Liveticker
Italien – England 4:3
EM

20:27 Uhr

Eng­land hat vor 55 Jahren also mal eben das Haus ver­lassen, ist raus gegangen, nur mal eben kurz Kippen holen“. Seitdem wartet die ganze Familie zu Hause auf die Rück­kehr. Und wann immer Geräu­sche vor der Tür zu hören sind, 1990, 1996, 2018, werden sie alle ganz nervös. It‘s coming home?“, fragen sie sich gegen­seitig bangen Bli­ckes, aber am Ende ist es doch nur ein ner­viger Nachbar, oft sogar der deut­sche Trottel, der nach Mehl fragt oder nach Eiern für seinen beschis­senen Brot­teig, der am Ende auch noch super schmeckt, bloody hell. Und heute? Ist das da grade ein Schlüssel im Schloss? Kann das wirk­lich wahr sein? Lasst es uns gemeinsam her­aus­finden.

20:29 Uhr

Und damit Herz­lich Will­kommen von Max Full-Kit-Wanker“ Din­kelaker und Tobias isn’t it?“ Ahrens.

20:32 Uhr

Ahrens und ich haben uns die Pre­mium-Plätze in der Redak­tion gesi­chert, auf der Couch in der ersten Reihe direkt vor der Glotze, im halb­wegs kli­ma­ti­sierten Online-Büro. Kein Wunder, dass die Kol­legen ver­su­chen, dem Raum zu stürmen. Aber Ahrens (orange Weste, schwarze Kurz­haar­frisur, lange Hose, Maske auf halb acht, in Aktion ab Minute 0:18) passt natür­lich auf wie ein Schieß­hund.

20:34 Uhr

Wenn ich die Bilder von den fei­ernden, ver­ant­wor­tungslos fei­ernden Eng­land-Fans sehe, dann fühlt sich dieses Finale wie ein lauer Som­mer­abend am Borough­market an. Vorher gab es Bacon and Beans, jetzt die ersten Pints. Es herrscht grund­sätz­lich gute Laune, auch wenn jetzt schon klar ist, dass der eine Typ, der mit seiner Arbeits­gruppe gekommen ist und über ETFs quatscht, auf Dauer noch anstren­gend werden dürfte. Aber was soll’s, dem wird jetzt auch ein Bier in die Hand gedrückt, also trink, und don’t take me home, halt. Irgend­wann wird’s häss­li­cher, irgend­wann fällt das Handy ins Bier („Sorry, Schatz“) und einer deiner Jungs ist unauf­findbar, wird sich morgen irgendwo in Croydon wie­der­finden, und allen ist klar: Egal, denn es wird ein toller Abend werden. Und morgen hilft keine Kopf­schmerz­ta­blette.

20:36 Uhr

Mer­te­sa­cker wird darauf ange­spro­chen, dass Chiel­lini im glei­chen Jahr geboren wurde wie er selbst. War mir ehr­lich gesagt neu, dass Merte schon 52 ist…

20:37 Uhr

Kom­plett nei­disch. Also auf dieses eis­kalte Stella Artois. Kol­lege Din­kelaker stellt mir das nächste Wasser (mild) hin. Danke.

20:38 Uhr

Zum ersten Mal schaltet das ZDF zum Kom­men­ta­toren-Duo Schmidt-Wagner. Schmidt redet. Wagner kämmt sich den Ober­lip­pen­bart. So kann es doch wei­ter­gehen.

20:39 Uhr

Würde ich die furcht­ein­flö­ßend enge Trai­nings­hose von Harry Kane tragen, würde genau jetzt kein Sauer­stoff mehr in meinem Gehirn ankommen. Sitze hier aber in Bade­hose. Glück gehabt.

20:41 Uhr

Ein Bei­trag über Harry Kane. Er nuschelt stark. Wie nervig wäre bitte ein gemein­sames Kind von ihm und Thomas Müller? Ein kleiner Mensch, der die Klappe nicht halten kann, den man aber kaum ver­steht? Schnell weg mit diesem Gedanken. Oder wie Harry Kane (ganz leise) sagen würde: schnll wg mt dm gdnkn“

20:42 Uhr

Ita­lien unver­än­dert, Eng­land dagegen heute mit Tripper, lese ich überall. Klingt übel.

20:44 Uhr

Schon jetzt eine krasse Atmo­sphäre in Wem­bley, die Spieler wirken durchaus ange­spannt, ist ja auch ein großes Spiel. Muss dabei eine Szene aus einer Mara­dona-Doku­men­ta­tion, als Diego 1986 in den Kata­komben steht vor dem WM-Finale. Seine Team­kol­legen sehen aus, als wären sie froh, wenn sie sich gleich gegen­seitig die Haare aus dem Gesicht halten dürften. Und Mara­dona sagt nur: In zwei Stunden kommen wir zurück und sind Welt­meister.“ Mit einer Stimme, dass allen klar ist: Ja. In zwei Stunden kommen wir zurück und sind Welt­meister. Ob wir so eine Szene auch gleich beob­achten dürfen? Sehe schon Harry Kane, wie er sich umdreht und sagt: Äh, aight lads.“

20:46 Uhr

Sandro Wagner spricht von seinem Lieb­lings-Ita­liener in Unter­ha­ching. Was viele nicht wissen: In Unter­ha­ching gibt es nur genau einen Ita­liener!

20:48 Uhr

Was die UEFA mit mir (wenn ich von der Toi­lette auf­stehe) ver­bindet? Die Clo­sing Cere­mony! So erobert man die Herzen der Fans zurück!

20:50 Uhr

Ein paar Jets fliegen bunte Farben in den Lon­doner Abend­himmel, die für Groß­bri­tan­nien stehen sollen, aber dum­mer­weise auch genau in der Kombi die fran­zö­si­sche Flagge ergeben. Trotzdem unzu­frieden: Vero­nique Rabiot.

20:52 Uhr

Gleich beginnt das Finale der UEFA EURO 2020™. Eng­land mit Kieran Trip­pier und Fün­fer­kette. Ita­lien bleibt beim bewährten 4−3−3, das wir schon kennen. Beide Trainer beweisen damit, dass sie total gewillt sind, heute 3 Punkte zu holen. Ich freue mich auf ein span­nendes Spiel. Möge der Bes­sere gewinnen. Euer Philipp Lahm.

20:54 Uhr

Der Por­tu­giese Eder trägt den EM-Pokal ins Sta­dion. Oder ist es ein für genau diesen Augen­blick pro­gram­mierter Eder-Roboter? Der UEFA ist alles zuzu­trauen.

20:56 Uhr

Die ita­lie­ni­sche Hymne. Chiel­lini grinst. Denkt ver­mut­lich an Jordi Alba. Weiß man eigent­lich, ob die beiden mitt­ler­weile fest zusammen sind? Oder war das nur eine kleine Romanze?

20:58 Uhr

Achte nor­ma­ler­weise ja nicht auf die Texte der Hymnen, sonst wird man ja völlig kirre vor lauter Pathos und Vater­lands­liebe und Natio­nal­stolz. Aaaaaaaber: Viel­leicht sollte mal jemand den Eng­län­dern sagen, dass es für Gott ein biss­chen zu spät ist, um Freddie Mer­cury zu retten…

20:59 Uhr

Apropos mehr Curry. Kuli­na­risch bin ich ja eher bei den Ita­lie­nern, es sei denn, die eng­li­sche Küche schließt auch die indi­schen Ein­flüsse mit ein. Hüstel.

20:59 Uhr

Mit dem 48-jäh­rigen Björn Kui­pers pfeift heute der älteste Schieds­richter des Tur­niers das Finale. Und irgendwo in Berlin zer­knüllt Manuel Gräfe vor lauter Wut seine Dis­kri­mi­nie­rungs­klage.

21:00 Uhr

Philipp Lahm fährt in einem Regen­bogen-Auto vor. Steigt aus. Rät seinen Kol­legen dann trotzdem von einem Outing ab. Ent­täu­schend.

1.

Schow­time. Oder wie Jogi sagen würde: Scho au time. Sam­mermal.

3.

Un-be-fu-cking-liv­able! ENG­LAND führt. Weil die Mann­schaft über­fall­artig kon­tert, weil Trip­pier punkt­genau auf Shaw flankt, weil dieser den Ball danach furz­tro­cken ins kurze Eck drischt. Und all das gegen Ita­liens Abwehr-Vete­ranen Chiel­lini und Bonucci!!! Von diesen Auf­takt­mi­nuten werden sie noch ihren Enkeln erzählen. Also gleich morgen, wenn sie wieder zu Hause sind.

5.

Als würden Noel und Liam Gal­lagher sich wie­der­ver­einen, als würde sich nach Jahren her­aus­stellen, dass diese ganze Brexit-Chose aus for­malen Gründen wieder rück­ab­ge­wi­ckelt werden müsste, als wäre die Queen tat­säch­lich unsterb­lich. Ganz Eng­land feiert.

6.

Damit hätten wirk­lich die wenigsten gerechnet, aber es stimmt wirk­lich: die Aus­wärts­mann­schaft führt!

7.

Freue mich jetzt schon darauf, wie José Mour­inho erklärt, dass Luke Shaw dieses Tor – das erste seiner Län­der­spiel­kar­riere – nur dank ihm geschossen hat.

8.

+++BREAKING+++BREAKING+++BREAKING+++ So eben wurde ein neuer Welt­re­kord im Vor-Freude-Bier-über-fremde-Men­schen-ver­schütten auf­ge­stellt!

9.

Insigne schießt einen Frei­stoß weit übers Tor, Pick­ford hüpft über die Tor­linie mit Arm nach oben wie wir früher beim Auf­wärmen im Schul­sport. Schwamm drüber.

10.

Falls Sie es noch nicht wussten: Raheem Ster­ling ist in der Nähe des Wem­bley Sta­dions groß geworden, er ist somit ein soge­nannter Local Boy“.

11.

Merke grade, dass ich ver­gessen habe, das Finale zu tippen. Bitter. Ande­rer­seits habe ich im Gegen­satz zu den Ita­lie­nern immerhin nicht ver­gessen, im Finale zu ver­tei­digen.

12.

Din­kelaker (ver­zwei­felt): Oh Mann, ich hab‘ ver­gessen zu tippen.“ Ganz bitter. Ver­passt er damit doch die Gele­gen­heit, in der pri­vaten Tipp­runde im letzten Moment auf Platz 14 vor­zu­hüpfen.

14.

Erste Bilder, wie das frühe 1:0 auf die Stim­mung schlug.

15.

Es ist ja land­läufig bekannt, dass wir in der Redak­tion durchaus Partei ergreifen, dass wir uns nicht der Neu­tra­lität ver­schrieben haben, dass wir nicht völlig wert­frei schreiben, dass wir manche Mann­schaften lieben und andere nicht, dass wir also auch von diesem Spiel nicht objektiv“ berichten können und wollen, son­dern Kol­lege Ahrens zum Bei­spiel keinen Hehl daraus macht, dass sein Herz heute für die Eng­länder schlägt. Doch die Fotos, die der­zeit von ihm die Runde machen, die gehen dann doch ein biss­chen zu weit.

17.

Das Spiel ein wenig die Stra­tegie der bri­ti­schen Regie­rung, ab der kom­menden Woche in Sachen Corona auf Eigen­ver­ant­wor­tung zu setzen: Noch immer sind alle geschockt, wie schnell es voll ein­schlug.

18.

Ich (links), wie ich Ahrens dabei anfeuere, wenn er einen unserer Ticks bei Twitter zündet“:

19.

Ita­lien spielt jetzt in gewohnter 80er-Jahre-Manier: Ver­tei­digen kon­zen­triert das 1:0.

22.

Was ähn­lich über­ra­schend kommt wie Regen in Eng­land:

- Regen in Schott­land

- Regen in Irland

- Regen in Wales

24.

Jorginho, der in diesem Tur­nier bisher so über­ra­gende Spiel­ge­stalter der Ita­liener, sitzt ange­schlagen am Spiel­feld­rand. Das ein­zige, wovor sie in Ita­lien grö­ßere Angst haben als vor einem Aus­fall des Ach­ters, ist die Kom­bi­na­tion aus Pizza und Ananas.

25.

Das eng­li­sche Spiel bisher wie die Frisur von John Mal­ko­vich: ein inter­es­santer Ansatz.
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27.

Jetzt sieht man die Szene, in der sich Jorginho ver­letzt hat. Und was soll ich sagen? Kol­lege Ahrens hat mich grade nach einer Spuck­tüte gefragt.

28.

Wagner spricht über die Ita­liener wie meine Mit­schüler früher über meine absolut dilet­tan­tisch bewerk­stel­ligten Mathe-Haus­auf­gaben: Man darf sie nie abschreiben.

31.

Das ist ja ein Ding: Genau gleich­zeitig mit Mason Mount sind 24.331 besof­fene Fans in eng­li­schen Pubs auf exakt die gleiche Art und Weise nach hinten umge­fallen.

33.

Eng­land zieht sich jetzt etwas zurück, rie­gelt die eigene Hälfte erfolg­reich ab. Und ich habe die Befürch­tung, dass dieses Spiel noch so häss­lich werden könnte, dass sich schon bald zwei glatz­köp­fige-bier­bau­chige Briten im Pub gegen­über­stehen und sich zu ihren Final-Tat­toos beglück­wün­schen können, obwohl nie­mand einen Termin im Studio hatte.

34.

Die Ita­liener, sie hadern, sie zau­dern, sie zögern und meckern, es wird nicht gelä­chelt, nicht gespaßt, viel Frust, wenig Lust, der Flachs, er blüht nicht nur nicht, er wird welk. Und irgendwo in Kata­lo­nien sitzt Jordi Alba und lächelt zufrieden in sich hinein.

36.

Kieran Trip­pier, dass er heute spielt, könnte noch ent­schei­dend werden. Weil er auf der rechten Seite Emerson und Insigne jetzt schon in guter alter Non-League-Weise auf die Nerven geht. Hier mal ein kleiner Tritt, da mal ein Rempler und immer wieder dieser Blick, als wolle er sagen: Ach komm, war doch nix, Junge. Ich will hier doch nur kicken.“ Dann läuft er irgendwem wieder in die Füße. Nur noch eine Frage der Zeit, bis er sich in der 70. frus­triert aus­wech­seln lässt, weil seine Frau ange­rufen hat und er sich jetzt aber mal ganz fix um die Mar­kise küm­mern muss.

39.

Chiesa ey. Mons­tert­ruckt über die eng­li­schen Ver­tei­diger, als seien sie ein paar ver­schrot­tete Klein­wagen bei einem Motor­sport-Event irgendwo im Rust Belt. Kol­lege Ahrens ist begeis­tert. Lässt seinen inneren Red­neck raus, scheidet sich die Jeans­ja­cken-Ärmel ab, nimmt 30 Kilo zu, ihm wächst ein Tru­ckercap, die Arme sind plötz­lich voll mit Knast-Tat­toos, ein Mama-Herz, eine ama­teur­haft gezeich­nete Schlange, ein paar kra­ke­lige Buch­staben auf den Fin­ger­knö­cheln. Brüllt LET’S GO!“, reißt die Augen auf und sich die Jacke vom Leib, ext eine 0,66-Liter-Dose Bud Light, presst sie sich danach an der Stirn platt. Was pas­siert hier? Und vor allem: Eigent­lich wollte er doch nichts trinken und mich später noch mit seinem Pick-Up nach Hause fahren?

40.

Sandro Wagner wie der Typ Gourmet, der sich in ein All-you-can-eat-Buf­fett in einem Gasthof an der A37 ver­irrt hat. Das Schnitzel ist kalt, der Blu­men­kohl suppt in der Sauce Hol­lan­daise und die Cola, die Pepsi ist, natür­lich ohne Koh­len­säure. Wagner (positiv blei­bend): Da muss man auch mal den Rice loben.“

43.

Din­kelaker: ZIEH AB!“ Habe ja nach all den Spitzen in der ersten Halb­zeit schon erkannt, dass er lieber alleine tickern möchte. Aber wenn mir jemand in Berlin-Fried­richs­hain nun eine Bleibe für die zweiten 45 Minuten bieten würde, wäre ich dankbar. Hier jeden­falls ist die Stim­mung ange­spannt. Und dann spielt Ita­lien nicht einmal so, wie Din­kelaker es gerne hätte.

44.

Ita­lien liegt hinten, Ita­lien spielt scheiße. Schwenk auf die ita­lie­ni­schen Fans. Die, als­bald sie die Kamera erbli­cken, anfangen zu jubeln und zu lächeln. Wie wir das finden? Siehe hier.

45.+2

Ver­rati schießt aus der Dre­hung. Wohin? Ver­rati nicht. Sorry.

45+3

Wenn du dem acht­jäh­rigen Fir­men­erben erklärst, dass sich durch die stra­te­gi­sche Koope­ra­tion mit Leih­ar­beits­firmen im Nied­rig­lohn­sektor auf dem Rücken ein­fa­cher Arbeiter noch ein kleines biss­chen mehr Eigen­ge­winn aus der Jah­res­bi­lanz pressen lässt.

Halb­zeit

Der Schieds­richter pfeift zur Pause. Unauf­fäl­lige Leis­tung von ihm bisher. Immerhin, seine Kui­per­sprache stimmt.

21:55 Uhr

Genial, das heute Journal berichtet seit Minuten über den Wett­lauf dreier Mil­li­ar­däre in den Welt­raum. Und irgendwie wirkt eine pan­eu­ro­päi­sche EM mit 24 Nationen inmitten einer welt­weiten Virus­krise gar nicht mehr ganz so unsym­pa­thisch.

21:59 Uhr

Jetzt erklärt Gun­dula Gause, dass Novak Djo­kovic heute schon Wim­bledon gewonnen hat. Man sollte end­lich den beiden Teams Bescheid geben.

46.

Weiter geht’s. Bezie­hungs­weise: The Shaw must go on.

48.

Starke Geste: Kol­lege Din­kelaker hatte sich schon am Nach­mittag mit den Briten ver­bündet.
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50.

Sitze in Unter­hemd und Bade­hose vor der Glotze. Oder wie sie in Eng­land sagen: Schön, dass Sie zur Hoch­zeit meines Sohnes gekommen sind!“

52.

Frei­stoß Insigne, aus knapp 20 Metern. Der Schuss aber wie der Wunsch von Andi Scheuer, nach der Wahl Ver­kehrs­mi­nister zu bleiben: völlig daneben.

55.

Barella geht, Cris­tante kommt. Ich bin ehr­lich: Ich hätte eher den Onkel von Cris gebracht.

58.

Hoffe inständig, dass dieses Spiel noch an Qua­lität zulegt. Ansonsten denken Joa­chim Löw und der DFB noch, dass sie tat­säch­lich hier heute hätten mit­spielen können.

61.

Was das für ein stres­siger Job sein muss, so als Zeug­wart der ita­lie­ni­schen Natio­nal­mann­schaft. Vor jedem Spiel wieder einen kom­pletten Satz Hosen beschaffen zu müssen…

63.

Chiesa mit einer schönen Ein­zel­ak­tion, schließt ab, zielt nach rechts unten, aber Pick­ford ist da, taucht ab, kratzt den Ball aus dem Eck. Einen Eng­länder so schnell fallen gesehen habe ich zuletzt in der Ver­län­ge­rung vom Halb­fi­nale.

65.

Ecke Eng­land. Bonucci ruft: Ich hab Harry.“ Wel­chen?“, fragt Chiel­lini. Kane“, sagt Bonucci. Wie, keinen?“, fragt Chiel­lini. Wie, keinen?“, fragt Bonucci. Fast das 2:0 für Eng­land.

66.

Puh, im Netz tau­chen gerade erste Videos auf, wie offen­sicht­lich eng­li­sche Fans in Wem­bley gezielt auf Per­sonen los­gehen, sie ins Gesicht schlagen, zu Fall bringen, mit Tritten mal­trä­tieren. Die Briten zeigen bei dieser EM ihr häss­lichstes Gesicht (und dabei hatte Wayne Rooney seine Kar­riere schon beendet).

67.

Ich lege mich fest: Wenn Ita­lien hier den Aus­gleich erzielt, dann steht es 1:1.

69.

Und was bin ich doch für ein Hell­seher???? Ecke Ita­lien, der Ball wird ver­län­gert, Chiel­lini passt den Ball weiter, wie nur er einen Ball weiter passen kann, näm­lich in dem seinen Gegner umgrätscht, dann Kopf­ball Ver­rati, Pick­ford, Pfosten – und plötz­lich steht rauscht Bonucci heran und staubt ab zum Aus­gleich. Es steht 1:1! Und die ita­lie­ni­schen Fans wie Reifen im Schlamm: drehen kom­plett durch.

70.

71.

Ich leg mich fest, wenn die Squadra Azzura hier nochmal trifft, schi­cken sie die Briten ins Ita­lien der Tränen.

73.

Eng­land will, kann aber nicht. Saka auf Kane, der will zurück zu Saka passen, passt statt­dessen aber ins Nichts. Ist das das Wahl­pro­gramm der CDU oder wieso wirkt es so, als hätte es über­haupt keine Zukunft?

74.

Wir sehen hier ein gutes Spiel. Eng­land ist in Füh­rung gegangen, Ita­lien hat aus­ge­gli­chen. Mich über­rascht das nicht. Mög­li­cher­weise geht dieses Spiel in die Ver­län­ge­rung, wenn es nach 90 Minuten noch Unent­schieden steht. Aber beide Mann­schaften wollen gewinnen. Ich bin gespannt. Euer Philipp Lahm.

75.

Die Ita­liener laut Schmidt wie die Men­schen früher auf den Mon­tags­demos: schnup­pern an der Wende.

78.

Wenn ich wetten müsste, wel­cher Spieler das gigan­ti­sche Spiel­an­set­zungs-Badge auf der Trikot-Vor­der­seite wirk­lich braucht, um ab und zu mal zu spi­cken, an wel­cher Partie er da eigent­lich teil­nimmt, dann würde ich auf Harry Maguire setzen. Also so vom Gesichts­aus­druck her.

79.

Das Spiel jetzt wie ich mir Bunga-Bunga-Par­ties von Silvio Ber­lus­coni immer vor­ge­stellt habe: Die Ita­liener mit Über­ge­wicht. Wie wird die eng­li­sche Regen­bo­gen­presse morgen berichten?

80.

Über­schriften, die man auch pro­blemlos an Porno-Pro­du­zenten ver­kaufen könnte: Eng­land bangt!

82.

Wie die Ita­liener in der Atmo­sphäre baden:

83.

Wenn ich den schmerz­ver­zerrten Gesichts­aus­druck von Chiesa gerade richtig ein­ge­schätzt habe, wird das noch auf dem Platz getackert. Und danach werden sich die Ärzte auch um den Fuß küm­mern.

85.

Chance für Eng­land, aber Saka lässt sich anschießen. Din­kelaker (ver­zwei­felt.): Was ist mit Sancho?!“ Oh Gott, was pas­siert erst, wenn Din­kelaker erst von der neuen Delta-Vari­ante erfährt.

87.

Chiesa ver­lässt unter Schmerzen den Platz, ver­sucht sich die Ent­täu­schung nicht allzu sehr ansehen zu lassen. Muss aber auch an dieser Stelle sagen: Bin froh, dass Cris­tiano Ronaldo heute nicht mit­spielt.

89.

Ein Flitzer rennt – angeb­lich – über den Platz. Die UEFA zeigt uns nur leider die Bilder nicht. Des­wegen müssen wir Carsten Schmidt und Sandro Wagner glauben, die eine Szene schil­dern wie aus einer Stumm­film-Komödie. Der Flitzer lässt – angeb­lich – den ersten Ordner aus­steigen, dann den zweiten, dann den dritten, das Sta­dion johlt, sehr mus­kulös soll er außerdem sein. Sou­th­gate hek­tisch zu seinen Co-Trai­nern: Bekommen wir für den noch eine Spiel­ge­neh­mi­gung?

90.+1

Es wird noch mal laut im Wem­bley. Dreht der Flitzer grade seine Ehren­runde?

90.+3

Saka wird auf der rechten eng­li­schen Seite geschickt, will zum Ball gehen, aber lässt es dann bleiben, weil Chiel­lini ange­rauscht kommt. Besser so. Wären die beiden zusam­men­ge­rauscht, das NHS hätte end­gültig den Not­stand aus­ge­rufen.

90.+5

Wie ärger­lich das sein muss für den Kerl. Schafft es aufs Spiel­feld, rennt dem halben Sta­dion davon – aber es gibt kein ein­ziges Beweis­bild, nur ein paar besof­fene, unglaub­wür­dige und 40 Meter weit ent­fernte Augen­zeugen. Falls Sie, liebe Leser, in zehn Jahren also i irgendwo in Europa mal einen Mann an der Theke treffen, der ihnen hoch und heilig und am Rande der Ver­zweif­lung schwört, dass er mal an einem EM-Finale teil­ge­nommen hat, dann reagieren Sie bitte wie folgt: Ist ja gut, Herr Kuranyi, Haupt­sache, Sie selber glauben daran!“

90.+6

Das Spiel jetzt wie der Urlaub eines Ehe­paars, das nach Jahren des Ver­zichts, des Kin­der­krie­gens, des Immer-gestresst- und Nie-Raum-gehabt-Seins, sich 14 Tagen in einem Resort gönnt und sich wieder Zeit für­ein­ander nimmt. Man einigt sich früh­zeitig auf 30 wei­tere Minuten.

90.+7

Chiel­lini zieht Saka am Hemd­kragen wie ein Vater sein zwei­jäh­riges Kind, das grade mit Voll­speed über eine rote Ampel wetzen will. Bekommt trotzdem Gelb. Wo bleibt die Mensch­lich­keit?

23 Uhr

Pause. Din­kelaker ver­lässt den Raum, um kurz aus­zu­treten. Ich bereite solange die Ansprache für die kom­menden 30 Minuten vor. Werde ihm gleich die Fin­ger­knö­chel mas­sieren, viel­leicht findet sich im Redak­ti­ons­kühl­schrank noch etwas, das wie dieses Iso-Gel riecht und schmeckt (wahr­schein­lich: Milch, abge­laufen). Werde ihn zu wei­teren mutigen Ticks anspornen. Komm, Junge, du hast doch nichts zu ver­lieren! Höchs­tens das biss­chen Würde, das dir nach diesem Ibiza-Urlaub 2011 geblieben ist.

91.

Wir würden schreiben wollen: Weiter, immer weiter. Aber als deut­scher Ver­treter ist nur Peter Peters im Sta­dion. In diesem Sinne: Kein Gag an dieser Stelle.

92.

Wagner mit einem Satz, den Phy­sik­lehrer lieben würden, aber nie zu hören bekommen: Die Span­nung ist unglaub­lich!“

97.

Das Spiel, es ist mitt­ler­weile so auf­re­gend, wahr­schein­lich gucken jetzt sogar in Deutsch­land alle Men­schen zu. Bloß, wenn das so ist: Wer kon­trol­liert dann grade, dass die Waren­trenner im Super­markt ord­nungs­gemäß die Waren trennen?

98.

Das Spiel dürfte dem EU-Kom­missar für Finanz­pla­nung bekannt vor­kommen: Von Eng­land kommt nicht mehr viel.

100.

Grea­lish kommt. Man­cini ver­wirrt: Der sieht doch gut aus, warum spielt der nicht bei uns?“

102.

Grea­lish bittet halb Ita­lien zum Tanz, nur um dann doch nicht los­zu­legen, statt­dessen spielt er ab auf Saka. Der ver­stol­pert. Und irgendwo in Mün­chen schaut Leroy Sané ver­träumt aus einem Loft-Fenster. Das hat er sich bei mir abge­schaut…“

104.

Angriff Ita­lien, der mit einem aggres­siven Befrei­ungs­schlag vom sich im Toraus befin­denden Ber­na­de­schi endet. Weiß nicht, was mich heute mehr ver­wirrt hat: die Aktion grade oder die offi­zi­elle UEFA-Gäs­te­liste für das Finale mit den Fuß­ball­le­genden David Beckham, Wayne Rooney, Tom Cruise und Kate Moss.

105.

Bri­ti­scher Humor: Vier Tage nach dem Elf­meter gegen Schmei­chel, machen sie Wer­bung für einen Laser TV.

105.+1

Eine Minute Nach­spiel­zeit in der Ver­län­ge­rung. Wie der Lehrer, der nach dem Klin­geln noch etwas überzog, um sagen zu können: Schluss ist erst, wenn ich das sage.“

106.

Bitte nicht sorgen, falls bei euch zu Hause der Boden vibriert. Das sind nur die schlot­ternden Knie der Eng­länder. Bezie­hungs­weise: Noch eine Vier­tel­stunde, bis es ins Elf­me­ter­schießen geht.

108.

Muss man sich auch mal über­legen, dass wir uns das alles hier geben, damit Gianni Infan­tino und Alex­ander Ceferin später grie­nend den Sie­gern die Medaillen über die Hälse legen können.

109.

Don­na­rumma fliegt durch den Straf­raum wie ver­rückte bri­ti­sche Miili­ar­däre durchs Weltall. Beides komisch. Trotzdem weiter 1:1.

111.

Ein­hun­dert­elfte Minute. Oder wie Bilbo Beutlin sagen würde: Ich kenne die Hälfte der Spieler nur halb so gut, wie ich´s gern möchte und ich mag weniger als die Hälfte der Spieler auch nur halb so gern, wie sie es ver­dienen.“

113.

Raheem Ster­ling: Macht im Straf­raum stets so kleine Schritte, er erin­nert mich immer ein biss­chen an die inter­na­tio­nale Kli­ma­po­litik.

115.

Grea­lish wird von Jorginho gefoult, beide ver­letzen sich bei der Aktion. Kui­pers bittet die Ärzte beider Ver­bände auf den Platz. Nette Geste an die Medi­ziner, bald müssen sie schon wieder auf Inten­siv­sta­tionen ackern.

116.

Die Eng­länder wollen offenbar nicht ins Elf­me­ter­schießen. Warum bloß?

118.

Dass dieses Spiel in die Ver­län­ge­rung geht, hätte ich nicht für mög­lich gehalten. Jetzt ist es trotzdem pas­siert. Ich finde, die Ita­liener haben ein gutes Spiel gemacht. Die Eng­länder hätten es aber auch ver­dient. Klar ist: Beide Mann­schaften wollen jetzt gewinnen. Beim Elf­me­ter­schießen stehen die Chancen meist 50:50. Pack mas. Euer Philipp Lahm.

119.

Gareth Sou­th­gate bringt jetzt Jadon Sancho. Oder wie Flo­rian Naß sagen würde: Das ist ein Blick auch in die Zukunft.“

120.+2

Grea­lish, ey. Sieht aus wie der Zehner vom Dorf­club, der auch mal ein Pro­be­trai­ning bei Lever­kusen 2 gemacht hat, am Ende aber nicht gewech­selt ist, weil, so erzählt er die Geschichte zumin­dest, das Gesamt­paket nicht gestimmt“ und er am Ende beim Dort­club-Haupt­sponsor dann doch noch den gewünschten Aus­bil­dungs­platz bekommen hat. Wenn ich es nicht besser wüste, würde ich sagen: Er ist garan­tiert mit der Tochter vom Prä­si­denten zusammen.

120.+3

Irgendwo in Frei­burg lehnt sich Joa­chim Löw zurück. Es riecht nach Elf­me­ter­schießen.

120.+4

Das war’s, es geht tat­säch­lich ins Elf­me­ter­schießen. 100 Euro auf Fehl­schüsse von Sancho und Rash­ford.

23:43 Uhr

2:1

Elf­me­ter­schießen im EM-Finale. Mit eng­li­scher Betei­li­gung. In Wem­bley. Gegen eine Mann­schaft, gegen die die Eng­länder noch nie gewonnen haben. Logisch, dass Berardi den ersten eis­kalt trifft. Füh­rung Ita­lien.

23:46 Uhr

Harry Kane geht langsam Rich­tung Tor. Was wird sich bei ihm im Kopf abspielen? Worauf wird er achten? Schnell anlaufen? Zeit lassen? Hier ist die Ant­wort.

2:2

Yes, he Kane. 2:2.

2:2

Belotti, schaut wie ein Auf­trags­mörder, wäre in dem Job aber völlig ver­loren. Bezie­hungs­weise: ver­schießt. Vor­teil Eng­land.

2:3

Harry Maguire. Stand bei der EM 2016 noch im Zuschau­er­rang. Hat wahr­schein­lich wie jeder Fan gedacht: Lasst mich mal ran da!“ Knallt jetzt den Ball in den Winkel. Wer holt die nächste Runde, Jungs?

3:3

Bonucci zit­tert den Ball oben links ins Eck. Aus­gleich. Aber einer der schlech­teren Sorte.

3:3

Marcus Rash­ford, der Mann, der sich wie kein Zweiter für benach­tei­ligte Kinder ein­setzt. Nicht drin. Pfosten. Zum ersten Mal in seinem Leben.

4:3

Ber­na­de­schi, wie Jugend­liche aus dem Vorort, wenn sie am Wochen­ende was erleben wollen: ab ins Zen­trum. Füh­rung Ita­lien.

4:3

Gareth Sou­th­gate blickt, als wolle er es jetzt selber machen. Die Last von den Jungs nehmen. Zum Held werden. Oder für die Jungs erneut zum Idioten werden Darf aber nicht. Statt­dessen: Sancho. Ver­schießt. Jules Rimet still gle­a­ming. Aber wie lange noch?

4:3

Jorginho. Kann alles klar machen. Ist aber ver­wirrt. Trifft erst Pick­fords Hand, von da geht der Ball an den Pfosten. Eng­land lebt. Wir sterben vor Sorge. Weiter geht’s.

4:3

Saka ver­schießt. Keine Pointe.

23:58 Uhr

Bezie­hungs­weise: ITA­LIEN IST EURO­PA­MEISTER! 2020! ITA­LIEN! Kol­lege Ahrens völlig eupho­ri­siert, seift sich mit dem Büf­fel­moz­za­rella ein, leert einen Fla­sche Oli­venöl, bestellt einen Stein­ofen für die Redak­tion. Braust dann mit dem Mofa durch den Flur, Ita­lien-Flagge auf dem Rücken, ich höre es nur brummen und schreien von draußen. Ich finde: ange­messen.

00:00 Uhr

Die Eng­länder, es hätte für sie nicht tra­gi­scher kommen können. Sie ver­lieren das EM-Finale, zu Hause, im Elf­me­ter­schießen. Als würde der eigene Bruder einem die Braut aus­spannen, vorm Altar. Immerhin: Ryan Giggs hat mit der Sache heute nichts zu tun.

00:01 Uhr

Leere eng­li­sche Gesichter werden uns gezeigt. Geis­ter­stunde in Wem­bley.

00:04 Uhr

John Stones läuft an der Bühne vorbei, auf der gleich der Euro­pa­meister gekürt werden soll. Wo er stehen sollte, wo die Eng­länder hätten stehen sollen, wenn es nach ihnen gegangen wäre. Und in seinen Augen steht der trau­rige Glanz des Unum­kehr­baren. Es ist vorbei. Ein­fach vorbei. Es wird nie wieder zurück­kommen. Und an dieser Stelle sollte erst ein Ver­gleich stehen, dass sich das ja anfühlen muss wie ein Scho­koec­lair, das man zu hastig gegessen hat, und dann.., ach ver­giss es. Es ist eher wie ein Aston Martin DB5, den man sich vom Munde abge­spart hat, um ihn auf der ersten Aus­flugs­fahrt vor den Augen aller an den nächsten Baum…, ach ver­giss es. Mein Gott. Diese Männer haben gerade die Chance vertan, die Euro­pa­meis­ter­schaft im eigenen Land zu gewinnen. Ver­gleiche? Sinnlos. Und der Mann, der Ita­lien“ in den Henri-Delaunay-Pokal gra­viert, schnitzt es mitten in die Herzen dieser Spieler.

00:05 Uhr

Ita­lien also Euro­pa­meister 2020. Aber falls es euch tröstet, liebe Eng­länder: Viel­leicht läuft es ja 2021 besser für euch.

00:06 Uhr

Man­cini im Inter­view. Das Wort Ragazzi“ fällt. Fühle mich abge­holt.

00:09 Uhr

Eder läuft mit dem Pokal aufs Feld. Leider nicht im Bild, aber defi­nitiv im Sta­dion: Der Kerl, der ihn per Fern­be­die­nung steuert.

00:10 Uhr

Die Schieds­richter holen sich ihre Medaillen ab. Und ich will ja keine Ver­schwö­rungs­theo­rien ver­breiten, aber ja, doch, sie tun es im klas­si­schen Juve-Rosa.

00:13 Uhr

Die Eng­länder müssen auch aufs Podest. Ziehen sich die Medaillen sofort wieder vom Hals. Aber falls sie glauben, einen scheiß Tag zu haben, sollte man ihnen drin­gend diese Über­schrift zeigen:
Bildschirmfoto 2021 07 12 um 00 14 32

00:15 Uhr

Chiel­lini nimmt den Pokal in Emp­fang. Und stemmt ihn dann in den Lon­doner Nacht­himmel. Kon­fetti fliegt, und alle sind sie stolz, die Spieler, die Trainer, die Betreuer, die Fans, die Fami­lien, und ja, selbst die Zivil­dienst­leis­tenden des ita­lie­ni­schen Kapi­täns.

00:24 Uhr

Wäh­rend das Wem­bley in den ita­lie­ni­schen Natio­nal­flaggen leuchtet, ist es für uns an der Zeit, Abschied zu nehmen. Von diesem Abend, von diesem Spiel, von diesem Finale, von diesem Tur­nier, von vier Wochen Fuß­ball, von viel Unter­hal­tung, von viel Skur­rilem, von Flaggen-Skan­dalen und Eigen­toren, von Jogi Löw und Patrick Schick, von unserem EM-Quar­tier in Berlin. Denn ein Abend wie dieser bietet zwar immer auch die Gele­gen­heit, nochmal aus­giebig zurück­zu­bli­cken. Aber ande­rer­seits sehe ich, wenn ich hinter mich schaue, vor allem Kol­lege Ahrens, der sich wieder ein­be­kommen hat, vom Mofa gestiegen ist, die Ita­lien-Flagge lässig aus der Hose hän­gend, in der Hand einen Träger Bier, der EM-Pokal des kleinen Mannes. Was ich als Zei­chen sehe, dass es jetzt auch langsam gut ist, wir müssen all das Erlebte ver­ar­beiten, das Schicksal der Eng­länder, den Tri­umph der Ita­liener, den Murks der Deut­schen. Und sagen Danke für eure Auf­merk­sam­keit. Und alles Gute. Und gute Nacht. Bezie­hungs­weise: Buona Notte.