Energie Cottbus

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Bayern München

Cottbus-Bayern im Liveticker

Drittligaabsteigerbesieger!

Der FC Bayern müht sich zu einem krampfigen 3:1-Sieg gegen Energie Cottbus, und das ganz ohne Ivan Perisic. Saß mit Tomislav-Piplica-Gedächtnisstirnband vor dem TV: Der Ticker.

20:33 Uhr

Knietief in den Nullern. Kollege Reich tickert heute in Buffalo-Schuhen, während Kollege Bock sich mit einem Loveparade-Best-of in Stimmung gebracht hat. Gleich geht's los. Mit Ede Geyer als Co-Kommentator der Herzen. Und Christian Lells besten Karriere-Szenen als Halbzeit-Show-Hologramm.

20:37 Uhr

Niko Kovac redet bei Sky über Ivan Perisic. Vor dem Spiel sagte er: »Wir wissen, wie schwierig die erste Pokalrunde immer ist und wir wissen, wie schwierig es ist, in Cottbus zu spielen.« Nun, ob er weiß, dass Pavard, Alaba, Thiago, Coman, Lewandowski, Tolisso und der große Rest des Kaders noch nie in ihrem Leben in Cottbus geschweige denn im Stadion der Freundschaft waren? Aber vielleicht hat Kovac ja heute eine Nullerjahre-Nostalgie-Aufstellung im Taktikkoffer: Kahn, Lucio, Lell, Klose. Jetzt schon: Große Vorfreude.

20:38 Uhr

Jetzt Pele Wollitz. Einige Leute behaupten ja, dass er einst erfolgreich das Alpha-Mentorin-Programm von Kollegah abgeschlossen hat. In Wahrheit hat Kollegah den Wollitz-Boss-Kurs absolviert.

20:40 Uhr

Große Hoffnung haben wir auf ein paar weitere Helden unser Jugend: Bruno Akrapovic, Tomislav Piplica oder Antun Labak. Die Chancen, vom FC Bayern verpflichtet zu werden, standen nie so gut. Auch wenn man über 30 ist.

20:42 Uhr

Apropos Nullerjahre-Energie-Spielerlegenden. Was macht eigentlich Laurentiu Reghecampf? Also, außer im Schlafanzug auf Hotelfluren spazieren zu gehen?

1.

Ein Anstoß für Fans des Anstoßes: sauber und perfekt. Ein Ball gewordener Philipp Lahm.

3.

Irritierend: Wollitz wirkt ruhiger als ein buddhistischer Mönch. Ist er es wirklich?

5.

Besonders schön, dass Rangelov immer noch spielt. Der 57 Jahre (circa) alte Cottbusser gibt uns Hoffnung, dass man auch im Alter noch gegen die Bayern auflaufen kann.

8.

Geil, das Publikum geht bei jedem Ballgewinn, bei jeder Grätsche, eben sogar bei einem erfolgreich vor dem Gegner zum Abstoß abgeschirmten Ball total ab. Das riecht schon so richtig nach 90er/00er-Jahre-Bundesliga, nach Stadion der Freundschaft und Betzenberg, nach Nasenpflastern und Synthetiktrikots, nach einer Zeit, als Bremen, Stuttgart oder wer auch immer den Bayern noch den Schneid abkaufen konnten und deren Toptransfers noch zehn Millionen Euro kosteten. Ach, wo ist sie hin, diese unbeschwerte Zeit voller Olaf Marschalls, Marco Reichs und Frank Verlaats? Muss eben in meine Bravo-Sport-Sammlung weinen gehen.

11.

Gut, wobei zumindest das Transfergebaren der Bayern wieder so ist wie in den Nullerjahren. Damals halt Hashemian und Oddo. Heute halt einfach gar keinen, weil: der sportliche Wert ist ja der gleiche.

13.

Apropos Bayern-Transfers: Auf der FCB-Bank heute übrigens unter anderem die Herren Mai, Wriedt und Singh. Mal ehrlich, liebe Bayern: Mehr Fragezeichen auf der Bank hat nichtmal Eike Immel.

14.

Schlimme Ecke von Energie. Aber gut, hätte jetzt auch nicht gedacht, dass Cottbus schöne Ecken hat.

17.

Hui, erste Großchance für die Bayern, aber absolute Mörderparade von Energie-Keeper Lennart Moser. Und irgendwo in Kroatien laufen Tomislav Piplica Tränen der Rührung den Hinterkopf hinunter.

20.

Übrigens: Wer denkt, dass Energie das Spiel hier abschenkt, der irrt. Zumindest stehen Pele Wollitz und sein Logopäde hochkonzentriert an der Seitenlinie und gehen bei jeder Aktion mit.

22.

Außer der Lewandowski-Chance ist das Spiel der Bayern in etwa so inspirierend wie Warteschleifenmusik eines Warteschleifenmusikproduzenten. Pässe, die kurz hinter Görlitz ankommen. Flanken, die irgendwo im Garten von Bruno Akrapovic landen. Und der ist gerade Trainer beim FC Europa in Gibraltar. Zur Erinnerung: Energie Cottbus spielt normalerweise gegen Optik Rathenow, Germania Halberstadt und ZFC Meuselwitz. Bayern, nun ja, gegen andere Teams.

24.

Ach ja, Stadion ausverkauft? Hinter dem Tor der Bayern kann man auf der Tribüne mehr Löcher sehen als nach einem Streik in der Zahncremeindustrie.

27.

Geiles Nuller-Jahre-Handball-Spiel jetzt: Energie mit elf Spielern vorm eigenen Strafraum, während Bayern blind anrennt – und jetzt sogar versucht, einen Elfmeter zu schinden. Fast so wie eine von diesen DSDS-Vorauswahlen. Bisschen Fremdscham ist immer dabei.

29.

Ich bin mir ein bisschen sicher: Gleich kommt Kahn von hinten angerannt und boxt den Ball ins Tor.

31.

Hätte es hier Ecke geben müssen? Die Unparteiischen sind sich einig: Weiterspielen. (Bild-Credit: Groundhopping & Ultra)

33.

Okay, nun fällt es doch. 0:1. Coman mit dem Kopf, Lewandowski mit dem Nachschuss. Aber ganz ehrlich. Hätte ich auch gemacht. Und zwar per Fallrückzieher.

35.

Trotzdem: 0:1 nach 35 Minuten ist nicht schlecht. Der HSV lag gegen die bayern diverse Mal schon nach fünf Minuten 0:17 zurück. Oder so ähnlich.

37.

Folgendes: Ein Mitarbeiter von uns hat mal Oberliga gespielt. Das ist eine Liga unter Regionalliga, in der Energie Cottbus spielt. Fun fact: Hätte auch hier und heute Abend mitspielen können, ohne groß negativ aufzufallen. Fun fact 2: Er war nicht viel besser als wir. Fun fact 3: Welcher solvente Bundesligaverein sucht zwei Typen, die mal auf einem Bolzplatz mit einem Typen gekickt haben, der mal Oberliga gespielt hat und daher fast so gut war wie ein Energie-Cottbus-Spieler?

40.

Bester Mann bis hierhin: Lennart Moser, der Energie-Keeper. Hat gerade schon wieder eine fantastische Parade hingelegt. Der Mann zeigt hier so viele Paraden, ich bin mir sicher, sein Spitzname ist "Nordkorea".

45.

Hachja, paar Minuten noch bis zur Pause. Hier mein Drehbuch: Energie jetzt mit einem Abstaubertor zum Ausgleich. Dann HAlligalli im Stadion. Wollitz mit der Ansprache seines Lebens in der Pause. Energie kommt raus und säbelt erstmal irgendwen über die Bande, um ein Zeichen zu setzen. Rudelbildung, Kopfnüsse, Doppelrot. Ein geiferndes Publikum. Energie drückt, Bayern verliert den Faden. Cottbus aber mit viel Pech, zweimal Pfosten, einmal Unterkante Latte auf die Linie. Dann die fiesen Bayern mit einem Konter in der 87., den Lewandowski über die Linie ekelt. Jubel vorm Block, Hass Hass Hass, Rudelbildung. Dann nochmal ein weiter Ball Energie, Missverständnis zwischen Süle und Neuer, Ecke, scharf geschossen, irgendein Innenverteidiger, dessen Name ich nicht kenne, schädelt den Ball ins Netz. Eskalation. Verlängerung. Pele Wollitz mit der zweiten Ansprache seines Lebens, muss danach ins Sauerstoffzelt. Abnutzungskampf, viele Chancen, keine Tore, Rudelbildung, Elfmeterschießen. Alle treffen, dann verschießt Lewandwoski und Rangelov trifft zum Sieg. Rudelbildung. Sendeübertragung. Alle ab nach Cottbus, Freibier.

45+1.

Pause. Ich sag mal so: Mit Ivan Perisic würden die Bayern jetzt 1:0 führen.

21:36 Uhr

Tagesthemen. Falls ihr sie nicht sehen könnt, hier die Zusammenfassung: Wir sind am Arsch.

21:42 Uhr

Zeitgleich in den Katakomben:
Brazzo: "He, Sie. Haben Sie die Nummer von diesem Rangelov?"
Ordner: "Wat? Ich bin hier nur Ordner."
Brazzo: Mh. Können Sie kicken?"
Ordner: "Ich bin 47 Jahre alt."
Brazzo: "Top. Ich leite alles in die Wege"

46.

Anpfiff. Oder wie es einst unter Ede Geyer hieß: Alltag.

48.

Hat Pele Wollitz in der Pause die richtigen Worte gefunden? Wir haben an der Kabinentür gelauscht. Hier ein Auszug: »Ich habe mich immer an die Pflichten und Rechte der Bundesrepublik Deutschland gehalten, ich bezahle meine Steuern.« Danach Jubel. Schön.

50.

Taz mit einem Freistoß. Was draus geworden ist? Morgen in der Bild!

54.

Berater von Taz ist, so erfahren wir jetzt, Christian Nerlinger. Also, Herr Nerlinger, wäre das nicht einer für die Bayern? Ein weiterer Fast-Neuzugang?

56.

Auf der Seitenbande des Stadions der Freundschaft erscheint der Schriftzug »Metallica«. Wirkt in etwa so, als würde bei einem Metallica-Konzert plötzlich Atun Labak auf der Bühne erscheinen und Lars Ulrich an den Drums ersetzen.

60.

Cottbus wechselt. Für einen 18-Jährigen kommt ein 19-Jähriger. Er heißt (fast) wie ein Kollege von uns: Raak. Hoffen wir, dass er auf dem Feld so gut ist wie der Kollege an der Theke.

62.

Kurzer Blick auf die Statistik: Bayern hat 80 Prozent Ballbesitz. Das sind, anders ausgedrückt, Strohrum-Werte. Dass die Gegenspieler noch nicht blind sind, nötigt uns höchsten Respekt ab.

64.

»Ein paar ganz gute Sprints waren dabei«, sagt der Sky-Mann bei der Auswechslung von Renato Sanches. Das klingt ein bisschen so wie bei mir nach der Mathe-Abi-Prüfung: »Immerhin, ein paar Zahlen hast du richtig geschrieben.«

66.

Tja, und dann das: Kingsley Coman humorloser als das neue Standup-Programm von Mario Barth. Zieht nach innen und hämmert den Ball aus 16 Metern ins lange Eck. Wird nüscht mit dem Außenseitersieg, die Bayern machen das und am Ende holen sie auch den verdammten Pokal und auch die Meisterschaft. Kennste? Kennste?

69.

Tja, jetzt wäre wohl der richtige Zeitpunkt für einen ordentlichen Wollitz-Ausraster. Andererseits: Wann ist denn dafür nicht der richtige Zeitpunkt?

71.

Übrigens, seit heute mein absoluter Lieblingsspieler aller Zeiten: Tobias Hasse von Cottbus. Heißt, wie ich fühle. Sehe ihn gedanklich schon einen arglosen Bayernspieler mit Kopfnuss niederstrecken, einen zweiten, sich beschwerenden Münchner anspucken, den Rot zeigenden Schiri schubsen, den johlenden Zuschauern den Fickfinger zeigen, sich einen rauspicken und Cantona-esk per Kungfu-Kick niederstrecken, dann wüste Schlägerei, Sirenen in der Ferne, am Horizont explodiert ein Munitionslager, Hasse schleicht sich aus dem im Chaos versinkenden Stadion, schreibt noch ein paar Falschparker vorm Stadion auf, klaut einem Kind den Lolli, fährt dann nach Hause und setzt sich zufrieden und missmutig zugleich vor den Fernseher.

73.

Ebenfalls bei Cottbus dabei: Taz. Wenn ihr einen Gag über ihn hören wollt, dann unterstützt uns:

- Ja, ich will
- Gerade nicht
- Schon dabei!

75.

Jesses, jetzt geht Dimitar Rangelov vom Feld. Dimitar. Rangelov. Auch ein absoluter Fehler in der Matrix, dass der tatsächlich wieder in Cottbus spielt. Fühlt sich an, als wäre er durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinnum im Jahre 2019 gelandet und wundert sich nun, warum seine Kumpels Stanislav Angelov, Emil Jula und Danny Galm nicht mehr zum Training kommen. Hoffe sehr, dass er nicht zufällig eine Zeitung aufschägt und sieht, was in der Weltpolitik los ist.

77.

Wer wirklich sehr beeindruckend ist, ist Niklas Süle. Da hat man nicht mal das vage Gefühl, dass der in seiner Restkarriere überhaupt nochmal einen Zweikampf verliert, so wie die bedauernswerten Cottbuser da an ihm abprallen. Der Mann könnte wahrscheinlich auch den Klimawandel aufhalten. Per Laufduell.

80.

Übrigens, falls sich jemand wundert, dass hier heute abend noch niemand den Pfosten getroffen hat. Bald ist in Brandenburg ja Landtagswahl, da trifft man die Pfosten aktuell nur an den Wahlkampfständen der AfD.

83.

»Cottbus' A- und B-Jugend spielt in der Juniorenbundesliga«, erfahren wir bei Sky. Können wir uns also darauf einstellen, dass Energie in drei, vier Jahren die Champions League aufmischt? Dass Real Madrid in die Lausitz muss? Dass Cristiano Ronaldo seine Karriere im Stadion der Freundschaft beendet? Dass Pele Wollitz Trainer des Jahrhunderts wird? Schön!

86.

3:0 für Bayern. Goretzka. Freude ähnlich hoch wie bei einer Partie »Mensch ärgere dich nicht« im Altenheim in der Spremberger Vorstadt.

88.

Zwei Minuten noch reguläre Spielzeit. Man könnte das Spiel zu Ende schauen. Man könnte aber auch mal andere Dinge ausprobieren. Zum Beispiel überprüfen, wie ausgereift diese Idee ist:

90.

Lucas Hernandez jetzt im Spiel. Schon nach 30 Sekunden die erste Ballberührung. Klärt den Ball ins Seitenaus. Toll. Jetzt schon mehr wert als 80 Millionen Euro.

92.

Elfmeter für Cottbus! Foul von Goretzka. Taz verwandelt zum 1:3 – und rennt ins Tor, um den Ball herauszufischen. Klar, verloren ist hier noch nichts. Aber irgendwie wirkt es ein wenig so wie der übereifrige Bewerber, der während eines Vorstellungsgesprächs noch seine Achtziger-Jahre-Lieblingslieder auf Panflöte intoniert. Ein bisschen zu viel des Guten.

22:39 Uhr

Aus und vorbei. Bayern gewinnt 3:1 gegen Energie Cottbus. Oder anders: Der deutsche Rekordmeister und Champions-League-Teilnehmer gewinnt mit zwei Toren Unterschied gegen einen Regionalligisten. Aber immerhin: Die Bayern haben (fast) einen neuen Spieler. Der ist zwar schon 30 Jahre alt, aber hey, wir hatten unsere beste Zeit (am Tresen) auch erst mit Mitte 30. Glückwunsch an alle Beteiligten.