Liveticker
Bayern München – Borussia Mönchengladbach 2:1
Bundesliga

13:15 Uhr

Kurz mal die auf­ge­malte Uhr bestaunt: Noch gut fünf Stunden bis zum Top­spiel des heu­tigen Tages, die Domi­na­toren vom FC Bayern gegen eine ziem­lich mit­ge­nom­mene Borussia aus Mön­chen­glad­bach. Wird Hansi Flick weiter siegen? Kann ihn irgend­je­mand stoppen? Und wie steht es um das Hygi­e­nekon­zept von Ste­phan Reich? Alle Ant­worten gibt es hier ab 18:15 Uhr!

18:15 Uhr

Liebe Freunde, ganz herz­lich Will­kommen zum Live­ti­cker. Ste­phan Bulle“ Reich und Alex Ter­rier“ Raack begrüßen euch zu einem der ganz großen Klas­siker im Bun­des­liga-Fuß­ball. Bayern Mün­chen gegen Borussia Mön­chen­glad­bach. Fragt mal eure älteren Mit­bürger. Wenn die nicht nach drei Sätzen anfangen davon zu schwärmen, wie ele­gant der Kaiser Franz einst über den Bökel­berg schwebte oder welche Pässe der Netzer schlug, dann haben sie was ver­passt. Damals, die wilden Sieb­ziger. Eine Zeit, in die sich Voll­zeit­nost­al­giker wie Reich und meine Wenig­keit manchmal zurück­wün­schen. Da würden wir jetzt gerne sitzen, mit unseren Schlag­hosen in Ver­eins­farben, beide einen langen verz­wir­belten Schnauzer mit Peace-Bröck­chen im Haar, an unseren oran­genen Schreib­ma­schinen, auf den steilen Kanten im alten Bökel­berg. Are you also going to San Fran­cisco, lieber Ste­phan?

18:17 Uhr

Lothar Mat­thäus in quietsch­bunten Snea­kern. Gleich wirft er sich auf den Boden und breakt uns seinen ver­schos­senen Elf­meter im Pokal­fi­nale 84 vor. Hell­mann an der Beatbox. Sky ist the limit.

18:19 Uhr

Hasan Sali­ha­midzic im Inter­view. Freut sich schon auf Brat­wurst mit Sauer­kraut.

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18:21 Uhr

Ein paar Worte den jüngsten Vor­fällen bei Borussia Mön­chen­glad­bach und den anderen Klubs, die für ihre Anti-Ras­sismus-Kam­pa­gnen mit Hass zuge­k­ü­belt wurden: Es ist schon manchmal erstaun­lich, wenn man wieder fest­stellt, wie viele arme Schweine da draußen rum­laufen. All diese Affen­laute-Fucky­ou­g­reta­auf­kleber-daswird­man­ja­wohl­noch­sa­gen­dürfen-Men­schen. Fällt einem nichts mehr zu ein. Wie hat es schon einst der große Andy Brehme gesagt: Haste Scheiße im Hirn, haste Scheiße im Hirn.“ Liebe Glad­ba­cher, liebe alle anderen: Stark bleiben, wei­ter­ma­chen, nicht unter­kriegen lassen. Diese Men­schen haben unser Mit­leid ver­dient. Oder saßen die früher wie wir im Garten und träumten statt wie wir von einem Dasein als glor­reiche Fuß­ball-Ikone von einer Zukunft, in der sie mit hartem Herzen eine Aktion für mehr Mensch­lich­keit zuko­teten?

18:24 Uhr

Impres­sionen von 1988. Lothar und Hansi. Was ein Foto.

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18:26 Uhr

Flick Dich, DFB! Unglaub­li­cher Kar­rie­re­sprung von Hansi Flick. Den kannten wir jah­re­lang als den stillen Mann im Tower von Jogi Löw, jetzt ist er gerade auf dem Weg, einer der besten Bayern-Trainer der jün­geren Geschichte zu werden. Der macht bei dieser Mons­ter­riege genau das rich­tige: Sorgt für gute Arbeits­at­mo­sphäre. Oder muss man so einer Truppe noch sagen, wie man anständig Fuß­ball spielt? Schöne Vor­stel­lung, wie Flick Lewan­dowski im Trai­ning zur Seite nimmt und ihm rät, beim Abschluss immer schön den Ober­körper über den Ball zu bringen.

18:28 Uhr

Was ich mir heute wün­sche. Großes Tennis. Lothar Mat­thäus: Hold my beer.“

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18:30 Uhr

Dann ist es jetzt also so weit. Bayern-Glad­bach, keiner da, merk­würdig, aber ihr habt ja uns, den guten alten 11FREUNDE-Live­ti­cker. Der große alte Mann bzw. die große alte Frau unter den Fuß­ball-Live­ti­ckern. Selige Erin­ne­rungen daran, wie ich auf dem Sofa von Dirk Gie­sel­mann das erste Mal einen Live­ti­cker live begleiten durfte, und sich der Gast­geber und Kol­lege Fabian Jonas nur mit Kopf­ni­cken unter­hielten und dabei Ziga­retten drehten, ohne ihre Finger zu benutzen. Majes­tä­ti­sche Stille beim Schreiben. Im Hin­ter­grund lief Deutsch­land gegen Nor­wegen und Nor­we­gens Daniel Braaten wurde der Run­ning Gag des Abends.

Jetzt haben wir 2020, seit über einem Jahr­zehnt wird hier geti­ckert und des­wegen fühlen sich Reich und ich auch geschmei­chelt, heute für euch an der Tas­tatur zu sitzen. Ein paar pri­vate Worte dürfen erlaubt sein: Den Kol­legen sah ich das zuletzt auf meiner Hoch­zeit und davor bei meinem Jung­ge­sel­len­ab­schied auf dem Bolz­platz, wo Reich eigent­lich auf­grund kom­pli­zierter Rücken­be­schwerden nicht mit­ki­cken wollte und dann doch vier Hütten schoss. Kom­mentar eines Cel­lers, der diesen eis­kalten Voll­stre­cker das erste Mal zau­bern sah: Darf der Alte Herren?“ In diesem Sinne: Viel Freude und Buden und eis­kalte Voll­stre­cker! Anpfiff.

1.

O´pfeift is.

2.

Wun­derbar, zehn Sekunden gespielt, erst die Bayern mit 70 Meter langem Hafer, dann mit Glad­bach mit 70 Meter langem Hafer zurück. Da weht ein Hauch von Kreis­liga durchs Rund. Ich hol mir noch ne Brat und frag mal den dicken Zeug­wart, wer heute Vor­stopper spielt.

5.

Bei den Bayern heute in der Startelf: Joshua Zirkzee und Mickael Cui­sance. Schön, wie jedes Jahr sind die Bayern quasi Meister und wie jedes Jahr kehren für die letzten paar Witz­spiele die A‑Jugendlichen aus der zweiten Mann­schaft in die Startelf zurück. Toll. Nature is healing, we are the virus.

10.

Holla, erster One-Touch-Angriff der Bayern. Klack, klack, klack, klack: Schon sind die Bayern an der Grund­linie, auch wenn der Ball dann einen Tick zu weit ist. Trotzdem: So eine schöne Tiki-Taka-Pass­sta­fette, irgendwo in Man­chester guckt Pep Guar­diola mit leerem Blick ins Nichts und mur­melt Super­super“, ohne es zu merken. 

12.

Bitter, Thuram muss ver­letzt vom Platz. Ist im Rasen hän­gen­ge­blieben. Witzig, das haben wir fast gemeinsam. Ich bin wäh­rend des Stu­diums mal zwei Jahre auf Gras hän­gen­ge­blieben.

15.

Neu­haus und Kramer: Das defen­sive Mit­tel­feld der Glad­ba­cher klingt wie zwei kon­kur­rie­rende Bau­markt-Ketten. Schön: Gibt heute 30 Pro­zent auf sämt­liche Vie­rer­ketten, Flü­gel­zangen, Abwehr­riegel und Brech­stangen. 30 Pro­zent*. Nur bei Neu­haus und Kramer. 

*aus­ge­nommen Tier­nah­rung

16.

Wenn ich im Live­ti­cker einen schalen Witz bringe, aber mein Gast nicht unhöf­lich sein will.

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17.

TOOOR!! 1:0 für Glad­bach! Von wegen. Abseits sagt Köln. VAR­arscht.

19.

Wo kann ich mir eigent­lich den Sound eines im leeren Bun­des­li­ga­sta­dion getre­tenen Balles als Klin­gelton run­ter­laden? Über­haupt diese strange Akustik. Schrei­ende Männer, deren Schreien ver­hallt. Gibt es bald in jedem gut sor­tierten Medi­ta­tions-CD-Regal.

21.

Max Eberl wird immer mehr zu einer Lavalampe seiner selbst.

24.

Her­nandez mit der spek­ta­ku­lärsten Szene des Spiels. Wird unfrei­willig frei­ge­spielt, schafft es aber, statt den Ball an Sommer vor­bei­zu­schieben, an Sommer zu schei­tern und statt­dessen Bense­baini volle Lotte umzu­schrubben. Viel Schmerz in nur zwei Sekunden. 

27.

Genie und Wahn­sinn des Yann Sommer. Eben noch mit einer unglaub­li­chen Parade, jetzt spielt unbe­drängt einen Fehl­pass direkt in die Füße von Zirkzee, der aus 30 Metern direkt ein­schiebt. TOR! 1:0 für die Bayern. Assist für Sommer.

28.

Zirkzee. Maschine, der Mann. Wieder so ein junger Typ, der die Fuß­ball­welt im Sturm erobern wird. Und wieder wird es einen Haufen Jungs geben, die dann irgend­wann im Bier­garten stehen und immer wieder davon erzählen, dass sie mal in der C‑Jugend gegen den gebufft haben. So ein Glück blieb mir ver­wehrt. Ein frü­herer Kol­lege machte mal stark bei mir Ein­druck, als er erst davon erzählte, dass er in den Jugend gegen Dieter Eilts gespielt hätte und mit HP Baxxter auf einer Schule gewesen wäre. Mehr geht ja als Ost­friese nicht.

32.

103 Duelle hat es zwi­schen Bayern und Glad­bach schon gegeben. Kleines Ange­ber­wissen für die Halb­zeit: Genauso viele Län­der­spiele hat Franz Becken­bauer gemacht. Liebe Grüße von K. Luk-Scheisser

34.

1:0 für die Bayern. Jetzt muss Marco Rose was ein­fallen. Marco Rose:

36.

Und dann: TOOOR! 1:1! Her­mann bringt den Ball in die Mitte, Pavard, immerhin Welt­meister, grätscht wild rein und lenkt den Ball ins Tor. Ein so klas­si­sches Eigentor, dass man es bald an den Hälsen gereifter Mün­chener Schi­cke­ria­damen sehen wird. Alles wieder auf Null.

41.

Möchte eigent­lich für jedes Bayern-Eigentor ein eigenes Spott­lied von Nor­bert und den Feig­lingen. 

45.+1

Hüben Sommer mit dem Fehl­pass, drüben Pavard mit dem Eigentor. Halb­zeitshow dann gleich mit Mar­tina Men­ningen und Mike Carl.

45.+3

Und Pause. Ein Spiel wie von Bodo Ramelow erdacht: Alles offen. 

46.

So, weiter geht’s. In einer per­fekten Welt hat der anwe­sende Edmund Stoiber die Kabi­nen­an­sprache bei den Bayern gehalten: Wenn ihr, äh, im Umschalt­spiel, äh, die, äh, Halb‑, äh, ‑rrrrrräume, äh, äh, äh, über­ladet, äh, dann, äh, kommt ihr besser, äh, hinter die, äh, äh, Kette, in, äh, weniger als, äh, zehn, Minuten, äh, wo, äh, bin ich ei- äh, gent­lich und, äh, warum ist äh, meine Hose, äh, nass?“

49.

Flotter Beginn hier, Glad­bach erst mit dem Frei­stoß, dann mit der scharfen Her­ein­gabe. Glad­bach hier ent­schlos­sener als ein durch­schnitt­li­cher 11FREUNDE-Redak­teur in der Redak­ti­ons­küche, wenn jemand Kuchen mit­ge­bracht hat. 

52.

Mag den Boateng ja eigent­lich, aber dem tut es nicht gut, dass man ihn bei diesen Geis­ter­spielen hören kann. Hab jetzt schon diverse Male gehört, wie er Gegen­spieler anranzt, nachdem er sie nie­der­ge­mäht hat. Jetzt wird er selbst nie­der­ge­mäht, mit Ball sogar, und brüllt dann, als würde er sich als neuer Sänger von Cradle of Filth bewerben wollen. Weiß er nicht, dass die Fes­tival-Saison abge­sagt ist?

57.

Glad­bach jetzt tat­säch­lich besser. Wenn sie die Bayern noch weiter hinten ein­schnüren, landen die High­lights nachher in der Bondage-Kate­gorie bei Pornhub.

60.

Goretzka gefällt mir nicht so gut heute. Weiß auch ehr­lich nicht, warum er ange­sichts seiner Leis­tung so grinst. 

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64.

Bei den Bayern kommen jetzt Coman und Davies. Fun Fact: Würde Flick die beiden inner­orts bringen, wäre das ne Ord­nungs­wid­rig­keit und gäb ein Knöll­chen bis hin zu Fahr­verbot.

65.

Erstaun­liche Kes­sel­fli­ckerei hier heute. Hat schon einige Male gekracht und irgendwie hat das mehr Wir­kung, wenn man so eine Grät­sche auch hört. Habe dabei immer Syl­vester Stal­lone vor Augen, wie er blut­ver­schmiert nach Adriane schreit.

66.

Apropos Rocky. Etwas mehr Drama würde diesem Match gut tun, aber ohne Zuschauer kein Schau­spiel und ohne Schau­spiel kein Drama. Bitter Wahr­heiten am Sams­tag­abend.

67.

Sommer wieder mit einem Reflex, der jeden Ortho­päden zu Freu­den­tränen zwingt. Der Typ fängt Fliegen mit den Ess­stäb­chen. Jetzt muss auch Mr. Myagi weinen.

70.

Oscar Wendt macht sich bei Glad­bach warm. Ein Mann wie ein Ohr­wurm. Bei Sekunde 40 erkennt das geübte Auge übri­gens 11Freunde-Autor Ilja Beh­nisch. Klas­siker.

72.

Auf der Glad­ba­cher Bank: Co-Trainer Alex Zickler. Einst ein sicherer Kan­didat für den Sil­bernen Bravo-Otto (hinter Mehmet Scholl). Glaubt ihr nicht? Bit­te­schön:

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74.

Was ich in diesem Leben zum Glück nie machen muss: In ein Lauf­duell gegen Serge Gnabry gehen. Dann lieber von Sven Ottke ver­hauen lassen oder einen Auf­schlag von Goran Iva­nis­evic retur­nieren.

77.

Halten wir kurz vor dem Ende fest: Mal wieder hat das Geis­ter­spiel bewiesen, warum es Geis­ter­spiel genannt wird. Weil Fuß­ball ohne Fans ein­fach gru­selig ist und höchs­tens in der Kate­gorie Horror zu ertragen ist. Warum trägt Hansi Flick eigent­lich diese Hockey­maske?

78.

Wriedt kommt. Kwasi als Ersatz für Zirkzee.

80.

Wen muss ich eigent­lich bestechen, damit das Foto von Ste­phan Reich beim nächsten Bay­ern­heim­spiel auf der Gegen­grade gezeigt wird?

83.

Bei den Bayern neu drin jetzt: Kwasi Okyere Wriedt. Oder wie ich ihn nenne: Wer?!“ Memo an mich: Ich sollte mal wieder mehr Fuß­ball schauen. 

86.

Das Spiel erin­nert mich jetzt an die guten, alten Bier-Frei­tage, die wir früher in der Redak­tion eta­bliert hatten. Frei­tag­mit­tags Burger essen und dazu Bier trinken, anschlie­ßend zurück in die Redak­tion. Nie­mand hat mehr Bock, jeder macht seins, wirk­lich gear­beitet wird nicht mehr und alle sind ok damit. Würde mich nicht wun­dern, wenn man gleich jemanden über die Außen­mi­kros auf­stoßen hört.

88.

Tja, da laber ich hier rum und dann machen die Bayern eben Bayern-Dinge. Will sagen: Tor, Leon Goretzka in der 87., Vor­lage kam vom Bayern-Dusel. Glück­wunsch zu dieser und zu den nächsten 204.053.847.287.945 Deut­schen Meis­ter­schaften. 

89.

Hier Goretzka beim Feiern: 

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90.

Komm, jetzt soll der Wriedt halt auch einen machen, wenn er schonmal dabei ist. 

90.+1

Trotzdem: Mitte Juni und die Bayern sind immer noch nicht safe Meister. Was ist das denn für eine Kir­mes­truppe eigent­lich? 

90+3.

Und das war’s. Die Bayern gewinnen spät gegen Glad­bach und sind zwar noch nicht sicher Meister, aber ach, ach, ihr wisst doch auch, was Phase ist. Hoffen wir ein­fach das Beste, und das Beste aktuell ist, das Brazzo seinen Rasierer wie­der­findet und Edmund Stoiber in den rich­tigen Trans­rapid nach Hause steigt. In diesem Sinne: Schönen Abend euch.