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Deutschland – Ungarn 2:2
EM

20:27

Guten Abend, liebe Fans. Der Fuß­ball, dieses wun­der­bare Spiel, zieht seit je her viele gute Leute an – und leider auch ein paar schlechte. Wer ihn seit Län­gerem beob­achtet, dem kann das nicht ganz neu sein. Wer kennt sie nicht, die vielen guten? Ihre inte­gra­tive Kraft, Tole­ranz und Her­zens­wärme. Für diese guten Leute ist Fuß­ball alles, ohne sie ist Fuß­ball nichts. Und wer kennt sie nicht, die paar schlechten? Den dubiosen Auto­haus­be­sitzer, der, nur weil er mal einen Tri­kot­satz gespon­sert hat, für seinen feisten Sohn einen Stamm­platz for­dert. Den Pro­vinz­fürsten, der fei­er­lich den Sport­platz ein­weiht, dessen Bau er selbst jah­re­lang ver­hin­dert hat. Den unver­bes­ser­li­chen Arsch, der in der Kabine miese Sprüche klopft. Diese schlechten Leute bleiben meist nicht lang dabei, weil sie den Fuß­ball gar nicht lieben. Das ist erfreu­lich. Uner­freu­lich ist: Es kommen immer neue. »Irgendwo muss ein Nest sein«, hätte meine Oma gesagt. Im Vor­feld der Begeg­nung heute Abend ist viel über die schlechten Leute gespro­chen worden: Über die Pfingst­ochsen, die glauben, der Fuß­ball diene und gehorche ihnen, als sei er nur eine Art Parade zu ihren Ehren. Auch über die devoten Sekre­täre ist gespro­chen worden, die diesen Pfingst­ochsen noch Blu­men­kränze um den Hals hängen wollen. Ich will ganz ehr­lich sein, liebe Fans: Ich habe es satt, mich durch die Anwe­sen­heit dieser Figuren zu fühlen, als sei ich Teil einer zer­bro­chenen Familie. Sie waren immer schon da, wo Fuß­ball gespielt wurde, sie waren immer uner­wünscht, sie waren nie Teil dieser Familie: die Auto­haus­be­sitzer, Pro­vinz­fürsten, Ärsche. Diese Orbans. Und ich bin nicht bereit, dar­über die guten Leute zu ver­gessen. Die, die an die Kraft des Fuß­balls glauben, uns alle zu ver­einen. Für sie hisse ich heute meine Fahne.

20:32

Hat der Fuß­ball selbst denn wirk­lich diese sagen­hafte Kraft? Oder erwarten wir viel­leicht zuviel von ihm? Tat­säch­lich sind wir, auch wenn wir wider­stre­bende Hoff­nungen hegen mögen, was das Resultat angeht, in den besten Momenten dieses wun­der­baren Spiels alle­samt aus­ge­richtet wie Metall­späne auf einen Magneten: Wenn der Ball aufs Tor zufliegt, glaubt jeder von uns an die Erlö­sung. Solange wir nicht wissen, ob er rein­geht oder nicht, befinden wir uns im selben Raum zwi­schen Trauer und Freude – und beides ist noch mög­lich. Diese Kraft ist nicht von Dauer. Sie ent­faltet sie sich nur in diesen viel zu kurzen Augen­bli­cken – danach ver­schwindet sie, löst sich auf in der Luft, die wir atmen, und wir wollen sie unbe­dingt sogleich noch mal erleben. Das ist der Grund, warum wir ins Sta­dion gehen, wieder und wieder, in diese Kathe­drale der Hoff­nung auf Erlö­sung, und mag sie nur einen Wim­pern­schlag lang andauern. Das ist der Grund, warum wir uns vor den Bild­schirmen ver­sam­meln. Das ist der Grund, warum heute Deutsch­land gegen Ungarn spielt. Lassen wir den Fuß­ball seine Wir­kung tun, und mag sie noch so flüchtig sein. Und damit zum Spiel, dem wesent­lich Unwe­sent­li­chen.

20:34

Meine große Angst ist ja, liebe Fans, dass Robin Gosens, dieser Lukas Podolski der geschun­denen Seelen, dieses Kraft­tier all der­je­nigen, die an gar nichts mehr glauben mochten, dieser Talisman gegen die Beschis­sen­heit der Dinge – ja, dass dieser Robin Gosens das Spiel seines Lebens gegen Por­tugal schon gemacht hat. Wer kennt das nicht: Da repa­riert man mal durch einen Glücks­griff die kaputte Wasch­ma­schine – und alle denken plötz­lich, man könnte Wunder voll­bringen. Bringen einem lauter defekte Geräte, kranke Haus­tiere, wei­nende Kinder. Klar, man genießt den unver­hofften Ruhm, aber weiß doch, dass er ein Pro­dukt des Zufalls ist. Genau das macht Gosens ja so sym­pa­thisch, so mensch­lich, so nahbar – und die Angst davor, dass da heute Abend gegen Ungarn doch kein Super­held steht, son­dern nur einer von uns, so groß. Und damit einher geht die noch grö­ßere Angst vor einem neu­er­li­chen Süd­korea-Moment. Vor dem Aus­ein­an­der­fallen von Offen­sive, Defen­sive, Körper und Geist, wie damals, 2018. Oder um im DFB-Sprech zu bleiben: vor dem #zsmmnbrch.

20:37

Ehr­lich gesagt, liebe Fans: Ich bin heute schon mehr­fach #zsmmng­brchn und habe mich kur­zer­hand selbst wieder zusam­men­ge­setzt. Eigent­lich ist das meine ganz nor­male Art, mich durch dieses Tur­nier und die gesamte jün­gere Fuß­ball­ge­schichte fort­zu­be­wegen. Die trau­rige Rou­tine eines Mecha­ni­kers seiner selbst, eines Werder-Fans, für den es ja schließ­lich irgendwie wei­ter­gehen muss. Wovor habe ich also Angst? Wie Hugh Glass in »The Revenant« sagt: »I ain’t afraid to die any­more. I’ve done ist already.« Von mir aus kann’s los­gehen.

20:42

Womit ich mich beru­hige: Dass #gerhun klingt wie der Name der drol­ligen alten Tante, die uns Kin­dern damals immer Hasel­nuss­ta­feln zusteckte. Die schmeckten zwar nach Nikotin, weil Tante #gerhun so viel rauchte. Aber wir hatten ja sonst nichts – das können sich die jungen Schland-Fans, zu denen das ZDF jetzt hin­über­schaltet, gar nicht mehr vor­stellen.

20:48

Heute ist ja man­cher­orts der letzte Schultag gewesen. Und auch Mer­te­sa­cker und Kramer sitzen so brav und ange­spannt da, als kriegten sie von Breyer ihr Zeugnis. »Was?«, mault Merte. »In Sport nur ne 2? Ich bin Welt­meister, du Lauch.« Breyer: »Haha, genau. Und ich bin ZDF-Mode­rator!«

20:53

Gutes Zei­chen: Robin Gosens sieht immer noch aus wie der Robin Gosens von neu­lich und nicht wie einer, der bald ins Dschun­gel­camp zieht. Der hat noch was vor heute Abend, ich sag’s Ihnen, liebe Fans!

20:56

Und tat­säch­lich: Gosens nimmt das hier sehr, sehr ernst, so ernst wie seit 1954 kein Spiel gegen Ungarn mehr genommen wurde, rennt schon mal los, wäh­rend anderen noch die Hymne singen. Aus dem Hin­ter­grund müsste er schießen, er schießt, Tor, Tor, Tor! Bitte? Zählt nicht? Mir und Gosens doch egal.

1.

Gnabry und Sané stehen zum Anstoß bereit. Lewan­dowski kommt aus alter Gewohn­heit hinzu: »Alle Bälle auf mich! Wie immer!« Gosens: »Geh nach Hause, Full-Kit-Wanker.«

3.

Trau­riges Bild: Joa­chim Löw wartet mit seinen Ein­käufen im Regen auf den Bus. Aber der kommt ein­fach nicht, wahr­schein­lich wegen diesem blöden Fuß­ball­tur­nier.

5.

Die Deut­schen mit einer ersten Chance. Gehalten. Schade. Aber wenn dieses Spiel so läuft wie die Dreh­bü­cher der ZDF-Filme, die sonst zu dieser Zeit laufen, bekommen sie bestimmt noch eine zweite.

8.

Und da ist sie auch schon, die zweite Chance. Eher unin­ter­es­sant, dass Rüdiger sie ver­gibt. Inter­es­santer schon, dass Kroos im vor­an­ge­gan­genen Frei­stoß im Regen aussah wie Stab­hoch­springer Sergej Bubka bei der Leicht­ath­letik-EM 1987 in Stutt­gart. Aber auch das: eigent­lich unin­ter­es­sant. Reden wir lieber nicht weiter dar­über.

11.

Eine gute Nach­richt für alle, die schlechte Nach­richten lieben: 1:0 für Ungarn. Szalai war’s, jetzt feiert er aus­ge­lassen mit seinen Bruchweg-Boys vor der Kurve, auch André Schürrle ist dabei, der blöde Oppor­tu­nist. Und Joa­chim Löw steigt in den Bus, der jetzt end­lich kommt. Schaut aus dem Fenster auf das Treiben auf dem Platz, schüt­telt den Kopf, macht »Ts, ts, ts«. Bloß weg hier! Was freut er sich auf die Kar­tof­fel­suppe zum Abend­brot!

14.

Wenn Robin Gosens bei all der Anspan­nung viel­leicht doch die Zeit finden würde, mir SMS einen opti­mis­ti­schen Smiley zu schi­cken – ich würd mich echt freuen!

17.

Robin: 👍 Dirk: 😻

19.

Ecke! Kim­mich! Kopf­ball! Hum­mels! Latte! Gewusel! Ginter! Gehalten! Eine Szene, als wäre der Azubi mit dem Gabel­stapler ins Hoch­regal gefahren und hätte alles zum Ein­sturz gebracht, nur nicht so schön.

22.

Löw ist zurück und hat sich die Regen­jacke vom Leib gerissen, um, wenn schon nicht die EM, den »Wet T‑Shirt Con­test« (Kate­gorie Ü60) zu gewinnen. Starkes Zei­chen!

25.

Der Fan­club Natio­nal­mann­schaft wirft jetzt all seine Kom­pe­tenz in die Waag­schale: »Auf geht’s, Deutsch­land, schieß ein Tor!« Das könnte tat­säch­lich ein Lösungs­an­satz sein.

28.

Kann mich gerade nicht ent­scheiden: Solange Sandro Wagner bei jedem von ihm selbst als ulkig emp­fun­denen Satz aus dem Rum­glucksen nicht her­aus­kommt, kann ja alles nicht so schlimm sein. Oder aber es ist schlimmer denn je.

29.

Gün­dogan zieht Klein­heisler wegen dessen Werder-Bilanz auf: 6 Spiele, keine Tor. Klein­heisler zum Schiri: »Der ist fiese zu mir!« Gelb wegen Mob­bings.

33.

Jetzt regnet es hier wie bei der Regen­schlacht 1974 gegen Polen. Uli Hoeneß eilt mit der Was­ser­walze aufs Feld. Kroos geht für ihn vom Feld. Wollte eh mal wieder ganz in Ruhe Frei­stöße üben.

37.

ZDF-Wet­ter­frosch Gun­ther Tiersch wird hin­zu­ge­schaltet. Er teilt mit: Es ist gar kein Regen. Es sind Schweinis Tränen.

40.

Wichtig sei, so Sandro Wagner beim erneuten Zeit­lu­pen­stu­dium des 0:1, die Reak­tion. Ja gut, äh: Ist ja jetzt schon ne Weile her, die Aktion. Wäre ich Ortho­päde, der vor einer halben Stunde mit dem Reflex­häm­mer­chen gegen das Knie des Pati­enten gehauen hätte, und es wäre immer noch nichts geschehen, ich würde wenigs­tens mal besorgt die Stirn run­zeln.

42.

Ich muss es leider so sagen: Gosens gibt hier eine Figur ab wie ich beim Klas­sen­zelt­lager 1994, als ich am Abend noch mit der schönen Heike knut­schend auf die Luft­ma­tratze sank – am anderen Morgen aber mit ansehen musste, wie sie Hand in Hand mit Torsten am See­ufer ent­lan­glief. Keine Ahnung, was ich falsch gemacht hatte. Ich weiß nur: Sie sind heute ver­hei­ratet.

45.

Der Schieds­richter pfeift ab, damit sich alle erst mal gegen­seitig tro­cken­fönen können. Nett von ihm. Vor­läu­figes Fazit: Das hier ist offenbar Schrö­din­gers Grup­pen­spiel – die deut­sche Mann­schaft ist tot, aber sie lebt noch.

21:58

Löw: »Was mach ich denn nur? Was mach denn nur?« Fan­club Natio­nal­mann­schaft: »Wie schon gesagt: Auf geht’s, Deutsch­land, schieß ein Tor!« Löw: »Hmmm… Warum eigent­lich nicht?«

22:00

Hier fällt jetzt mehr­fach das Wort »Rest­ver­tei­di­gung«. Benutze ich eigent­lich nur, wenn ich am Morgen nach meinem Geburtstag den übrig­ge­blie­benen Alk vor den Über­nach­tungs­gästen ver­stecke. Ich kenne doch meine Pap­pen­heimer!

22:03

Auch fällt das Wort »Brech­stange«. Und wie ich aus gut unter­rich­teten Kreisen erfahre, ist ein DFB-Heli nach Mün­chen unter­wegs. An Bord: Horst Hru­besch, Dieter Schatz­schneider, Günter Delz­ep­pich und meine letzte Hoff­nung.

46.

Anstoß. Sofort liegt Klein­heisler am Boden, weil Gün­dogan ihm gesagt hat, er sei ganz allein Schuld an Wer­ders Nie­der­gang.

48.

»Gnabry lässt tropfen«, so Oliver Schmidt. Wo ist die Gra­nu­fink-Wer­bung, wenn man sie wirk­lich braucht?

50.

End­lich weniger müssen müssen: Das wär’s jetzt! Aber wir müssen! Allein, wir können nicht. Welche Rolle spielt hier das doch recht hohe Durch­schnitts­alter der deut­schen Mann­schaft?

50.

Rüdiger wartet so lange mit der Flanke, bis keine Flanke mehr mög­lich ist. Pro­kras­ti­na­tion für Fort­ge­schrit­tene. Ich Anfänger hätte statt­dessen nur wieder das Bade­zimmer geputzt.

55.

Kroos sucht Hum­mels, findet Orban. Da weiß er mal, wie Angela Merkel sich so oft gefühlt hat in ihrer Amts­zeit.

58.

Auch der Fan­club Natio­nal­mann­schaft inzwi­schen zuneh­mend ratlos, singt jetzt: »Es fährt ein Zug nach Nir­gendwo.« Löw schun­kelt mit. Nach­denk­liche ZDF-Fern­seh­gar­ten­stim­mung.

62

Frei­stoß Ungarn. Kroos: »Darf ich? Ist so’n biss­chen mein Hobby.«

63.

Auch Oliver Schmidt behauptet jetzt: »Selbst ein Tor machen, das bleibt der Schlüssel zum Ach­tel­fi­nale.« So langsam glaube ich wirk­lich an diese irre Theorie.

65.

Löw: »Aber den UEFA-Cup-Platz haben wir doch sicher?« Sorg: »Taxi!«

67.

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber: DANKE; FAN­CLUB NATIO­NAL­MANN­SCHAFT! Denn: TOR! Havertz! 1:1 gegen Ungarn! Wenn Freuen keinen Spaß macht! Und genauso ergeht es auch Havertz: Löw nimmt ihn runter. Damit der Junge auch ja nicht abhebt.

69.

Wenn Sie, liebe Fans, mal einen Kurs »Deutsch als Fremd­sprache« geben sollten und eine Szene brau­chen, die die Rede­wen­dung »Wie gewonnen, so zer­ronnen« illus­triert, hier ist sie: 1:2. Ein Konter nach einem Tor. Das muss man sich mal vor­stellen. Zunächst sah es so aus, als hätte ein immer noch ver­bissen über den Aus­gleich jubelnder Kim­mich es gemacht, im Über­schwang. War dann aber doch ein gewisser Schäfer, der ein­fach durch­ge­laufen ist wie ein Eier­dieb. Wie schade, dass in dieser Phase der deut­schen Fuß­ball­ge­schichte die Defen­sive noch nicht erfunden wurde. Hof­fent­lich hat Joa­chim Löws Nach­folger mehr Glück.

71.

Im Sturm jetzt Werner Müller. Ein guter Name, wenn es darum geht, das Aus­scheiden aus diesem Tur­nier abzu­heften, die Schreib­tisch­lampe aus­zu­ma­chen, den Hen­kel­mann ein­zu­pa­cken und Fei­er­abend zu machen.

74.

Die deut­sche Mann­schaft braucht unbe­dingt ein Tor«, so Sandro Wagner. Werden die soge­nannten Experten sich diesen Satz auch bei der Nach­be­rei­tung dieses Spiels immer noch um die Ohren hauen? Wie heißt es so schön: Die Hoff­nung stirbt zuletzt. Ungarn nie.

77.

Und Toni Kroos regelt immer noch den Ver­kehr im Mit­tel­feld wie ein Ver­kehrs­po­li­zist mor­gens um viertel vor einer Grund­schule in Greifs­wald. Ich sag’s ja ungern noch mal, Toni, aber falls es noch nicht ange­kommen ist: »DIE DEUT­SCHE MANN­SCHAFT BRAUCHT UNBE­DINGT EIN TOR!« Kroos: »Laaa­angsam! Jetzt hat erst mal dieser Tret­roller hier Vor­fahrt.« Die Hoff­nung, es stimmt schon, stirbt zuletzt. Aber jetzt ist sie gleich tot.

80.

Dann taucht dieser Kroos plötz­lich vorm Tor auf, als hätte er mich erhört, schießt sogar, wenn auch daneben. »Das sind die Aktionen, die wir jetzt brau­chen«, so Sandro Wagner. Genau: Hoch­pro­zen­tige Chancen ver­sieben, das ist die Devise!

82.

Löw zum ersten Mal mit zer­zaustem Schopf, sieht aus wie Kom­po­nist Don Schnulze aus der »Sesam­straße«, wenn Kermit der Frosch ihm den letzten Nerv raubt. Erschüt­ternd.

85.

Tor! Goretzka! Wer sich gewun­dert hat, warum der einst­mals zarte Junge sich in letzter Zeit solche Mus­keln ange­pumpt hat, der weiß es jetzt: ER IST DIE BRECH­STANGE! Die letzte zwar, die sich in dieser auf den Hund gekom­menen Werk­statt noch finden lässt, aber immerhin eine Stange – und sie kann bre­chen. 2:2 gegen Ungarn. Ich juble hier, damit das mal klar ist, nur unter Pro­test und Vor­be­halt.

89.

Löw winkt Werner zu sich: »Junge, wenn scho au keiner hin­guckt: Friss den Ball auf!« Werner: »Aber ich hab keinen Hunger mehr!« Löw: »Einen Bissen für Jogi, einen für Olli…« Werner: »Krieg ich dann das Play­mobil-Pira­ten­schiff?« Löw: »Sagen mer mal: absolut.«

90.

Apropos Essen: Kross macht sich an der Eck­fahne erst mal ne Fünf-Minuten-Ter­rine.

90.+2

Der wohl wich­tigste Ein­wurf der deut­schen Fuß­ball­ge­schichte. Müller macht ihn zur Chef­sache. Gän­se­haut.

90.+4

Ulti­ma­tive Rat­lo­sig­keit jetzt beim Fan­club Natio­nal­mann­schaft. Darf man ein Unent­schieden wie einen Sieg beju­beln? Kom­pro­miss­lö­sung: Jetzt singen sie »Maya hiii / Maya hoo / Maya haaah / Maya haaah haah.« Und Oliver Schmidt, nicht ganz text­si­cher, stimmt ein: »Theorie, Theorie, Theorie.«

22:57 Uhr

Und jetzt sind sie vorbei, die Tri­bute von Panik, die Hun­gary Games. Intel­lek­tu­elles Feu­er­werk-Fazit von Sandro Wagner: »Glück gehabt.« Also ich habe unter »Glück« bis­lang was anderes, irgendwie Ange­neh­meres ver­standen, als ein 2:2 gegen Ungarn mit ansehen zu müssen. Aber was weiß ich schon?

22:59 Uhr

Wei­nende Ungarn in Groß­auf­nahme. Und Jogi Löw steht am Rand wie ein Tanz­trainer, immer noch fas­sungslos, dass seine Kom­panie die aus­ge­klü­gelte CATS-Cho­reo­grafie ver­patzt hat.

23:03 Uhr

Frage an Neuer: »Können Sie uns noch mal mit­nehmen auf die Reise 90 Minuten Ungarn?« Neuer schaut drein wie ein LKW-Fahrer, dem sie am Hafen von Istanbul, nach 72 Stunden Bleifuß, sagen: »Können Sie noch mal zurück­fahren, Sie haben eine Dose Kat­zen­futter ver­gessen.«

23:05 Uhr

Frage an Goretzka: »Was muss besser werden mit Blick aufs Ach­tel­fi­nale?« Irgend­wann im Handel: Leon Goretzka, »Was besser werden muss mit Blick aufs Ach­tel­fi­nale«, Band 1 – 16, geplante Ver­öf­fent­li­chung 2032. So lange kann ich nicht warten! Ich will leben! Ich habe Familie! Gute Nacht, liebe Fans!