Liveticker
Ajax – Dortmund 4:0
Champions League

20:45 Uhr

Freunde, herz­lich will­kommen zum Live­ti­cker Ajax gegen Dort­mund. Tja, und an dieser Stelle würde jetzt eigent­lich mein obli­ga­to­ri­scher Wuäh-wuäh-die-Cham­pions-League-ist-böse-Ste­phan-Reich-hasst-den-modernen-Fuß­ball-wuäh-wuäh-Sermon kommen, aber eben habe ich das Inter­view mit Steffen Baum­gart in der neuen Aus­gabe der 11FREUNDE gelesen und oh boy, ich liebe diesen Sport und vor allem alte Hau­degen wie den Baum­gart, der mir diese Fuß­ball­liebe allem CL-Abfuck zum Trotz ab und an mal zurück ins Gedächtnis hasst. Täto­wiere mir jetzt eine Schie­ber­mütze auf den Kopf und übe ein paar Urschreie vor dem Spiegel. Und dann geht’s hier los.

20:48 Uhr

Wobei, erster Downer: Die Über­tra­gung läuft als Stream auf Amazon. Kann ja viel am modernen Fuß­ball ertragen, aber dass Jeff Bezoz durch ihn NOCH rei­cher wird, ist wirk­lich nicht in Ord­nung.

20:50 Uhr

Experte auf Amazon übri­gens: Mario Gomez. Macht das sehr gut, finde ich. Oder wie Mehmet Scholl sagen würde: Ich habe Angst, dass er sich den Mund wund­redet.

20:51 Uhr

Wobei, bin mir nicht sicher, ob Mehmet Scholl das sagen würde. Glaube, der kom­mu­ni­ziert nur noch per Knurr‑, Murr- und Kläfflauten auf BildTV.

20:56 Uhr

Anyway, Dort­mund gegen Ajax also. Beson­ders für die Ajax-Innen­ver­teidger Mar­tinez und Timber, die gleich gegen Haa­land in den Infight müssen, sicher eine Grenz­erfah­rung. Wie früher bei mir in der Schule, als der vier Jahre ältere Sascha, der trotz Ober­lip­pen­flaum noch bei uns auf der Grund­schule war, mich als geeig­netes Pau­sen­prü­gel­opfer aus­ge­macht hatte. Würde mich nicht wun­dern, wenn Mar­tinez und Timber gleich mit dem Ver­trau­ens­lehrer auf den Platz kommen oder den Trainer fragen, ob sie die große Pause nicht in der Klasse ver­bringen könnten.

20:59 Uhr

Ui, voll­be­setztes Haus in Ams­terdam. Und irgendwo in Lever­kusen greift Karl Lau­ter­bach kopf­schüt­telnd zu den unge­sal­zenen Erd­nüssen.

1.

Anpfiff. Der erste kleine Sieg für alle Fans: Dort­mund mit Logo auf dem Trikot.

2.

Ich will keine wilden Spe­ku­la­tionen anstellen, aber hin­term Tor haben sich offenbar ein paar Fans beim E‑Zi­ga­rette-Anma­chen abge­spro­chen. Oder sollte ich besser sagen: ein paar soge­nannte“ Fans…

3.

Haa­land wett­be­werbs­über­grei­fend seit zwei Minuten ohne Tor.

4.

Haa­land jetzt wett­be­werbs­über­grei­fend sogar schon seit 240 Sekunden ohne Tor. Was ist los mit dem eins­tigen Wun­der­stürmer?

7.

Die Luft im Sta­dion unge­fähr so trans­pa­rent wie der Springer-Verlag, wenn nicht grade die New York Times berichtet. Ärger­lich.

10.

Ajax mit den ersten richtig dicken Mög­lich­keiten, erst schei­tert Antony, dann Blind, jeweils an Kobel. Aber wer damals die Kickers ver­folgt hat, der weiß schon lange: Gregor kann was.

12.

Ach du Schreck! 1:0 Ajax! Weil Reus trifft, nur dum­mer­weise ins eigene Tor. Der Dort­munder Kapitän ver­län­gert einen Ekel-Halb­feld-Frei­stoß per Kopf ins lange Eck. Und bräuchte nach der Aktion schät­zungs­weise keine Qua­ran­täne, weil er relativ sicher frei­willig das Haus die nächsten zwei Wochen nicht ver­lässt.

14.

Eine Anfangs­vier­tel­stunde wie ein Bun­des­tags­wahl­er­gebnis: Für Schwarz-Gelb reicht es ein­fach nicht.

15.

+++BREAKING+++BREAKING+++
Erling Haa­land hat soeben den ersten Zwei­kampf seines Lebens ver­loren.

18.

Jagut, lief jetzt zu Beginn hier nicht so dolle für den BVB. Aber immerhin wirkt Erlin Haa­land moti­viert, und das ist ja die halbe Miete.
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21.

Ganz stark, die Kopf­ball­ab­lage von Haller“, sagt der Kom­men­tator. Ich als Frank­furter sage: Seb, du fehlst mir so krass. Ich weiß, es war nicht alles ein­fach. Und na klar, wir haben beide Fehler gemacht. Aber ich denke die ganze Zeit an dich. Komm doch zurück. Komm nach Hause, Seb. Lass es uns nochmal ver­su­chen. Bitte.“

26.

Ui, ui, ui, 2:0 für Ajax, Haller legt clever auf Blind ab, der hält vom Sech­zehner drauf und nagelt das Ding ins Eck. Grö­ßeres Durch­ein­ander in der Dort­munder Defen­sive als ges­tern in der Bild-Redak­tion. Und an der Sei­ten­linie sitzt Marco Rose kon­ster­niert auf dem Feld­bett und steckt sich eine an.

30.

Nächste Chance Ajax, aber Berghuis ver­zieht knapp. Tja, Dort­mund tut sich hier aber mal so richtig schwer. Meine These: Viel­leicht liegt es an den Tri­kots, die wahr­schein­lich das Häss­lichste sind, was die Sport­tex­til­in­dus­trie jemals fabri­ziert hat. Das geht aufs Selbst­ver­trauen, wenn du so rum­laufen musst. Wir hatten früher in der Kreis­liga eine Truppe, die Frucht­zwerge“ vorne auf der Brust hatte. Da gehst du ein­fach anders in ein Spiel, weniger über­zeugt, eher, naja, ein wenig ver­schämt, den Kopf unten, irgendwie so, als wärst du lieber irgendwo anders.

32.

2:0 im Spit­zen­spiel, nach einer halben Stunde, und Chancen für drei oder vier Tore. Oder wie sie in Mün­chen sagen würden: nur?

35.

Langsam wird’s frech, Ajax spielt jetzt Hacke-Spitze und schießt alle zwei Minuten aufs Dort­munder Tor. Was bitter ist. Vor allem für den Amazon-Prime-Mikrofon-Pop­schutz von Mat­thias Sammer. Denn wenn ich mich nicht irre, hat er den soeben vor Wut zer­bissen.

37.

Der arme Marco Reus, wird beim Ver­such, einen Zwei­kampf zu gewinnen, von einem Ajax-Ver­tei­diger an der Mit­tel­linie schwin­delig gespielt. Einen mit der Situa­tion so über­for­derten Promi aus NRW habe ich zuletzt in der Ele­fan­ten­runde nach der Wahl gesehen.

40.

Immerhin: Erik ten Hag ist im Gegen­satz zu Julian Nagels­mann gnädig und fängt jetzt noch nicht an, seine Spieler für kom­mende Auf­gaben zu schonen.

42.

Groß­auf­nahme Jude Bel­lingham. Sieht ver­wirrt und fertig aus. Aber in der Hin­sicht habe ich Ver­ständnis: Mit 18 Jahren bin ich auch völlig ver­strahlt durch Ams­terdam geirrt.

43.

Und wäh­rend ich hier behäbig meine Text­chen schreibe, hat Ajax schon wieder (unge­fähr) sechsmal aufs Tor geschossen, zwölf Tunnel ver­teilt und den Ball dreimal an den Pfosten gezwir­belt. Auch mir geht es heute etwas zu schnell.

45.

Haller wird im Straf­raum gefällt wie eine Nord­mann-Tanne im Dezember, Elf­meter gibt es trotzdem nicht. Ver­mut­lich, weil mitt­ler­weile selbst der Schieds­richter Mit­leid hat.

21:51 Uhr

Kurz vor der Pause schießt Haa­land dann doch mal aufs Tor, aller­dings viel zu zen­tral. Wes­halb es bei der für Dort­mund glück­li­chen 2:0‑Führung von Ajax bleibt. Und langsam ver­stehe ich auch die Bestre­bungen, die Halb­zeit­pause beim Fuß­ball zu ver­län­gern. 15 Minuten rei­chen dem Rose heute nie im Leben.

21:58 Uhr

Fuß­ball-Live­stream bei Amazon Prime. Was mein 12-jäh­riges Ich wohl gedacht hätte, was dieser Satz bedeutet?

22:00 Uhr

Ich sag’s mal so: Ein Satz bestehend aus alt-chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen oder irgend­wel­chen Hie­ro­gly­phen wäre für mein 12-jäh­riges nicht weniger ver­ständ­lich gewesen.

22:02 Uhr

Wie man mir das mit dem Streamen und Amazon Prime damals wohl erklärt hätte? Viel­leicht so, wie mir damals fast alles erklärt wurde: Ist halt so, Junge. Und nein, nach der neuen Folge 24 darfst du nicht noch Big Bro­ther gucken, ganz egal wie ein­malig und unwie­der­holbar dieses TV-Event und wie char­mant dieser Jürgen ist!“

46.

Uff. Geht weiter und direkt zwei Chancen für Ajax. Dann langer Ball auf Haa­land auf der Gegen­seite, den Haa­land an die Latte nagelt, dann Gra­ven­berch wieder frei vor Kobel, der pariert. Leute, macht euch heute lieber einen Gin / Bach­blü­tentee extra, sonst könnt ihr bei so viel Auf­re­gung nachher nicht schlafen.

51.

Emre Can übri­gens auf dem Feld, kam rein für Nico Schulz, der in der Kabine erstmal die Kufen gefettet bekommt, weil Antony so mit ihm Schlitten fahren gegangen ist.

55.

Ui, jetzt Ber­guis mit dem Tunnel gegen Witsel per Hacke (!). Gut mög­lich, dass Ajax hier gleich zum ers­tenmal in der Geschichte ein Spiel durch tech­ni­schen K.o. gewinnt.

57.

Donyell Malen jetzt auch nicht mehr auf dem Platz. Fragen am Abend: Wenn irgendein Typ von Opta oder so jetzt Malens Sta­tis­tiken durch­geht, ist das dann Malen nach Zahlen?

59.

Du lieber Himmel, Antony mit dem 3:0. Kriegt den Ball irgendwo rechts im Straf­raum, wackelt kurz mit der Hüfte und nagelt das Ding dann ins lange Eck. Also, was Ajax hier gerade mit dem BVB macht, macht ansonsten nur der FC Bayern mit dem BVB. Oder halt Augs­burg. Oder Mainz. Oder Hof­fen­heim. Oder irgendein anderer Wurst­gegner, gegen den man gut die Meis­ter­schafts­chancen ver­dödeln kann.

60.

Was die Kameras nicht zeigen: Am Spiel­feld­rand isst Mat­thias Sammer sein Amazon-Prime-Mikrofon.

62.

Ajax, hach. Einer der Ver­eine, von dem man gerne Fan wäre, die Phi­lo­so­phie, der Spiel­stil, das Sta­dion, die Legenden, die jähr­lich nach­wach­senden Talente, dazu noch ein Bob-Marley-Song als Kur­venhit. Viel besser geht es eigent­lich nicht. Als der Fuß­ball­gott die Ver­eins-Cool­ness ver­teilt hat, so die Ver­mu­tung, hat sich Ajax ein­fach zweimal ange­stellt. Was nur nicht auf­ge­fallen ist, weil die Hertha, mein Lieb­lings­verein, den Termin ver­schwitzt hat. Ja, so muss es gewesen sein.

63.

Mit anderen Worten: Warum findet Ajax so wun­der­bare Spieler wie Antony und Hertha kauft Marco Richter?

66.

Brandt ver­sucht es zumin­dest mal. Wirkt aber hilflos wie das Sich-Wehren des kleinen Bru­ders, der vom grö­ßeren Bruder ein­fach mit dem langen Arm vom eigenen Körper fern­ge­halten wird. Kann nicht mehr lange dauern, bis die Ajax-Spieler auf den Dort­mun­dern mus­kel­reiten oder sie durch­kit­zeln.

68.

Haa­land schei­tert schon wieder aus guter Posi­tion am Ajax-Keeper. Muss sich um einen Bugg han­deln…

69.

Nun wird Dort­mund auch noch ver­höhnt. Ten Hag bringt Klaassen.

72.

4:0, Haller. Und das, was den Dort­munder Fans dazu ein­fällt:

75.

Höwedes am Mikrofon, Gomez vor der Kamera. Würde mich nicht wun­dern, wenn André Schürrle bei den Field-Inter­views später den Ton angelt.

76.

Antony geht vom Platz. Einer­seits schade, ande­rer­seits aber natür­lich völlig logisch. Denn wenn er später in den Alb­träumen der Dort­munder Abwehr­spieler fit sein will, muss er sich jetzt ein biss­chen aus­ruhen.

78.

Ich lege mich fest: Noch ein Tor, und der Over­mars ist voll.

80.

Man soll ja immer ver­su­chen, das Posi­tive zu sehen. Also: Dort­mund immer noch neun Tore besser als VVV-Venlo.
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82.

Ver­misse den Antony schon jetzt, was ein Spieler. Vor ein paar Tagen wurde ja bekannt, dass China über­ra­schend eine neue Hyper­schall­waffe gebaut und getestet hat. Ver­stehe nicht viel von Waffen, poli­ti­schen Kon­flikten oder China. Aber ich hoffe, die Chi­nesen nennen die Waffe Antony.

84.

Naja, gleich ist vorbei, dann kommt der Gomez wieder kurz ans Mikro, und dann muss er schnell wieder zu seinem anderen Job bei Amazon Prime.
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86.

Tja, weiß nicht, ob das ne gute Idee war, den Favre letzten Dezember raus­zu­werfen. Mit dem hätte man hier natür­lich auch 0:4 ver­loren. Aber da hätte man das als BVB-Fans wenigs­tens vorher schon gewusst, weil er die besten Spieler aus irgend­einem Grund ein­fach direkt draußen gelassen hätte.

89.

Julian Brandt muss vom Feld. Ich sag mal so: Läuft gerade nicht so für Julians.

90.

Par­ty­stim­mung jetzt bei den Ajax-Fans. Schade, dass die in einer Stadt wohnen, in der abends nicht so viel geht.

93.

Und das war’s, 4:0, die Dort­munder Spieler ver­lassen den Platz und gehen wahr­schein­lich umweglos in die nächste Ams­ter­damer Dro­gerie, um sich After­shave zu kaufen, weil das eben die schmerz­haf­teste Rasur seit langem für sie gewesen sein dürfte. Der­weil Jubel im voll­be­setzten Sta­dion, wir beenden jetzt mal den Ticker, damit wir gleich Three little birds“ kom­plett genießen können. In diesem Sinne, liebe Dort­munder, every little thing is gonna be alright. Heute viel­leicht nicht, aber morgen wieder. Schönen Abend.