Liveticker
England – Kroatien 1:0
EM

14.45 Uhr

Well, hello there. Chris­tian Eriksen soll stabil sein, um 15 Uhr gibt der däni­sche Fuß­ball­ver­band eine Pres­se­kon­fe­renz. In der Hoff­nung, dass es dann keine bad news“ gibt, gehen wir hier sachte zum Tages­pro­gramm über. Weil es bekannt­lich immer weiter geht. Und Energie von Energie kommt.

14.48 Uhr

Eng­land also. Dieser Wile E. Coyote. Hat die besten Ideen, den däm­li­chen Roadrunner zu fassen. Diesmal ganz bestimmt. Und dann: Miep-miep. Wieder futsch. Der ganze Plan nur­mehr Staub. Und jeder weiß es immer schon vorher. Und trotzdem schaut man immer wieder gern hin. Und fragt sich immer wieder aufs Neue gespannt: WIE GEHT ES DIESMAL SCHIEF!? Immerhin. Gegen Kroa­tien, den Halb­final-Gegner der WM 2018, bei der die Eng­länder ja sogar ein Elf­me­ter­schießen gewinnen konnten – das. muss. man. sich. mal. vor­stellen. – kann es anders als vor drei Jahren heute keine Ver­län­ge­rung geben. Heißt für mich: Game On. Und irgendwo im Hin­ter­grund: Miep-miep.

14.51 Uhr

Kommen wir zu den Auf­stel­lungen. Hier die eng­li­sche, die ohne den Namen Jadon Sancho aus­kommt, der es nicht einmal in den 23-Mann-Spiel­tags­kader geschafft hat. Gründe: unknown. Viel­leicht hat ihm das letzte Ver­trags­an­gebot Man­chester Uniteds ja Schwin­del­ge­fühle gemacht? Soll es ja alles schon gegeben haben. Erin­nere nur an Ashley Cole, der einst seinen Bentley in den Graben gefahren haben soll, als ihm Chelsea am Auto­te­lefon erzählte, was sie ihm bei einem Wechsel an Gehalt zahlen wollten. Nun ja. Viel­leicht ver­misst Sancho auch ein­fach die Nest­wärme von Aki Watzke. Kleiner Scherz. Die Auf­stel­lung: Pick­ford – Walker, Stones, Mings, Trip­pier – Rice, Phil­lips, Ster­ling, Mount, Foden – H. Kane

14.53 Uhr

Starke Auf­stel­lung, wenn ihr mich fragt. Klingt wie ein Fach­ge­spräch in einem Plat­ten­laden. Pick­ford, Walker, Stones? Hab ich schon. Die neue Mings fehlt mir noch. Habe nur die 7‑Inch mit H. Kane drauf.“

14.55 Uhr

Und die Auf­stel­lung Kroa­tiens: Liva­kovic – Vrsaljko, Vida, Caleta-Car, Gvar­diol – Bro­zovic, Modric, Kovacic – Rebic, Kra­maric, Perisic

14.56 Uhr

Oder wie man in Eng­land sagt: tears for fears.

1.

Anstoß. Oder wie es auf den Ticker bezogen natür­lich heißen muss: Ans­tuss.

2.

Die Spieler gehen zum Anpfiff auf die Knie. Zag­hafte Pfiffe von ein paar Idioten. Wenn ich diese EM richtig ver­stehe, schießt Romelu Lukaku gleich ein Tor.

3.

Wo ich grade lieber säße als in der Redak­tion: Auf der Couch der Familie Pick­ford.

7.

Keine fünf Minuten gespielt, da beendet Ivan Perisic die Kar­riere von Ster­ling, wie es so schön heißt, tun­nelt rotz­frech den Star von Man­chester City, der jetzt noch 85 Minuten Zeit hat, sich zu revan­chieren. Eine Aktion wie ein guter 65. Geburtstag: Da gehört schon Mumm zu.

9.

Erste dicke Chance für Eng­land. Phil Foden, oder ist es doch Eminem?, kommt frei im Straf­raum zum Schuss. Am Ende aber wie Lutz van der Horst bei so ziem­lich jedem seiner Heute-Show-Bei­träge: trifft einen Pfosten.

11.

Eng­land macht richtig viel Druck, im Sta­dion ist es dem­entspre­chend laut. Wie toll und anders und viel viel viel viel besser Fuß­ball ist, wenn Fans im Sta­dion sind. Hat rein gar nichts mit dem Quatsch zu tun, den wir uns jetzt ein Jahr lang angetan haben. Punkt.

13.

Was ist eigent­lich das Gegen­teil von vor­sich­tigem Abtasten“?

16.

Ster­ling ver­passt einem Gegner einen Bein­schuss (es war ja irgendwie klar), kurz darauf ist Modric dran und macht das gleiche bei einem Eng­länder. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ich fahre grade durch Öster­reich. Ein Tunnel nach dem anderen.

17.

Würde jetzt gerne die Fin­ger­nägel von Manuel Neuer sehen. So wie seine Kroaten hier unter Druck geraten sind…

19.

Phil Foden. Macht mich ganz glück­lich. Wie er allein aus­schaut. Diese Frisur“! Eine Mischung aus Eminem, Paul Gas­coigne und Rohr­frei. Und dann: Foden, Pfosten, Pfosten, Foden. Wie das klingt. Das fühlt man doch. Foden, Pfosten, Pfosten, Foden. Ein herr­li­cher Spieler. Die Dring­lich­keit der Jugend, die jede seiner Aktionen besticht! Wie er sich in einen ein­fa­chen Haken legt. Als wolle er nebenbei noch im 500cc-Rennen gegen Valen­tino Rossi bestehen. Und die Chancen stünden nicht schlecht. Und zugleich diese Leere in seinem Blick. Nie­mand zu Hause, wie es scheint. Nur: Fuß­ball, Fuß­ball, Fuß­ball. Und was könnte es Schö­neres geben? Eben.

21.

Wenn es das ist, was der Brexit aus dem eng­li­schen Fuß­ball macht, möchte ich jetzt alle zwei Jahre einen Brexit.

23.

Obwohl: Kroa­tien gewinnt jetzt hier so langsam Feld­über­le­gen­heit. Manuel Neuer gefällt das.

26.

Erste (Halb-)Chance für Kroa­tien nun. Durch Ivan Perisic. Trifft er eher so Dou­glas Costa. Geht dann weit drüber. Also der Ball. Perisic bleibt auf dem Boden. Ange­mes­sene Reak­tion. Kol­lege Din­kelaker hin­gegen flippt kom­plett aus. Da die Tor­mög­lich­keit durch einen erneuten Tunnel ein­ge­leitet wurde. Der vierte des Spieles bereits, so Kol­lege Din­kelaker. Der von Tun­neln so sehr fas­zi­niert scheint, dass ich mich so langsam zu fragen beginne, wer von uns beiden eigent­lich in der DDR geboren wurde.

29.

Das Spiel nun wie ein ganz nor­maler Lebens­lauf: ver­flacht immer mehr. Einzig pro­bates Mittel: Ein­fach mal einen Abschluss suchen. Egal woher.

31.

Mmh. Oder um es kri­tisch anzu­merken: wer wissen will, wie Gaelic Foot­ball aus­schaut – so. Und: sorry.

33.

Gleich zu Tur­nier­be­ginn brand­ge­fähr­lich: Phil Foden und Harry Kane
Bildschirmfoto 2021 06 13 um 15 23 46

36.

Immer noch 0:0, aber mir ist das Ergebnis heute eigent­lich auch egal. Haupt­sache, Bea­trix von Storch schießt kein Tor.

40.

Ich liebe das eng­li­sche Outfit, ich liebe die Bewe­gungs­ab­läufe von Raheem Ster­ling, ich liebe die Technik im kroa­ti­schen Mit­tel­feld, ich liebe den Fakt, das Prince Boateng grade als TV Experte ein Spiel von Ante Rebic begleitet. Ihr merkt also, ich bin ein Mensch, der gerne und offen Zunei­gung zeigt. Aber ich has­se­has­se­has­se­hasse die Sonnen-Schatten-Situa­tion bei Nach­mit­tags­spielen in Fuß­ball­sta­dien. Warum gibt es da auch im Jahr 2021 noch keine Lösung für?

43.

Caleta-Car stoppt einen viel­ver­spre­chenden eng­li­schen Angriff mit dem Arm und ver­ur­sacht einen gefähr­li­chen Frei­stoß. Könnte mir nicht pas­sieren. Ich spiele schließ­lich gar nicht mit.

45.

Modric, Kane, Rebic, Ster­ling, Kovacic, Foden: Wie gut wäre bitte die Mann­schaft von Kroa­ti­england???

Halb­zeit

Wann hat fol­gender Satz je so gut gepasst wie bei diesem Spiel, mit eng­li­scher Betei­li­gung, in London? Der Schieds­richter bittet zum Pau­sentee. Bis gleich.

15.59 Uhr

Freunde. Liebe & Hass. Ja ja ja ja. Din­kelaker hat natür­lich Recht, es ist eine Schande, dass die Mensch­heit sich als modern bezeichnet und gleich­zeitig nicht in der Lage ist, Fuß­ball­plätze im Halb­schatten zu ver­hin­dern. Wenn sich Fried­rich Merz mal bitte darum küm­mern könnte. Muss den Schatten auch nicht gen­dern. Däm­liche Schatten sind immer männ­lich. Aber gut. Genug Hass. Liebe. Liebe ist gut. Und auch da hat Din­kelaker Recht: Viel Liebe für die Expert*innen-Troika der ARD. Stefan Kuntz, Prince Boateng und Almuth Schult. Jeder mit einer eigenen Note. Alle gut, alle fach­kundig. Und jetzt zum mit­schreiben: Liebe braucht keine Pointe.

46.

Mutig: Kroa­tien stösst zur zweiten Halb­zeit an.

49.

Ich weiß noch nicht genau, wes­halb, aber immer wenn sich das Spiel­ge­schehen in Rich­tung der eng­li­schen Innen­ver­tei­diger aus­lenkt, frage ich mich, ob ich im Kühl­schrank das Licht ange­lassen habe. Ich meine, dagegen ist Per Big fucking German“ Mer­te­sa­cker gefühlt ein Tes­ti­mo­nial für das Miniatur-Wun­der­land. Sehe mich morgen dann schon wie fremd­ge­steuert ins Möbel­fach­ge­schäft wun­dern: Guten Tag, ich hätte gern einen Schrank. Das Modell Tyrone Mings soll sehr geräumig sein.“

52.

Das Spiel wie ich auf dem Holz­lie­ge­stuhl: hängt durch. Und so langsam beschleicht mich das Gefühl, dass das genau das ist, was Kroa­tien will. Wie so ein rich­tiger Gauner. Das Opfer erstmal aus­toben lassen, dann langsam ein­bremsen, kurz vor Son­nen­un­ter­gang dann: bäm – Hose runter, Abmarsch.

57.

Da ist das Ding! 1:0 für Eng­land, Ster­ling mit dem Treffer. Nach schönem Steck­pass von Kalvin Phil­ipps und biss­chen Dusel im Abschluss. Alles in allem ein ziem­li­ches Eben­bild zu meinem letzten Kredit.

60.

Kroa­tiens Match­plan damit über den Haufen geworfen. Müssen es jetzt mit Fuß­ball ver­su­chen. Bitter.

63.

Kane mit der großen Chance zum 2:0, macht den Ball aller­dings aus drei Metern Ent­fer­nung nicht rein und tut sich dann auch noch weh, weil er gegen den Tor­pfosten rauscht. Dann aber wie so ziem­lich jeder deut­sche Poli­tiker nach einem ehr­ab­schnei­denden und scho­ckie­renden Giga-Skandal: macht ein­fach weiter.

65.

Ist das hier eine deut­sche Schule nach ein­ein­halb Jahren Pan­demie oder wieso ist da so über­haupt kein Kon­zept erkennbar? Bezie­hungs­weise: Es muss jetzt mehr kommen von den Kroaten.

67.

Womit wir bei Sätzen wären, die so noch nie jemand gesagt hat, nachdem die große Puszta-Platte auf­ge­gessen wurde: Es muss jetzt mehr kommen von den Kroaten.

71.

Muss toll sein, so als Luka Modric. Selbst bei 0:1‑Rückstand, selbst wenn die min­der­be­gabten Mit­spieler die eigenen, top-getre­tenen Eck­bälle nicht ver­werten. Ich meine eher so gene­rell. Nichts müssen müssen, alles können können, die Zehn auf dem Rücken tragen, mal ein Zau­ber­päss­chen hier spielen, mal einen wohl über­legten Bein­schuss da ver­teilen – und wenn das Tur­nier dann doch irgend­wann endet, mit einem unglück­li­chen aber eben irgendwie auch erwart­baren Vier­tel­fi­na­laus, dann kann er sich immer noch zu Hause trösten lassen. Von seinen Enkeln.

73.

Rash­ford kommt, von der Bank. Gefühlt ja auch ein 100-Mil­lionen-Mann. Wahn­sinn. Der Markt­wert der eng­li­schen Mann­schaft ist so gigan­tisch, ich ver­stehe nicht, dass er noch nicht von Jumbo Schreiner auf­ge­gessen wurde.

74.

Der Markt­wert der eng­li­schen Mann­schaft ist so hoch, es kann nicht mehr lange dauern, bis Felix Baum­gartner mit dem Fall­schirm von ihm runter springen will.

75.

Mal kurz was zum Inne­halten und Sich-Hin­ter­fragen: Wenn wir Men­schen weiter so mit unserer Umwelt umgehen wie bisher, dann wird es viel­leicht schon beim nächsten Tur­nier keine drei Löwen mehr geben. 

77.

Ver­stehe schon, warum sich so viele Profis die Ober­schenkel zuha­cken lassen. Dann haben sie auf Toi­lette immer was Schönes anzu­gu­cken, müssen nicht auch noch da die ganze Zeit am Handy sein! Die 11FREUNDE-Experten-Mei­nung dazu: clever und gesund.

81.

Kovacic ver­sucht es mal mit einem tem­po­rei­chen und fla­chen Pass durchs Zen­trum, aller­dings werden seine Kol­legen erst in einer Stunde in diesen Raum laufen, schließ­lich findet das Spiel in Eng­land statt. Ganz, ganz bitter.

82.

Ich sage es jetzt ein­fach mal so, wie es ist: Josip Bre­kalo regt mich tie­risch auf. Nur weil er alle 23 Spiele mal ein sehr gutes Spiel macht mit zwei Buden … und dann wieder drei Wochen lautes Über­legen, ob nicht doch noch mehr im Kar­riere-Tank ist als Wolfs­burg. Ne, Josip. Ist nicht, Josip. Selbst für Wolfs­burg bist Du … naja. Komm. Egal. Mings mit der Grät­sche. Und über allen Bre­kalos ist Ruh.

85.

Auf der Best-Of-Platte Kroa­tiens ist dieses Spiel die Stille vor dem Hidden Track.

88.

Grö­lende, eng­li­sche Fans mit freien Ober­kör­pern in einem Fuß­ball-Sta­dion. Oder: nature is healing.

90. +1

Kroa­tiens Chancen wie Andy Scheuer: irgendwie noch da, keiner weiß warum.

90. +4

Ihr merkt es viel­leicht, hier pas­siert nix mehr. Eng­land muss nicht, Kroa­tien kann nicht. Und so spielt sich alles in der neu­tralen Zone ab. Kurzum: ein Spiel wie mein Lie­bes­leben.

16:51 Uhr

Aus. Eng­land bril­liert die ersten 20 Minuten, weiß ein paar auf­re­gende, junge Kicker in seinen Reihen und macht Bock auf mehr. Und Kroa­tien? In diesem Sinne: gute Nacht.