnland – Russland 0:1
EM

14:53 Uhr

Ein fröh­li­ches Ter­ve­tuloa bzw. Добро пожаловать zu diesem Lecker­bissen der EM-Vor­runde: Finn­land gegen Russ­land. Ganz ehr­lich: darauf habt ihr wie ich seit Monaten hin­ge­fie­bert. Umso besser, dass so ein Kra­cher gleich heute Nach­mittag ange­pfiffen wird, da wird die Pleite von ges­tern fix ver­gessen gemacht. In wenigen Minuten ist Anpfiff, ich gönne meinem Körper jetzt noch einen blitz­schnellen Sau­na­gang mit Wod­kauf­guss und melde mich dann gleich sturz­be­trunken zum Anstoß. Kippis!

1.

Und los geht’s. Finn­land gegen Russ­land. Nor­ma­ler­weise nicht unbe­dingt die Paa­rung, für die man seinen Mit­tags­schlaf unter­bre­chen möchte, aber es ist EM und da rafft man sich eben mal auf und hofft auf ein Spiel, das in die Geschichts­bü­cher ein­geht. 5:5, 6:7, alles drin!

3.

Kein Scheiß: TOOOORR!!! Auf­bau­ver­such Russ­land, Kata­stro­phen­ball­ver­lust auf links, Flanke in die Mitte und da steht Joel Poh­jan­palo. Springt hoch, köpft, drin! 1:0 für Finn­land und wenn das hier so wei­ter­geht, dann sind sie tat­säch­lich die Isländer 2.1… Moment. Abseits. Poh­jan­palo mit drei Qua­drat­zen­ti­meter seiner Stirn im Abseits. Es bleibt beim 0:0. Und ich bin jetzt wach. Immerhin.

7.

Wir wissen, dass wir jedem Gegner weh tun können. Und wir haben nichts zu ver­lieren“, hat Finn­lands Keeper Hra­decky gesagt. Und ist anschlie­ßend im weißen Mus­kels­hirt die Treppen zum Phil­adel­phia Museum of Art hoch­ge­sprintet. Futter besorgen für seine beiden Schild­kröten Klay und Fra­zier.

12.

Dank Jan Henkel bin ich natür­lich auch voll up to date, was Taktik und so angeht. Wobei ich ehr­lich gestehen muss, dass mir der Anblick von Henkel, gerade dann, wenn er wie jetzt ziem­lich über­müdet und unter­schwellig aggro wirkt (hat ihm Balle die Frau weg­ge­schnappt?), eine Hei­den­angst ein­jagt. Diese kalten Kil­ler­augen. Per­fekte Beset­zung für den nächsten Spio­na­ge­streifen bei Net­flix. Oder eben an der Tak­tik­tafel von Magenta. Wer nicht richtig hin­schaut, bekommt von Henkel die neue Tele­fon­lei­tung gelegt. Mor­gens um 2:15 Uhr.

13.

Sym­bol­foto: Unbe­hagen.
Imago0000377969h

17.

Unver­gessen bleibt natür­lich der erste Auf­tritt der Finnen und dabei diese furcht­baren Minuten, als wir alle nicht wussten, was genau mit Chris­tian Eriksen pas­siert ist. Beein­dru­ckende Geste der fin­ni­schen Fans: der Chris­tian-Eriksen-Wech­sel­ge­sang im Sta­dion. Die gute alte Tur­nier­gän­se­haut, die ich doch eigent­lich bei diesem Tur­nier mal im Klei­der­schrank lassen wollte, da war sie wieder. Daumen sind gedrückt, dass heute alle Betei­ligten gesund bleiben.

22.

Mitten in die schöne 15-Uhr-Vor­runde-Ent­span­nung bringt Jan Platte diesen alar­mie­renden Satz: Die Finnen strahlen etwas aus, das den Russen nicht gefallen wird.“ Wo zur Hölle ist hier im cms das Rote Telefon ein­ge­baut?

27.

Übel. Russ­lands Fer­nandes knallt nach einem Kopf­ball aus zwei Meter Höhe mit dem Rücken auf dem Boden auf und wird gerade auf einer Trage vom Platz gebracht, den Kopf in eine Nacken­stütze geklemmt. Irgendwie steht diese Gruppe unter keinem guten Omen.

28.

Poh­jan­palo heißt auf Fin­nisch übri­gens Tem­po­ge­gen­stoß. Glaube ich.

30.

Die Russen, ich kann es nicht ver­leugnen, haben nach Spiel 1 nicht unbe­dingt meine Sym­pa­thie. Buh­rufe wäh­rend der Black lives matter-Aktion vor dem Anstoß schon einmal ganz klare Dis­qua­li­fi­ka­tion und anschlie­ßend auch noch der unsäg­liche Auf­tritt von Trainer Sta­nislaw Tschertsch­essow, dem ers­tens die Fragen nicht gefielen und zwei­tens keinen Kom­mentar zu besagten Buh­rufen abgeben wollte, weil: hatte ja nichts mit Fuß­ball zu tun. Schon klar. Biss­chen viel auf die Stirn bekommen früher beim Tor­wart­trai­ning, der Gute. Was mich zumin­dest ein wenig besänf­tigt, ist sein zweiter Vor­name: Sala­mo­witsch. Kann er sich ja mal ne Scheibe abschneiden.

34.

Die Russen bekamen gegen Bel­gien bekannt­lich schwer auf den Sack und müssen heute schon gewinnen, um noch im Tur­nier zu bleiben. Wird schwer, zumal Alt­meister Yuriy Zhirkov ver­letzt aus­fällt. Der Mann ist tat­säch­lich noch vier Monate älter als ich und kickt immer noch auf dem Level, wäh­rend ich mir ein Ei drauf pelle, wenn mir beim Alt­herren-Trai­ning mal ein Dop­pel­pass gelingt. Mit Tempo 9. Und drei Bier im Kopf. Gibt schon Gründe, warum ich kein Profi geworden bin. Am Talent hat es selbst­ver­ständ­lich nie gelegen. Logisch.

38.

Jetzt doch etwas abge­flacht die Partie. In sol­chen Momenten wün­sche ich mir ein kleines Fenster im Bild, dass ent­weder Freund Sta­nislaw Sala­mo­witsch in Nah­auf­nahme zeigt oder die schönsten Tore von Jari Lit­manen. Statt­dessen geht die Partie weiter und auf einmal pas­siert doch noch was. Fla­cher Ball in die Mitte, geile Grät­sche kurz vor dem Tor der Finnen, der Russe bal­lert unge­bremst gegen den Pfosten, der Finne bekommt seinen Stollen ins Gesicht. Allen MMA-Fans gefällt das.

40.

Schon wieder ein ker­niger Zusam­men­stoß. Auf dem Platz jetzt mehr leicht Ver­sehrte als in der Celler Innen­stadt am Markttag.

42.

Neuer Lieb­lings­spieler bei den Finnen: Paulus Ara­juuri, Kapitän der Finnen. So eine Mischung aus Jax Teller und dem Lilalaune-Bär. Mit dem gewinnt man im Zweifel jede Knei­pen­hauerei und/​oder die Herzen der hüb­schesten Frauen und ganz bestimmt fällt ihm auch etwas ein, wenn man irgendwo im Nir­gendwo von einer gif­tigen Schlange gebissen wird. Und kicken kann er auch noch.

45.+2

TOOOOORRR für Russ­land! 1:0! Die Finnen schon gedank­lich in der Pause und auf der Mas­sa­ge­bank und dann der Neck­breaker von Miran­chuk in der zweiten Minute der Nach­spiel­zeit. Herr­li­cher Schlenzer in den Winkel. Ein Tor, so attraktiv, man möchte es sofort auf ein Eis ein­laden und auf dem Fahrrad nach Hause fahren.

Halb­zeit

Halb­zeit jetzt hier in Sankt Peters­burg. Das 1:0 für die Russen? Ver­dient. Die Pause für den Live­ti­cker? Noch ver­dienter. Bis gleich.

46.

Und weiter, immer weiter. Der Ticker heiß wie Olli Kahn zurück in St. Peters­burg. Müt­ter­chen Russ­land hat uns noch ein paar Schnitt­chen geschmiert. Natür­lich mit Gür­k­chen. 2. Halb­zeit.

50.

Als Abwehr­spieler aus Lei­den­schaft, der sich an guten Tagen noch immer mit den Gedanken an jene furiose Grät­sche im ent­schei­denden A‑Ju­gend-Spiel in den Schlaf lächelt, war die Zeit­lupe des bis­lang ein­zigen Tores natür­lich eine echte Zumu­tung. Fünf Finnen stehen da nutzlos rum und schauen zu, wie der Gegen­spieler sich in Ruhe einen Winkel aus­guckt. So eine miese Ver­tei­di­gung sah ich zuletzt auf den sozialen Kanälen von Marko Arn­au­tovic.

53.

Der gute alte Pukki hatte gerade den Aus­gleich auf dem Fuß. Den Mann gibts hof­fent­lich zeitnah als Spiel­figur. So mit Auf­zieh­schnur und ein­ge­spielten Auf­sa­gern. Königs­blau, wie lieb ich dich“, I love Oppa Prit­schi­kowski“, und natür­lich dem kom­pletten Stei­ger­lied.

58.

Jetzt dann doch das erwar­tete Ball­ge­schiebe Marke Rum­pel­fuß­ball. Um es mit Marcel Reif zu sagen: Ein wenig Klasse würde dem Spiel guttun. Was macht eigent­lich Jari Lit­manen?

64.

Aus gege­benem Anlass eine schnelle TopTen der schönsten Spie­ler­namen aus der fin­ni­schen Natio­nal­mann­schafts­ge­schichte: Aarre Aker­berg, Jari Euro­paeus, Turo Flink, Erkki Gustafsson, Jarno Hei­nikangas, Harri Holli, Mikko Lampi, Janne-Pekka Mäkelä, Urho Örn, Walter Vii­tala.

68.

Stim­mung auf jeden Fall besser als ges­tern in der Allianz-Arena, wo mich 15.000 Schland­fans ähn­lich ent­täuschten wie damals die Absage aus der Zen­trale von Hugo Boss: Sehr geehrter Herr Raack, hiermit müssen wir ihnen mit­teilen, dass wir trotz ihrer zahl­rei­chen Anfragen und Droh-Brief­tauben keinen Her­ren­duft mit ihrem Namen auf den Markt bringen werden. Von wei­teren Belei­di­gungen gegen unsere Fir­men­po­litik bitten wir abzu­sehen.“

70.

Laola-Welle. Wusste bis jetzt gar nicht, wie man etwas so wenig ver­missen kann.

72.

Der arme Kamara gerade mit einem Dribb­ling aus der Hölle. Völlig sinn­freier Über­steiger, dann ver­stol­pert und ver­loren. Für so ein Ding gab es früher Arsch­schießen. Aus zwei Metern. Bei 6 Grad und Regen.

74.

Hüb­scher Freud­scher Ver­spre­cher eben von Jan Platte: Energie Kotzbus.“ Nächstes Jahr dann Pokal­fi­nale gegen Hartzer BSC.

76.

Kuzyaev eben mit einem feinen Schlenzer, aber Lukas Hra­decky mit einer dieser Paraden, die, wenn von Manuel Neuer vor­ge­führt, vor ein paar Jahren immer dazu führten, dass die Reporter das Wört­chen Welt­tor­hüter“ ver­wenden mussten. Hra­decky bis­lang immerhin bester Keeper der Gruppe B.

80.

Die Finnen, ihr Schlau­füchse wisst es natür­lich längst, haben den Uhu zu ihrem Wap­pen­tier für die Natio­nalelf aus­er­koren. Warum? Weil sich 2007 bei einem Test­spiel gegen Bel­gien ein sol­ches Vieh auf die Latte hockte, trotz enga­gierter Ver­trei­bungs­ver­suche zehn Minuten dort sitzen blieb und man anschlie­ßend die Partie gewann. Seither ist das Schnüf­feln an Kleb­stoff bei Live­über­tra­gungen der Natio­nal­mann­schaft um scho­ckie­rende 6,9 Pro­zent nach oben geschnellt.

85.

Dzyuba, rein optisch soeben erst aus Street­fighter VI ent­wachsen, eben mit einem Body­check, der ein wenig Wärme in mein erkal­tetes Herz zurück­brachte. Ball acht Meter weg, ein­fach nur den Gegner umschmet­tern. Herr­lich. Irgendwo sitzt Steffen Freund und denkt gerührt an 96. Schnelle SMS an Dieter Eilts: Weißte noch?“ Aber Eilts hat seine Nummer geän­dert. Freund ganz traurig. Draußen vor dem Haus eine alte Oma. Hat die etwa gerade gehupt?

86.

Wo wohl Putin diese Partie ver­folgt? Tippe ent­weder nur mit einem Poncho aus Schnee­leo­par­den­haut (selbst abge­zogen) bekleidet auf einem selbst dres­sierten Greif­vogel oder Flick­flack­schla­gend auf einem Salz­was­ser­kro­kodil. Was er hier sieht, dürfte ihm gefallen. Auch in Halb­zeit 2 ist Russ­land die bes­sere Mann­schaft. Ger­hard Schröder gefällt das.

90.+1

Finn­land gegen Russ­land. Letzten Minuten ange­bro­chen. Und in der Ver­let­zungs­pause spült sich ein Russe mit Gato­rade das Nasen­blut seines Kol­legen von der Hand. Falls ihr euch gefragt habt, wie das Spiel bis­lang so lief.

90.+3.

Fünf Minuten Nach­spiel­zeit. Finn­land hofft auf den Lucky Punch. Bitter: der spielt für El Sal­vador.

Abpfiff

Und ist das Spiel vorbei. Sieg für Russ­land, alles offen in Gruppe B, wo morgen Abend dann Däne­mark auf Bel­gien trifft. Uner­wartet kurz­weilig war es, wobei am heu­tigen Nach­mittag mit großer Wahr­schein­lich­keit kein künf­tiger Euro­pa­meister auf dem Rasen stand. Der Ticker wünscht euch noch einen schönen Fuß­ball-Fei­er­abend und emp­fiehlt die nächste Partie um 18 Uhr: Türkei gegen Wales. Natür­lich auch hier im Live­ti­cker. Auf bald!