Borussia Dortmund
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Slavia Prag

BVB-Prag im Liveticker

Im Schweize ihres Angesichts

Nur dank einer Weltklasseleistung von Torwart Roman Bürki bleibt der BVB in der Champions League. Blut, Schweiz und Tränen - auch beim 11FREUNDE-Liveticker.

20:45 Uhr

Willkommen, liebe Fußballfreunde an den Smartphone- und/oder Homeoffice-Geräten, wir melden uns LIVE aus zwei völlig verschiedenen Orten, aus denen völlig unabhängig vom jeweiligen Spielort getickert wird, Willkommen in der sagenhaften Welt des 11FREUNDE-Livetickers.
Heute also im Angebot: Borussia Dortmund gegen Slavia Prag. Rein namenstechnisch ganz viel Fußball und tatsächlich geht´s ja um was und zwar um was nicht zu knappes: Verliert Dortmund, ist Dortmund raus aus der Champions League und drin in der Europa League, frei nach dem Kaiser die Liga der Verlierer. Inter ist punktgleich mit Dortmund Zweiter, hat aber im direkten Vergleich gewonnen. Ihr wisst, was das bedeutet: Sieg oder Untergang, Alles oder Nichts. So weit zum Trailer. Wir hoffen auf großes Kino.

20:50 Uhr

Da steht er, Lucien Favre, dieser Schweizer mit dem vorsichtigen Blick. Bei ihm hat man das Gefühl, dass er an jeder Straßenecke stehen bleiben muss, um vorsichtig ums Eck zu linsen, ob die Luft auch rein ist oder nicht gerade ein außer Kontrolle geratener Fünfzigtonner den Fußweg entlangdonnert. Ist dieser Mann eventuell zu vorsichtig für Borussia Dortmund? Oder haben wir mal wieder überhaupt keine Ahnung, weil wir schließlich zwei Nasen am Computer sind, die sich immer noch über den Kreispokalsieg in der C-Jugend freuen, den Gipfel unserer sportlichen Schaffenskraft?

20:55 Uhr

Apropos Favre. Hat sich doch neulich der Nagelsmann verplappert und verraten, dass ihn der BVB als Trainer holen wollte. Um es mit Marcel Reif zu sagen: Herrliche Spiele unter Männern.

20:58 Uhr

Bitterböse Meldung vorweg: Axel Witsel ist deshalb nicht dabei, weil er in seiner eigenen Bude die Treppe hinunterfiel, während er sich am nicht befestigten Kindersicherheitsgitter abstützen wollte. Muss man erstmal schaffen. Statt auf sein gut gefüttertes Haupt krachte Witsel offenbar frontal auf den Boden und zog sich dabei ein paar Gesichtsverletzungen zu. Fuck! Und gute Besserung.

1.

Anpfiff. Das Westfalenstadion mal wieder Schauplatz eines Spiels, das Potential hat, noch lange in Erinnerung zu bleiben. In welcher Form auch immer. Drama, baby!

2.

Ach, Hagemann. Hatte ja auch lange mit mir gestritten, ob man einen Gag in der Meldung unterbringen kann, dass sich ein Spieler richtig böse das Gesicht verletzt hat. Habe ich dann nicht gemacht. Hätteste besser auch gemacht.

5.

Jadon Sancho mit der ersten guten Szene. Wird schwer umworben von seinen Landsleuten, verständlich, Riesenkicker. "Wir planen weiter mit ihm, er ist ein elementar wichtiger Spieler. Ich sehe kein Szenario, dass er uns verlässt." Hat Susi Zorc gesagt. Klingt nach ganz großen Emotionen. Bleiben wir gespannt.

8.

Immer noch ein Thema in Dortmund: die schwarzen "Kohle und Stahl"-Trikots, jüngster Marketinggag der Marketingmaschine vom Borsigplatz. Kosten mindestens 80 Euronen. Haben sich viele drüber aufgeregt. War aber trotzdem in Rekordzeit ausverkauft. Wie willst du diesem Fußball sagen, dass sein Stern am untergehen ist? Der lacht sich kaputt und bewirft dich dann mit Aktenkoffern voller Geld.

10.

Hat jetzt doch was Gutes, dass mein Fernseher eben abgekackt ist, bzw. die ihn versorgende Interverbindung und ich nun das Spiel auf meinem Handy gucken muss, dass angelehnt an eine Schale voller Mandarinen auf meinem Sofa steht. Von hier oben, schräg zur Seite blickend, hat das was von guter alter 90er-Optik, als wir auf dem Fernseher im elterlichen Arbeitszimmer Werder gegen Parma oder Dortmund gegen Juve bewunderten. Schade eigentlich, dass Lucien Favre keinen langen, grauen Trenchcoat trägt. Und: Wann bringt er Paulo Sousa?

11.

TOOOOORR!!!! Steilpass auf Reus, Reus auf Sancho und der schiebt ein. 1:0 für den BVB. Was flüstert da so leise aus der Ferne? Ich glaube, es ist das Achtelfinale.

13.

Schon am Feiern ist übrigens Dortmunds U19, die Jungs haben Slavias Nachwuchs mit 5:0 versohlt. Hattrick von Youssoufa Moukoko. Zur Erinnerung: der Kollege ist 15 Jahre alt. Für solche Fantasiemenschen existiert kein Raumzeitkontinuum. Der schießt den BVB mit 17 zur Meisterschaft, mit 19 zum Champions-League-Sieg und wird mit 22 Ehrenpräsident in Dortmund. Wir freuen uns schon.

15.

Dortmund spielt die Angriffe so wahnsinnig schnell, dass ich 20 Euro darauf wetten möchte, dass auf VHS vorgespulte Offensivaktionen aus den 80er-Jahren genau so aussehen werden. Wahnsinn. Und früher warn wir froh, wenn sich Guido Buchwald beim Übersteiger nicht die Haxen brach.

16.

Schön auch: Auf der einen Seite eine Mannschaft aus einem Land, das völlig ramponiert zu sein scheint, seitdem der Sozialismus seinen langsamen Todeskampf begonnen hat. Auf der anderen Seite: Slavia Prag. Und irgendwo im VIP-Bereich gründet Aki Watzke für sein schönstes Export-Weltmeister-Lächeln eine eigene GmbH.

17.

Was man vor Sanchos Tor nicht gesehen hat: Favre hat Norbert Walter-Borjans neben dem Prager Torhüter abgestellt, der diesen wiederum so lange in feinster Malocher-Robin-Hood-Dialektik belabert hat, bis der Keeper vollends überzeugt war, dass die Null jetzt wirklich mal weg muss. Man nennt es: Investitionsrisiko.

19.

Jetzt drehen sie völlig durch bei DAZN. Nach anfänglichen Problemen mit dem Stream benutzt Hagemann jetzt auch noch die Konjunktion »wenngleich«. Die wollen wohl wirklich ihr Klientel-Publikum vollständig vergraulen.

21.

Oha: Ein Mann namens Stanciu, über den Wikipedia verrät, dass er im Mai 2010 ein Probetraining beim FC Chelsea und beim VfB Stuttgart absolviert haben soll, kriegt den Ball vor dem Dortmunder Tor unfassbar geil aufgelegt und schiebt das Ding tatsächlich noch neben den Pfosten. Muss ja aber auch seinen Grund haben, dass es selbst für den VfB nicht gereicht hat.

23.

Und auf der anderen Seite: Reus. Allein vorm Tor. Kommt zum Abschluss. Direkt in die Arme des Keepers. Wirklich? Ein Mann mit angeblichem Marktwert von 50 Millionen Euro schafft es nicht, in einem popeligen Eins-gegen-Eins zu lupfen? Muss spontan an mein Treppenhaus denken, in dem seit einer Woche Hundekot liegt, obwohl ich für diese 40 Quadratmeter pure Asthma-Schnellinfektion auch 900 Euro zahle. Der Markt, meine Freunde, ist komplett im Arsch.

26.

Frage für zwischendurch: Darf eigentlich, wenn Mario Götze denn dann mal wieder spielt, auch mal sein Bruder kommentieren? Oder müssen die beiden dafür erst einen mittelmäßigen Laber-Podcast starten? Hätte da Themenideen: Reisen nach Dubai. Coole Wuschelfrisuren. Friseure für coole Wuschelfrisuren in Dubai. Hey Götzes, falls ihr dabei seid, ich mach das klar, schreibt mir einfach unter: iminternetkannmanmitallemgeldverdienensolangemannurhübschist@hässlicherklops.de

30.

Dortmund wie alte Konzertbesucher: Steht schön hoch und haben guten Überblick. Nur irgendwie geht's nicht mehr nach vorn. Das also eher wie die Lieblingsbands von alten Konzertbesuchern. Ich plädiere: Müller-Westernhagen einwechseln, jetzt!

33.

In meinem nächsten Leben wäre ich übrigens gerne Mitglied der sogenannten "Barca B-Elf". Oder der schwarze Michael Buffer.

35.

Wasne Parade von Bürki! Wäre der als Deutscher in den 70ern zur Welt gekommen, ich hätte mich gefreut, wenn sie ihn Toni Eichi genannt hätten. Mit Skandalbuch und Jackettkronen und allem drum und dran.

38.

Und irgendwo im fernen Bayern sitzt mit Geifer im Mundwinkel Oliver Kahn und fordernd im Sekundentakt Eier. Und hat ja Recht. Dortmund braucht jetzt Hoden.

40.

Dortmund schwimmt jetzt so sehr, dass Michael Groß spontan ans Fliegen denkt.

43.

Frage mich schon die ganze Zeit, wie Lionel Messi dieses Spiel guckt. Hängt er gerade mit ein paar Kumpels auf der Couch? Hat er eine Stammkneipe? Ist er inzwischen so abgewichst, dass er auf so eine Partie scheißt und lieber Pro Evolution Soccer 2010 spielt? Schreibt er sich Nachrichten mit Maradona? Übt er Freistöße im Garten?

44.

Da isses passiert. Tor. Für Prag. Und für Inter. In diesem Moment ist Dortmund draußen. So kacke kann Fußball sein.

45.

Neuer Lieblingsmensch: Jindrich Trpisovsky. Trainer von Slavia. Hoffentlich bald Bond-Bösewicht. Oder Bond selbst. Oder sein Stuntdouble. Steigt nach dem Spiel in seinen Aston Martin und knallt über die A6 in die Heimat. Natürlich mit offenem Verdeck.

Halbzeit

Nur 1:1. Dortmund hat sich ganz schön in die Hose gemacht und braucht jetzt wechselweise warme Worte und ein paar Tritte in dern Arsch. Wir machen kurz Pause und schreiben schweinische Nachrichten an den Facebook-Account von Stefan Klos. Bis gleich.

46.

Der Wiederanpfiff wie eine hitzige Kneipendiskussion: Bringt uns der Entscheidung über die nächste Runde ein Stück näher.

48.

Geil, jetzt wird's so richtig kernig. Reus dribbelt sich seinen Weg durchs Mittelfeld, Laufweg ungefähr so irre wie eine Joggingrunde über den Ku'damm, aber scheißegal, er ist Reus, er kommt durch. Und irgendein Slavia-Spieler, der nebenberuflich auch Türsteher, Zuhälter oder Cobra-11-Darsteller sein könnte, wämmst ihn so respektlos um, dass er von mir hier das Montana-Black-Ehrenabzeichen verliehen bekommt. Herzlichen Glückwunsch!

51.

Hui! Julian Brandt kriegt den Ball an der Strafraumkante, der sagt »Ja komm, wenn's sein muss, zimmer' mich halt drauf.« Und natürlich zimmert Julian Brandt, er zimmert als wäre er Tischlerlehrling und so sieht er ja auch aus, wie ein verdammter Tischlerlehrling, der am Wochenende all die hübschen Mädchen in der Dorfdisco abschleppt. Und er macht es wie alle coolen Typen mit mir damals auf der Party: Zieht direkt an diesem Pfosten vorbei. Schade. Also für mich. Und den BVB. Weiter geht's.

55.

Ich weiß, man soll sich in der heutigen Zeit selbst zur Marke machen und so: Aber ob es wirklich eine große Nachfrage auf »Peinliche Fehlpässe vor dem gegnerischen Tor gibt«, lieber Jadon Sancho? Ich bin da skeptisch.

58.

 

Die BVB-Fans singen »Wer nicht hüpft, der ist ein Schalker«. Aber wer von euch bügelt jetzt bitte Chrissi die Sprung-Falten aus dem Hemd? 



60.

Und dann: Zack. Bumm. Brandt. Kriegt den Ball von links vorgelegt, zieht im Rücken von zwei Prager Verteidigern in den Strafraum, die sich bewegen, als stünden sie in einem Becken voller Sirup. Brandt hingegen so schnell, als wäre in einem Becken voller nichts, voller gar nichts, er ist leichter als Luft, er schwebt, der Ball gehorcht, wackelt hinterher. Zusammen laufen sie im Tor ein. War das Zauberei? Hat Favre die Ehrlich Brothers in Brandts Schuhen versteckt? Egal. 2:1. Dortmund im Halbfinale. Magisch.

64.

Ach, Nobby Dickel, never change. Feiert seit 100 Jahren jeden schwarzgelben Pups mit der Begeisterung eines (0)9-Jährigen und wenn seine Dortmunder heute doch noch ins Achtelfinale der Champions League machen, wird der Nobby glücklich einschlafen und von früher träumen. 89. Pokalfinale. Werder. Hach. War dat schön.

66.

Warum haben wir eigentlich noch kein Wort über die Taubenschissgate aus der Südkurve? Dort, unter dem Dach über der größten Stehplatztribüne Europas, wohnen offenbar mehr Tauben als Dortmund Dauerkarteninhaber hat und was macht so eine Taube? So scheißt alles voll. So auch die geweihten Stehränge im Westfalenstadion. Böse Bilder, die uns da erreicht haben. Viele vollgekackte Dortmunder. In Gelsenkirchen sollen die bald im Museum hängen.

69.

Abdulla Yusuf Helal jetzt bei Slavia im Spiel. Ein 1,94-Meter-Schrank aus dem Bahrain. Wuchtet sich gleich mal in die Sturmspitze und verzieht schrankig einen Pass über drei Meter. Solche Typen werden heute eigentlich gar nicht mehr gebaut. Mario Gomez vergibt aus Solidarität eine gute Chance.

72.

Möchte alle anwesenden Dortmund-Fans ja nicht beunruhigen, aber die Kollegen vom kicker-Ticker vermelden eine Lukaku-Chance nach der nächsten. Schießt sich langsam in Positon, dieser Tresor. Eine Bude für Inter und der BVB wäre draußen. Heidewitzka, jetzt kommt doch tatsächlich so was wie Spannung auf.

74.

Boah. Drei dicke Chancen für Slavia hintereinander. Dabei ein Kopfball, freistehend, aus einem Meter Entfernung. So ein Teil noch vorbei zu köpfen ist viel schwieriger, als den ins Tor zu stirnen. Bitter für Prag, richtig Schwein für den BVB. Fühlt sich sauwohl: der Ticker.

77.

Es ist, das müssen wir mal Gegenwartskritiker ja auch mal festhalten, große Unterhaltung, was wir hier zu sehen bekommen. Hin und her und echte Spannung, Fernduell, wacklige Knie, starke Tschechen, alles dabei. Und in diesem Moment muss Julian Weigl mit Gelb-Rot vom Platz. Fehlte ja noch.

79.

 

»Natürlich darf man jetzt auch durch die deutsche Brille schauen«, sagt Hagemann. Und wir wissen alle, was das bedeutet. 

80.

Entschuldigung, ich würde ja gern etwas eloquenter daherkommen, aber: Ach. Du. Scheiße. Sancho ALLEINE vor dem Prager Tor, man denkt: »Schieß doch einfach.« Aber er schießt nicht. Er gibt ab. An Hazard. Und der mit einem Pfund, dass Anja Kohl alle Wechselkurse im Kopf umrechnen muss. Aber gehalten. Gehalten. Gehalten. Gehalten. Wenn der Kick weiter so geil abgeht, wird er bald als Drogensubstitutionsmittel in Berliner Bahnhöfen gezeigt.

84.

Noch ein bisschen mehr Spannung und Lucien Favre entdeckt seinen Puls.

86.

Toll aber auch, dass ein Prager Spieler in dieser Situationen tatsächlich einen Fallrückzieher versucht. Feinste Kreisliga-Manier. Als wenn man aus einem Hochhaus stürzt, aber für den Look noch einen Backflip probiert. 

88.

Barca führt. Aus Solidarität verteilen sie auf der Süd katalanischen Wursteintopf.

90.

Zwei Minuten werden nachgespielt. Oder wie Marco Reus sagt: »Genug Zeit für den nächsten Kreuzbandriss.«

90.+1

Was wir natürlich nicht hoffen, denn Marco Reus, er hat es heute als einer der wenigen bewiesen, ist selbst in diesen Kampf-Spielen, in denen du eigentlich auf deinem Schweiß Richtung Tor gleitest, immer noch einer der geilsten Kicker der Welt. Und dafür gönnt man es ihm doch, dass sie nun weiterkommen. Für Marco. Und sein Unterarm-Tattoo.

90.+2

Nochmal Freistoß für Prag. Vorbei. Der Schuss. Das Spiel. Das Bangen. Der BVB steht im Champions-League-Achtelfinale.

22:56 Uhr

Und jetzt ist auch klar: Abpfiff in Mailand. Es hat gereicht, gereicht für den BVB, für Favre, für Fußball-Deutschland. Wir verdrücken eine Solidaritätsträne für diese Kampfhandlung von Spiel, gegen das jede Grätsche von Christian Wörns wie eine Streicheleinheit mit Welpen ausgesehen hätte. Was sollen wir noch sagen? Wir können nichts mehr sagen, die Puste ist weg. Gehen jetzt unsere Bronchien mit ein bisschen Siegesluft aus Dortmund rehabilitieren und dann lesen wir uns ja auch schon bald wieder hier. Ja? Ja! Bis bald und gute Nacht.